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We love slow-writing and slow-reading

Herzlich willkommen auf meiner Website, die sich mit Büchern beschäftigt. Facesofbooks zeigt das Gesicht der Bücher und Autoren. Beachtet Titel und Covergestaltung, Aufmachung des Buches, berichtet über den Inhalt, stellt den Autor in kurzer prägnanter Form vor. Wir veröffentlichen Autoreninterviews, bieten Informationen über Bücher von heute und Bücher von gestern, die wichtig sind, aber nicht vergessen werden sollen. Sie finden Tipps, Rezensionen, Kurz-Kritiken, Neuigkeiten über Verlage und Autoren. Geben Sie uns auch Hinweise, was Ihnen gefällt oder mißfällt. Eine Website für Lesefans auch aus der digitalen Bücherwelt. www.facesofbooks.de

 
Herzliche Grüße,

Norbert Schreiber

Nachrichten aus Europa

Zehn Jahre ist Matthias Nawrat durch die Literaturen und Landschaften des östlichen Europas gereist. Sein Weg führte vom polnischen Opole, von wo seine Familie in den 1980er-Jahren emigrierte, zur Danziger Werft als dem Ursprungsort der Solidarność-Revolution, von Tel Aviv zurück nach Berlin und weiter nach Timișoara, Budapest, ins mazedonische Skopje, nach Minsk und bis hinter den Ural. Kurz: in die Zentren und an die Ränder des postkommunistischen Raums. Ein Reisetagebuch, ein autobiografischer Essay, eine Lektüre, die neue Erkenntnisse bringen kann. (Rowohlt)

 

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Ein Buch-Requiem für zwei Richter

Über den Mut und die Zerbrechlichkeit eines Mannes, der die Welt veränderte. „Saviano macht aus Fakten Literatur.“ Luzia Braun, ZDF Aspekte

 

Wie lebt man, wenn man weiß, dass die eigenen Tage gezählt sind? Savianos wichtigstes Buch seit „Gomorrah“ erzählt das Leben des größten Mafiajägers der Geschichte. Nicht nur als Richter, sondern auch als Ehemann, als Bruder, als Freund. Mit seinem Geldwäsche-Gesetz forderte Falcone die Mafia heraus. Als er am 25. Mai 1992 mit seiner Frau unterwegs zum Wochenendhaus ist, sprengt die Mafia sie mitsamt einem Stück Autobahn in die Luft. Es ist ein Wendepunkt in der Geschichte Italiens und Europas. Saviano, der seit Jahren unter Polizeischutz lebt, zeigt anhand von Falcones Geschichte wie demokratische Strukturen ausgehöhlt werden und wie durch Zivilcourage die Welt verändert werden kann. Ein Buch, das uns alle betrifft.

(HANSER)

 

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Fred Vargas: Jenseits des Grabes         

In Louviec, einem kleinen Ort in der Bretagne, gehen merkwürdige Dinge vor sich: Ein Wildhüter wird mit einem kostbaren Messer in der Brust tot aufgefunden. In der Nacht zuvor wollen die Alten des Dorfes den hinkenden Schritt eines Geistes gehört haben, der immer dann erklingt, wenn Unheil bevorsteht. Als Adamsberg, der legendäre Kommissar, von dem Fall Wind bekommt, ist er nicht mehr zu halten: Er steigt in die Ermittlungen ein, und sofort fallen ihm drei Flohbisse an der Leiche auf, ein Detail, das sonst niemand gesehen hat. Noch ahnt er nicht, dass dies nur der Auftakt ist zu einer Mordserie, die das Dorf erschüttern wird… (LIMES) 

AMRUM - eine Kindheitsgeschichte


Zwischen Heidekrautfeldern und dem endlosen Watt ist Nanning zu Hause: Amrum, die Nordseeinsel ist alles, was er kennt. Gemeinsam mit seinem besten Freund trotzt er der kargen Natur ab, was er kann, um während des Krieges für seine Familie zu sorgen. Sie jagen Kaninchen, fischen Schollen und tauschen ihre Beute gegen das Notwendigste. Wenn es hart auf hart kommt, hält die Gemeinschaft zusammen, doch Nanning spürt das Misstrauen ihm und seiner regimetreuen Familie gegenüber. Mit dem Tod Hitlers brechen neue Zeiten an, und für Nanning wird sich alles ändern.Amrum erzählt voll wilder Schönheit davon, was Herkunft bedeutet – und wie man lernt, den eigenen Weg zu gehen. Der Roman ist ein poetisches Zeitzeugnis, in dessen Kern eine zutiefst menschliche Geschichte steht. (Ullstein)

 

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Von der menschlichen Existenz

"Jäger ist einer der faszinierendsten Denker hierzulande." Die Welt

 

«Philosophieren heißt sterben lernen», bekannte Montaigne einmal. Er war nicht der Erste, der darauf hinwies, dass das Leben nur von der Endlichkeit her wirklich zu ergründen ist. Die «Ars Moriendi», die Kunst des Sterbens, hat eine weit zurückführende Tradition, und mit ihr untrennbar verbunden ist die «Ars Vivendi», die Kunst des Lebens, deren Ursprünge bis in die Antike reichen. Lorenz Jäger greift ein großes Thema auf und fragt in seiner ebenso klugen wie leichtfüßigen Erkundung, was die Endlichkeit für unsere Lebensführung bedeutet. Er blickt auf früheste literarische Werke wie das Gilgamesch-Epos und die Bibel, auf die fragwürdige Gelassenheit der Stoiker, das japanische Feiern der Vergänglichkeit oder die Unsterblichkeitsträume des Silicon Valley, befragt mit Georg Büchner einen Frühverstorbenen, mit Hans-Georg Gadamer oder Claude Lévi-Strauss Hundertjährige. Dabei spricht Jäger immer auch über unsere Gegenwart, über das, was unser Leben reich und sinnhaft machen kann, über unseren Umgang mit der Zeit angesichts der Endlichkeit, die Gestaltung unserer Ziele und Wünsche – ein im besten Sinne existenzielles Buch. (Rowohlt)

 

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Das Echo der Zeit


Einfühlsam schildert Jeremy Eichler die dramatischen Lebenswege und die revolutionären Werke vier der bedeutendsten musikalischen Genies des 20. Jahrhunderts: Richard Strauss, Arnold Schönberg, Dmitri Schostakowitsch und Benjamin Britten. Er lässt uns miterleben, wie sie die Erfahrungen der totalitären Epoche in ihren Schöpfungen verarbeiteten – und ein unvergängliches Zeugnis ablegten, das wie ein Echo in unsere unmittelbare Gegenwart hineinhallt.
Mit dem souveränen Wissen des Historikers und dem scharfen Auge des Romanciers, der das tief Menschliche begreift, schildert Jeremy Eichler, wie Richard Strauss, Arnold Schönberg, Dmitri Schostakowitsch und Benjamin Britten die Weltkriege und den Holocaust durchlebten. Die vier Komponisten verwandelten ihre Erfahrungen in zutiefst bewegende Musikwerke, die die verlorene Zeit widerspiegeln. Anhand vieler Zeugnisse von Schriftstellern, Philosophen, Musikern und einfachen Bürgern zeigt der Autor, wie sich das Wesen eines ganzen Zeitalters in diese Klänge und Geschichten eingeschrieben hat. Auf dem Weg dorthin besucht er für die Entstehung der Musik ganz zentrale Orte: von den Ruinen der Kathedrale von Coventry bis zur Schlucht von Babi Yar in Kiew. Während die lebendige Erinnerung an das »Zeitalter der Extreme« verblasst, erschließt Eichler neue Wege, der Geschichte zuzuhören und zu lernen. Eine Erzählung voller Einsichten und Mitgefühl, die unser Denken über das Vermächtnis des Krieges, die Gegenwart der Vergangenheit und das erneuerte Versprechen der Kunst für unser heutiges Leben belebt. Klett Cotta

 

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BERTOLT BRECHT - die Interviews

Bertolt Brecht besaß, wie ein Zeitgenosse einmal bemerkte, die „seltene Gabe, ein Gespräch mit präzisen, drastischen Formulierungen bei den Fragen festzuhalten, auf die es heute ankommt“: Wie bekämpft man die Dummheit? Was setzt man dem Faschismus entgegen? Wie sieht eine neue Welt aus? Egal welche Fragen man an Brecht hat: In diesem Buch findet man seine überraschenden Antworten.

In 91 hier erstmals versammelten, größtenteils unbekannten Interviews, die sich über 15 Länder und eine ganze Karriere erstrecken, zeigt sich der große Klassiker der Moderne als wortmächtiger Medienkünstler. Sie rücken sein Werk nicht nur in ein neues Licht  ̶  sie bilden einen unkartierten Teil dieses Werkes selbst. (Suhrkamp)

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Frische Zitronen von Fritsch

Sprachgewaltig, in packenden Bildern und Episoden erzählt Valerie Fritsch in ihrem neuen Roman von der Ungeheuerlichkeit einer Liebe, die hilflos und schwach macht, die den anderen in mentaler und körperlicher Abhängigkeit hält. Ein Entkommen ist nicht vorgesehen, es sei denn um den Preis, selbst schuldig zu werden.

 

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Die Reihe Slowenische Bibliothek -          Wieser-Verlag

Ein System der Grausamkeit - kafkaesk

Der wortgewaltige Roman Filio ist nicht daheim zählt wahrscheinlich zu den außergewöhnlichsten slowenischen Werken überhaupt. Die üppige poetische Sprache, der reiche Symbolismus und der sensible Blick der Autorin für alles Erotische und Sexuelle stechen deshalb so heraus, weil sie damit eine Anti-Utopie zeichnet, die einem Bestiarium des Wahnsinns ähnelt. Die Fabelwesen hier sind raubtierhafte Menschen, die ihr totalitäres Regime über systematische Vergewaltigung regeln. Die Männer der unteren Stadt sind die absoluten Herrscher einer Insel, die wie eine Strafkolonie für Frauen wirkt. Und doch scheint alles so vertraut und alltäglich zu sein, so unbeschwert natürlich – dass sich das Buch eigentlich wie ein trojanisches Pferd im Gedanken der Unterdrückung liest: Es sprengt von innen heraus.

 

Von Stalin zu Putin

Nach intensiver Recherche in russischen und deutschen Archiven zeichnet Christian Neef ein neues Bild der Anfangsjahre der Sowjetischen Besatzungszone nach 1945. Mag auch stellenweise ein gutes Verhältnis zwischen den Russen und der ostdeutschen Bevölkerung geherrscht haben, die Regel war es nicht. Von Beginn an malträtierte der sowjetische Geheimdienst die Bewohner des besetzten Gebietes und konterkarierte damit die Politik der von Moskau eingesetzten Militärverwaltung. (Propyläen-Ullstein Verlage)

 

Mit der Vergangenheit Zukunft verstehen

Im 16. Jahrhundert ändert sich die Welt von Grund auf. Als Christoph Kolumbus 1492 einen bis dahin unbekannten Erdteil entdeckt, entsteht zugleich der Anspruch einer europäischen Herrschaft über diese «neue» Welt; das Christentum wird zu einer globalen Religion. Gleichzeitig steht die Alte Welt unter dem enormen Druck der tief nach Europa expandierenden Osmanen, und wenig später zerfällt mit dem Thesenanschlag Martin Luthers ihre religiöse Einheit. Marina Münkler durchmisst dieses dramatische Zeitalter der Entdeckungen und Konflikte, erzählt von den «Wilden» der Neuen Welt und den «Heiligen» der Alten ebenso wie von den Auseinandersetzungen um die «Türken». Münkler schildert die Medienrevolution des Buchdrucks und die Reformation, die das Verhältnis jedes Einzelnen nicht nur zur Kirche, sondern auch zu Glauben und Heilsgewissheit vollkommen veränderte, die Geburt der modernen Naturforschung, aber auch Bauernkriege und Hexenverbrennungen. Ein Jahrhundert, das in jeder Hinsicht grundstürzend war – und das, wie Marina Münkler zeigt, viel mit uns verbindet. Ein großes Geschichtswerk über den Anbruch einer neuen Zeit, unserer Zeit.

 

Bohemien ...aber pleite  - ein Lebensstil

Else Lasker-Schüler, Richard Dehmel, Edvard Munch, Oda Krogh, Henri Murger, Franziska zu Reventlow, August Strindberg, Frank Wedekind – sie alle gehörten der Boheme an, jener künstlerischen Subkultur, die sich im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts in Paris und Wien, München und Berlin entwickelte und durch ihren freizügigen Lebensstil, ihren rebellischen Geist und nicht zuletzt ihren prekären finanziellen Verhältnisse in Opposition zur gutbürgerlichen Gesellschaft geriet. Dieses Buch erzählt ihre Geschichte. (CH Beck)

 

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Der Lärm des Lebens im Ruhrpott

In «Der Lärm des Lebens» erzählt Jörg Hartmann auf hinreißende Weise seine Geschichte und die seiner Eltern und Großeltern. Es ist eine Liebeserklärung an die Kraft der Familie – und an den Ruhrpott. (Rowohlt Berlin)

 

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Currywurst – Gehse inne Stadt, wat macht dich da Satt? Das beste vonne Welt.

Im Schatten des Vulkans                               Eine literarische Reise ins Herz Islands

 

Island, das Land der Geysire und Vulkane, birgt eine reiche Geschichte und eine einzigartige literarische Tradition. Im Schatten des Vulkans führt auf eine faszinierende Entdeckungsreise durch diese Welt der Literatur, die immer auch ein Spiegel der Lebensverhältnisse auf jener fernen, mythenumwobenen Insel war. Beginnend bei den alten Edda-Gedichten und Sagas, die die Grundlage der nationalen Identität bilden, spannt das Buch einen Bogen bis zur pulsierenden Gegenwart. 

Halldór Gudmundsson - Autor, Verleger und Leiter der Gastlandauftritte Islands und Norwegens auf der Frankfurter Buchmesse - zeigt anekdotenreich und sprachmächtig, wie dieses kleine, abgelegene Land eine bemerkenswerte Vielfalt an Stimmen und Geschichten hervorgebracht hat. »Im Schatten des Vulkans« wird so nicht nur zu einer Reise durch die literarische Geschichte Islands, sondern auch zu einer Erkundung der menschlichen Seele, die in der rauen Schönheit des Nordens lebt. Ein Muss für jeden Literatur- und Kulturliebhaber. (btb)

 

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Kafka lebt

 

Was, wenn Kafka 1924 gar nicht gestorben wäre? Bernhard Setzwein betreibt ein schräges Gedankenspiel: Sein Franz Kafka taucht in den Nachkriegsjahren in Meran wieder auf. Er arbeitet in einem Kino, von niemandem erkannt. Doch eines Nachts trifft er auf einen jungen Mann, mit dem er spontan auf eine Reise geht. (Edition Lichtung)

 

Im Ministerium der Lüge

Ein noch nie da gewesener Blick hinter die Kulissen der russischen Außenpolitik: Wie arbeitet das russische Außenministerium? Was sind das für Leute und wie denken sie, was veranlasst sie zu handeln? Wie entwickelte sich die russische Außenpolitik bis hin zum Ukrainekrieg, was trieb sie an und welche Mächte waren im Spiel?

Boris Bondarew war einer von sehr wenigen, die aus Protest gegen den Angriffskrieg auf die Ukraine den russischen Staatsdienst unter Teilnahme der Öffentlichkeit quittierten. (HEYNE)

 

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Julian Hans                   Kinder der Gewalt 


Woher kommt die ungeheuere Brutalität, mit der die russischen Soldaten in der Ukraine morden, plündern und vergewaltigen? Warum wehren sich so wenige Russen gegen den Krieg? Julian Hans, der langjährige Moskau-Korrespondent der Süddeutschen Zeitung, macht anhand von fünf spektakulären Verbrechen sichtbar, wie sich Gewalt und Erniedrigung in das Leben der Menschen gefressen haben.
(CH Beck)

 

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Literaten auf der Flucht

Uwe. Wittstock Marseille 1940. Die große Flucht der Literatur C.H. Beck
Juni 1940: Hitlers Wehrmacht hat Frankreich besiegt. Die Gestapo fahndet nach Heinrich Mann und Franz Werfel, nach Hannah Arendt, Lion Feuchtwanger und unzähligen anderen, die seit 1933 in Frankreich Asyl gefunden haben. Derweil kommt der Amerikaner Varian Fry nach Marseille, um so viele von ihnen wie möglich zu retten. Uwe Wittstock erzählt die aufwühlende Geschichte ihrer Flucht unter tödlichen Gefahren. (CH Beck)

 

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Werner Herzog Die Zukunft der Wahrheit 

Der große Erzähler Werner Herzog fragt nach der seltsamsten aller Erzählungen: der von der Wahrheit. Was ist wahr? In einer Welt, die durch Fake News, politische Manipulation und künstliche Intelligenz verunsichert ist, die auf kalte Fakten setzt und doch die Poesie und den Film erfunden hat, muss Wahrheit mehr als bloß stumpfe Empirie bedeuten. Von einem erfundenen Schlachtensieg des Pharao Ramses bis zum modernen Mythos der Entführung durch Außerirdische, von ekstatischen Momenten am Filmset bis zu seinen Begegnungen mit der Wirklichkeit durch tagelanges Gehen reiht Werner Herzog auf einmalige Weise faszinierende Überlegungen und Erinnerungen aneinander. (HANSER)

 

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Der neue GRISHAM: Die Entführung

Mit dem Kinofilm DIE FIRMA - Tom Cruise in der Hauptrolle - begann 1993 John Grishams Erfolgsstory als Schriftsteller. In einem großen Interview, das er im letzten Jahr Daniel Müller für das ZEITmagazin und Zeit Verbrechen gab, erzählt er, wie es dazu kam: "Mein Agent hatte das Buch ein paar Verlagen gezeigt, und niemand wollte es. Die großen Hollywood-Produktionsfirmen hatten damals Scouts in New York, die im engen Austausch waren mit den Verlagen. Eine von ihnen bekam von einem der Lektoren, der mein Manuskript abgelehnt hatte, den Tipp, dass sich DIE FIRMA vielleicht für einen Film eignen würde. So schickte man es nach Hollywood, und plötzlich begannen die großen Studios einen Bieterwettkampf um mein Buch. Mittendrin fragten sie sich: Weiß dieser Grisham eigentlich, dass wir um sein Buch buhlen? Dann riefen sie meinen Agenten an, der wiederum mich kontaktierte: Hey, John, Hollywood will dein Buch. Und ich so: Für wie viel? Er meinte, 400.000 Dollar wären gut. Mir wurde schwindelig. Am Ende hat Paramount den Zuschlag bekommen, für 600.000 Dollar. Ich stand unter Schock, ich hatte im ganzen Jahr zuvor vielleicht 50.000 Dollar verdient ..."

 
Nun kehrt John Grisham nach mehr als dreißig Jahren mit DIE ENTFÜHRUNG zu Mitch McDeere und seiner Frau Abby zurück.

 

John Grisham
Die Entführung HEYNE

 

Als ihn ein Mentor in Rom um einen Gefallen bittet, findet sich Mitch McDeer im Zentrum eines mörderischen Konflikts wieder. Er soll durch eine immense Lösegeldzahlung eine Geiselnahme beenden, doch die Umstände sind dramatisch. Schon bald ist nicht nur er selbst in Gefahr, sondern auch die, die ihm nahestehen. HEYNE

 

„Grisham liefert genau den packenden Thriller, den man von ihm erwartet.“ Financial Times


„Das am sehnlichsten erwartete Sequel des Jahrzehnts.“ Daily Express

Da wo THRILLER draufsteht ist auch Thriller drin bei Grisham, doch auf dem neusten Buch von ihm, das heute erscheint, steht lapidar gedruckt: ROMAN. 


Grisham, der Erfolgsautor, hat aber wieder einen auflagenverdächtigen und bestseller-erwartbaren Thriller vorgelegt, der im Gaddafi-Land Libyen spielt.

 

Mitch, der Erfolgsanwalt in der weltweit größten Kanzlei, gerät wegen einem Gefallen in einen Teufelskreis einer Entführung. 
Mitch ist froh, dass die Abschaffung jeglicher Kleiderordnung in seiner Kanzlei Erfolg hatte, und er hat es auch dick, sich um die meist erfolglosen Fälle von Kandidaten für den elektrischen Stuhl oder die Todesspritze zu kümmern. 


Sein alter Fall ist ihm noch in Erinnerung, als es um DIE FIRMA ging: „Ich musste weg? Soll das ein Witz sein? Sie haben versucht, mich umzubringen. Es sind Menschen gestorben, Willie, und die komplette Firma ist ins Gefängnis gewandert. Und die Mandanten gleich mit.“ 
 Mitch ist von einfacher Herkunft, das macht ihn sympathisch, aber er hat auch den Harvard-Abschluss, und das macht ihn erst auch erfolgreich. Einem Juristen mit Harvard-Abschluss öffnen sich viele Türen.

 

Seine Ehefrau  produziert Kochbücher und probiert  zuhause gerne mit Köchen am Küchentisch neue Rezepte aus. So sind schon 50 Kochbücher entstanden. 

 

Zurück zur Todesstrafe: Mitch beschäftigt die Frage, ob ein Staat mit all seinen Unzulänglichkeiten, Vorurteilen und seiner Anfälligkeit das Recht hat, Menschen zu töten. Noch bevor Mitch anreist, wird der Todeskandidat in der Dusche gefunden, er hat sich mit einem Elektrokabel erhängt. „Im Gefängnis ist das keine Seltenheit, aber im Todestrakt kommt so etwas eigentlich nicht vor.“ heißt es im Buch.
Es  geht in dem Fall um das türkische Bauunternehmen, Lannak. In der Wüste soll eine Brücke gebaut werden, Libyen will nicht zahlen. Mitch soll den Fall regeln, das Geld eintreiben.  Einem krebserkrankten Freund will er diesen Gefallen erfüllen. Lannak baut im Nahen Osten und Asien, Brücken, Dämme, Kraftwerke, Wolkenkratzer. Muammar al-Gaddafi will die Grundwasservorkommen unter der Sahara anzapfen. Es geht um 400 Millionen, die nicht gezahlt werden.

 

Und nun geht es Schlag auf Schlag, Menschen werden reihenweise ermordet, eine erfolgreiche junge Anwaltskollegin von Mitch, die hübsche Giovanna, wird entführt. 

 

In Libyen sind Terroristen, Verbrecher, Revolutionäre, Stammeskrieger, Fundamentalisten, Aufständische, allgemein auch einfache Banditen unterwegs, wer sind also die Entführer?

 

Und auf einem Brett lagen fein säuberlich aufgereiht die vier Köpfe.
Haskel, Gau, Abdo, Aziz. Wer hat sie umgebracht?

Fünf Wachposten getötet, Enthauptung der türkischen Personenschützer mit der Kettensäge. Dann gibt es da noch ein Team, bestehend aus ehemaligen Spionen und Experten für militärische Aufklärung, die weltweit als Supersicherheitsdienst agieren. Bei einer Geiselnahme, die Bürger westlicher Länder betrifft, sind sie die Experten. 
Gaddafi hat seit seiner Machtergreifung 1969 acht Umsturzversuche überstanden. Was will man als Leser also mehr im Roman:  Mord und Totschlag, Entführung und Geiselnahme, politische Hintergründe, weltweite Zusammenhänge, Helden und Schurken, rechtstreue Ermittler und Rechtsverdreher. Das pralle Thriller-Leben eben. Ud dann explodiert im Hauptgeschäftsviertel der Stadt auch noch eine Bombe.

 

Lieber Leser, viel mehr sei an dieser Stelle nicht verraten nur so viel noch: Die zweite Hälfte des Romans kommt nämlich noch: „Mitch, in Libyen kann man niemandem trauen.“ So ist es.

 

John Grisham ist einer der erfolgreichsten amerikanischen Schriftsteller. Seine Romane sind ausnahmslos Bestseller. Zudem hat er ein Sachbuch, einen Erzählband und Jugendbücher veröffentlicht. Seine Werke werden in fünfundvierzig Sprachen übersetzt. Er lebt in Virginia.

 

Interview (HEYNE)

 

Sechs Fragen an John Grisham 


zu seinem neuen Roman „Die Entführung“

 

1. Es ist bekannt, dass Sie Ihre eigenen Bücher nie nochmals lesen. „Die Firma“ wurde vor mehr als 30 Jahren veröffentlicht. Woher kamen die Ideen für die „am meisten erwartete Fortsetzung der Welt“?

 

„Mitch McDeere ist mir immer im Hinterkopf geblieben, aber ich hatte bisher einfach nicht die richtige Geschichte. Nun endlich, nach 30 Jahren, hatte ich das Gefühl, dass es an der Zeit war.“

 

2. Wie sieht es mit aktuellen Plänen zu einer Verfilmung von „Die Entführung“ aus?

 

„Ich würde sehr gern eine Verfilmung von „Die Entführung“ sehen, aber momentan gibt es keine Pläne dafür.“

 

3. Sie erwähnten einmal, dass Sie für die Recherche Ihrer Bücher viele Orte bereist haben. Welcher Teil Europas hat Ihnen bisher am besten gefallen, und haben Sie vor, noch einmal hierher zu kommen?

 

„Wir haben eine Wohnung in Paris und halten uns mehrmals im Jahr dort auf. Wie Sie wissen, verkaufen sich die Bücher in Europa sehr gut, und es ist wichtig, sie zu bewerben. Dieses Jahr werde ich nach Paris, Lyon, Rom und London reisen. Vielleicht geht es nächstes Jahr nach Deutschland und Spanien. Wir lieben das Reisen in Europa.“ 

 

4. Sie haben in Interviews erklärt, dass Sie jeden Tag mehrere Stunden konsequent an Ihren Büchern arbeiten. Gibt es jemanden, mit dem Sie Ihre Geschichten besprechen, oder arbeiten Sie lieber ganz allein?

 

„Ich habe keine Mitarbeiter. Schreiben ist ein einsamer Beruf, und darin liegt teilweise auch der Spaß. Ich bespreche viele Ideen mit meiner Ehefrau, und sie war schon immer eine strenge Kritikerin. Wenn ihr eine Idee gefällt, ist es sehr wahrscheinlich, dass daraus ein Roman wird.“ 

 

5. Ken Follett hat einmal erklärt, dass er versucht, alle vier bis sechs Seiten eine neue Wendung in seine Handlungen einzubringen. Haben Sie auch derartige Techniken, die Ihnen bei der Entwicklung der Handlung helfen?

 

„Nicht wirklich. Ich versuche, Tricks und Kniffe zu vermeiden, um die Leser*innen zu fesseln. Die beste Technik besteht darin, die Geschichte gründlich zu skizzieren, bevor ich das erste Wort schreibe.“

 

6. Könnten Sie sich vorstellen, die aktuellen Gerichtsverfahren gegen Donald Trump in einem Roman zu verarbeiten?

 

„Niemals. Ich habe diesen Mann satt und hoffe, er verschwindet.“ 

 

Paul Auster über das BLUTBAD-Land USA

Dies ist Paul Austers sehr persönliche Abrechnung mit der Vergottung des Waffentragens in der amerikanischen Kultur und Gesellschaft. Er erzählt davon zunächst in biografischen Vignetten, beginnend bei den Spielzeugcolts der Kindheit und den Western im Fernsehen. Es folgen die ersten Einschläge im näheren Umfeld, der von der Großmutter erschossene Großvater – lange Zeit ein Familiengeheimnis, von dem Auster nur durch Zufall erfuhr. (ROWOHLT)

 

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Canetti über Franz Kafka: "PROZESSE"

"Jede Zeile von Kafka ist mir lieber als mein ganzes Werk." - Elias Canettis Schriften über Franz Kafka


„Er ist“, notiert Elias Canetti 1947, „der Einzige, der mir wirklich nahe geht“. Und schreibt später, nur kurz vor seinem Tod: „Ich habe ihn geliebt“. Die Rede ist von Franz Kafka. Die hier zusammengeführten Schriften – bereits publizierte sowie erstmals zugänglich gemachte Materialien aus dem Nachlass – erlauben es, Canettis Äußerungen zu Kafka in den Prozess seiner Selbstvergewisserung als Schriftsteller einzuordnen. Die an Kafka verhandelten Kernthemen erweisen sich immer wieder als seine ureigensten. Erstmals zeigt und deutet dieses Buch die Bindung Canettis an diese Zentralgestalt der Moderne.

(HANSER)

 

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Michael Krügers Bücher-Bestiarium

2013 endet in München eine Ära. Michael Krüger, der langjährige Leiter des Hanser Verlags, zieht sich aus dem aktiven Verlagsgeschäft zurück. Er hat nicht nur den Verlag geleitet und die Zeitschrift Akzente herausgegeben. Als Dichter und Schriftsteller, als Kritiker, Herausgeber und Übersetzer bleibt er weiterhin aktiv. (Suhrkamp)

 

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Die Welt von gestern in Büchern für heute

Was haben Laozi, Hildegard von Bingen, Montaigne, Marx, Freya von Moltke und Bruno Latour miteinander gemeinsam? Sie alle haben Bücher geschrieben, die man auf dem Weg in die Zukunft mit im Gepäck haben sollte. In diesem Band beantworten über hundert Autorinnen und Autoren die Frage, welches Buch in besonderer Weise in die Zukunft weist, indem sie es prägnant und kurzweilig präsentieren. So entsteht eine faszinierende virtuelle "Bibliothek der Zukunft" mit bekannten Klassikern und neu zu entdeckenden Werken, die zum Stöbern, Lesen, Nachdenken und zum mutigen Handeln für eine bessere Zukunft einlädt.

"Wer in der Zukunft lesen will, muss in der Vergangenheit blättern." Der berühmte Satz André Malraux' ist hier ganz wörtlich zu verstehen als eine Aufforderung, in Büchern der Vergangenheit zu blättern, um in der Zukunft zu lesen. In diesem Band stellen über hundert Autorinnen und Autoren herausragende Bücher vor, die auf unterschiedliche Weise Perspektiven für morgen eröffnen


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33 Bände sloweninsche Literatur bei WIESER

Als die Kinder krabbeln lernten: Kindheit in Slowenien

Kindschaft ist keine Idylle. Naiv, wer glaubte, das Kind sei naiv, kindisch, wer sich ihm so nähert. In Prezihov Voranc‘ elf Kindheitsgeschichten, eindringlich und leise erzählt, erscheinen Kinder nicht als kleine Erwachsene, vielmehr sind sie (noch) ganz Mensch. Erlebnisse und Begebnisse, frühe Müh‘, schroffer Verweis, aber auch Wärme und Zuneigung an den kargen Alpenhängen, auf der Pacht, dem Keuschlerhof, am Rand des Dorfs und auf dem Weg in die Stadt – wahrgenommen im Kindblick. Keine alters (allzu)weise Suche nach der verlorenen Kindschaft, nicht die gesuchte Erinnerung, einfach aufgehobenes Leben. Maiglöckchen – das letzte Buch von Prežihov Voranc.

 

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Wenn ein Staat zerfällt, wie Jugoslawien, sind die kulturellen Ziviliationsbrüche enorm. Slowenien ein überlebender Teil, und schon entsteht die Frage, wie viel kulturelle Identität noch vorhanden ist, auf welchen Werten man aufbauen kann? 

Da ist Literatur ein Fundament, vorausgesetzt es ist noch ein Stein auf dem anderen. Als eine Art Literatur-Archäologe hat sich über die Jahrzehnte hinweg Lojze Wieser herausgestellt, der fein säuberlich mit verlegerischen Instrumenten die Unwissenheit über slowenische Literatur beiseite geräumt hat. 

 

Der Beweis zuletzt: Die Buchmesse in Frankfurt am Main, da hatte es Slowenien zum Länderschwerpunkt geschafft, und Lojze Wieser aus Klagenfurt war auch da präsent, denn den Weg dorthin hat kein anderer als Wegmacher über zahlreiche hinderliche Wegmacherkurven hinweg derart fleissig geebnet. 

 

Der mit Lojze Wieser befreundete Literaturnobelpreisträger Peter Handke hatte dereinst Florjan Lipuš Boštjans Flug
mit dem Satz geadelt: “Fast Weltliteratur”.

 

Wenn ein Staat zerfällt, wie Jugoslawien, sind die kulturellen Ziviliationsbrüche enorm. Slowenien ein überlebender Teil, und schon entsteht die Frage, wie viel kulturelle Identität noch vorhanden ist, auf welchen Werten man aufbauen kann? 

 

Da ist Literatur ein Fundament, vorausgesetzt es ist noch ein Stein auf dem anderen. Als eine Art Literatur-Archäologe hat sich über die Jahrzehnte hinweg Lojze Wieser herausgestellt, der fein säuberlich mit verlegerischen Instrumenten die Unwissenheit über slowenische Literatur beiseite geräumt hat. 

 

Der Beweis zuletzt: Die Buchmesse in Frankfurt am Main, da hatte es Slowenien zum Länderschwerpunkt geschafft, und Lojze Wieser aus Klagenfurt war auch da präsent, denn den Weg dorthin hat kein anderer als Wegmacher über zahlreiche schwierige Wegmacherkurven hinweg derart fleissig geebnet. 

 

Der mit Lojze Wieser befreundete Literaturnobelpreisträger Peter Handke hatte dereinst Florjan Lipuš Boštjans Flug
mit dem Satz geadelt: “Fast Weltliteratur”.

Unter dem Titel “Hab lang gehofft und bang verzagt” (France Prešeren 1848) legt Lojze Wieser in einem Booklet seine Anmerkungen zur slowenischen Literatur vor, unter der Überschrift: “Fast Weltliteratur. Wie das Slowenische nach Frankfurt kam und uns seit vierzig Jahren mit Erzählungen und Versen erfreut.”

Wieser macht eingangs klar, Literatur des Slowenischen gab es schon lange, bevor es die Staatlichkeit Sloweniens gab, nämlich 440 Jahre vorher schon. 

 

Wieser, der Wegbereiter sieht sich und seinen Verlag als eine Art Literatur-Landwirt: “Eine für die Öffentlichkeit nichtexistente Literatur sichtbar zu machen, bedeutet mehr als diese von einer in die andere Sprache zu übertragen. Schutt an Falschinformation, Geröll an Vorurteilen, den Herrschaften und Überlegenheitsfuchtlern musste der Boden entzogen werden. Menschen mussten gefunden werden, die aus dem Original ins Deutsche zu übersetzen im Stande sind. Aus heutiger Sicht keine allzu großen Herausforderungen. Führende Medien hatten niemanden, der diese Literatur besprechen konnte, auch hier geben wir Hilfestellung. In der Mitte der Nullerjahre begannen die ersten Gehversuche der slowenischen staatlichen Institutionen. Wir rodeten davor zweieinhalb Jahrzehnte den Boden.” 

 

Wieser schreibt im Postscriptum wie alles begann. In einem Antiquariat stöbert er, wieder archäologisch motiviert, 600 Exemplare von Ivan Cankars Buch “Der Knecht Jernej” auf, kauft sie auf und innerhalb weniger Wochen waren sie ausverkauft. 

 

Die Wahrnehmung slowenischer Literatur beginnt deutlicher, als auch der ORF zum Beispiel über »Gemsen auf der Lawine« – die Geschichte des Kärntner Partisanenkampfes von Karel Prušnik – Gašper” berichtet. 

Wieser darf bilanzieren: “Es ist, wie es ist. Wir haben im deutschsprachigen Raum ein gutes Vierteljahrhundert den Boden für die Literatur slowenisch Schreibender (und nicht nur dieser) aufbereitet, indem wir den übertragenen Worten und Bildern vertrauten; wir haben tausende Besprechungen der erschienenen Bücher initiiert, hunderte Lesungen organisiert, die Autorinnen und Autoren auf ihren Lesereisen begleitet und sie auf Buchmessen betreut und versorgt. Wir haben für diese Literaturen gekämpft, um die Schallmauern der Ignoranz zu durchbrechen. Als Reaktion darauf erhielt ich Briefbomben und Morddrohungen und musste dazu auch noch mit ungebetenen Kommentaren und Häme fertig werden.”

 

Es ist eine beeindruckende Reihe literarischer Fundsachen, die Wieser in Reihe präsentiert. Mit dem Ende der Siebzigerjahre kam es zur sichtlichen Veränderung. “Ausgehend von der Übersetzung von Florjan Lipuš, »Der Zögling Tjaž« (Residenz,1981) von Peter Handke, der Anhand dieser Übersetzung seine slowenischen Wurzeln ausgrub und gemeinsam mit Helga Mračnikar das Buch ins Deutsche übertrug. Ein regelrechter Ruck ging durch das Land.”

 

Ciril Kosmač‘s Novelle Tantadruj, mit dem Titel “Partisan und der Tod”, den Autoren Erich Prunč, Srečko Kosovel, Simon Gregorčič, Prežihov Voranc, Janez Sumper und viele viele andere, die wir in Folge auf www.facesofbooks.de noch vorstellen werden, runden das farbenfrohe Bild slowenischer Literatur ab. 

 

Farbenfroh sind auch die Cover, die in ihren Einzelteilen dann zusammengenommen ein Gesamtbild ergeben. Wieser schreibt: “ Und mit nicht wenig Stolz weisen wir darauf hin, dass, neben der Klassik um Jurčič und Stritar (Peter Einsam) und ihrer Erzählkunst, die zeitlich breit gegriffene Moderne mit Ivan Cankar und Zofka Kveder auftritt: Mit zum Teil bisher unbeachteten Übersetzungen, wie sie in den verschiedenen Tageszeitungen aus jener Zeit – von Prag über Wien bis Zagreb – breites Lesevergnügen zu wecken verstanden, mit ihrem steten Bemühen, sich auch im Deutschen zu behaupten.”

 

Zur Covergestaltung von der Künstlerin Ina Riegler heißt es in dem Booklet: “Einfach, fröhlich, naiv, farbenfroh, stark gemalt. Verwendung von heimatlichen Motiven; Ina Riegler zitiert in ihren Bildern Kekec, Heidi, aber auch Kärntner, wie Josef Winkler, Werner Berg, aber auch – im deutschsprachigen Raum – Ferdinand Hodler et al. Stichwörter: Holzhacker, Mägde, Gebären, Pferde, Ziegen, Haign, Gebräuche, Volkstracht, Frauen mit  Hörnern (Widerstand), Kitsch, Jodeln”. Die Cover symbolisieren eben Identitäten, wie ich sie eingangs erwähnt habe.  

 

33 Bände der slowenischen Literatur zu editieren erfordert Mut, Beharrungsvermögen, Durchsetzungskraft gegen viele Widerstände, da muss ein persönliches Motiv dahinterstecken: 
“Die Herausgabe dieser Reihe ist meine Verneigung, meine Verbeugung vor den Menschen, die Bücher schreiben, vermitteln, übersetzen, rezensieren, und den Menschen, die diese Bücher gerne lesen, und, vor allem ist sie meine große Verneigung vor der Sprache meiner Kindheit. Es geht um Literatur, um nichts anderes.”

 

Die Slowenische Bibliothek erschien zur Buchmesse in Frankfurt, in 32 (+1) Bänden und wurde allein von Verleger Lojze Wieser herausgegeben. Die Reihe wird sporadisch fortgesetzt.

 

Lojze Wieser "Hab lang gehofft und bang verzagt"  Zur slowenischen Bibliothek WIESER/DRAVA

 

Lojze Wieser: Geboren 1954, lebt als Verleger in Klagenfurt/Celovec und legt den Schwerpunkt seines Programms auf südosteuropäische Literatur. Die Reihe Europa erlesen und die Wieser Enzyklopädie des europäischen Ostens erreichten Kultstatus.

 

LINK

 

https://www.wieser-verlag.com/reihe/slowenische-bibliothek/

 

 

Viktor Jerofejew: Der Große Gopnik

Der Aufstieg eines Halbstarken – ein Feuerwerk. Der Eine stammt aus der Gosse – der Andere von der Nomenklatura ab und wird Dissident. Diese russische Mischung ist aktuell und brisant, virtuos und brillant. Viktor Jerofejew, 1947 in Moskau geboren, rechnet mit dem fünf Jahre jüngeren Wladimir Putin aus Sankt Petersburg in seinem Roman „Der Große Gopnik“ ab und zieht dafür alle Register von der Dokumentation zur Persiflage, vom Porno zur autobiografischen Selbstinszenierung und Familiengeschichte, von Verhöhnung zur Verniedlichung.

 

In 181 literarisch unterschiedlich gewichtigen meist nur wenige Seiten umfassende Schnipseln schlägt der nach dem Beginn des russischen Krieges gegen die Ukraine nach Berlin emigrierte Autor in rasantem Tempo teilweise schrille Töne an. Er lässt überraschende Protagonisten Kabinettstücke vorführen: Von der Singer Nähmaschine seiner Großmutter bis zu seiner erfundenen, mit allen erotischen Wassern gewaschenen Schwester O.

 

Im Mittelpunkt steht der Große Gopnik, der in allen Einzelheiten dem wirklichen Putin entnommen wird. Als Exkrement Stalins wird er eingeführt, als Fortsetzung des Stalinismus mit putinisierten Mitteln wird er gezeichnet. In der ersten Hälfte des Romans widmet Jerofejew ihm in einer Wiederholung einer Hooligan-Szene auf einem Hinterhof in Sankt Petersburg ein blutiges Beispiel für die Jugend seines Gopnik. Der Begriff steht im Russischen für einen Rowdy von der sozialen Borderline. Als ob die Herkunft alles erklärte! Er aber erklärt am Ende seines Spiels mit der Vergangenheit: „Die Kindheit kennt keine Kompromisse. Ich muss was essen. Fahren wir“. Eine schwarze deutsche Luxuslimousine bog langsam in den vergammelten Hinterhof ein.

 

Der Autor nutzt seine Abrechnung auch zu einer Darstellung seiner selbst. Als Sohn des sowjetischen Kulturattachés an der Botschaft in Paris erfährt er die westliche Welt von klein auf. In einem fiktiven Gespräch seines Vaters mit Stalin bezeichnet dieser die Oktoberrevolution als weniger heroischen „Umsturz“. In Paris ist das vom Autor gezeichnete Selbst selbst ein Schwerenöter, wie es Söhne reicher Eltern eben manchmal sind. Später als junger Schriftsteller spielt dieses Ich seine historische Rolle als Initiator eines nur im Ausland veröffentlichten Dissidenten-Almanachs. Der dient als Gegenbeispiel für zwei Entwicklungen: Der Eine rebelliert gegen eine Gesellschaft, um die Wahrheit zu veröffentlichen – der Andere rebelliert gegen die Wahrheit, um die Gesellschaft gleichzuschalten.

Zwischen die nummerierten, nicht fortlaufend zusammenhängenden Kurztexte flicht Jerofejew jeweils unter dem Datum des 24. Februar, des Datums des russischen Überfalls auf die Ukraine, wiederum unterschiedliche Gedanken, Empfindungen und Kommentare zu diesem Krieg ein. Die sind manchmal bewusst oder auch gekonnt albern, im Buch kursiv abgesetzt: „An Verstopfung leidend saß er nicht den ersten Tag auf dem Topf, nicht die erste Woche, nicht das erste Jahr, bis er sich am 24. Februar die Kloschüssel runterspülte. Mein Arsch riecht nach Erdbeeren.“

 

Einen Schwerpunkt im zweiten Teil des Romans bildet der etwas längere Abschnitt über den „Zankapfel Krim“. Hier holt Jerofejew gedanklich weit aus, ohne ins historische Detail zu gehen und ruft mit Balaklawa die unentschiedene Schlacht von 1854 im Krimkrieg auf. Literarisch großartig zieht er die „roten Linien“ der britischen Infanterie gegen die überlegene russische Kavallerie in dieser Schlacht zu den „roten Linien“ des Westens im gegenwärtigen Krieg gegen die Ukraine heran. Wie an dieser Stelle als auch bei vielen Namen aus der sowjetisch-russischen Geschichte hätte man sich einen Kommentar gewünscht. Ob dieser sehr russische Roman nicht nur im aktuellen Umfeld Bestand haben wird, muss die Zeit zeigen. Als historische Quelle für Putin oder die Zeitgeschichte ist er jedenfalls nicht gedacht. Auch nicht als Prophezeiung – jedenfalls nicht mit dem am Schluss stehenden Knopfdruck für den Atombombenabwurf über London, New York, Paris und Berlin.

 

Als Beleg, wie literarisch mit einem Bruch des Völkerrechts umzugehen ist, wirkt er wie ein notwendiges Zeichen, ohne den literarischen Höchststand eines Nabokov oder die philosophische Tiefe eines Dostojewskij zu erreichen. Aber Jerofejew steht für Phantasie, Tempo, gepflegte Vulgarität und den unbedingtenu Willen, den Großen Gopnik zu stellen.

 

Harald Loch

 

Viktor Jerofejew: Der Große Gopnik   Roman

Aus dem Russischen von Beate Rausch

Matthes & Seitz, Berlin 2023   614 Seiten   28 Euro

 

Viktor Jerofejew, 1947 in Moskau geboren, wurde weltweit bekannt durch seinen 1989 erschienenen und in 27 Sprachen übersetzten Roman Die Moskauer Schönheit. 1979 wurde er wegen seiner Beteiligung an der Literaturanthologie Metropol mit von der Zensur verbotenen Texten verschiedener Autoren aus dem Schriftstellerverband der UdSSR ausgeschlossen. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion gab er diesen von ihm als »Röntgenapparat, der die ganze Gesellschaft durchleuchtete« bezeichneten Almanach in einer Reihe neu heraus. Zudem ist er Herausgeber der ersten russischen Nabokov-Ausgabe. Er schreibt regelmäßig für die New York Times Book Review, DIE ZEIT, die FAZ und DIE WELT und gilt als kritischer Intellektueller wie auch als einer der bekanntesten russischen Gegenwartsautoren.

 

 

Pressestimmen: 

 

»Dieser Roman ist poetische Epiphanie und Realsatire zugleich, die einzig angemessene literarische Form, um ein Land zu fassen, dessen politischen Grundmodus Jerofejew passend ›magischen Totalitarismus‹ nennt.« – Ijoma Mangold, Die Zeit

 

»[Jerofejews] diagnostisches Spiegelbild seiner Heimat und deren Machthaber ist der Roman der schicksalhaften Stunde.« – Kerstin Holm, Frankfurter Allgemeine Zeitung

 

Bernhard Schlink  Das späte Leben  Diogenes 


Die Hauptfigur Martin hat nur noch wenige Monate zu leben. Bei einem Arztbesuch kann er sich errechnen, dass es genau genommen nur noch 12 Wochen sind. Was macht diese Information mit seinem Leben? Und vor allem mit seiner Liebe zu einer jungen Frau, mit der er einen sechsjährigen Sohn hat. 


Wie werden die letzten Tage verlaufen? Gelingt es ihm, das Leben loszulassen? Was wird er hinterlassen? Dieses späte Leben steckt voller Melancholie, Überraschungen, aber auch neuen Herausforderungen. 
Muss er sich jetzt plötzlich beeilen? Gibt es für diese Lebensführung im letzten Lebensabschnitt ein Rezept? Der Arzt diagnostiziert Bauchspeicheldrüsenkrebs. Der 76 jährige wollte zwar nicht ewig leben, aber doch gerne auf eine gewisse Weise noch etwas weiter existieren. 
Experimentelle Behandlungsmethoden lehnt er ab, denn sie sind eine Quälerei und bringen nicht viel, wie er meint. 


Sein Leben bisher war voller Vorhaben, Verpflichtungen und Verabredungen. Diese Phase hat auch etwas sehr Normales. Das Paar geht ins Kino, erlebt Sinnliches in der Waschstraße, sogar die gemeinsamen Nächte mit Sex bleiben innig. Nach und nach kommt Martin auch in einen intensiveren Dialog mit seinem Sohn? 


Er möchte ihm etwas hinterlassen. Vielleicht ein Video. Vielleicht einen Brief. Vielleicht symbolhafte Gegenstände. Martin lebt in einem Alltag der Erschöpfung. Seinem Sohn erfindet den Begriff Papa sei müdekrank. 
Immer wieder sucht der Vater ein innigeres Verhältnis zu seinem Sohn zu entwickeln. In den Briefen gibt er ihm Ratschläge. In den Dialogen mit seiner Frau öffnet er sich langsam. Obwohl er sich müdekrank empfindet, Schmerztabletten nimmt, spürt er immer wieder dennoch, die Kraft des Begehrens. 


In Diogenes-Büchern spielt häufig die Malerei eine Rolle? Die Frau des Protagonisten ist Malerin und arbeitet oft im Atelier. Martin selbst findet zu dieser Form der Kunst keinen rechten Zugang. 


In den Briefen an seinen Sohn tauchen immer wieder Sätze auf, die einen nachdenklich machen. "Der Tod kommt, wann er kommt, zur rechten und zur falschen Zeit." Oder: "Der Tod ist nicht gerecht." 
So vergeht die kurze Zeit im "späten Leben" sehr schnell bis auf das Ende hin. Doch dann bricht eine Überraschung die Dramaturgie des Romans. Ulla hat ein geheimes Verhältnis. Aber jetzt spürt Martin plötzlich einen Stachel. War das Eifersucht? Er wollte nicht eifersüchtig sein, er macht sich auf die Spur seines Gegenspielers, sucht ihn sogar auf und führt mit ihm ein kurzes Gespräch, offenbart sich sogar seiner Frau? "Sie roch nach Sex." 


Wie dieser neue Roman von Bernhard Schlink zu seinem Ende findet, sei hier an dieser Stelle nicht verraten. Schließlich kommt Schlink auch zu der Erkenntnis: " Erwachsene trauen der Liebe nie wirklich." 
Es ist ein berührender Text. Über das Leben. Über den Tod. Über die Liebe. Und das Ende von allem. Zitat: "Man macht dies.Und macht das, und am Ende war's ein Leben. Mehr nicht." 

 

Bernhard Schlink, 1944, Jurist, lebt in Berlin und New York. Sein erster Roman ›Selbs Justiz‹ erschien 1987; sein 1995 veröffentlichter Roman ›Der Vorleser‹, in über 50 Sprachen übersetzt, mit nationalen und internationalen Preisen ausgezeichnet und 2009 von Stephen Daldry mit Kate Winslet unter dem Titel ›The Reader‹ verfilmt, machte ihn weltweit bekannt.

 

 

Putin und die überforderten Deutschen

Eigentlich war niemand besser vorbereitet. Keiner weiß mehr über Angriffskriege. Keiner hat je lauter seine Geschichte befragt. Aber als Vladimir Putin die Ukraine überfiel, boten die Musterschüler der Vergangenheitsbewältigung ein diffuses Bild. Um die ganz großen Worte nie verlegen, aber unberechenbar in ihrem Tun, verunsichern die Deutschen seither ihre Verbündeten und irritieren noch ihre Feinde. Und die Deutschen selbst? Sie zerfallen: Die einen wissen jeden Tag aufs Neue genau, was zu tun ist. Die anderen belustigen sich in Dauerpolemik oder haben noch gar nicht aus der Schockstarre herausgefunden. Ganz zu schweigen von den Propheten, die mit unheimlicher Begeisterung schon wieder Geopolitik diskutieren, als wär's ein Schachspiel. 

 

Kriegszeiten sind Wahrheitszeiten, sagt die Philosophin Bettina Stangneth. Die Deutschen sind schlicht nicht das, was sie in den Augen anderer gern wären. Bei aller Neigung zur Selbstbespiegelung gelingt es ihnen nicht einmal, aufrichtig in den Spiegel zu sehen. Aber wenn eine große Wirtschaftsmacht sich anschickt, auch noch eine der größten Armeen der Welt aufzustellen, dann muss die Welt sich zu Recht fragen, warum die Deutschen so große Probleme damit haben, sich als verlässliche Partner zu erweisen. (Rowohlt) 

 

Man kann sich dem Krieg in der Ukraine auf vielfältige Art und Weise nähern, als Soldat und Kriegsteilnehmer, auf welcher Seite auch immer, als Krisenberichterstatter, als Politiker zu Besuch an der Front oder in Kiew, als Militärexperte in Talkshows, als Gastkommentator in der Presse, als Militärhistoriker oder aber eben als Philosoph. 

Dann denkt man das könnte spannend werden. „Kriegszeiten sind Wahrheitszeiten“, schreibt die Autorin, dabei wissen wir doch, dass nie so gut gelogen wird wie in Kriegszeiten.

 

Stangneth diagnostiziert die “deutsche Ängstlichkeit”, denn unser Volk ist schon deshalb ängstlich, weil es in der Geschichte viel Schuld auf sich geladen hat.  

 

Ja, wir wissen schon, die Philosophin hat ein bedeutendes Werk zu Adolf Eichmann geschrieben, mit großer öffentlicher Resonanz. Auch über Immanuel Kant, sie kennt sich aus im Antisemitismus, sogar über Sex als Kulturleistung hat sie referiert.  

 

Weil wir "zögern und zaudern" in unserer Ukrainepolitik, so urteilt Stangneth, entsteht ein „schamloses Scheitern zwischen Aktionismus und Schockstarre“. 

 

Unsere Orientierungslosigkeit schwankt zwischen “vollundigen Zusagen mit kurzer Halbwertszeit” und einem “Vorpreschen  oder Bedenken äußern. “...ein Ende der Blamage ist kaum zu erhoffen”.  

Zuweilen greift die Essayistin aber auch an anderer Stelle in den Binsen-Koffer, etwa so: “Doch Krieg überfordert alle Menschen”. Oder über die falsche Putineinschätzung: “Irgendwann werden wir viel darüber reden müssen.” 

 

Wie wir hätten antworten sollen, bleibt offen, wie die Politik vorher gegenüber Putin hätte aussehen wollen, darauf bleibt die Philosophin eine Antwort schuldig und in ihren Thesenbegründungen oft vage. Auch in ihrem Schlussatz: “Das Eingeständnis einer Überforderung ist keine Ausrede. Es ist ein Versprechen.” 

Und was heißt das jetz wieder? 

 

Danach folgt nämlich nichts mehr in dem 135 Seiten Text. Könnte sein, dass dieses Buch zu früh erschien, als alles noch im unbestimmten Fluss war, vielleicht springt es auch in der Essay-Form zu kurz. Oder die Philosophie bietet nicht das entsprechende Instrumentarium, um Bombennächte zu analysieren.  

 

Bettina Stangneth Überforderung Putin und die Deutschen Rowohlt 

Nachdenken über Russland -                            Im Widerschein des Krieges

Kaum jemand hat in den vergangenen Jahrzehnten das deutsch-russische Geflecht aus historischen Erfahrungen, machtpolitischen Interessen und ideologischen Fieberträumen intensiver erforscht als Gerd Koenen. Im Widerschein des neuen Krieges, der viele alte Fragen wieder aufwirft, begibt er sich auf eine Spurensuche, die uns von der zynischen Partnerschaft in der Zeit des Hitler-Stalin-Paktes bis zur Freund-Feind-Propaganda unserer Tage und von den Gründern von «Memorial» bis zu den Spin Doctors Putins führt.
Was hat Putin und die um ihn gescharte oligarchische Machtelite dazu getrieben, einen ebenso mörderischen wie selbstzerstörerischen Angriffskrieg zu beginnen? Welche langfristigen Ziele verfolgt Russland? Und warum hat sich zwischen ihm und seinen westlichen Nachbarn erneut ein tödliches Spannungsfeld aufgebaut, das ganz Europa in eine Gefahrenzone verwandelt? In seinem neuen Buch bündelt Gerd Koenen sein jahrzehntelanges Nachdenken über Russland zu einer ebenso differenzierten wie schonungslosen Bilanz. (CH Beck)

 

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Russland - der Fluch des Imperiums

Russlands imperiale Vergangenheit ist der Schlüssel, um Putins Überfall auf die Ukraine und seine antiwestlichen Obsessionen zu verstehen. Der renommierte Osteuropa-Historiker Martin Schulze Wessel stellt den Krieg in den langen Kontext der russischen Expansion nach Westen und beschreibt, wie das Ausgreifen in die Ukraine und die Teilung Polens seit dem 18. Jahrhundert einen Irrweg in der russischen Geschichte begründeten, der als "Fluch des Imperiums" bis heute fortwirkt. Dabei zeigt er, wie eine fatale Ideenwelt entstehen konnte, die noch im 21. Jahrhundert in den Köpfen der Moskauer Führung spukt. Deutschland hat sich nach 1945 von seinem Fluch des Imperiums befreit und sich in Richtung Westen geöffnet. Russland steht dieser Weg noch bevor.


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RUSSLAND ein Blick ins Innere

Die beiden Moskau-Korrespondenten arbeiten während einer „Spezialoperation“, aber ureigentlich befinden sie sich konkret in einem Krieg. Ihre Aufgabe ist die Berichterstattung für Hörfunk und Fernsehen aus Moskau in Richtung Österreich zu leisten. Für den Hörfunk und das Fernsehen. Die beiden Korrespondenten erzählen in ihrem neuen Buch vom Leben der Menschen unter Kriegsbedingungen. Ein am konkreten Alltag orientiertes Bild wird gezeichnet. Sie schreiben vom Kriegsbeginn an, was sie Tag für Tag erleben, wen sie treffen, wie die Menschen die Geschehnisse einschätzen. Die beiden Buchautoren empfinden sich nicht als Kriegs-Berichterstatter, denn Sie sind nicht in den Schützengräben in der Ukraine unterwegs.  Das Buch ist eine anschauliche Innenansicht Russlands. Da geht ein Land als Aggressor in die Weltgeschichte ein, und wir sind Augen- und Ohrenzeuge. Der Leser erfährt auch sehr hautnah, was es heißt unter der Zensur zu arbeiten und wie es dennoch gelingen kann, eine kritische Haltung zu bewahren. Lehrreich, wie die russische Bürokratie die Journalisten bei der Einreise an den Flughäfen drangsaliert, wie subkutan Einfluss genommen wird. 


Beide Korrespondenten wechseln sich als Kapitel-Autoren ab. Sie besuchen auch die Provinz, um ein Bild jenseits der Kapitale Moskau oder Leningrad zu zeichnen. Wir erfahren vom Grauen in Mariupol, vom Kaltstellen der Opposition, vom Innenleben der Wagner-Söldnertruppen. Vom Ende der Meinungs- und Redefreiheit, von einer tief gespaltenen Gesellschaft. 


Im Nachwort werden die Autoren in der in einem Nachwort am Ende dann doch gebotenen Kürze politisch. Sie sprechen von der Unvorhersehbarkeit der Lage, und von der Schuldfrage, die eines Tages gestellt werden wird. Die Stärke des Buches ist die Nähe zu den Menschen und deren Schicksal, die Schwäche, die politische Analyse fällt mehr als knapp aus, aber vielleicht war ja genau das gewollt.


Paul Krisai/Miriam Beller RUSSLAND VON INNEN Leben in Zeiten des Krieges Zsolnay

 

Paul Krisai wurde 1994 in Mödling bei Wien geboren und studierte Journalismus in Graz und Sankt Petersburg. Seit 2019 ist er Korrespondent im ORF-Büro Moskau, das er seit 2021 leitet. 2022 wurde er mit dem Robert-Hochner-Sonderpreis ausgezeichnet und zu Österreichs Journalisten des Jahres gewählt.

 

Miriam Beller, geboren 1988 in Vorarlberg, hat in Wien und Irland Internationale Entwicklung studiert, absolvierte anschließend die ORF-Akademie und berichtet seit 2021 als Korrespondentin für den ORF aus Moskau. 2022 wurde sie mit dem Robert-Hochner-Sonderpreis ausgezeichnet.

 

Russlands Revanchismus

Kaum einer kennt Russland besser als Michael Thumann, der seit über 25 Jahren aus Osteuropa für die ZEIT berichtet. Er legt nun ein atemberaubend geschriebenes Buch vor, das Russlands Absturz in eine zunehmend totalitäre Diktatur und den Weg in Putins imperialistischen Krieg aus nächster Nähe nachzeichnet. (C.H.Beck)

 

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Reportieren über Kriegsverbrecher - Nürnberg'46

Wohl nie waren so viele berühmte Schriftsteller und Reporterinnen aus aller Welt unter einem Dach versammelt wie in Nürnberg 1946. Sie kamen, um zu berichten: von den Gräueln des Krieges und des Holocaust, die dort vor Gericht verhandelt wurden. Sie wohnten und schrieben auf Schloss Faber-Castell, diskutierten, tanzten, verzweifelten, tranken. Uwe Neumahr erzählt ihre Geschichte in seinem aufregenden und bewegenden Buch.Uwe Neumahr Das Schloss der Schriftsteller Nürnberg ´46 Treffen am Abgrund. (C.H.Beck)

 

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Was kommt nach Putin                                Russlands toxische Gesellschaft 

Als Russland am 24. Februar 2022 die Ukraine angriff, schien das großen Teilen der russischen Gesellschaft egal zu sein. Das ist nicht überraschend. Seit Jahren wird das russische Expansionsstreben davon begleitet, dass gesellschaftlich das Recht des Stärkeren gilt. Gewalt wird von vielen als Mittel der Politik akzeptiert. Gesine Dornblueth und Thomas Franke erklären, wie es dazu kommen konnte. Ihre Reportagen und Analysen führen uns durch drei Jahrzehnte, in denen nationalistische Kräfte über Verfechter demokratischer Werte die Oberhand gewannen. Dabei wird deutlich: Der zukünftige Frieden in Europa hängt davon ab, ob wir Russlands Gesellschaft richtig verstehen und entsprechend handeln. (Herder) 

 

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Über einen notwendigen Krieg                  Warum das System Putin besiegt werden muss 

Schon auf dem Titel dieser kleinen Broschüre steht, was die ehemalige Korrespondentin des ORF in Moskau, Susanne Scholl, von dem Angriffskrieg gegen die Ukraine konkret hält: „Krieg ist dumm! Krieg ist keine Lösung! Krieg ist ein Verbrechen! Und trotzdem gibt es Kriege, die geführt werden müssen.“

 

Susanne Scholl gibt gleich eingangs zu: „Ich habe mich geirrt.“ Sie hatte nicht geglaubt, dass Putin zum Äußersten gehen würde. Nicht geirrt, so meint sie, habe sie sich in ihrer Voraussicht, dass die Menschen sich sehr schnell an den Krieg gewöhnen werden.

Es ist ein sehr persönlicher Text, der auch die tieferen Emotionen der Autorin bloßlegt. Als der Krieg begann, fühlte sie sich wie eingefroren, konnte nichts spüren. Wir erfahren von Susanne Scholl, dass die Geschehnisse sie wochenlang nicht schlafen ließen.

 

Erst nach und nach überwindet sie ihre Fassungslosigkeit, entdeckt das Ungerechte, Ungeheuerliche dieses Krieges zwischen zwei Ländern, die sie gut kennt.  Es ist das Verdienst dieses politischen und persönlichen Essays, dass Scholl auf die Vorgeschichten des Überfallkrieges eingeht, zum Beispiel auf das Wüten Putins in Tschetschenien. Sie führt uns zum Beispiel in die Stadt Grosny, die Putin buchstäblich hat niederbomben lassen.

 

Sie erwähnt auch, dass sie Kontakte zur heutigen Nobelpreisträgerin Irina Scherbakowa hatte, deren Verdienst war und ist, die stalinistische Vergangenheit Russlands historisch aufzuarbeiten. Sie konnte nicht weiter in Russland leben und musste emigrieren.

 

Die Autorin zeigt auch den Verrohungsprozess auf, den die russische Gesellschaft und ihre politischen Führer durchlebt haben.

Natürlich ist die Ukraine ein eigener Staat, auch wenn Putin und seine Entourage das nicht wahrhaben wollen.

 

Das Verdienst der Autorin ist es, auch die Opfer zu Wort kommen zu lassen, Opfer, die durch das staatlich sanktionierte Morden zu Opfern werden. So  „en passant“ gibt die Korrespondentin auch Medienkritik zum Besten, wenn sie erwähnt, dass die Fernsehchefs außenpolitische Berichterstattung zuweilen als „Ausschalt-Impuls“ empfinden. Das kenne ich selbst vom Radiomachen her auch zur Genüge.  

 

Fazit: „Nur ein Ende des Systems Putin kann diesen Krieg beenden. Zum Wohl der Ukraine, aber auch Russlands selbst.“

 

Es bleiben in diesem kurzen Essay Fragen offen, aber das ist der Autorin nicht vorzuwerfen, denn auch die Frage, wann der Krieg zu Ende sein wird, ist mehr als offen.

 

Die Schrift spricht Klartext. Sehr verdienstvoll.

 

Es ist ein schonungslos offener Text, der auch die persönlichen Gefühlsebenen mit offenbart, im Gegensatz zu manch militaristischer Debatte um Waffenpotentiale und Munition, die augenblicklich die öffentliche Diskussion in Deutschland stark bestimmen.

 

Susanne Scholl Über einen notwendigen Krieg Warum das System Putin besiegt werden muss

Verlag Kanten. Edition Konturen

 

Susanne Scholl, geboren 1949 in Wien, Studium der Slawistik in Rom und Moskau. Langjährige ORF-Korrespondentin in Moskau. Susanne Scholl hat zahlreiche Bücher veröffentlicht und wichtige Preise für ihre journalistische Arbeit und ihr menschenrechtliches Engagement erhalten, u. a. den Concordia Preis und das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst.

 

Putins Rache - Russland inside

Kaum einer kennt Russland besser als Michael Thumann, der seit über 25 Jahren aus Osteuropa für die ZEIT berichtet. Er legt nun ein atemberaubend geschriebenes Buch vor, das Russlands Absturz in eine zunehmend totalitäre Diktatur und den Weg in Putins imperialistischen Krieg aus nächster Nähe nachzeichnet. Das Motiv des Diktators und seiner Getreuen: Revanche zu nehmen für die demokratische Öffnung nach 1991 und die vermeintliche Demütigung durch den Westen. Putins Herrschaft radikalisiert sich weiter. Es ist das bedrohlichste Regime der Welt.


„Unter Wladimir Putin verabschiedet sich Russland, das eigentlich größte europäische Land, aus Europa. Erneut senkt sich ein Eiserner Vorhang quer durch den Kontinent. Reise ich in dieses Land, werde ich am Flughafen in aller Regel aufgehalten. Der Grenzbeamte hält meinen Pass fest und telefoniert lange mit seinen Vorgesetzten. Ein Mensch im dunklen Anzug, wahrscheinlich Geheimdienst, holt mich ab und führt mich in einen Kellerraum. Darin ein Schreibtisch, eine alte Matratze mit Sprungfedern, kaputte Stühle, Staub in den Ecken. Ich muss Fragen beantworten: Wo wohnen Sie? Was denken Sie über die Militäroperation? Was haben Sie vor in Russland? Ich antworte knapp und frage mich selbst: Komme ich überhaupt noch in das Land? Und komme ich wieder heraus?“ CH Beck

 

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Das brutale Gesicht des Krieges

Arkadi Babtschenko kennt als ehemaliger Soldat die russische Armee aus ihrem Innersten; als kritischer, verfolgter Autor lebt er seit Jahren in der Ukraine und im Exil. Mit dieser einzigartigen Binnensicht beider Seiten schreibt er über die Situation seit 2014, wie niemand sonst es vermag. „Leidenschaftlich persönlich, stilistisch brillant und mit größter Kenntnis“, kündigt rowohlt Berlin das Buch an, das schon im September letzten Jahres erschienen ist. Und seine Aktualität bis zum heutigen Tag und darüber hinaus behält. (rowohlt Berlin) 

 

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Was der Westen so geträumt hat

Carlo Masala warnt in diesem Buch vor den Illusionen des Westens: der Illusion, die Globalisierung würde automatisch zur Verbreitung der Demokratie führen, der Illusion einer zunehmenden Verrechtlichung der internationalen Beziehungen, aber auch der Illusion, durch militärische Interventionen ließen sich Demokratie und Stabilität exportieren. Seit der Niederlage in Afghanistan und Putins Krieg gegen die Ukraine stehen die Grundlagen westlicher Außen- und Sicherheitspolitik auf dem Prüfstand. Was muss sich ändern, damit wir in der neuen Weltunordnung bestehen können? (C.H.Beck) 

 

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Die Fratze des Krieges

Seit vielen Jahren berichtet Katrin Eigendorf regelmäßig aus der Ukraine. So auch während der dramatischen Tage und Wochen nach dem 24. Februar 2022, als Wladimir Putin mit seinem grausamen Angriff auf die Ukraine den Krieg zurück nach Europa getragen hat. Angesichts der Bilder aus Mariupol, Charkiw und Kyiw ist auch Deutschland aufgewacht, nachdem es über viele Jahre Wladimir Putin verharmlost hat. 

Katrin Eigendorf erzählt hier vom Krieg, den Putin mit aller Härte führt, vor allem gegen die Bevölkerung. Von ihren Begegnungen mit Menschen, die von einem Tag auf den anderen alles verloren haben, von Familien, die zerrissen wurden, von Kindern, die ihre Kindheit verloren haben. Es sind Begegnungen, die immer wieder an die Schmerzgrenze gehen, auch für eine Reporterin. (SFischer)

 

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Putin - der Killer im Kreml?

Bei der Verfolgung seiner Ziele geht Wladimir Putin über Leichen, und das nicht erst seit dem Überfall auf die Ukraine. John Sweeney, investigativer Journalist und seit vielen Jahren auf der Spur von Putins Verbrechen, legt die Beweise vor: Schon bei seinem unheimlichen Aufstieg vom Stasi-Mann in Dresden zum unumschränkten Herrscher im Kreml ging Putin mit erbarmungsloser Konsequenz vor, ließ Oppositionelle ausschalten, provozierte Kriege und überzog Russland mit einem Netzwerk der Korruption. Sein Ziel: die Festigung seiner Macht, persönliche Bereicherung, Russlands Wiederaufstieg zur Weltmacht. Mit kriminalistischer Akribie hat Sweeney vor Ort recherchiert – in Moskau, Tschetschenien, in der Ukraine während des Krieges –, hat mit Zeugen und Experten gesprochen, mit Dissidenten und Ex-KGBlern, mit Handlangern des Systems Putin, mit Kritikern, von denen zu viele für ihre Haltung sterben mussten. Psychogramm, packender Hintergrundreport und knallharte Analyse – eine längst überfällige Aufklärung, eine beispiellose Anklageschrift. (HEYNE)

 

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Putin - ein Verhängnis?

Robert Misik zeichnet ein Regime und das Charakterbild eines rücksichtslosen Despoten, der Europa die Friedensordnung raubt, an die wir uns gewöhnt hatten. Wladimir Putin hat alle an der Nase herumgeführt. In den neunziger Jahren galt er als Demokrat und bewunderte Augusto Pinochet. Nachdem er sich ins Präsidentenamt trickste, beginnt er mit einer Seilschaft hartgesottener KGB-Leute, Russland zur autokratischen Despotie umzuwandeln. Und genauso schnell bastelt er sich eine Staatsphilosophie. Deren Elemente: autokratischer Führerkult, Patriotismus, Imperium, orthodoxe Spiritualität - und Gekränktheit. Dabei stützt er sich auch auf faschistische Denker, etwa auf Ivan Iljin, der Hitler und Mussolini bewunderte. Und er spinnt Netzwerke im Westen, um die Demokratien zu spalten. Putin stilisiert sich zum harten Kerl, zum starken Mann, mit vulgärer Sprache und einer Rhetorik der Gewalt. Nach dieser Lektüre bleibt nur die Frage: Wie konnten wir so blind sein? (PICUS)

 

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Schon 2007 erschienen

Der kaukasische Teufelskreis - ein Russlandbuch

Erich Follath Matthias Schepp Gasprom - Der Konzern des Zaren in: 
Norbert Schreiber (Hg.): Russland. Der Kaukasische Teufelskreis oder Die lupenreine Demokratie Wieser Verlag Klagenfurt 2007 zuerst veröffentlicht in DER SPIEGEL. 


Die Welt weiß viel über Exxon Mobil, General Electric, Toyota, Microsoft, die anderen Big Shots unter den Großunternehmen der Welt; sie weiß aber zu wenig über Gasprom. Was für ein Konzern ist das, dessen Börsenkapitalisierung zwischenzeitlich 290 Milliarden Dollar überstiegen hat, dessen gegenwärtiger Marktwert höher ist als das Bruttosozialprodukt von 165 der 192 in der UNO vertretenen Nationen? Wie tickt ein Unternehmen, das ein Sechstel der weltweiten Erdgasreserven kontrolliert und mit einem Fingerschnipsen die Energiezufuhr nach Westeuropa unterbrechen, unsere Wohnungen erkalten lassen kann?
Die Gasprom-Story hat Helden und Halunken; sie spielt in den überheizten Politiker-Hinterzimmern von Moskau wie in der Eiseskälte von Sibirien, in den von Erpressung bedrohten Pipeline-Transitländern Ukraine, Weißrussland und Armenien, »auf Schalke« im Ruhrgebiet der Malocher, wie auch im Schweizer Millionärssteuerparadies Zug und in Sotschi am Schwarzen Meer, Putins zweiter Sehnsuchtsstadt, wo er mit den ebenfalls von Gasprom finanzierten Olympischen Spielen sein Lebenswerk krönen will. (…)


Weltmacht Gasprom, Europas wertvollster Kon¬zern, Putins Schwert: Auf dem großen Bildschirm im Kontrollzentrum kann mühelos die weltweite Expansion des Kraken besichtigt werden, dessen Fangarme in alle Richtungen zuschlagen. Hier voll¬zieht sie sich zivilisiert, geräuschlos. Hier sind die wütenden Proteste der Regierungen nicht zu hören, für die die Gaspreise auf Weltmarktniveau angehoben werden, weil Gasprom Geld braucht. Oder weil der Kreml Staaten bestraft, die sich wie die Ukraine und Georgien von Moskau ab- und der NATO und der EU zuwenden. Hierher dringen keine Debatten vor über die zwischen den Herren Putin und Schröder abgesprochene Ostsee-Pipeline, den Ärger der Polen und Balten. Ungefähr in der Mitte der Europakarte blinkt die Pumpstation Kurskaja auf; von dort drehte Gasprom der Ukraine Neujahr 2006 das Gas ab. Moskau hatte den Preis zunächst verdreifacht; die Verhandlungen mit Kiew drohten zu scheitern. Man einigte sich schließlich auf fast das Doppelte. Im Januar 2007 wiederholte sich in Weißrussland das Spiel; tagelang stoppte Russland den Öl-Fluss. Wie¬der wurde den Westeuropäern bewusst, dass Gas und Öl für den Kreml auch politische Waffen sind. Schon heute versorgt Gasprom rund 30 europäische Länder. Estland und die Slowakei hängen zu 100 Prozent am Gas aus dem Osten, Griechenland zu 80, Polen zu 60 und die Bundesrepublik Deutschland zu 36 Prozent.“