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Herzliche Grüße,

Norbert Schreiber

Gehen, ohne je den Gipfel zu besteigen

Fotos: Norbert Schreiber

Paolo Cognetti nimmt uns auf eine atemberaubende Reise in die Ferne mit, die zu uns selbst zurückführt. Schon als Junge träumte der Autor von den kargen Berggipfeln Nepals. Endlich macht er sich mit seinen zwei engsten Freunden auf den Weg. Sie überqueren 5000er Pässe, kommen an Herden von Blauschafen vorbei, an buddhistischen Klöstern, dem einsamen Hochland nahe Tibet immer weiter entgegen. Doch nicht die entlegene Himalaja-Region Dolpo ist Cognettis eigentliches Ziel, auch der Gipfel des Kristallbergs nicht, sondern das Gehen an sich ist seine Mission, sein Zeit- und Raummaß, seine Art zu denken. Mit jedem Schritt, mit jedem Atemzug schärft sich die Wahrnehmung für das Hier und Jetzt, für das, was wesentlich ist: Verbundenheit, Mitgefühl und Verantwortung. (PENGUIN) 

 

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Eriksen, Harket und Lorenz: Judenhass

Drei norwegische Historiker haben einen großen historischen Längsschnitt durch die Geschichte eines nicht erklärbaren und unverständlichen Phänomens gezogen: „Judenhass“. Der Untertitel des jetzt im Zusammenhang mit dem norwegischen Gastauftritt auf der Frankfurter Buchmesse auf Deutsch erschienenen Buches sagt, worum es geht: „Die Geschichte des Antisemitismus von der Antike bis zur Gegenwart“. In 32 von je einem der drei Autoren verantworteten Kapiteln stellen sie in chronologischer Reihenfolge, nach Ländern gegliederte Untersuchungen über die unterschiedlichen Motive und Ausprägungen des Judenhasses vor. Böswillige Zeitgenossen könnten auf den Gedanken kommen, da müsse doch „etwas dran“ sein, wenn über viele Jahrhunderte in unterschiedlichen Gesellschaften Antisemitismus entstanden ist. Die Lektüre dieses verdienstvollen Buches widerlegt solche Gedanken auf eindrucksvolle Weise. Die „Begründungen“ für den Judenhass sind so widersprüchlich, dass sich das, was „da dran“ sein könnte, auf eine einfache Tatsache reduziert: Gehasst, verfolgt und ermordet wurden sie, weil sie Juden waren. Den einen waren sie zu arm, den anderen zu reich. Die einen warfen ihnen vor, sich dominant in ihre Mehrheitsgesellschaften einzumischen, die anderen bemängelten, dass sie sich nicht um die sie umgebenden Gemeinwesen, sondern sich nur um ihresgleichen kümmerten. Manchen galten sie als faul, anderen als zu tüchtig. Den antiken Römern war ihr Monotheismus fremd, die neueren abrahamitischen Religionen machten ihnen den Rang als von Gott auserwähltes Volk streitig. Später kamen rassistische „Argumente“ hinzu. Schließlich werden der Staat Israel und seine existenzgefährdenden Auseinandersetzungen mit einer feindlichen arabisch-muslimischen Umgebung über den Begriff des „Antizionismus“ zu einer Quelle politisch „gerechtfertigten“ Antisemitismus. Besonders perfide ist der angeblich „linke“ neue Antisemitismus, den Håkon Harket vornehmlich in Frankreich vorfindet: Die Juden würden ihre millionenfache Vernichtung im Holocaust instrumentalisieren. Wieder andere, rechte Antisemiten, leugnen diese Vernichtung gegen alle historische Wahrheit.

 


Wenn das Buch allgemeine Aussagen über den Judenhass zulässt, dann sind es welche über die Hassenden, nicht über die Verhassten. In allen Gesellschaften, die die Autoren untersuchen und beschreiben, waren und sind die Juden eine kleine Minderheit. Fremde, Andersgläubige, Andere sind immer und überall dem Hass ausgesetzt. Nicht weil sie fremd, andersgläubig oder andere Speisegewohnheiten haben, sondern weil die meisten Angehörigen der Mehrheit das Fremde verachten oder nach dem noch harmlosen Motto „was der Bauer nicht kennt, isst er nicht“ nicht kennenlernen wollen. Allgemein ist die primitive Neigung der Hassenden, von den Schwächen oder Verfehlungen einzelner Juden auf alle zu schließen, was natürlich auch auf „alle Deutschen“, alle Amerikaner und „den“ Russen zuträfe.


Das Buch „Judenhass“ ist also eine Geschichte der Hassenden und der unterschiedlichen Formen ihres Antisemitismus. Eigentlich hat nichts von diesem Hass mit den Juden zu tun, sondern alles mit den Hassenden. Vielleicht ist das die wichtigste Erkenntnis, die aus diesem enzyklopädischen Werk gewonnen werden kann. Sie erschließt sich dem Leser über viele Details, die vielen Lesern unbekannt sein dürften: Selbstverständlich haben die norwegischen Autoren auch einen Blick auf ihr eigenes Land geworfen. Mit Überraschung ist zu erfahren, dass die erste, als besonders liberal geltende Verfassung Norwegens vom Jahre 1814 in §2 die Juden „als Anhängern der mosaischen Religion den Zugang zum Reich (Norwegen, H.L.) ausgeschlossen hat.“ In Wirklichkeit waren es nicht religiöse, sondern politische Gründe, weil den Juden nicht wegen ihres Glaubens, sondern wegen ihres aus ihrer Geschichte abgeleiteten „mangelnden Patriotismus“ misstraut wurde. 
Ebenso interessant ist der von Trond Berg Eriksen geschriebene Artikel über die Juden in England: „Nachdem sie im 13. Jahrhundert durch die Könige als Steuereintreiber instrumentalisiert wurden, wurden sie 1290 endgültig aus dem Land vertrieben. Es war bei ihnen kein Geld mehr zu holen. … Die Ausstoßung war selten prinzipiellen, theologischen Charakters. Waren die Begründungen vonseiten der christlichen Mehrheit niemals sonderlich fromm, so waren die wirklichen Ursachen für das Vorgehen der Behörden oft äußerst bodenständig und praktisch. Es ging darum, eine Minderheit, die nicht denselben Rechtsschutz wie die christlichen Untertanen des Königs genoss, maximal auszunutzen. Ihre Ausbeutung war eine einfache und naheliegende Möglichkeit, sich Einnahmen zu verschaffen.“


In ähnlicher Weise führt das Buch durch die Jahrhunderte und die Länder Europas. Ausgangpunkt des neueren Antisemitismus wurde die sogenannte Damaskus-Affäre von 1840. Ein Mord an einem katholischen Priester wurde dort und von interessierter Seite als Ritualmord den Juden in die Schuhe geschoben und führte zu ihrer massiven Verfolgung. Die Rolle des französischen Konsuls in Damaskus deutet schon die 40 Jahre später in seinem Heimatland entfesselte Dreyfus-Affäre an. Der Prozess gegen die angeblichen Täter wurde von Folterungen begleitet, der ganze Fall weitete sich zu einem in ganz Europa geführten Kampf um die Wahrheit – und um die Hegemonie der europäischen Großmächte im Orient – und führte schließlich zu einer Freilassung der Angeschuldigten.
Details wie diese zeigen, dass und wie der Hass auf die Juden immer unterschiedlich motiviert und instrumentalisiert wurde. Das ganze Buch ist eine einzige Anklage gegen den Hass der Hassenden und gegen die intellektuelle Dürftigkeit und Beliebigkeit ihrer Argumente.


Harald Loch


Trond Berg Eriksen, Håkon Harkert und Einhart Lorenz: Judenhass
Die Geschichte des Antisemitismus von der Antike bis zur Gegenwart
Unter Mitarbeit von Izabel A. Dahl
Aus dem Norwegischen von Daniela Stilzebach
Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2019   687 Seiten, 22. Abb.   50 Euro
 

 

Der Schoß ist fruchtbar noch...

 

Die Sehnsucht nach einer „konservativen Revolution“ zieht sich durch die gesamte deutsche Nachkriegsgeschichte. Immer wieder forderten Nationalkonservative und Rechtsradikale die liberale Demokratie heraus. Doch seit der „Flüchtlingskrise“ hat sich die Sprengkraft ihrer Argumente enorm verstärkt: Viele Positionen von AfD, Pegida und der Neuen Rechten sind in der Mitte der Gesellschaft angekommen, und das Verlangen nach einer „heilen“ Geschichte heizt die Stimmung weiter an. Sind das noch die Deutschen, die glaubten, ihre Vergangenheit mustergültig „bewältigt“ zu haben? Präzise führen die Autoren vor Augen, was derzeit auf dem Spiel steht – und wie es dazu gekommen ist. (Ullstein)

 

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Martin Walker - Das Gartenbuch

Die Gartenzeit geht langsam zu Ende: Noch ein bisschen aufräumen, Laub entsorgen, Geräte wegstellen, den Komposthaufen kontrollieren, ein paar Blumenzwiebel setzen und eventuell die Obstbäume beschneiden. Die Winterzeit mit dem frühen Dunkelwerden im Garten beschert uns Gärtnern mehr Zeit, am Abend Bücher in die Hand zu nehmen, auch welche, die sich mit dem Thema Garten beschäftigen. 
Ich blättere auf: BRUNOS GARTEN KOCHBUCH von Martin Walker und Julia Watson, die uns mit ihrem zweiten Kochbuch die Küche des französischen Périgords nahe bringen.

 

Aber ureigentlich ist Martin Walker im Hauptberuf mit seinen elf BRUNO-Romanen Krimiautor, und er hat eine Gesamtauflage von 2,5 Millionen Büchern im DIOGENES-Verlag geschaffen. Das Handwerk des Krimiautors beherrscht er außerordentlich gut, und nun beweist er auch, dass er mit einem „grünen Daumen“ in seinem Garten in Südfrankreich erfolgreich ist. 

 

Der Schriftsteller und Historiker war 25 Jahre Journalist bei der englischen Zeitung THE GUARDIAN und ist auch als Wirtschaftsberater unterwegs. Er weiß offenbar, was es heißt, Erfolg zu haben. 
Schlagen wir also das Buch auf, und zuerst sehen wir eine Ente, einen blauen französischen Citroën, auf einer typischen Alleestraße unterwegs. Gut, unserer war rot, das gefällt uns also schon mal als Einstieg. 
Es folgen in der Bilderreihe: Frisches Gemüse, ein ausgerollter Teig. Das Autorengespann, zwischen Buschbohnen in der Hocke sitzend, führt uns im aufwendig gestalteten 350 Seiten dicken, großformatigen Buch durch das gesamte Gartenjahr, also durch die vier Jahreszeiten, jeweils angereichert und gewürzt durch Walker-Texte, die uns sehr farbig in Bild und Text durch das Frühjahr, den Sommer, den Herbst und Winter geleiten. 


Es ist also auch Brunos Gartenkalender, den wir wie ein Gartengerät in der Hand halten. Wir finden für die jeweiligen einzelnen Monate Aussaat-Tipps, Ratschläge für die Bepflanzung, Hinweise für die Ernte, Rezepte für die weitere Verwertung, die dann in Extrakapiteln erläutert, bebildert und genauestens beschrieben werden. 


Ob Brennesselsuppe oder gegrilltes Entenfleisch, Frittata du Périgord, Lachs mit Sauerampfersauce, grüne Bohnen in Butter geschmort, Zitronen-Rucola-Aioli, sanft gegarte Kalbsbrust oder Maronenkuchen, die Vielfalt ist begeisternd, die am Schluss des Buches sogar mit Ratschlägen zur Schneckenbekämpfung abgerundet werden oder mit Lagerungstipps für abgeerntete Kräuter. 


Eine Kriminalstory rundet das Buch sozusagen als Dessert ab, das für den Gartenfachmann wie für den Laien gleichermaßen spannend und appetitanregend, für neue Gartenanpflanzungen genauso hilfreich wie für das Ausprobieren landesspezifischer Rezepte ist. Bon appétit.

 

Der neue John le Carré: Federball

Der Großmeister des Spionage-Thrillers („Der Spion, der aus der Kälte kam“) schlüpft in seinem neuesten Werk „Federball“ in die Rolle des anklagenden Intellektuellen. In den Worten seiner Protagonisten lässt John le Carré Luft und Frust ab. Nat, ein Spion in Diensten ihrer Majestät, und dessen bei einem Badmintonspiel aufgelesener Freund Ed ziehen in leidenschaftlichen Tiraden über den Unsinn von Brexit und die Gefährlichkeit von Donald Trump her. Keiner der anderen Personen widerspricht. So stehen diese beiden Aussagen wie eine unumstößliche Wahrheit über dem spannenden Geschehen.

Nat ist nach geheimen Auslandseinsätzen in Moskau und Tallinn wieder nach London zurückbeordert worden. Hier kann er mit seiner als linker Anwältin arbeitenden Frau Prue wenigstens gelegentlich so etwas wie ein häusliches Leben führen. Die Abteilung, in der Nat jetzt arbeitet, ist so etwas wie ein Abstellgleis, auf das erst die junge Spionage-Auszubildende Florence frischen Wind fächelt. Aus ihrem großen Projekt gegen einen russischen Milliardär in London wird zwar nichts, aber an der genüsslichen Beschreibung der Vorbereitungen dazu bringt der Autor seine eigene Geheimdiensterfahrung ein.

 

Nat und Ed verabreden sich – meistens montags – immer wieder zu Federballspielen. Zunächst gewinnt meistens Nat, bald überflügelt ihn Ed. Nach dem Spiel trinken sie an der Bar des Clubs ein Bier miteinander. Hier führen sie   lesenswerte Dialoge über die desolaten politischen Verhältnisse, erfahren aber nichts über einander. Einmal bittet Ed seinen Freund, jemanden für ein Doppel mitzubringen, weil er selbst seiner geistig behinderten Schwester die Freude an einem gemeinsamen Spiel bereiten möchte. Nat bringt zu diesem Doppel seine Mitarbeiterin Florence mit, die er Ed wie eine Zufallsbekanntschaft vorstellt. Der professionelle Spion ist immer wachsam. Inzwischen beginnt sich das Spionagekarussell schneller zu drehen: Ein von Nat umgedrehter russischer Spion, ein für später aufgebauter „Schläfer“, ruft um Hilfe. Dessen in Kopenhagen stationierter Führungsoffizier, die polyglotte Top-Mitarbeiterin des russischen Geheimdienstes Valentina fliegt in London ein. Vorher musste sich Nat in Prag bei einem sehr klandestinen Treffen mit einem aus früheren Zeiten in Triest bekannten russischen Spion über diese Valentina erkundigen. Für den Autor sind das immer wieder gutgenutzte Gelegenheiten, Details aus der Spionage-Welt des Misstrauens kenntnisreich einfließen zu lassen. Das liest sich amüsant, spannend und eben auch als eine Welt der „intelligence“. Und auch hier kommen die Spione z.T. „aus der Kälte“.

 

Valentinas Geheimbesuch in London wird vom britischen Dienst und von Nat überwacht. Sie verfolgt einen ganz anderen Zweck, als den umgedrehten Schläfer zu besuchen. Völlig überraschend auch für Nat kommt dessen Federballpartner ins Spionage-Spiel und bringt Nat in seinem Dienst in größte Schwierigkeiten. Zu allem Überfluss hat auch das so unschuldige Doppelspiel auf Feld drei des Badminton-Courts unvorhersehbare Folgen. Am Ende geht es holterdiepolter zu einem Standesamt und von dort zum Flughafen. Erst jetzt beruhigt sich der Puls der Beteiligten wie der Leser. Ein großer, intelligenter Spionageroman mit einem inständigen Plädoyer für Europa findet – hoffentlich – ein gutes Ende.

 

Harald Loch

 

John le Carré: Federball             Roman

Aus dem Englischen von Peter Torberg

Ullstein, Berlin 2019   350 Seiten   24 Euro

 

 

Pressestimmen

 

 

"Federball ist vielleicht ein altmodisches, aber zugleich brandaktuelles Buch – und hoffentlich nicht der letzte John le Carré." SWR2  

"Gerade weil er das Spektakuläre nicht braucht, einfach mal Federball spielt, glaubt man ihm jedes Wort." Frankfurter Rundschau

„Niemand sonst benennt – schonungslos gegenüber Politikern und unglaublich faszinierend für seine Leser – die offenen und gut gehüteten Geheimnisse unsere Zeit so klar wie John le Carré.“ The Guardian

„Kein Autor vermag es wie le Carré, das höfliche Gespräch zweier Menschen, die an einem Tisch sitzen, in ein hochgefährliches Spiel zu verwandeln.“ The Daily Telegraph

 

 

 

Die Interview-Legende: Georg Stefan Troller

Georg Stefan Troller ist in Wien auf die Welt gekommen, und trotz seiner vielen Lebensjahre in Paris hat sich seine wohltuende Stimme schon in meinen Jugendjahren im Gedächtnis eingeprägt. Als bekennender Paris-Fan waren seine „Journal“-Sendungen für mich ein absolutes MUSS.

Nach Studien im Ausland kehrte Troller nach Europa zurück, wurde zunächst Reporter beim Hörfunk und später für ARD und ZDF beim Fernsehen.

 

Berühmt wurden seine höchst privaten provozierenden, bohrenden Fragestellungen an Prominente, die in ihren Antworten ihr Innerstes offenbaren sollten und dies auch taten.

In dem CORSO-Buch LIEBE, LUST & ABENTEUER. 97 BEGEGNUNGEN MEINES LEBENS wird seine Interview-Philosophie besonders gut deutlich. In dem graphisch sehr anspruchsvoll gestalteten Buch finden wir 97 Namen von Prominenten, denen Georg Stefan Troller in seinem vielfarbigen Leben begegnet ist.

 

Nach dem Vorwort und zwei schwarz-weißen Personenporträts des Autors selbst (alle Bilder in attraktivem Schwarz-Weiß) sehen wir als Leser jeweils auf der linken oder rechten Aufschlagseite ein Porträtbild der befragten Person  auf der rechten Textseite ein paar knappe Hinweise, wo und in welchem Zusammenhang das Interview wie entstanden ist. Dann folgen ebenso knappe Zitate oder Interviewausschnitte, die offenbaren, was prominente Personen der Zeitgeschichte in ihrem Innersten zusammen hält, an Gefühlen, Beobachtungen, Denkweisen, Erkenntnissen, Zweifeln und Selbstgewissheiten.

 

Und bei Troller kann man sicher sein, dass er seinen Interviewpartnern auch wirklich begegnet ist, was ja heute angesichts von Fake News leider zu oft bezweifelt werden kann.

 

Boxlegende Cassius Clay, amerikanischer Boxweltmeister, der sich später Muhammad Ali nennt, bekennt: „Ich bin Vordenker meines Volkes.“ Filmregisseur Woody Allen stellt eine Gegenfrage: „Glauben Sie, es ist ein Spaß, lustig zu sein?“ Aznavour gesteht, dass er nur blonde Frauen lieben kann. Ingrid Bergmann offenbart: „Wenn ich mich morgens vor dem Spiegel zurecht mache, dann geniere ich mich schon für mein Gesicht.“ Catherine Deneuve hasst Selbstmitleid, Alain Delon gefallen die Fragen einfach nicht. Marlene Dietrich meint, Männer wollen besitzen, Frauen wollen besessen werden, Charles de Gaulle zweifelt, wie soll man ein Land regieren, das 300 Käsesorten kennt. Picasso gibt zu, nichts von Kunst zu verstehen, Polanski, dass er acht Orgasmen hintereinander hatte, zehn aber eben nicht schaffte. Und Romy Schneider seufzt: „Ich brauche immer grenzenlose Liebesbeweise.“

Maigret-Erfinder Georges Simenon enthüllt das Rätsel um seine Romangestalten: „Der Durchschnittsmensch konfrontiert mit Ausnahmesituationen.“

 

Für Trollers Methode gilt, den Prominenten zu provozieren und damit auch seine intimen Intimitäten heraus zu locken. Damals war das umstritten, heute wurde es Vorbild für viele Journalisten

Ein Schwarz-Weiß-Buch, das in Bild und Text sowie in der Gestalt sehr farbig und sehr unterhaltsam daherkommt, eben Prädikat GEORG STEFAN TROLLER. Ein Markenzeichen.

 

 

Georg Stefan Troller Liebe, Lust & Abenteuer CORSO

 

 

Der Mueller-Report

 

Einführung und Analyse von Rosalind S. Helderman und Matt Zapotosky (WASHINGTON POST)

  • Das einzige Buch, das die exklusive Analyse des mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichneten Investigativteams der Washington Post enthält.

    Es handelt sich um die Untersuchungsergebnisse des Sonderermittlers Robert Mueller über die Einmischung Russlands in die US-Wahl 2016, ergänzt um die Analyse der Washington-Post-Journalisten, die die Untersuchungen von Anfang an begleitet haben.

    Die Ausgabe der Washington Post beinhaltet: 

    -       Den Bericht


-       Eine Einführung der Washington Post über den seit 2017 geführten Kampf um die Bewahrung der amerikanischen Demokratie


-       Eine Chronik mit den wichtigsten Ereignissen der Sonderermittlungen


-       Ein Glossar der beteiligten Personen und Institutionen, darunter der Stab des Sonderermittlers, das Justizministerium, das FBI, das Wahlkampfteam von Donald Trump, das Weiße Haus, Trumps Anwaltsteam und die russischen Akteure 


-       Muellers Schlüsseldokumente der Untersuchung, darunter Dokumente zu General Michael T. Flynn, Paul Manafort, Michael Cohen, Roger Stone und zur russischen Internet-Operation. Jedes Dokument wird von den Journalistinnen und Journalisten der Washington Post eingeleitet und erläutert. 

Die eminent wichtigen Untersuchungen Robert Muellers fokussieren sich auf Donald Trump, seinen Wahlkampf und die Einmischungen der Russen in die Wahl von 2016. Sie greifen zurück auf zahlreiche Zeugenaussagen und auf die Arbeit der erfahrensten Ermittler der USA.

Die Untersuchungen des Sonderermittlers könnten einen entscheidenden Wendepunkt in der Geschichte Amerikas bedeuten. Der Mueller Report ist Pflichtlektüre für alle, die sich um das Schicksal Amerikas und die Zukunft der Demokratie sorgen. US-Sonderermittler Mueller wirft Justizminister Barr vor, die Ergebnisse seiner Untersuchung verfälscht wiedergegeben zu haben.

 

  • Die oppositionellen US-Demokraten fordern deshalb den Rücktritt des Ministers.
  • Mueller hatte keine Beweise für eine strafbare Kooperation zwischen Trumps Wahlkampfteam und Russland gefunden, den Präsidenten aber nicht vom Vorwurf der möglichen Justizbehinderung entlastet.

heisst es in der Verlagsankündigung von ULLSTEIN

 

Rezension

 

Der Mueller-Wälzer hat 1.175 Seiten. Ein schwarzes und rotes Farbenbändchen hilft dem Leser, die Orientierung zu behalten, die er jedoch immer dann wieder verliert, wenn seitenweise Schwärzungen die Orientierung und das Verständnis behindern, denn aus Geheimhaltungsgründen oder wegen weiterer möglicher Verfahren oder wegen Schutz von unbeteiligten Zeugen finden sich in diesem Report häufig Schwärzungen.

 

Auch Sonderermittler Mueller zeigte sich ja ziemlich einsilbig als Sonderermittler in der so genannten Russland-Affäre von Donald Trump. Während der Ermittlungen war Mueller schweigsamer als schweigsam: Er sagte gar nichts. Dann teilte er kurz und knapp mit, über seinen Abschlussbericht hinaus auch nichts sagen zu wollen. Doch die Demokraten köcheln den Politstreit weiter, um vielleicht doch noch ein Amtsenthebungsverfahren einzuleiten.

 

Nun sagt Mueller doch am 24. Juli vor zwei Kongressausschüssen aus: Er bricht also sein Schweigen, ob er mehr mitzuteilen hat, als wir eh schon wissen, bleibt also abzuwarten.

 

Die Gliederung des bei Ullstein veröffentlichten Reports sieht so aus. Rosalind S. Heldermann und Matt Zapotosky, beide Rechercheure der WASHINGTON POST, leiten das Buch ein und stellen ihr Vorwort unter das  Motto: „Ein Präsident, ein Ankläger und der Kampf um die Bewahrung der Demokratie“.

 

Marc Fisher und Sari Horwitz, ebenfalls von „der Post“, beschreiben die beiden Lebenswege der Kontrahenten Mueller und Trump, es folgt ein ausführliches, wirklich nötiges Personenverzeichnis und eine Chronik der Sonderermittlung.

 

Ab Seite 83 beginnt dann der MUELLER REPORT mit Band I, dem Inhaltsverzeichnis, der Einleitung, der Zusammenfassung des Sonderermittlers, der einmal das FBI geleitet hat.

 

Es folgen dann die inhaltlichen Kapitel zu den russischen Social-Media-Kampagnen, russischen Hackerangriffen, zu den Kontakten der russischen Regierung zum Wahlkampfteam. Der Band I schließt mit den strafrechtlichen Wertungen, der Ablehnung von Strafverfolgung und der Wertung, ob es sich um Kollusion, also verdeckte Kooperation, um Zusammenarbeit oder Zusammenspiel, im gegenseitigen Einvernehmen und in geheimem Einverständnis gehandelt hat.

 

In Band II geht es um den Komplex der Justizbehinderung, die Trump vorgeworfen wird.

 

Wie hat sich das Wahlkampfteam gegenüber russischer Einflussnahme verhalten, welche Falschaussagen hat es gegeben, wie reagierte das Personal Donald Trumps, wie sind die Hintergründe der Russlandermittlungen des FBI, wie kam es zur Entlassung des FBI-Direktors Comey. Wollte Trump tatsächlich den Sonderermittler absetzen? Was hat es mit der E-mail Affäre von Hillary Clinton auf sich?  Wer hat im Hintergrund welche Rollen gespielt, zum Beispiel auch Trump-Anwalt Michael Cohen, der sich um das Projekt Trump-Tower in Moskau kümmerte?

 

Erst auf Seite 821 kommt die Zusammenfassung. Ab Seite 823 folgen die dokumentarischen Anhänge, die Ernennungsurkunde Muellers, die beteiligten Personen, die schriftlichen Fragen an den Präsidenten und dessen Antworten, abgegebene und abgeschlossene Fälle. Es folgen weitere ergänzende Dokumente und am Schluss noch ein Glossar der juristischen Fachbegriffe.

 

Was war nun untersucht worden

  • Die russischen Versuche zur Beeinflussung der Wahl des Präsidenten Donald Trump
  • Der Verdacht, ob es illegale Absprachen gab zwischen dem Wahlkampfteam und russischen Regierungskreisen
  • Ob Donald Trump die Justiz behindert hat in ihren Ermittlungen
  • Finanzdelikte der Wahlkampfmanager
  • Falschaussagen von Trump-Mitarbeitern

Das Fazit ist keine 15 Zeilen lang, es sind tatsächlich nur knappe 14.

Das Justizministerium als nach dem Mueller-Report handelnde Institution wird kein traditionelles strafrechtliches Urteil sprechen. Daher wird auch keine endgültige Schlussfolgerung über das Verhalten des Präsidenten gezogen.

 

Mueller wollte nicht so weit gehen, dem Präsidenten ein schuldhaftes Verhalten vorzuwerfen. Er würde Trumps Unschuld festhalten, wenn ihm die Fakten das erlauben würden. Dem ist aber offensichtlich nicht so. Ihm eine Straftat vorzuwerfen, vermeidet der Sonderermittler, denn gegen einen amtierenden Präsidenten dürfen die Justizbehörden keinen Prozess führen.

 

Dass Trump keine Justizbehinderung begangen hat, trauen sich die Ermittler in dieser Schärfe nicht zu formulieren. Nach den geltenden Bestimmungen könnten sie dieses Urteil eben nicht fällen. Der Bericht komme nicht zu dem Schluss, dass der Präsident ein Verbrechen begangen habe, er entlaste ihn aber auch nicht.

 

Man könnte sagen, das ist ein Freispruch mit Verurteilung ohne Verfahren und Strafe gegenüber dem Präsidenten.

 

Gegen 34 Personen wurden jedoch Anklagen erhoben, darunter 26 Bürger der Russischen Föderation.

Der Sonderermittler Mueller konnte jedoch keine Absprachen nachweisen, und er kam auch nicht zum Ergebnis einer Justizbehinderung.

 

Im Vorwort kommen die Autoren der WASHINGTON POST zum Ergebnis: „Muellers Untersuchung mochte abgeschlossen sein, aber Washingtons politische Kriege toben heißer denn je.“

 

Fisher/Horwitz schreiben eine Personality-Story über Mueller/Trump und urteilen: „Reich geboren, zum Führen erzogen und doch Lebenswege, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten.“

Und unterschiedlich sind auch die politischen Wertungen der Parteien. Die Republikaner werten den Mueller-Report als Freispruch, die Demokraten bohren weiter. Und wir sehen betroffen den Mueller-Vorhang zu und viele Fragen offen … geschwärzt. Und damit im Dunkeln.

 

Können Maschinen Sex haben?

Stellen Sie sich vor, Sie haben eine Freundin oder Sie sind gar verheiratet. Stellen Sie sich weiter vor, in Ihrem Haushalt werkelt ein Roboter herum, eine Computermaschine aus Metall, eine Haushaltshilfe, ein bewegliches talentiertes und sprachbegabtes Maschinen-Konstrukt mit künstlicher Intelligenz.

 

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  50 Jahre Mondlandung am 20. Juli 2019

In der Nacht vor seinem Flug zum Mond rechnete Neil Armstrong die Chancen aus, die er, Buzz Aldrin und Michael Collins hatten, um lebend zur Erde zurück zu kehren. Fifty-Fifty, dachte er. Andere Experten hingegen, darunter auch Wissenschaftler und Techniker der NASA, sahen die Sache weitaus weniger optimistisch: 5 zu 1, sagten sie, dass die Männer nicht zurück kommen. Oder sogar 10 zu 1.

Apollo 11 war die unmögliche Mission, ihr Scheitern wahrscheinlicher als ihr Erfolg. Pünktlich zum Jahrestag erzählt der Journalist und Historiker James Donovan die Geschichte der Mondlandung in allen spannenden Details noch einmal neu und legt dabei auch viel Gewicht auf die menschliche Seite. Entstanden ist ein mitreißendes und reich bebildertes Sachbuch (DVA-Verlagsankündigung).

 

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Chaostage im Weißen Haus -                        mehr Feuer, mehr Zorn

MICHAEL Wolff hat in seinem Buch „Feuer und Zorn“ die Chaos-Tage des amerikanischen Präsidenten mit Insiderwissen detailgenau beschrieben. International erfolgreich auf dem Buchmarkt platziert. Nun erscheint Band II. Trump hat unzählige Berater entlassen, die Weltmacht USA wird nach Trumps impulsiven Instinkten regiert, wenn man überhaupt von regieren sprechen kann. Wolff schildert in seinem packenden neuen Buch einen amerikanischen Präsidenten, der sich permanent verfolgt fühlt und der sich dabei immer wieder an den Rand der Selbstzerstörung bringt: einen Trump, der rasend ums politische Überleben kämpft. Und alle fragen sich: Wann fliegt uns das hier um die Ohren? „Unter Beschuss“ ist das detailreichste Porträt jenes außergewöhnlichen Mannes, der trotz allem noch immer Präsident der Vereinigten Staaten ist, heißt es in der Verlagsankündigung von ROWOHLT.

 

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In der Stadt des Lichts: Lissabon

Nähert man sich der Stadt auf dem Seeweg, so offenbart sie dem Reisenden ihr unverwechselbares Traumgesicht, das, einmal gesehen, nie wieder vergessen werden kann. Aber egal, auf welchem Weg man in Lissabon ankommt, ob zu Wasser, Land oder Luft, sobald der Fuß des Besuchers das charakteristische weiße Kalksteinpflaster berührt und das Auge von den künstlerischen Kacheln an den Fassaden der Häuser bezaubert wird, zieht die Lichtgestalt unter Europas Metropolen einen unweigerlich in ihren Bann, steht als Versprechen für den Leser im Verlagsprospekt.  Versprechen gehalten. 

 

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Liebesnovellen und andere Raubtiergeschichten

»Barbara« von Biermann bietet Herzblatt-Erzählungen von seltenen Charakterköpfen, denen Wolf Biermann in seinem politisch-bewegten Leben begegnet ist. Ein Zeitgenossen-Buch von Wolf Biermann, „ein berührendes, vielfältiges Bildnis von der Liebe und von tapferen Menschen in bewegten Zeiten“, wird vom Ullstein-Verlag versprochen.

 

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Der Sänger

Seine Stimme füllte Konzertsäle, betörte die Damenwelt, eroberte in Deutschland, Europa, Amerika ein Millionenpublikum. Joseph Schmidt, Sohn orthodoxer Juden aus Czernowitz, hat es weit gebracht. 1942 aber gelten Kunst und Ruhm nichts mehr. Auf der Flucht vor den Nazis strandet der berühmte Tenor, krank, erschöpft, als einer unter Tausenden an der Schweizer Grenze. Wird er es sicher auf die andere Seite schaffen?


September 1942. Joseph Schmidt, begnadeter Tenor, Liebling der Frauen, Jude, schwer krank, sitzt im Wagen eines Schleppers, der ihn aus Vichy-Frankreich über die Schweizer Grenze bringen soll. Er hat Angst vor den Nazis, Angst um sein Leben, fast so sehr aber Angst um seine Stimme, die ernsthaft angegriffen ist. Denn ihr verdankt er alles. Eine lange Odyssee über Wien, Brüssel, Südfrankreich liegt schon hinter ihm. Wird sie in der freien, demokratischen Schweiz ein gutes Ende finden? Auf der Fahrt, auf der Flucht, sucht die Vergangenheit ihn heim: seine Kindheit in der Bukowina, seine Geliebten, die Melodien seiner großen Erfolge, schreibt Diogenes in der Buchankündigung. 

 

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AfD - Zauberlehrlinge?

Stephan Detjen und Maximilian Steinbeis: Die Zauberlehrlinge


Der Streit um die Flüchtlingspolitik und der Mythos vom Rechtsbruch
Aus einem Sturm im Wasserglas entwickelt sich eine Steilvorlage für die AfD. Zusammen mit Stephan Detjen, dem Chefkorrespondenten des Deutschlandfunks, hat der Verfassungs-Journalist Maximilian Steinbeis im Buch „Die Zauberlehrlinge“ mit dem Mythos des Rechtsbruchs der Bundesregierung in der Flüchtlingspolitik aufgeräumt. Liest man dieses fesselnde Buch, kommt es einem gar nicht so kompliziert vor, die sich überlappenden Vorschriften des Grundgesetzes, des deutschen Asylrechts und der europäischen Vorschriften, die unter den Bezeichnungen Dublin II oder III bekannt geworden sind, auseinanderzuhalten und auf die politische Flüchtlingsentscheidungen des Jahres 2015 anzuwenden. Fazit: Das Recht ist nicht gebrochen, sondern angewandt worden! Die Autoren beschreiben die mehrschichtige Rechtslage in nachvollziehbarer Weise. Sie klären auf. Sie kritisieren auch die halbherzige Fortentwicklung des europäischen Rechts in dieser Frage, ohne etwa den Europa-Missmut zu verstärken, sondern, um die Weiterentwicklung des europäischen Migrationsrechts zu fördern. Sie stellen hierbei kein politisches Programm auf – das gehört in die Hand des europäischen Gesetzgebers. Aber sie beschreiben die gegenwärtige, vielleicht unbefriedigende Rechtslage, auf die sich die Bundesregierung im Jahre 2015 und bis heute beruft.


Die Behauptung von Rechtsaußen, das Recht sei gebrochen worden, entlarven die Autoren Schritt für Schritt als Propaganda, als widerlegbar, als Ideologie. Die Chronologie einer infamen Behauptung zeigt, wie unqualifizierte Äußerungen Halbqualifizierter und selbsternannter Fachleute auf dem Acker von Rechtsaußen gedeihen und es fast zum Mainstream uninformierter bürgerlicher Kreise schaffen. Im Bayerischen Landtagswahlkampf brachte die CSU die falsche Behauptung vom Rechtsbruch ohne sichtbaren Erfolg im Wahlergebnis weiter in Umlauf und vor allem Seehofer lähmte mit seinen Ausfällen gegen Merkel viel zu lange die Arbeit der Bundesregierung. Mit aktuellen Zitaten belegen die Autoren die Entwicklung dieser falschen Behauptung „Rechtsbruch“ zum nicht mehr hinterfragten Mythos. Mit schriftstellerischer Eleganz und manchmal auch recht bissiger Ironie markieren sie diesen Weg, nennen Ross und Reiter, deren „Reiterlaubnis“ im demokratischen Verkehr in Frage steht. „Wir schaffen das“, war vielleicht etwas vollmundig gesagt, ist aber inzwischen nicht mehr so utopisch, wie es damals schien. Alle rudern jetzt zurück. Der Titel des Buches weist auf Goethes Gedicht „Der Zauberlehrling“, der die Geister, die er rief, nicht mehr bändigen konnte. Was die Bundesregierung nicht geschafft hat, ist: Sie hat der unsäglichen Behauptung, die Grenzöffnung sei ein Rechtsbruch gewesen, nicht mit dem Hinweis auf die eindeutige Rechtslage nicht die scheinjuristische Grundlage entzogen: Die Grenze ist nicht geöffnet worden, sie war nämlich schon seit 20 Jahren offen, was jeder Reisende dankbar in Anspruch genommen hat. Die Grenze durfte und konnte aber nicht rechtmäßig geschlossen werden.


Harald Loch


Stephan Detjen und Maximilian Steinbeis: Die Zauberlehrlinge
Der Streit um die Flüchtlingspolitik und der Mythos vom Rechtsbruch
Klett-Cotta, Stuttgart 2019   263 Seiten   18 Euro

 

Deutschland auf der Couch

70 Jahre Frieden, allgemeiner Wohlstand und weitgehende Sicherheit, das könnte der Bundesbürger 2019 doch feiern. Stattdessen sitzt Deutschland auf der Couch und schmollt. Die Bundesrepublik befindet sich in einer Art Ausnahmezustand.

Die Migrantenflucht hat eine tiefe Zerrissenheit in unserer Gesellschaft deutlich gemacht. Statt Werte-Konsens zu diskutieren werden Instinkte geweckt, Stimmungen geschürt und Emotionen befördert.

Mit dem Blick des politischen Philosophen durchdringt Christian Schüle die typisch deutschen Muster, die der neuen Erregungsspirale zugrunde liegen. »In der Kampfzone« ist ein provozierend-anregender Aufruf zu Vernunft, Einigkeit und Recht und Freiheit, meint der Verlag PENGUIN.

 

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Augstein/Blome – die Polit-Navigatoren

Zum ersten Mal seit Jahrzehnten machen sich die Abgehängten und die Vergessenen ernsthaft bemerkbar: die, die sich nur so fühlen, und die, die es tatsächlich sind. Ihre Ängste und ihre Wünsche handeln von sozialer Gerechtigkeit, aber, und das ist neu, auch von nationaler Identität. Oben und Unten ist heute mehr als der Streit um Hartz IV, Niedriglohn oder Vermögensteuer. Die neue Frage »Wer gehört dazu?« ist inzwischen genauso wichtig wie die alte Frage »Wer hat was?«. Damit ist in diesem Buch eine Debatte eröffnet, die sich nicht mehr klar mit den Positionen »links« oder »rechts« verhandeln lässt.

 

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Leipziger Buchpreis Sachbuch

Ausgezeichnet mit dem Preis der Leipziger Buchmesse 2019


Harald Jähners große Mentalitätsgeschichte der Nachkriegszeit zeigt die Deutschen in ihrer ganzen Vielfalt: etwa den „Umerzieher“ Alfred Döblin, der das Vertrauen seiner Landsleute zu gewinnen suchte, oder Beate Uhse, die mit ihrem „Versandgeschäft für Ehehygiene“ alle Vorstellungen von Sittlichkeit infrage stellte; aber auch die namenlosen Schwarzmarkthändler, in den Taschen die mythisch aufgeladenen Lucky Strikes, oder die stilsicheren Hausfrauen am nicht weniger symbolhaften Nierentisch der anbrechenden Fünfziger. Das gesellschaftliche Panorama eines Jahrzehnts, das entscheidend war für die Deutschen und in vielem ganz anders, als wir oft glauben.

Harald Jähner: Wolfszeit.                                                 

Deutschland und die Deutschen 1945 – 1955

 

Was war mit den Deutschen los, als sie den Krieg verloren hatten? Der Kulturjournalist Harald Jähner gibt auf diese Frage unter dem Titel „Wolfszeit“ Antworten, die diesem alles in allem dunklen Jahrzehnt keinen Ruhmesplatz in der deutschen Geschichte einräumen. Er legt eine Mentalitätsgeschichte vor, die man aus heutiger Sicht nur mit seiner letzten Kapitelüberschrift zusammenfassen kann: „Ein Wunder, dass das gutgegangen ist“. Der zweite  Krieg innerhalb eines Vierteljahrhunderts war von Hitler entfesselt worden, hatte Millionen Deutsche in unbeschreibliche Verbrechen verstrickt, viele von ihnen heimat- und wohnungslos gemacht und eigentlich nicht vor die Wahl gestellt, ob sie sich als Opfer dieses Krieges und des Nationalsozialismus ansehen sollten oder doch eher über ihren Anteil an der Katastrophe nachdenken sollten. Aber sie entschieden sich in ihrer großen Mehrzahl für die Opferrolle. Der Autor schreibt über das „beredte Verschweigen“ sowohl der eigenen Schuld als auch des Leids der Millionen Opfer. Stattdessen krempelte man – am Anfang waren überwiegend Frauen – die Ärmel hoch und begannen mit dem Wiederaufbau des zerstörten Landes, mit der Wiedergewinnung von Lebensfreude, mit der Übernahme westlichen Lebensstils in dem Teil, der bald „Bundesrepublik“ heißen sollte und mit dem verordneten, von vielen dort aber auch geteilten „Antifaschismus“ in der entstehenden DDR. Jähner erzählt von Tanzwut im Westen, vom beginnenden Kalten Krieg, der Einflussnahme der Besatzungsmächte und ihrer mit politischen Aufgaben betrauten Geheimdienste.

 

In zehn Kapiteln beschreibt der Autor die äußere Entwicklung in diesem aufregenden, heute schon kaum mehr der Zeitgeschichte zugerechneten Jahrzehnts. Aber er würzt seine Darstellung mit Originalbeiträgen, griffigen Zitaten, Beispielen und zahlreichen vielsagenden Fotodokumenten. Zu allem werden die älteren unter seinen Lesern jeweils Eigenes aus ihrem Erfahrungsschatz hinzufügen. Für diese Generation ist das Buch eine Wiederbegegnung mit ihrer eigenen frühen Biographie, für die Nachgeborenen kann es ein Schlüssel zum Verständnis dessen sein, was dieses inzwischen vereinigte Deutschland immer noch so rätselhaft macht.

 

Besonders erschütternd sind die Kapitel über die „Umerzieher“, wie Alfred Döblin, der im Auftrag der französischen Besatzungsmacht ohne großen Erfolg an der Entwicklung einer demokratischen Gesinnung seiner Landsleute arbeitete.  In der Sowjetischen Besatzungszone versuchten sich viele frühere Hitlergegner ebenso ohne großen Erfolg am Aufbau einer anderen demokratischen Gesellschaft, die aber auch eine sozialistische sein sollte. Der Versuch, in beiden sich auseinanderentwickelnden deutschen Staaten, ein Bewusstsein von Schuld und Verantwortung für die Verbrechen an den Juden, an politisch Andersdenkenden, an Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen zu entwickeln, blieb in diesem Jahrzehnt – das wird in Jähners „Wolfszeit“ deutlich – auf Ausnahmen beschränkt. Weder die Kirchen noch andere Teile der Zivilgesellschaft oder Unternehmen bekannten sich zu ihrer Verstrickung. Stattdessen wurde der imperiale Nazi-Stil in Architektur und Design von einer Nierentisch-Kultur abgelöst, stattdessen baute Beate Uhse ihr „Versandgeschäft für Ehehygiene“ auf, stattdessen blühte zunächst der Schwarze Markt und „Bürger lernten Plündern“, wie Jähner einen Abschnitt überschreibt. In Wolfsburg wurde bald der Grundstein für eine Auto-Mentalität der Deutschen gelegt, die erst in jüngster Zeit zu bröckeln beginnt.

 

Selten gelingt einem Buch, das Bild einer „vergangenen Zeitgeschichte“ so bildhaft, wahrhaftig und auch in seinen historischen Urteilen nachvollziehbar zu zeichnen, wie Jähner in der „Wolfszeit“. Nach seiner jahrelangen Tätigkeit als Feuilletonchef der „Berliner Zeitung“ beweist sein Buch, dass er auch im großen Format fesselnd und auf hohem Niveau unterhaltend schreiben kann.

 

Harald Loch

 

Harald Jähner: Wolfszeit.                                                  

Deutschland und die Deutschen 1945 – 1955

Rowohlt Berlin 2019   477 Seiten   zahlr. Fotos    26 Euro

Handbuch der deutschen Literatur Prags

Das Handbuch der deutschen Literatur Prags und der Böhmischen Länder gibt einen weit gefassten, fundierten, genauen Überblick über die Literatur in Prag, Böhmen und Mähren. Alte Grenzziehungen literaturwissenschaftlicher oder politischer oder historischer Art werden vermieden. Das Buch bietet eine Neuverortung der deutschsprachigen Literatur der Böhmischen Länder im Spannungsfeld von deutscher, jüdischer, tschechischer und habsburgischer Literatur und Kultur.

 

 

Es hat wirklich gefehlt: das Handbuch der deutschen Literatur Prags und der Böhmischen Länder, das im J. B. Metzler Verlag bereits 2017 erschienen ist, aber als Standardwerk und großartiges Quellenbuch aus Anlass der Leipziger Buchmesse zum Themenschwerpunkt Tschechien ausführlich in einer Reihen-Besprechung der Hauptkapitel hier auf www.facesofbooks.de erneut gewürdigt werden soll.

Das 445-Seiten-Buch ist ein umfassendes Werk mit einer sehr in die Breite und in die Tiefe gehenden Genauigkeit, die den Bestseller-Leser vermutlich etwas überfordert und eher für germanistisch interessiertes Publikum geeignet ist. Dennoch ist es lesbar und in knappen Kapiteln gehalten.

Es befasst sich mit einer „Hybrid-Literatur“. Damit meine ich, dass sowohl die beiden Sprachen der Literaten Deutsch und Tschechisch einerseits eine Rolle spielen. Hinzukommen andererseits die geographischen Besonderheiten in Grenzregionen. Und die Ländergrenzen in Böhmen und Mähren waren früher anders als heute gezogen. Neue Länder wie zunächst die Tschechoslowakei und später Tschechien und die Slowakei entstanden nach dem II. Weltkrieg. Zusätzlich ist das Rezeptionsverhalten zwischen österreichischem, deutschem und tschechischem Lesepublikum unterschiedlich, so dass sich ein eigenartiges, aber besonders interessantes Mischungsverhältnis aus all diesen Grundbedingungen ergibt.

Kernzelle dieser Literatur sind die weltbekannten Prager Autoren Kafka, Rilke, Werfel, Kisch, Reinerová, aber auch die weniger bekannten Oskar Wiener und Ludwig Winder.

Eine weitere Hyprid-Frage ist: Soll man Marie von Ebner-Eschenbach, Karl Kraus, Adalbert Stifter und Franz Werfel, die in Mähren, im Böhmerwald oder in Prag geboren sind, der österreichischen Literaturtradition zurechnen, also ausgrenzen? Die Herausgeber meinen: NEIN und verfolgen einen integrativen Ansatz, wenngleich früher die Prager Literaten als „dreifach“ besonders eingestuft wurden, weil sie in Prag national, religiös und sozial im Ghetto gelebt haben.

Mit diesem Handbuch wollen die Herausgeber aber starke Grenzziehungen vermeiden, das Phänomen „Literatur Prags und der Böhmischen Länder „als Gesamtheit“ betrachten. Es gilt, die literarischen und kulturellen Wechselbeziehungen zwischen Deutschen und Tschechen mit zu berücksichtigen.

Das Buch will keine Geschichte der tschechischen Literatur sein. Die in Vergessenheit geratenen historischen Ereignisse, die Mehr- bzw. Zweisprachigkeit der Autoren oder sogar der Sprachwechsel, wie etwa bei Karl Klostermann, werden berücksichtigt. Auch die institutionelle Seite, etwa Literaturverbände, Verlage, Periodika, Universitätsgeschehen, werden ebenso behandelt.

Den Herausgebern ist bewusst, dass Leser in Österreich und Deutschland und auch in Tschechien unterschiedliche Rezeptionsverständnisse haben können, weil länderspezifisch andersartige Bildungsvoraussetzungen gegeben sind. Das nehmen die Autoren in Kauf und zugleich in Anspruch, darauf Rücksicht genommen zu haben.

Das fünfte und das sechste Kapitel des Handbuchs widmet sich den Themen, den Motiven und Textsorten der deutschen Literatur in Böhmischen Ländern. Das Handbuch gibt eine gute allgemeine Orientierung, lässt sich auch kapitelweise lesen bzw. durcharbeiten und gibt auch auf spezielle Fragestellungen Auskunft.

Der deutsch-böhmische Germanist Kurt Krolop hat das umfangreiche Buchprojekt mit Rat und Tat begleitet, und der Literaturwissenschaftler Peter Demetz, US-amerikanischer Germanist von deutsch-tschechisch-jüdischer Herkunft, hat ein Schluss Essay beigetragen. Wir werden in der nächsten Zeit weitere Kapitel des Buches behandeln…

Heute:

Kapitel Einleitung und Kategorisierung

 

Im Metzler Verlag sind schon einige literaturwissenschaftliche Handbücher erschienen, nun also die „zusammenhängende Darstellung der in einer mitteleuropäischen Region entstandenen Literatur“.

Fallen Namen wie Rilke, Werfel, Brod, Kafka und andere, nähren diese Autorennamen den Eindruck, alle deutsche Literatur stamme aus Prag. Die Autoren des Handbuches sehen darin eine Unangemessenheit, die deutsche Literatur von der Literatur der Böhmischen Länder abzutrennen.

 

Den Begriff der „Prager deutschen Literatur“ möchten die Autoren abschaffen und sprechen von der Literatur Prags und der Böhmischen Länder (als Eigenname verwendet und großgeschrieben!) „Böhmische Länder“ weist auch darauf hin, dass der Begriff Böhmen allein zu unscharf ist, handelt es sich doch um drei unterschiedliche geopolitische Räume: das Königreich Böhmen, die Markgrafschaft Mähren und das Herzogtum Schlesien. Wobei sich die west- und nordböhmischen Gebiete zum preußisch dominierten Deutschland orientierten und Mähren zur Habsburger Metropole Wien.

 

Die unterschiedlich entwickelten Verkehrswege förderten diese Orientierungen. Die zentralistische Struktur prägte auch die kulturellen Verhältnisse: „Hier die Metropole Prag, da die provinziellen Peripherien.“

An den beiden Autoren Rilke und Härtling weisen die Autoren nach, dass ihre Werke zunächst von der Herkunft thematisch regional geprägt waren, also Anklänge an die Böhmischen Länder zu finden sind, etwa in den Prager Geschichten von Rilke, bei Musils Mann ohne Eigenschaften, bei Härtling in autobiographischen Romanen. Härtling hat von 1941 bis 1945 seine Kindheitsjahre in Olmütz und Brünn verbracht. Fazit in diesem Kapitel: „Je vielseitiger sich Lebens- und Schaffenshorizonte von Autoren aufspannen, desto größer wird ihre Teilhabe an 

unterschiedlichen Literaturen.

 

Kapitel Literaturgeschichte

 

Eine Literaturgeschichte über die deutsche Literatur der Böhmischen Länder gibt es bisher nicht. Sie müsste die regionalen Infrastrukturen berücksichtigen, die Vernetzung der deutschsprachigen Literatur mit den Nachbarländern thematisieren und vor allem die Wechselwirkungen mit der tschechischen Literatur betrachten. Dabei gibt es jetzt schon Forschungsprojekte, Publikationen und Ausstellungen, die vor allem auf der wachsenden Zusammenarbeit von Germanisten und Slawisten fußen. Doch die Zusammenschau fehlt bislang.


Das Kapitel „Literaturgeschichtsschreibung“ setzt die Anfänge mit der geschichtlichen Betrachtung der Kronländer oder der Städte. Der Bezugsrahmen war zunächst die K.-u.-k.-Mo¬n¬ar¬chie, die Zuordnung zur deutschen Kultur im Gegensatz zur tschechischen Literatur betrachtet. Später wurde zwischen deutscher, deutsch-österreichischer und deutsch-böhmischer Literaturgeschichte differenziert. 
Nach dem Münchner Abkommen und der Besetzung Prags galt sie unter nationalsozialistischem Regime als Teil der deutschen Literatur und nach dem Krieg, nach Flucht und Vertreibung als eine Literatur, der das Land abhandengekommen war. 


Die Nazis grenzten jüdische und antinationalsozialistisch eingestellte Autoren aus. Die ersten Literaturgeschichten der Tschechoslowakei berücksichtigten teilweise deutsche Schriftsteller. In der Auseinandersetzung um die damals strittigen Grenzfragen wies der Literaturhistoriker und Schriftsteller Josef Mühlberger darauf hin, angesichts des „Grenzlandkampfes“ bestehe die Gefahr, den „Blick für Größe und Weite“ zu verlieren. 


Nach dem Zweiten Weltkrieg schien es lange Zeit so, dass die deutsch-böhmische und die mährische Literatur aus dem Blickwinkel der allgemeinen Aufmerksamkeit verschwunden war. Erst durch das Interesse an Kafka und an den Exilautoren wurde das Interesse wieder geweckt und besonders nach der samtenen Revolution befruchtet. 
Das interessante Überblickskapitel ist letztlich ein Arbeitsauftrag, sich mit der Literaturgeschichte dieser speziellen Gattung zu widmen, erst recht deshalb, weil sich im deutsch-tschechischen Verhältnis die kulturelle Dimension mehr als entwicklungsnötig darstellt. 

 

Kapitel Interkulturalität

 

 

Klären wir zuerst die Begriffe, wie uns die Disziplinen der Wissenschaften an den Universitäten zu jedem Studienbeginn zum besseren Verständnis anraten. Insbesondere die Soziologie, die Gesellschaftswissenschaften, sind es ja, die ganz besonders dafür bekannt sind, Wort-Ungetüme zu bilden. Nehmen wir als Beispiel das Wort INTERKULTURALITÄT. 
Es geht hier um das Bewusstsein einer Gesellschaft, deren Menschen ein Verständnis dafür entwickelt haben, dass ihre Mitglieder die kulturelle, sprachliche oder religiöse Verschiedenheit anerkennen oder mindestens anstreben und dabei wissen, dass der Andere in einer Gesellschaft mindestens respektiert und bestens akzeptiert ist. 


Ein ganzer Wissenschaftsbereich beschäftigt sich mit dem Thema, denn die Lebensbedingungen des Individuums und ganzer Gesellschaften sind so global geworden, dass man an diesen kulturellen Vorbedingungen eigentlich nicht mehr vorbeikommt. 


So findet man, ganz praktisch gesehen, im Internet Definitionen von COACHING-Organisationen, die Manager interkulturell fit machen für die globalisierten Wirtschaftsbeziehungen. 


Glossar: Interkulturalität 


„Unter Interkulturalität versteht man das Aufeinandertreffen von zwei oder mehr Kulturen, bei dem es trotz kultureller Unterschiede zur gegenseitigen Beeinflussung kommt.

Bei dem Aufeinandertreffen verschiedener Kulturen werden die eigene kulturelle Identität und Prägung wechselseitig erfahrbar. Interkulturalität meint dabei die Einnahme und das Denken aus der jeweilig anderen Perspektive ohne das Ziehen vorschneller Schlüsse. Das Fremde soll nicht in das eigene Selbstverständnis angegliedert, sondern erstmal nur bewusst zur Kenntnis genommen werden“. (Quelle IKUD Coaching Seminare)
https://www.ikud-seminare.de/


Diese theoretischen Konzepte übertragen die Autoren Dieter Hebeböcke und Manfred Weinberg in ihrem Artikel „Interkulturalität/Konzepte der Interkulturalität“ auf die Literatur Prags und der böhmischen Länder. 
Interkulturalität sei dafür maßgebend schon seit dem 12. Jahrhundert, weil Bayern, Franken, Obersachsen, Schlesier und Österreicher unter der Regentschaft der Přemysliden als Handwerker, Bauern und Bergleute angeworben wurden und sich an den böhmischen und mährischen 
Grenzgebieten ansiedelten.


Die Autoren rechnen auch die Gruppen dazu, die sich um 880 bei Baubeginn der Prager Burg als Händler dort heimisch machten. Sie werden als national heterogen betrachtet. Auch die Juden hatten schon im 10. Jahrhundert in diesem Raum eine starke Stellung. Dass Tschechen, Deutsche und Juden in den böhmischen Ländern zusammengelebt haben, wird zu einer Erklärungsformel, die in der Literatur, in der Wissenschaftsgeschichte und in theoretischen Ansätzen dazu immer wieder vorkommt. 


Dabei werden zwei Nationen-Begriffe (Deutsch/Tschechisch) mit einem religiösen Attribut (Jüdisch) kombiniert. Diese Verbindung ist jedoch grundlegend falsch, denn die Deutschen waren ja national gesehen, keine Deutschen, sondern sie gehörten wie die Tschechen der Österreich-Ungarn-Donaumonarchie an. Muttersprachlich und vor dem kulturellen Hintergrund gesehen waren sie jedoch schon als Deutsche und Tschechen zu betrachten. Der Begriff Nation hilft also hier nicht viel weiter.


Im folgenden Ansatz der Interkulturalität versucht Gesellschaftstheorie sich abzuwenden von dem Dogma der ABGRENZUNG. Es geht zuerst einmal konkret um das Miteinander unterschiedlicher Kulturen im selben geographischen Raum, und ich füge hinzu, natürlich auch um das Gegeneinander. 


1990 wurde der theoretische Ansatz der Interkulturalität entwickelt, der davon ausgeht, dass Kultur permeativ und nicht separatistisch zu begreifen sei. Übersetzen wir die „physikalischen“ Soziologismen. Die PERMEATION ist das Eindringen eines gelösten Stoffs bzw. eines Gases durch eine Membran und dann durch eine Materieschicht. Es geht also um Durchlässigkeit. Das wird nun auf Gesellschaften und ihre Bevölkerungsgruppen übertragen. 


Das Streben nach Separation meint vor allem das politische Ziel der Gebietsabtrennung, um einen separaten, einen eigenen Staat zu gründen. Hier ist vielleicht meinerseits auch noch der Begriff Segregation anzuführen, den die Autoren in ihrem Beitrag selbst nicht anwenden. Segregation heißt ENTMISCHUNG von diversen Elementen in einem bestimmten geographischen Gebiet. 

 

Transkulturalität nach Wolfgang Welsch
„Mit Transkulturalität beschreibt Wolfgang Welsch (1997) das Konzept einer Gesellschaft, in der sich kulturelle Identitäten durch die Vermischung von Elementen verschiedener Kulturen konstituieren. Kulturelle Grenzen und die Vorstellung homogener Nationalkulturen werden aufgehoben, indem einzelne Kulturen innerhalb einer Gemeinschaft verschmelzen. So lassen sich moderne Gesellschaften als strukturell heterogen und hybrid auffassen.“
Quelle IKUD Coaching Seminare


In einer schlüssigen, leichter verständlicheren Formel, hat das der Literat Johannes Urzidil gebracht, der über sein Leben in Prag sagt: „Ich bin hinternational“. Er lebte hinter den Nationen. Vordergründig gab es zwar die nationalkulturelle Trennung in Prag, dahinter waren jedoch auch grundlegende Gemeinsamkeiten. 


Mischen sich zwei bisher voneinander getrennte Systeme, spricht man von HYBRIDISIERUNG. Darin steckt die Gefahr, dass der Wissenschaftler, betrachtet er das prägende Gemeinsame, die vorausgesetzten bzw. gelebten Abgrenzungen übersieht. 


Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass das Konzept Interkulturalität noch nicht angemessen abgerundet entwickelt ist, um solch hochkomplexe gesellschaftliche bzw. historische Zusammenhänge zu erklären. 


Interkulturalität wurde in den 1970er Jahren als Begriff verwendet, um Konzepte für Konfliktlösungen zu diskutieren bzw. Kompetenzen für internationale Geschäftsbeziehungen zu entwickeln. Das kulturell Fremde sollte besser verstanden werden. 


Dabei kam eine moralische Konnotation ins Spiel. Der schwer fassbare Begriff Interkulturalität wird zudem durch seine Verwendung in ganz unterschiedlichen Wissenschaften mit einer Vielzahl von Ansätzen und Lösungswegen noch unklarer. 


Wo hört die eine Kultur auf, und wo fängt die nächste an? Nun spielt der Begriff der oder das Fremde hinein. Wissen wir um den Fremden, kennen wir die üblichen Denkmuster des Anderen, welche Erfahrungshorizonte erinnern wir und wie spielt das zurück auf die Identifizierung mit der eigenen Kultur? Und wo nisten sich Zwischenräume ein? 
Der Philosoph und Anthropologe Wolfgang Welsch formuliert es so: „Ohne Abgrenzung keine unterschiedlichen Kulturen und ohne diese keine Interkulturalität.“ 


Wissenschaftler der Universität Konstanz, die die kulturellen Grundlagen von Integration untersuchen, gehen davon aus, dass IDENTITÄT kein natürlicher Dauerzustand im Selbstbewusstsein sozialer Akteure ist. Für diese Wissenschaftler stellen sich Identitätsfragen entweder in kritischen Übergangsphasen (in denen wir uns wohl heute befinden/Anm. des Autors), in ruhigen Zeiten können sie jedoch auch latent sein.  Damit wird die Kategorie jedoch von wechselnden gesellschaftlichen Situationen abhängig.


Wenn wir Kulturen vergleichen, müssen wir dann nicht auf absolute Wertmaßstäbe verzichten, weil sie uns den Blick verstellen? Sollten wir nicht statt vom fixen Wissen über das Fremde unser Verhältnis dazu vom Nicht-Wissen her definieren? 


Die Autoren fassen es so zusammen: „In diesem Nichtwissen generiert Interkulturalität ihr grenzüberschreitendes Potenzial.“ 


Die Autoren weisen auf die definitorischen Schwierigkeiten beim Begriff Interkulturalität hin und führen das KONZEPT des HORIZONTs ein, in dem nicht von gegeneinander abgegrenzten Einheiten ausgegangen wird, sondern von grundsätzlicher Vielfalt.


Es ist ein RAUM-Modell. Instabile Einheiten, nur zeitweise gültige Grenzen, Vermischungen und Verschiebungen sind darin ebenso enthalten wie nationalkulturelle Hintergründe.


Fazit der Wissenschaftler: Dieses HANDBUCH DER DEUTSCHEN LITERATUR PRAGS UND DER DEUTSCHEN LÄNDER, erschienen bei J. B. Metzler, folgt keiner einzelnen Theorie der Inter- oder Transkulturalität, sie ist als eine Art Materialsammlung für künftige Forschung anzusehen.

 

Kapitel Literatur und Raum

 

Das HANDBUCH DER DEUTSCHEN LITERATUR PRAGS UND DER BÖHMISCHEN LÄNDER hat eine sehr übersichtliche Inhaltsstruktur. Es beginnt mit dem Vorwort und endet mit dem in der Wissenschaft üblichen Anhang, der aus den Lebensdaten ausgewählter Autoren der Böhmischen Länder, aus einem deutsch-tschechischen Ortsregister, den Lebensdaten der Autorinnen und Autoren sowie dem Personenregister besteht.


Das Handbuch wird in acht Kapiteln gegliedert. 


Nach dem Abschnitt Literatur- und Forschungsgeschichte einer Region, dem Kapitel über Theoriekonzepte und dem Allgemeinen Hintergrund (darin ein geschichtlicher Abriss der Böhmischen Länder, institutionelle Informationen über Verlage und Buchhandel, Geschichte der Ästhetik) folgt im vierten Kapitel ein Aufriss der literaturgeschichtlichen Epochen und im fünften Kapitel dann Themen und Motive der Literatur: Historischer Roman, historisches Drama, Essay, phantastische Literatur, Sagen und Legenden, Mundartliteratur sowie Übersetzungen sind die einzelnen konkreten Textsorten, die im Kapitel Sechs zusammengefasst sind. 


Im siebten Schlussabschnitt zieht Peter Demetz, der renommierte amerikanische Germanist und Autor literaturwissenschaftlicher Werke deutsch-tschechisch-jüdischer Herkunft eine Bilanz.
Das Theoriekapitel wird abgeschlossen mit zwei Texten zu Konzepten des Raumes und Raumkonzepten der Region. Dabei sind sich die Verfasser im Klaren darüber, dass es bisher keine passgenauen Raumkonzepte für die böhmischen Länder gibt. 


In Prag und Brünn bildeten sich von den Autoren so genannte „Knotenpunkte“ der Literatur, es geht um die Vielfalt in den Kulturräumen Böhmen, Mähren und Österreich-Schlesien. Es wird auch das in der Politikwissenschaft und Soziologie angewandte Theoriemodell von Zentrum und Peripherie erwähnt. 


Auch das Raumkonzept von Henri Lefebre, dem französischen Philosophen und Soziologen, wird zitiert, der davon ausgeht, dass jede Gesellschaft einen ihr eigenen Raum produziert, der sich auf drei Ebenen abspielt.


Die erste Ebene bedeutet, die Wahrnehmung, also was wir erleben, benutzen, produzieren und reproduzieren. Auf Ebene Zwei gibt es den Raum des Wissens, der Zeichen und der Codes. Auf der dritten Ebene geht es um Imagination, welche Bilder und Symbole stellen wir her. 
Im weiteren Verlauf des Textes behandeln die beiden Autoren Manfred Weinberg und Irina Wutsdorff den Raumgedanken in Philosophie, im Strukturalismus und in den Kulturwissenschaften sowie weitere Ansätze, den Raum mythisch, ästhetisch oder theoretisch zu begreifen. 
Insofern schließt sich direkt daran an, was die Autoren Raumkonzepte der Region nennen, weil es ja eben auch um die geographischen Aspekte geht, um das Verhältnis der nationalen Gemeinschaften in den Böhmischen Ländern sowie um die Literaturgeschichte der deutschen Stämme und Landschaften. 


Dieses Kapitel hilft, theoretische Überlegungen zur Einordnung der Literatur zu entwickeln, wenngleich die Autoren zugeben, dass alle Ansätze erst in den Anfängen befindlich sind, es also an theoretischem Handwerkszeug noch fehlt. Das ist den Autoren nicht anzulasten. Es hat eben sehr, sehr lange gedauert, bis der Blick ins Nachbarland Tschechien durch Grenzzäune hindurch und über sie hinweg freier war, um sich gegenseitig besser wahrzunehmen. Und auch dieser Prozess steckt erst in den Anfängen. In diesem Handbuch stehen allerhand Handlungsanleitungen dafür, es muss nur genutzt werden.  

 

Geschichte der Böhmischen Länder

 

 

Wann beginnt die Geschichte eines Landes? Ganz sicher vor der eigentlichen Geschichtsschreibung, die später einsetzt, weil es an den Vermittlungsmöglichkeiten mangelte und nur in der Erzählung die Weitergabe lag. Von den Anfängen wissen wir also wenig bis nichts, obwohl die Wissenschaft forscht, insbesondere die Archäologie, die nach den Anfängen der Geschichte buchstäblich gräbt. Weil es eben keine frühe Geschichtsschreibung gibt, bleibt die „früheste Kindheit der Geschichte“, so sagt es Clemens von Brentano „stumm“.
Wann beginnt der Übergang vom Mythos zur realen Geschichte? Vom Erzählten zum Faktischen? 


Im Falle Böhmens gehen wir von den Gründungssagen vom Stammvater Čeck oder Boemus aus. Historisch verbürgt, so steht es im Handbuch, ist jedoch nur die Dynastie der Přemysliden, einem Herrschergeschlecht, das bis 1300 an der Macht war. 


Nach dem Aussterben dieser Dynastie waren die Luxemburger mit König Johan Inhaber der Krone. Karl IV. war es dann, der durch die Gründung der ersten Universität nördlich der Alpen Prag zum europäischen Zentrum machte.


So bildete sich eine Epoche heraus, die zwischen der mittelalterlichen Tradition und dem Früh-Humanismus stand. 


Wissenschaftliche Wahrheiten und deren Verbreitung entwickeln sich zu jener Zeit im Gegensatz zum Denken in der Kirche, die Verweltlichung beginnt, und so ist es Jan Hus, der mit der Einführung des weltlichen Kelches, des so genannten Laienkelches, ein Jahrhundert (!) vor Martin Luther den Bruch mit den Lehren der Katholischen Kirche markiert. 
Nach dem Dreißigjährigen Krieg wird Böhmen in den habsburgischen Machtbereich integriert, das Denken wird rekatholisiert, die Eliten des Protestantismus vertrieben, die Böhmischen Länder werden zum Erbkönigreich der Habsburger ernannt. Der moderne Staat entsteht mit zentraler Verwaltung, der Ausdifferenzierung des Rechtsstaates und einer vom Staat gelenkten Wirtschaft. 


1784 wird Deutsch als Amtssprache verordnet, am Wiener Hof wird das Tschechische nämlich als „unfertige Sprache“ gesehen, das deutsch Geprägte überlagert den realen Sprachgebrauch des Tschechischen und marginalisiert es auf diese Art und Weise. 


„Unter dem Druck der französischen Revolution verstärkt sich die innere Repressionspolitik.“ 


Die Zeitungen werden zensiert, Buchhandlungen und das Schulwesen überwacht. Der Volksmund macht sich darüber lustig, indem er von den vier Armeen des Kaisers berichtet. Das „stehende Heer der Soldaten“, das „sitzende Heer der Bürokraten“ das „kniende der Geistlichen“ und das „schleichende der Denunzianten“.


Von der französischen Revolution und den Befreiungskriegen her beeinflusst, entsteht ein nationales Denken, die moderne tschechische Schriftsprache entsteht, die jedoch einen niedrigeren sozialen Status hat als das Deutsche im Vergleich. Es entstehen zwei unterschiedlich ausdifferenzierte Kultursysteme. 


Die Tschechen fordern den so genannten „Trialismus“, die gleichberechtigte Vertretung von Deutschen, Ungarn und Slawen. Desintegrative und konfrontative Entwicklungen fördern das Trennende im deutsch-tschechischen Verhältnis. 
Auf die Gündung des tschechischen Nationaltheaters folgt die Eröffnung des Neuen deutschen Theaters, die deutsche Wissenschaftsgesellschaft wird konterkariert durch die Gründung der Tschechischen Akademie der Wissenschaften. 


Die Auseinandersetzungen radikalisieren sich. Sprachverodnungen führen zu Widerstandsbewegungen, die auch gegen deutsche Geschäfte in Prag gewalttätig werden. Und Egon Erwin Kisch konstatiert: „Kein Deutscher erschien jemals im tschechischen Bürgerclub, kein Tscheche im deutschen Kasino.“ Und die jüdische Gemeinschaft steht dazwischen. Nach 1860 etabliert sich jedoch nach und nach eine moderne national argumentierende Kultur, die in der Musik durch die Komponisten Smetana, Dvořák und Janáček vertreten ist und weltweit Beachtung und Anerkennung findet. 


Historische Figuren, Narrative, Mythen und geschichtliche Ereignisse werden in das Zentrum der Kulturschaffenden gerückt. Bis zum Ende des Ersten Weltkrieges wirken monarchistische Tendenzen und die deutsch-tschechische Konkurrenz in Kultur und Bildung noch nach, nach dem Ausruf der tschechischen Republik 1918 entsteht der Nationalitäten-Staat. 


Zwischen 1938 und 1945 wird mit der Besetzung der Sudetengebiete durch Hitler und durch das Protektorat Böhmen-Mähren der tschechoslowakischen Staatlichkeit „durch Gewalt von außen“ ein „Ende gesetzt“. 


Es entsteht ein explosives kulturpolitisches Gemisch aus „Einschüchterung, Vereinnahmung, Rivalität und Kollaboration“, in dem sich aber auch Nischen der Eigenständigkeit und versteckter Widerstand entwickeln. 


Die Judenvernichtung erreicht ihren Höhepunkt in der Errichtung des Ghettos Theresienstadt. 


Nach Kriegsende werden drei Millionen Sudetendeutsche vertrieben. Die Vertreibung führt zu einem Ende des jahrhundertelangen deutschen und tschechischen Zusammenlebens.

 

 

 

 

Peter Becher/Steffen Höhne/Jörg Krappmann/Manfred Weinberg (Hg) Handbuch der deutschen Literatur Prags und der Böhmischen Länder

 

Das braune Netz

Sie hatten ihre Karriere im Dienste des NS-Staates begonnen – und setzten sie bruchlos in der der neuen Bundesrepublik fort. So bereitwillig sie der braunen Ideologie gedient hatten, so engagiert traten sie nun für die Demokratie ein. Kriegsgerichtsräte fällten wieder ihre Urteile, einst regimetreue Professoren lehrten und die Journalisten aus den früheren Propagandakompanien schrieben, als hätten sie sich nichts vorzuwerfen.

 

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