Damit es wieder schmeckt - Auswahl-Kochbücher

Bevor uns der Geschmack durch die Fastfood-Trends vollends verloren geht, weise ich hier auf hervorragende Kochbücher hin. 

 

 

Europäische Geschmacksproben

Gehen wir doch einfach einmal optisch und multimedial vor und werfen einen genaueren Blick auf Europa. Mit einer Videoschaltung nach Brüssel entdecken wir in den modernen Bürotürmen im Dickicht der Verwaltungsstrukturen grobe Etatstreitigkeiten, in Fernsehberichten sehen wir die elenden Situationen in Flüchtlingscamps, auf alten Landkarten in Büchern spüren wir Grenzverläufe der früheren Tage auf, wie wir sie längst aus unserer Erinnerung getilgt haben. 


Der Blick auf Europa ist wie im Kaleidoskop vielfarbig, manchmal jedoch schwarzweiß aber eben auch häufig problembelastet. 


Haben wir nicht gerade erst durch die Coronakrise erfahren, wie nationale Gesundheitspolitik in der Pandemie alle europäischen Bemühungen ad absurdum führte. Und der britische Brexit-Diskussions-Porridge (Brei) hat nicht gerade Geschmack auf Europa gemacht. Der Appetit auf Europa ist vergangen, möchte man meinen. 


Da kommt ein neues Table-Buch aus dem Wieser Verlag, unterstützt vom ORF und Buch-Sponsoren in der Reihe DER GESCHMACK EUROPAS. EIN JOURNAL MIT REZEPTEN. ZEHN WEITERE STATIONEN, das so vielfarbig, vielgestaltig ist und so viele Dimensionen hat, dass ein paar Zeilen Rezension fast nicht ausreichen, es zu würdigen. 


Da ist zunächst einmal das Titelbild mit einer üppigen Marktgemüse-Theke, an dem man schon erkennen kann, dass der Autor und Verleger Lojze Wieser einen „grünen Daumen“ hat. Die Aufschlagseite zeigt natürlich einen grünen Einband. 


Wir werden auf kulinarischen Pfaden und gar nicht ausgetretenen Wegen eine Entdeckungsreise durch das Elsass, Montenegro, Mähren, das westliche Friaul, Alentejo, den Bregenzerwald, das westliche Irland, Korsika und Schlesien machen. 


Das Buch präsentiert uns in erster Linie die Menschen und ihre Küchentraditionen in den jeweiligen europäischen Regionen, das Landestypische, das Küchenoriginale und -originelle, das Traditionsbehaftete und derzeit auch Modische. Eine fulminante Rezeptologie, ohne plattes Kochbuch zu sein. Küchenvorwissen hebt das Verständnis, wenn man in die Kochtöpfe und mit Wieser den Kochenden über die Schulter schaut. 


Und dann rührt der küchenleidenschaftliche Lojze Wieser ein Gericht nach dem anderen an, das seinesgleichen sucht. Er mischt Rezepte mit Texten und Weisheiten, Zitate und Rezensionsschnipsel, Quellenhinweise und Internetkontakte, Redetexte und Reportagen, Landschaftsimpressionen und Tierfotografie, Gedichtzeilen, Satzfetzen mit Nachrufen, Liederkostproben, Buchausschnitte mit Sprachkursen, Küchengeheimnisse mit landschaftlichen Besonderheiten.
Zugleich beinhaltet der Materialband auch Feedback von Lesern, deren Urteile über frühere Bände mit eingebunden werden. 
So entsteht ein vielschichtiges Buch, das mehrere Ebenen hat, etwa so handhabbar wie ein Zauberwürfel, den man drehen und wenden kann und der immer eine neue Kombination im Vorrat hat. Apropos Vorrat, das Buch ist auch eine Vorratskammer für jede Menge inspirierende Küchen- und Kochideen.


Wieser lässt Politisches nicht aus, wenn im Kapitel Montenegro „der Balkan nicht zur Ruhe kommt“.

 
Wie beiläufig werden Sehenswürdigkeiten mit erzählt. Zum Beispiel die älteste Apotheke in Cetinje oder die schöne Freskenfassade des Palazzo Dipinto in Friaul lernen wir kennen. Neben den Blicken in die landwirtschaftlichen Produktionsbetriebe, Käsereien oder ländlichen Küchen ist immer auch ein touristischer Tipp mitgeliefert.
Auch die musikalische Ebene vergisst Wieser nicht, wenn er Liedtexte abdruckt, neben Literarischem, neben Kostproben aus der Literatur, etwa Joyce und Böll im westirischen Connemara und kleinen Sprachkursen im Walisischen.

 
Die Farbfotos zeigen europäische Panoramen und Porträts, Gemüse, Früchte, Fleisch, Wiesen, Äcker, Schafe, Kühe, Gewürzbeete und landestypische Menüfolgen. 


Gehen wir also auch an dieser Stelle noch einmal optisch vor und nehmen eine Lupe, um unseren Blick etwas genauer auf die Speisen und kulinarischen Genüsse zu werfen.


Elsässisches Sauerkraut (Choucroute) und das klassische Baeckeoffe sind ebenso vertreten wie Bibelskäse und Pot au feu im Kapitel Elsass. 
In Montenegro entdecken wir Feigenrouladen mit Füllung, Kraut mit Geselchtem und Nussschnaps. Mähren bietet Ölmützer Quargels und Krautsuppe. Im Friaul genießen wir gehobelte Pilze und Käse auf Blattsalaten als Vorspeise und Polentakugeln dazu Wein aus autochtonen Sorten. 

 

Im Altentejo entdecken wir Pulpo mit gekochten Kartoffeln, Thunfischtartar mit Basilikummayo oder Haifischsuppe, die Kräuterbutter immer mit Thymian und Majoran plus Salz angerichtet. Oder Garnelen und scharfe Sauce mal zwischendurch. In Wales muss es Seafood Chowder sein oder Herzmuscheln, ja sogar – mutig, mutig, Fish & Chips. 


Im Bregenzerwald blicken uns verliebte Kühe beim Busseln an und schneegepuderte Wiesenfelder, bevor wir Knöpfli oder Riebl genießen, oder das Rezept der bosnischen Torte ergründen.


Im irischen Connemara, dort wo die mindestens 50 Abstufungen der Farbe Grün zu entdecken sind, experimentieren wir mit Seegraspuddding, genießen Hirschrücken, frische Austern und braunes Sodabrot. Das herbe Korsika fordert auf, niemals nach der Karte zu fragen, immer das Menü zu bestellen, weil die Köche eben Künstler sind, und so kommt nach der korsischen Suppe, den Cannelloni mit Kalbfleischfarce ein Osterlamm auf den Tisch. In Schlesien muss es Pastete aus Gans, Kaninchen und Wildschwein gemischt sein, dann Schmalzaufstrich aufs Brot, geröstete Germknödel mit Backpflaumen oder schlesisches Himmelreich. 


Am Ende der Länderfolge bietet Lojze Wieser Beobachtungen, Betrachtungen und Erkenntnisse gastro- und polit-philosophischer Art, die darin gipfeln, dass mit nationalstaatlichem Denken die Zukunftsfragen nicht bewältigt werden können und neue Prinzipien des Wirtschaftens erarbeitet werden müssen.


Apropos Arbeit. Das Zitat soll ja gerade nicht vom Zitate-Erfinder Karl Valentin stammen, sondern aus einer Dialogszene der ersten Filmoper von Max Ophüls “Die verkaufte Braut“ (Smetana): "Kunst ist schön!" "Macht aber viel Arbeit!" 


Und so erfahren wir en passant in dem Buch auch die Arbeits-Zusammenhänge, wie die ORF-Filme, die Fotografien und das Buch entstanden sind. Ein umfangreiches Literaturverzeichnis ergänzt die Informationen rund um das kulinarische Europa. Die seit 2013 laufende - bisher 24teilige Fernsehserie im ORF und auf 3sat ausgestrahlt - ist ein ErfolgsREZEPT, wie die inzwischen drei dicken vielfarbigen auf ausgezeichnetem Papier gedruckten Buchbände dazu ebenfalls belegen. 
Wenn die Zutaten stimmen, die vielen Köche und Küchen Europas den politischen Brei nicht verderben, wenn das Menü mit Lust an der Kulinarik, kulturellen Erfahrungen und Traditionen gemischt als schmeckende Küchengeheimnisse zusammenkommen, dann kann Europa sehr gut munden.  

 

Lojze Wieser: 1954 geboren, lebt als Verleger in Klagenfurt/Celovec und legt den Schwerpunkt seines Programms auf südosteuropäische Literatur. Die Reihe „Europa erlesen“ und die „Wieser Enzyklopädie des europäischen Ostens“ erreichten Kultstatus. Zuletzt erschienen: „Pita, Burek oder Börek“ (gemeinsam mit Barbara Maier, 2012) „…und darin fliegt eine Schwalbe. Meine Lieblingsgedichte.“ (2014, wtb 15).


Heribert Senegacnik: 1955 geboren, lebt in Stein, Viktring/Vetrinj, Kameramann, alle Bereiche von Live-Übertragungen, Mehrkamera-Aufzeichnungen, Dokumentationen, Spieldokumentationen, Festivalbeiträge, Kino- und Fernsehwerbung u. v. m. Seine Kameraführung ist legendär. Zahlreiche heimische und internationale Auszeichnungen. Lehrauftrag an der Alpen-Adria-Universität in Klagenfurt/Celovec. Produktionen für ORF, ARTE, ServusTV, 3sat, ZDF u. a.

Konfitüre, Marmelade und Gelee

 

Titel Stefanie Kleinjung Konfitüre, Marmelade und Gelee. Meine Lieblingsrezepte für jeden Tag. Tre Torri

 

Autor Die Autorin Stefanie Kleinjung hat aus ihrem Hobby – Konfitüre, Marmelade und Gelee zu kochen - einen Beruf mit Berufung gemacht. Vor über 15 Jahren gründete sie die Marmeladenmanufaktur und hat inzwischen 200 Sorten im Angebot.

 

Cover Ein Erdbeer-Marmeladentöpfchen im Zentrum des Covers, das in Himbeerfarben daherkommt.

 

Gestaltung 16o Seiten Rezepte für einfache, aufwändige Marmeladen, Familienrezepte und geschenkgeeignete Leckereien. Pro Rezept eine Doppelseite – eine Seite Foto, eine Seite Rezept und Handlungsanleitung, grafisch sehr gut gestaltet, übersichtlich.

 

Zitat aus dem Buch: „Bei Konfitüre, Marmeladen oder Gelee kommt es vor allem darauf an, dass die Qualität der Zutaten stimmt und dass mit Freude gekocht wird.“

 

Inhalt Nach einem Verlags-Vorwort und der Einleitung folgen elf Kapitel, gut strukturiert, einfallsreich zusammengestellt: Eine kleine Kochschule Teil 1, Leckeres mit Beeren, Leckeres mit Steinobst, Leckeres mit Kernobst, Rhabarberzeit, Zitrusfrüchte, exotische Früchte, Ausgefallene Rezepte, dann die Kleine Kochschule Teil II, ein Saisonkalender, Rezeptregister

 

Lesart kurze knappe präzise Texte, kein Kochbuchgeschwafel

 

Meinung Im Saisonkalender der Früchte steht im Januar natürlich nicht besonders viel Obst,  unter Import natürlich schon, dennoch wollen wir jetzt schon auf dieses wunderbare Marmeladen- und Konfitüren-Kochbuch hinweisen, damit sie sich es vor der Saison rechtzeitig besorgen können, um dann im Frühjahr und Sommer zu starten. Es enthält nicht nur in jeder Hinsicht einfallsreiche und auch ausgefallene Rezepte,  Anregungen, Varianten und neue Mischungen, es bietet auch eine Kleine Zuckerschule, eine Pannenhilfe, die kleine Kräuter und Gewürzschule, Hinweise zum Entsaften, Gelee kochen, zur Gelierprobe, zur Bevorratung sowie nützliche weitere Tipps. Der Saisonkalender und das Rezeptregister bieten einen hervorragenden Überblick. Ein schlaues Buch hinter dem Erfahrung steckt, einfallsreich gestaltet, mit viel Ideen und Varianten, auch als Mitbringsel-Geschenk zum mitgebrachten Marmeladen-Töpfchen wunderbar geeignet. Kompliment an den Verlag Tre Torri!

 

Leser Marmeladen-Freaks, Gelee-Fans und Konfitüren-Genießer

 

Verlag: Tre Torri

 

Pressestimmen Liebevoll aufbereitet versammelt das Buch rund 100 Rezepte mit zahlreichen Variationen der berühmten Princess Revolution Marmeladenmanufaktur von Stefanie Kleinjung. Die Rezepturen sind einfach nachvollziehbar und Informationen und Tipps helfen bei der Zubereitung. 

www.gourmondo.de