Mord und Totschlag zwischen Buchdeckeln

KRIMINAL...Tango Die neuen Krimis

Der neue Makaris: Offshore

Griechenland war seit der Antike ein Volk der Seefahrer. Der Schiffskatalog im zweiten Buch von Homers Ilias ist das erste literarische Zeugnis einer großen Flotte. Im 20. Jahrhundert verbinden wir die griechische Seegeltung mit Namen wie dem Tankerkönig Onassis. Auch heute gibt griechische Reedereien, die ihren Sitz aber großenteils in London haben. Das ist der Ausgangspunkt des neuen Kriminalromans von Petros Markaris. Als nacheinander drei Morde mit maritimem Hintergrund in Athen passieren, ist Kommissar Christos Charitos aufgerufen, tätig zu werden. Einer der Ermordeten war ein Beamter, der in den Überseeschmuggel von Heroin verwickelt war. Der zweite ein Reeder, der sich zeitlebens gegen den Umzug von London nach Piräus gesträubt hatte. Der Dritte ein investigativer Journalist, der den Machenschaften unbekannter Mächte auf der Spur war und deshalb sterben musste. 


Charitos gelingt durch glückliche Umstände die schnelle Aufklärung der drei Verbrechen, die Täter laufen fast offen in die Ermittlungen, andere Polizeidienststellen führen dem Kommissar die geständigen Täter zu. Der neuernannte Polizeivizepräsident, ein Bürokrat ohne praktische Erfahrung, erniedrigt den gewissenhaften Charitos mit den Worten: „Ein blindes Huhn…“. Der aber misstraut den schnellen Ermittlungserfolgen, wittert dahinter fake crimes, vor allem größere Finanzinteressen. Weil er tiefer ermittelt, als es der Polizeispitze in den politischen Kram passt, wird er suspendiert. Ein letzter Zufall bringt ihn dann aber doch wieder auf die Gewinnerstraße. Das ist brillant ausgedacht, sehr kritisch begleitet und spannend zu lesen. Markaris lässt „Offshore“ vor dem Hintergrund der langsam abklingenden Krise in Griechenland spielen, eine Entwicklung, die mafiöse Strukturen geradezu einlädt, in diesem schlingernden Land schwarzes in „gutes“ Geld zu waschen. Sein Freund, der Altkommunist Lambrou Sissis steuert die kapitalismuskritische Begleitmusik bei.

 

Die ganze, aus vielen früheren Krimis vertraute Familie ist wieder mit von der Partie. Seine Ehefrau Adriani lädt wieder zu kleinen Feiern mit ihren berühmten gefüllten Tomaten ein, seine Tochter Katerina macht als Rechtanwältin Karriere. Das ganze Personal der von Charitos geleiteten Mordkommission glänzt mit ihren persönlichen Eigenarten und die Vorgesetzten stören bei den Ermittlungen nur.

 

Das angehängte Personenverzeichnis ist unterwegs hilfreich zur Rate zu ziehen. Athen ist wieder die Stadt der Staus, nachdem viele Griechen ihre während der Krise stillgelegten Autos erneut angemeldet haben und benutzen. Das menschliche Biotop unterhalb der Akropolis, in diesem Jahr auch Zwillingsstätte der Documenta neben Kassel, ersteht in dem eher literarisch anspruchsvoll als nervenkitzelnden Roman des mittlerweile achtzigjährigen Petros Markaris. Er hatte sich als Übersetzer deutscher Literatur von Goethe bis Brecht einen Namen gemacht hatte, bevor er der international gefeierte Krimiautor wurde.


Harald Loch
 
Petros Markaris: Offshore
Aus dem Neugriechischen von Michaela Prinzinger
Diogenes, Zürich 2017   357 Seiten   24 Euro

 

Jean-Luc Bannalec: Bretonisches Leuchten. Kommissar Dupins sechster Fall

Die Ferien stehen vor der Tür. Für Kommissar Georges Dupin haben sie bereits beginnen. Er liegt schon am Strand. Seine Freundin Claire, Kardiologin im Krankenhaus, hat ihm und sich selbst strikten Urlaub verordnet. Ohne Telefonkontakt zum Kommissariat in Concarneau, ohne Kontakt zur Klinik: Strand, Entspannung - Urlaub eben. Sie haben in Trégastel an der Nordküste der Bretagne ein kleines Hotel mit hervorragendem Restaurant gebucht, einen Sandstrand, umringt von rot leuchtenden Granitfelsen gefunden und ihr Handtuch dort ausgebreitet – eine Tortur für den Kriminalaktivisten Dupin! Der zieht die Fälle an wie das Licht die Motten. Kaum angekommen, erfahren sie von einer Vermissten, wenig später von einer in eine Schlucht gestürzten Frau, von einem ermordeten Taxifahrer und von einem Anschlag auf eine unbequeme Politikerin. Dupin darf nicht ermitteln. Claire würde kein Telefongespräch dulden, einen trotzdem heimlich hergestellten Kontakt zu seinem Büro blockt seine famose Sekretärin Golwenn streng ab, und in dem fremden Departement herrscht ein anderer Commissaire - strikte Zuständigkeiten!


Jean-Luc Bannalec, der „bretonische“ deutsche Krimikönig aus Frankfurt, weidet sich an den Tricks, mit denen Dupin die verordnete Urlaubsruhe aushebelt und heimlich in allen Fällen ermittelt und sie am Ende genial löst. Er darf es eigentlich nicht, kann aber nicht anders. Einmal ertappt er seine Frau dabei, wie auch sie – heimlich vor ihm – telefonisch bei einer Herzoperation „Fernunterricht“ erteilt. Nach einer Woche sind die Fälle gelöst, ist der Patient über den Berg. Dann folgt noch eine Woche richtiger Urlaub.


Bis dahin erlebt das von Bannalec stilvoll verwöhnte Publikum eine spannende Kriminalgeschichte mit vielen, später zusammengeführten Strängen. Bei der Beschreibung der mehrgängigen Menüs, die im Ferienhotel, begleitet von guten Weinen serviert werden, läuft einem das Wasser im Munde zusammen. Liebhabern der Bretagne beweist der Autor erneut, wie recht sie haben. Neulinge der Region werden mit Sicherheit zu Fans. Bannalec muss aufpassen, dass die geliebte Bretagne nicht durch seine unverschämt guten Bücher von Touristen auf seinen und den Pfaden Dupins überlaufen wird. Er beschreibt das Bretonische Leuchten der roten Granitfelsen, die aufregend schöne Landschaft so hinreißend, wie man es in Kriminalromanen sonst nie liest.
Im Mittelpunkt der Handlung steht der infame Mordplan eines Pariser Immobilienhais. Er wäre beinahe perfekt aufgegangen. Dupin sichert sich nach und nach die loyale „Zusammenarbeit“ mit der einheimischen Polizistin Inès Marchesi. Die ist die Nichte vom Friseur im Dorf und hält nicht viel von dem zuständigen Kommissar, der zu Dupins Feind werden sollte. Inès, der Friseur und der Besitzer von Dupins Ferienhotel, ein guter Bekannter von Golwenn, bilden fortan eine Nachrichtenkette, über die Dupin alles erfährt. Seine Sekretärin Golwenn hat er mit einem Trick so schwungvoll von ihrer Blockade abgebracht, dass sie beginnt, auf eigene Faust und unter Umgehung aller möglichen Vorschriften zu ermitteln. Sie hat Erfolg und wird mit ihrer energischen Hand einen korrupten Politiker entlarven. Auch Dupin hat Erfolg und erhält dafür am Ende ein Dankschreiben von dem eigentlich zuständigen Kommissar. Und mit seiner Freundin Claire wird er in Concarneau in einem Haus am Hafen zusammenziehen. Ein richtiges Happyend erscheint am Horizont dieses schönen Kriminalromans. Der nächste Fall wird daran anknüpfen.


Harald Loch
 
Jean-Luc Bannalec: Bretonisches Leuchten. Kommissar Dupins sechster Fall
Kiepenheuer & Witsch, Köln 2017   312 Seiten   14,99 Euro

 

Steuersünder-Krimi

Der Zürcher Kriminalpolizist Bruno Cavalli ist einem der Datendiebe auf der Spur, der sich nach New York abgesetzt hat und den heißen Stick für „Gutes Geld“ den Behörden der USA anbietet. Cavalli hat gute Vorarbeit geleistet und weiß viel über die Persönlichkeit des flüchtigen Bankangestellten Mark Heller und seiner Komplizin Sandra Weiß. Er ist beiden auf der Spur, schon ganz dicht dran, als er Zeuge des Mordes an dem Dieb Heller wird. Wer hat Interesse an dem Mord, wer ist hinter den Daten her, wo ist Sandra Weiß und wo vor allem ist der ominöse Datenstick?

 

Die Aufklärung dieses Falles bringt den Zürcher Polizisten mit Regina Flint zusammen, die zur Weiterbildung in die USA gekommen ist und eher zufällig auf Cavalli trifft. Hier springt der „Erste Funke“ zwischen den beiden über, die in früheren Romanen der Autorin bereits ein beliebtes und erfolgreiches Ermittlungsduo gebildet haben. Jetzt erfolgt – spät – die Auflösung des Rätsels, wie sie sich kennengelernt haben: Eine Liebesgeschichte zwischen Polizist und Staatsanwältin nimmt hier ihren Lauf. Die Ermittlungen, die die beiden aneinander ketten, gestalten sich als ausgesprochen gefährlich. Das FBI ist gar nicht erbaut über die ungebetene „Hilfe“ aus der Schweiz. Deshalb müssen beide viel auf eigene Faust unternehmen und geraten dabei immer mehr in die Hände der Verbrecher, die – aus welchem Motiv auch immer –hinter den sensiblen Bankunterlagen her sind. Eine irische Mafia wird hinter den Jägern entlarvt.

 

Wenn der attraktive Cavalli und die überkorrekte Flint den Fall schließlich nach einer Reihe weiterer Morde klären, dann verdanken sie ihren Erfolg in erster Linie einem in der Kriminalistik nicht gerade typischen Sinnesorgan: Es ist weder der sechste oder ein siebenter Sinn sondern die hervorragende Nase Cavallis, die einer entscheidenden Spur folgt. Die nicht gerade abenteuerlustige Staatsanwältin steuert zu der Aufklärung eine psychologisch zutreffende Einschätzung der Komplizin Sandra Weiß bei und entwickelt im Laufe des Romans eine überraschende und zielführende Tatkraft. Schließlich überwinden das FBI und Cavalli ihre gegenseitige Geringschätzung und es kommt zu einem dramatischen Showdown auf dem Arlington Heldenfriedhof. Das Ende findet den verletzten Cavalli neben einer ihn anhimmelnden Staatsanwältin liegend. Nur noch etliche amerikanische Steuersünder zittern.

 

Harald Loch

 

Petra Ivanov: Erster Funke. Flint und Cavalli – Wie alles begann. Kriminalroman

Unionsverlag, Zürich 2017   254 Seiten   19 Euro

 

Krimi mit Hintergrund: Hotel Atlantique


Schauplatz ist die Biskaya. Genauer gesagt der Ort: St. Julien de la mer in der Nähe von Biarritz. Die Hauptperson heißt Delphine Gueron, sie hat bei der Pariser Polizei gearbeitet und lebt nun im Ruhestand an der französischen Atlantikküste. Das Hôtel Atlantique ist der Treffpunkt der beiden Freundinnen Delphine und Aurélie, wo sie ihre Nachmittagszeit bei einem Glas Tee verbringen. Der Roman plätschert anfangs so dahin, wie die Meereswellen an einem nichtstürmischen Tag am Atlantik, bis Aurélie eines Tages nicht mehr zum Treffpunkt der beiden Damen erscheint. Sie stürzte vom Balkon. War es Mord oder Selbstmord? 


Überraschend bricht ein Jugendlicher mit Namen Karim bei der Kommissarin a. D. ein, doch statt ihn der gerechten Strafe zuzuführen, hat sie Mitleid mit ihm und gibt ihm Strafarbeiten auf wie Gartenmöbel streichen oder Tomaten ernten. Dies ist schon ein überraschender, außergewöhnlicher Einfall der Autorin. Die beiden kooperieren aber auch zunehmend bei den Ermittlungen, das Gute und das Böse verbinden sich auf der Suche nach der Wahrheit. Doch wo liegt die Wahrheit? Beide müssen sie in der Vergangenheit suchen, denn die Handlung entwickelt sich vor der „Folie“ einer historischen Tatsache im II. Weltkrieg. 


Zur Besatzungszeit, als die Nazideutschen in Frankreich das Sagen hatten, gab es Frauen, die sich mit den deutschen Soldaten einließen und aus diesen Verbindungen entstanden „Babys“ der „Boches“, eine herabwürdigende Bezeichnung der Franzosen für die Deutschen. Die Autorin, die zeitweise in Frankreich lebt, entwickelt aus dieser historischen Tatsache, die heute immer noch nicht vergessen ist, einen spannenden, wendungsreichen Plot, der immer neue Verdachtsmomente aufbringt. 
Wir werden als Leser dabei keineswegs mit historischen Fakten genervt, im Gegenteil, die Fakten kommen wie beiläufig daher. Es gelingt der Autorin uns als Leser den Begründungszusammenhang für die Verbrechen unterzujubeln, ohne uns mit historischen Details zu langweilen. 


Die Sprache ist sehr genau, flüssig, mit einem französischen Unterton, denn die auch als Lektorin arbeitende Schriftstellerin lässt Spracheigenheiten unserer Nachbarn mit einfließen, ohne dass diese zumeist im Dialog dann übersetzt werden. Das schafft französische Atmosphäre. 


Bei manchen Charakteren hätten wir gerne mehr über ihr Seelenleben als über ihre Kleidung erfahren, und auch die faszinierende Atlantiklandschaft kommt etwas zu kurz, doch das Buch, das langsam beginnt, nimmt Tempo auf und wird am Schluss zu einem spannenden Szenario für uns. Mehr wollen wir vom Inhalt an dieser Stelle nicht verraten. 


Die Beschreibungskraft fasziniert, da hilft der Autorin die Genauigkeit und das Sprachreservoir einer erfahrenen Lektorin. Die Dialoge stimmen auf den Punkt! Die Atmosphäre vermittelt sich! Die Spannung wächst! Was nicht allzu oft gelingt, Politik und Geschichte im Roman schlüssig zu verarbeiten ohne dabei zu langweilen, der Autorin ist das wirklich gelungen. „Chapeau !

 

Die Autorin:  Als Valerie Jakob schreibt eine der erfolgreichsten Übersetzerinnen für Romane aus dem Angloamerikanischen und dem französischen Sprachraum. Sie kann sich für ihr Debüt auf eigene Erfahrungen stützen, denn der französische Sud-Ouest ist ihre zweite Heimat. Heute lebt und arbeitet sie in Berlin, verbringt ihre Urlaube aber noch immer am liebsten an der südfranzösischen Atlantikküste. 

Donna Leon - der 26te

Am Anfang legt Donna Leon eine falsche Fährte, weckt Erwartungen auf einen Fall, der dann im Laufe des Krimis „Stille Wasser“ ins Wasser fällt. Aber der offenbar doch verwüstliche Brunetti bekommt eine Auszeit auf der Insel Sant Erasmo. Wer sich in dem Archipel vor Venedig nicht auskennt, findet auf Vor- und Nachsatzblatt der wiederum schön in Leinen gebundenen Ausgabe so etwas wie eine Seekarte. Die Gründe für diese Auszeit liegen nahe am Fake, haben aber auch eine medizinische Beglaubigung. Brunetti macht einen Sonderurlaub in der leerstehenden Villa einer entfernten Verwandten seiner Frau Paola und freundet sich mit dem Hausmeister Davide Casati an. Mit ihm unternimmt er täglich Ruderausflüge in den Kanälen außerhalb der eigentlichen Lagune. Casati hat in den Salzsümpfen Bienenstöcke stehen und Brunetti lernt bei den Besuchen dort vieles über diese von der Umwelt so sehr bedrohten Bienen. Die Umwelt Venedigs und der Lagunenlandschaft wird nicht nur von den Touristen bedroht, sondern auch – seit langem schwirren Gerüchte darüber – auch von nahegelegenen chemischen Werken. Casati hatte in einer Fabrik gearbeitet, war bei einem Unfall schwer verletzt worden und besorgt sich seitdem um den Zustand der Natur.
Erst nach gut 100 Seiten kommt der 26. Fall Brunettis richtig in Fahrt, als Casati nach einem schweren Unwetter vermisst und später ertrunken aufgefunden wird. Die Erholungsauszeit des Commissarios endet abrupt – er ist vor Ort und sofort in die Ermittlungen eingespannt. Selbstmord des nach dem Tode seiner Ehefrau depressiven Casati oder ein Unfall im Sturm? Die Ermittlungen führen zu dem 20 Jahre zurückliegenden Chemieunfall, zu zwei anderen schwerverletzten Opfern und deren verlogenen Existenzen. Das Unternehmen, in dem damals die Katastrophe passierte, zahlt astronomische Schweigegelder an die beiden in Form eine Luxusherberge mit hervorragendem medizinischem und gastronomischem Service. Geschwiegen werden soll über die Verklappung von Gift in der Lagune. Casati kommt dahinter und stirbt – an Selbstmord oder im Unwetter?


Den zielführenden Verdacht nährt ein falscher Knoten um das Bein des Verunglückten, des Selbstmörders oder des Ermordeten. Donna Leon kommt es darauf nicht mehr an. Sie spitzt den Mund, ohne zu pfeifen, verfolgt die Spur nicht weiter, lässt Stille Wasser an dem Aufklärungsinteresse des Publikums abtropfen. Wer traut sich das schon und wem gelingt das außer ihr?


Harald Loch


Donna Leon: Stille Wasser  -  Commissario Brunettis sechsundzwanzigster Fall. Roman
Aus dem Amerikanischen von Werner Schmitz
Diogenes, Zürich 2017   343 Seiten

 

Der neue Walker: Grand Prix

Wenn in diesen Tagen Bücher erscheinen, in denen die gegenwärtige französische Gesellschaft den Hintergrund bildet, dann erwartet das Publikum Verunsicherung, Angst und auch Gewalt. Führt uns ein Autor wie der 1947 in Schottland geborene Martin Walker ins Périgord, seine französische Wahlheimat, dann sind trotz zweier Ermordeter eher Zusammenhalt, ländlicher Frieden und vor allem die kulinarische Expertise von Bruno angesagt. Der ist Chef de police in Saint Denis und steht vor den Herausforderungen seines neunten Falls. Diesmal dreht es sich um einen alten Vorkriegsbugatti, einen Rennwagen, von dem seinerzeit nur vier Exemplare angefertigt wurden. Von einem letzten weiß man nur, dass er während der deutschen Besetzung aus dem elsässischen Mulhouse nach Bordeaux verbracht werden sollte, aber unterwegs verschollen ist. Inzwischen würde dieses Fahrzeug einen astronomischen Wert haben. Die Rede ist von 30 oder 40 Millionen Euro.

 

Natürlich löst Bruno diesen Fall mit Bravour. Den überraschenden Plot zu konstruieren und die Leser dafür zu interessieren, wäre kein großes Kunststück. Aber der auch in Washington als politischer Korrespondent tätige Erfinder dieses wundervollen Bruno unterhält auf dem Weg zur Lösung mit einer dezenten Hymne auf die sympathische Kleinstadtatmosphäre, mit hübschen kleinen Affären, vor allem mit einer dem terroir der Dordogne verpflichteten Küche, die allen Michelin-Sternen mit ihrer Raffinesse den Rang abläuft. Natürlich trinkt man dazu die hervorragenden Weine aus der näheren Umgebung.

 

Er bewirtschaftet einen eigenen kleinen potager für frisches Gemüse und Salat, hält eigenes Geflügel und weiß, wo er alles von Produzenten bekommt, was er für die Bewirtung seiner Gäste benötigt. Selbst ist er ein flinker Koch, der auch nach dem Dienst noch schnell etwas in der Küche zaubert, bevor seine neue Freundin kommt, die erst am nächsten Morgen wieder gehen wird. Dazu erlebt das von la douce France entzückte Publikum einen Polizisten, der mit Augenmaß und nachbarschaftlicher Empathie für das ländliche Leben wie ein wirklicher Schutzmann in Personalunion mit einem Friedensrichter wirkt.

 

Er versöhnt verfeindete Geschwister, bringt zwei halbstarke Schwerenöter zur Raison und erlöst sie aus ihrer Perspektivlosigkeit. Bruno hat ein Herz für die kleinen Gewerbetreibenden und Händler des Ortes ebenso für die Arbeitslosen oder schlecht bezahlten Hilfskräfte. Er ist der gute Geist seiner kleinen Stadt – so einer hält alles zusammen und klärt doch auch auf, was nicht zu tolerieren ist.

In diesen Zeiten sollte eine politische Einschätzung von Autor und Hauptperson nicht fehlen: Der Washingtoner Korrespondent des Guardian hätte sicher nicht Trump gewählt, derselbe hat als Bürger des Vereinigten Königreichs ebenso sicher nicht für den Brexit gestimmt und sein Protagonist dürfte nie für Marine Le Pen seine Stimme abgeben – Vive la France!

 

Harald Loch

 

Martin Walker: Grand Prix

Der neunte Fall für Bruno, Chef de Police

Aus dem Englischen von Michael Windgassen

Diogenes, Zürich 2017   384 Seiten    24 Euro

Fallers Held - ein Kriminalfall über Georg Elser

Am 9.April wird der Hitler-Attentäter Georg Elser, kurz vor der Befreiung des Konzentrationslagers Dachau wegen seines Bombenattentates gegen Adolf Hitler auf höchsten Befehl hin hingerichtet. Dieser Histo-Krimi beschäftigt sich im Gedenken an Georg Elser und seinem Bürgerbräukeller-Anschlag mit dem Bombenanschlag am 8. November 1939. Elser scheitert, er wird kurz vor der Explosion verhaftet. Sein „Opfer“ Adolf Hitler hatte den Bürgerbräukeller vorzeitig verlassen.

Georg Elsers Absicht war es, die Gräueltaten des   Nazireiches zu verhindern. Die Vergangenheitsbewältigung in Deutschland, die sich lange Zeit sehr schwer tat, die Widerstandsbewegung zu verstehen und auch öffentlich anzuerkennen, hatte Elser immer in die hintere Reihe gestellt. Der Krimi-Autor holt den geschichtlichen Hintergrund hervor, und erzählt die parallele Geschichte des Johannes Fallers, der bei seinen Elser-Forschungen in einen Kriminalfall verwickelt wird.

Sobo Swobodnik mischt Fiction und Fakten, wertet das Ganze mit authentischen Zitaten aus den Vernehmungsprotokollen von Georg Elser auf.  Sobo Swobodnik ist auf der Schwäbischen Alb zu Hause, kennt die Region gut, kennt die Geschichte Elsers, bhrinmgt die Dialektsprache der Schwaben mit ein und versteht es, als Regisseur an mehreren deutschen Theatern sowie als Rundfunk-Redakteur bei verschiedenen Hörfunkanstalten in einer gut verständlichen und dialogorientierten Sprache den PLOT nachzuerzählen.

In ständigem Szenen- und Dialogwechseln befindet sich der Leser entweder in der Geschichte Elsers oder Fallers wieder. Die Zeitgeschichte wird lebendig, ohne aufdringlich zu sein, eine Doppelbiografie gegen das Vergessen, erschienen im Gmeiner-Verlag. 

Kann Wasser töten?

Wasser ist Leben …aber Wasser kann auch töten. In einer dänischen Kindertagesstätte wird ein kleines Mädchen ertränkt aufgefunden. Das Kind war gefesselt und kopfüber in einen Eimer mit Wischwasser gesteckt. In Verdacht gerät ein psychisch labiler Mitarbeiter. Der Kommissar arbeitet mit einer Psychologin zusammen, die immer  tiefer in den Fall hineingezogen wird. Sie hat ein Verhältnis mit dem Ermittler und selbst eine eigene komplizierte Lebensgeschichte: “Was war die menschliche Existenz anders als eine einzige Tragödie, obendrein eine beschissene Daily Soap mit gelegentlichen Glücksmomenten“. Dem Autor Carsten Nagel gelingt es, ohne aufdringlich zu sein, aktuelle Entwicklungen des Zeitgeschehens, der Politik und der Gesellschaft mit einzubeziehen: etwa den Vertrauensverlust, die vergessenen Träume und Lebensentwürfe, der Autor spricht davon, dass Idealismus von grenzenlosem Egoismus verdrängt worden ist. Gesellschaftskritik wird also mitgeliefert: “Die sogenannte Resozialisierung des Gefängnisaufenthaltes war ja eher ein Mythos als Wirklichkeit“: Das mindert keineswegs das Tempo des Romans. Die zweite Ebene ist die psychologische Dimension, die immer mitschwingt, es ist ein spannender Psychokrimi im Wohlfühlland Dänemark, indem die menschliche Rohheit zugenommen hat. AQUA MORTIS – Wasser des Todes, ein Kita-Krimi mit Psycho-Tiefgang.

 

Carsten Nagel wurde 1955 in Kopenhagen geboren, arbeitet als Psychotherapeut und schreibt Romane, Kurzgeschichten und Drehbücher. Als Psychotherapeut hat sich Carsten Nagel auf Flüchtlinge spezialisiert, die mit Foltererfahrungen und anderen Traumata zu kämpfen haben.

fremd...

Ich mag Krimis lieber als Thriller, doch  fremd ist ein Gänsehautbuch, das selbst die schütteren Haare zu Berge stehen lässt. Man stelle sich vor: Du stehst in deiner Wohnung, bist alleine, plötzlich steht ein Mann in deiner Tür und behauptet dein Mann zu sein. Du kennst ihn aber gar nicht.

Stell dir vor, du kommst nach Hause und deine Frau erkennt dich nicht. Sie hält dich für einen Einbrecher. Und sie sticht auf dich ein. WER ist da verrückt geworden? Ist alles nur ein Hirngespinst? Was ist noch real? Was kann man glauben? Ist es ein Spiel oder bitterer Ernst? Gedächtnisverlust oder eine Mördermasche.

Das Autorengespann entwickelt ein furchterregendes, faszinierendes SZENARIO. Der Leser versetzt sich abwechselnd von Kapitel zu Kapitel in die beiden Figuren, leidet und fühlt und zweifelt mit. Was kann man noch glauben, was ist Phantasie und was ist ernst?

Von Szene zu Szene eskaliert die Situation. Des Rätsels Lösung wollen wir als Geheimnis für uns behalten. Edgar Allen Poesie hätte seine Freude an dem Psychothriller.

Tod im Sternen-Restaurant

Julie Masson Der Commissaire kocht Rowohlt Taschenbuch

Kochshows schmecken neuerdings etwas „angebrannt“, denn selbst das beste Menü vor hochgejubeltem und jaulendjubelndem Publikum schmeckt als Fernseh-“Kost“ schwer verdaulich, wenn die Zutaten und Fernsehköche die ewig selben sind. Umso vorsichtiger habe ich Julie Massons Krimi „Der Commissaire kocht“ mit an den Strand nach Korsika genommen. Ich war positiv überrascht, die Grundidee, ein Restaurantkritiker verliert sein Leben, klang nun nicht gerade so außerordentlich originell, aber wie die Autorin den Handlungsfaden knüpft, die üblichen Verdächtigen vorführt, den Plot auflöst und dabei die reizvollen Landschaften Frankreichs nicht zu kurz kommen lässt, das freut den Freizeit-Leser, zumal der Krimi gut geschrieben ist und sich unangestrengt flüssig liest. Missgunst, Eifersucht, Intrigen, mischen sich zu einer spannenden „Spreise“folge. Der Krimi wirkt wie ein „Gruß aus der Küche“ überraschend und leicht verdaulich, was für die Mordwaffe nicht gilt. Die jedoch sei hier nicht verraten. 

Ein neuer Balkan-Krimi mit Jugo-Touch

Christian Schünemann/Jelena Volic´ Pfingstrosenrot Ein Fall für Milena Lukin DIOGENES

Ich habe mir diesen Krimi mit in den Urlaub genommen, weil ich im letzten Urlaub dort wo, wo dieser spielt. In Ex-Jugoslawien. Und mich interessiert, ob es gelingen kann, Krimis vor politischem Hintergrund spannend zu erzählen. Ich bin nicht enttäuscht worden, wenngleich die langsamere Erzählart, die bei Diogenes häufiger vorkommt, den heute zeitgestressten Leser irritiert.  Aber entschleunigt. Ein serbisches Ehepaar wird im Kosovo in seinem Haus brutal ermordet. Es wurde nach den Kriegswirren mithilfe von EU-Programmen dort als ehemalige Flüchtlinge wieder angesiedelt. Wer hat hier alte rechnungen offen. Ist es ein bloßer Racheakt. Hat die Tat politische Hintergründe. Sind die bösen Serben oder die brutalen Kosovo-Albaner die Täter, aber warum sollten sie ein altes Ehepaar töten?  

Die Grundidee für diesen Balkankrimi hat das Autorenpaar der Realität entnommen, ein bis jetzt ungeklärter Mord. Die ermittelnde Kriminalistin Milena Lukin, über die man gerne etwas mehr erfahren hätte, tappt lange im Dunkeln. Minister mischen sich ein. Kosovo gilt als Verbrecherstatt. Ist Flüchtlingsschutz möglich? Sind dubiose Immobilien-oder drogengeschäfte der Hintergrund. Jugoslawien- und Tito-Nostalgie keimt auf. Steht die Mordtat politischen Verhandlungen im wege? Müssen kriegstaten – von wem auch immer begangen – im nachhinein gerächt werden. 

Der neue Walker: ESKAPADEN

Der Chef de police aus dem Périgord wird schwach und bleibt doch Sieger gegen die hinreißende, ehrgeizige und gerissene Madeleine. Aber der schottische Erfolgsautor Martin Walker erreicht in seinem neuesten Krimi „Eskapaden“ zwar die kulinarischen Höhen seiner bisherigen sieben Romane, verhebt sich aber an seinem Ausflug in das Genre der Spionage-Thriller. Hier hat einst John Le Carré Maßstäbe gesetzt. Die Motive für das aktuelle Mordgeschehen in den „Eskapaden“ sind in einem politischen Hintergrund versteckt, der bis auf die Zusammenarbeit französischer Freiwilliger mit der Roten Armee im Zweiten Weltkrieg zurückgeht. „Der Patriarch“, ein erfolgreicher französischer Kampfflieger errang in einem von der Sowjetunion aufgestellten „Gastarbeiter-Geschwader“ Ruhm und Ehre sowohl für sein Land als auch für die Sowjetunion.

 

Im nachfolgenden Kalten Krieg war er für alle französischen Präsidenten als vertraulicher Gesprächspartner mit der jeweiligen sowjetischen Führung tätig. Aber war er auch ein Doppelagent? Diese Frage taucht erst gegen Ende der „Eskapaden“ auf, die mit dem 90. Geburtstag des Patriarchen beginnen. Ein anderer ehemaliger Pilot, auch zeitweise in Moskau im diplomatischen Dienst Frankreichs eingesetzt und inzwischen Alkoholiker, stirbt auf diesem glänzenden Fest auf dem schlossartigen Anwesen des Patriarchen im Périgord. Bruno, der Chef de police in Saint Denis, glaubt nicht an den übereilt festgestellten natürlichen Tod des unverzüglich darauf eingeäscherten Toten.

 

Im Verlauf der Ermittlungen tauchen immer mehr Ungereimtheiten und ein in Liechtenstein verstecktes Vermögen des Toten auf. Die französischen Geheimdienste schalten sich ein. Unbekannte Abstammungszusammenhänge überraschen selbst die davon Profitierenden. Die Aufklärung des aktuellen Geschehens gelingt. Erst gegen Ende des Romans ahnt das Publikum die Zusammenhänge. Der alles erklärende Spionage-Strang bleibt irgendwie undeutlich und wird auch von den Diensten der république wohl nicht weiter verfolgt. Das passt zu der auf Harmonie gestimmten Atmosphäre im Périgord Martin Walkers, befriedigt aber vielleicht nicht das Interesse seiner Leser. Die kommen wie gewohnt auf ganz anderem Gebiet auf ihre Kosten: Immer wieder steht Bruno am Herd und zaubert mit einfachen regionalen Produkten köstliche Menüs. Man kann sie alle nachkochen und die Rezepturen gelingen Walker ohne ganzseitige Anleitungen, wie sie in Kochbüchern ermüden. Auch ohne Hochglanz-Abbildungen läuft einem das Wasser im Munde zusammen. Stellt man sich die dazu gereichten Weine aus der Gegend vor, entstehen kulinarische Sternstunden außerhalb der oft überzogenen „Sternenküche“.

 

Der ja aus den früheren „Fällen“ von Bruno bekannte diskrete männliche Hang zum schönen Geschlecht wird hier gleich zweimal gedämpft: Erst verliert er seine Freundin Pamela, mit der er nicht nur die Leidenschaft zu Pferden und zum Ausreiten verband, an einen englischen Freund, der auch in das Geschehen um Mord und Geheimdienst irgendwie verstrickt zu sein scheint. Und nach diesem Verlust und wohl auch Entzug sexueller Erleichterung erliegt Bruno der Schönheit und erotischen Ausstrahlung von Madeleine, der Schwiegertochter des Patriarchen. Die entpuppt sich als Drahtzieherin des Mordgeschehens, sendet dem Chef de police nach einer Liebesnacht in Bordeaux einen Totschläger auf den Hals und versucht, den gefürchteten Ermittler am Schluss durch einen vorgetäuschten Jagdunfall aus dem Weg zu schaffen. Da ihr das nicht gelingen darf – sonst gäbe es keinen neunten Fall für Bruno – ist der Ausgang dieses Showdowns klar.

 

Harald Loch

 

Martin Walker: Eskapaden.  Der achte Fall für Bruno, Chef de Police      Roman

Aus dem Englischen von Michael Windgassen

Diogenes, Zürich 2016   Leinen 393 Seiten  24 Euro

 

 

Ein Krimi des Südens: Schwarze Seelen

Kritik Eine schwarze Seele haben – heißt böse zu sein; sich dem Teufel verschrieben haben. In diesem Krimifall  dem Verbrechen. Sie sind im Süden Italiens aufgewachsen, dort wo Dürre und das Verbrechen herrschen, die „Söhne der Wälder“, die aus den Bergen Kalabriens ausziehen, um eine neue Welt zu erobern, weil sie die eigene Heimat in einen Ort des Verbrechens verwandelt haben. „Um zu leben, müssen wir hin und wieder Böses tun.“

 

Nach einem Mord dauert die Trauerzeremonie dann nur acht Tage, erst hängen schwarze Tücher aus den Fenstern und dann kommen die Menschen, um mit den Trauernden zu feiern: Die Jungen entscheiden sich dafür in Freiheit zu leben, aber bewaffnet, bereit sich zu verteidigen und auch anzugreifen. Eine Dialektik des Tötens. Ehrenmänner und Bullen, Mafiosi und Carabinieri waren zugleich ihre Feinde. Und den Opfern wurde Salz in die Wunden gestreut, damit der Todeskampf noch qualvoller wird.  

 

In den Bergen werden Geiseln versteckt, wieder freigekauft oder getötet. Ein Leben zwischen Ziegen und Opfern, zwar in Ketten gelegt, aber durchaus auch in sauberen Räumen. 

 

Ein Krimi mit soziologischer Tiefe, der Traurigkeit des verbrecherischen Daseins, der Zukunftslosigkeit, des Entsetzens über Gewalt und all ihre Formen. 

 

Es beginnt in den Wäldern mit den kleinen Diebstählen, setzt sich fort mit den Hilfsdiensten für die Mafia und endet im großen Drogen-Geschäft in Mailand. Ein finsterer, düsterer, spannender Krimi, in einem Maschinengewehr-Rhythmus verfasst, in dem Raubüberfälle, Morde und Entführungen aufeinander folgen, es  ist eine Geschichte von Tragik, Verrat, Leid, Trauer, Bedauern, wie die italienische Presse  schreibt. 

 

 
Der Autor Gioacchino Criaco, geboren 1965 in Africo/Kalabrien als Sohn einer Hirtenfamilie. Nach dem Abitur studiert er mit Hilfe eines Begabtenstipendiums an der Universität Bologna. Nach 20 Jahren Rechtsanwaltstätigkeit in Mailand kehrt er in seinen Geburtsort Africo am Aspromonte in Kalabrien zurück. Er setzt sich für die Aufwertung des Aspromonte und des verlassenen Weilers Africo antico ein. Der Vater Domenico wurde 1993 in einer Blutfehde umgebracht. Der Bruder Pietro Criaco war bis zu seiner Verhaftung einer der 30 meistgesuchten Kriminellen Italiens. 2008 erscheint sein Romanerstling „Schwarze Seelen“, der 2014 mit großem Erfolg von Francesco Munzi verfilmt wurde. Weitere Publikationen: Zefira (2009); American Taste ( 2011), Il Salta zoppo (2015).

 

Pressestimmen 

 

„Criaco erzählt einen vergessenen Teil Italiens.“ 
La Stampa

 

„Africo, das schwarze Loch Kalabriens, Land der 'Ndrangheta, aus der Innenperspektive erzählt.“ 

La Repubblica

 

„Schwarze Seelen erzählt ein finsteres Italien.“
Roberto Saviano

Der Duft des Oleanders

Ich liebe Oleander und habe seit vielen Jahren schon mehrere im Garten bzw. auf der Terrasse.

Und im Nachhinein betrachtet waren meine Oleander vielleicht überhaupt die Anregung für den Roman gewesen.

 

Kritik Aurora – das Trüffelschwein erschnüffelt was kriminalistisch zu ermitteln wäre. Ein deutscher Journalist will erschnüffeln, welche Kriegsverbrechen im Jugoslawienkrieg begangen wurden. Ein pensionierter Kriminalist sucht Ruhe an den Küsten Istriens und wird in Unruhe versetzt. Der Liebe und der Ermittlung wegen. Ja wir sind auf dem Schauplatz BALKAN, aber was heißt das schon, werwiewowas ist der Balkan? Wer ist dieser Blagic´, der mehr als krumme Geschäfte macht in der malerischen Kulisse von Rovinji, wo das Meer klar und die Geschäfte trübe sind. Es wird mit leichten Mädchen und schweren Diamanten gehandelt und in einem Balkan-Krimi muss es selbstverständlicherweise auch Tote geben. Wer stirbt und warum, das soll hier offen bleiben. Der spannende Krimi von Sivija Hinzmann, einer Kroatin, die in Stuttgart lebt, hält in Atem von der ersten bis zur letzten Seite, weil der Plot klug ausgetüftelt ist. In manchen beschreibenden Passagen von Situationen, Handlungen, Landschaftsschilderungen  wäre etwas mehr verbale Kürze angemessen gewesen, die zur farbigeren Charakterisierung der handelnden Personen hätten genutzt werden können.

 

Der WIESER-Verlag – auf Europafragen spezialisiert - hat mit zwei Krimis nun eine eigene „mörderische“ Reihe gestartet, ja das liegt im Trend, Verbrechen und Verbrecher kennen ja eben keine Grenzen, sie haben die Reisefreiheit lange vor uns allen schätzen gelernt. Im Augenblick erleben wir die Reise rückwärts – genug Stoff für Thriller und Krimis.

 

Autorin Silvija Hinzmann (geb. 1956 in Cakovec, Kroatien) lebt in Stuttgart, arbeitet als Übersetzerin und Dolmetscherin. Veröffentlichte einen Roman, zahlreiche Kurzkrimis, ist Herausgeberin mehrerer Kurzkrimi-Anthologien und übersetzt Erzählungen, Gedichte, Essays, Kurzgeschichten, literarische Reiseführer und Romane kroatischer und serbischer Autoren bei verschiedenen Verlagen.

 

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James Bond lebt ewig - die Wiedergeburt

Anthony Horowitz durfte exklusiv bislang unveröffentlichte Texte und Szenen von Ian Fleming für die neueste James-Bond-Verwertung einsehen und benutzen: „Trigger Mortis – Der Finger Gottes“. Der Roman liest sich wie eine Anknüpfung N „Goldfinger“, und zwar aus zwei Gründen: Anders als die jüngeren posthumen Fortschreibungen dessen, was Ian Fleming begonnen hat, spielt „Trigger Mortis“ in der Zeit des Kalten Krieges, ist also für jüngere Leser schon so etwas wie ein  historischer Krimi. Und mit einem Kurzauftritt von Pussy Galore, die Bond in „Goldfinger gerettet und eigentlich für eine geschätzte Halbwertzeit von wenigen Wochen an der Seite von Bond gewähnt wurde, markiert eine Blond-Ikone des alten Bond-Films auch den personellen Anschluss an „Goldfinger“.

 

Diesmal soll Bond einen britischen Rennfahrer vor einem geplanten Attentat des russischen Geheimdienstes bewahren. Das Rennen findet auf dem inzwischen ins Gerede gekommene Nürburgring statt. Für die gar nicht lange Sequenz des Autorennens hat Horowitz einen Originaltext von Ian Fleming in seinen Roman eingebaut. Der Spannungsbogen wölbt sich aber nicht in erster Linie über dem schwierigen Kurs in der Eifel. Im Laufe seiner Arbeit entdeckt Bond, dass viel mehr auf dem Spiel steht. Die sowjetische Seite plant eine General-Attacke auf die technische Überlegenheit der westlichen Welt. Bond gelingt es wie immer, diesen Westen vor dem von früheren Kalter-Kriegs-Romanen von Fleming bekannten SMERSCH, dem östlichen Konkurrenten des britischen MI6 zu retten - alles typisch Bond! In der abgemilderten Macho-Sprache bringt Horowitz seine eigene Handschrift wohltuende zur Geltung und auch der Frauenverschleiß von Bond hält sich in einem angenehmen Rahmen: Auch Frauen sollen „Trigger Mortis“ gern lesen.

 

Der 60-jährige Londoner Horowitz entstammt einer wohlhabenden jüdischen Familie. Er ist ein sehr erfolgreicher Autor von Kriminalromanen für Jugendliche und Drehbüchern. Seine Alex-Rider Serie, in der ein 14-jähriger Junge die Geheimdienstarbeit seines verstorbenen Onkels für MI6 fortsetzt, begründete seinen Ruhm. Neben vielen Auszeichnungen und Preisen wurde er im vergangenen Jahr zum Officer des Order oft the British Empire ernannt. Was James Bond betrifft, ist Horowitz ein streitbarer Kritiker. Die Verkörperung der Bond-Remakes durch Daniel Craig  bewertete er als katastrophal und bei dessen Nachfolger in der Darstellung des Superagenten Idris Elba musste er sich jüngst wegen  einer Äußerung entschuldigen, die man auf die Hautfarbe des Schauspielers beziehen konnte.

 

„Trigger Mortis“ ist dagegen eine durchaus gelungene Einfügung eines spannenden Thrillers in die Tradition der Original-Romane und –Filme. Eine neue Generation von Bond-Fans ist angesprochen und bekommt eine recht authentische Version des in den 1950er Jahren tobenden Kalten Krieges serviert. Die Verlagerung des Geschehens in die Zeit von Ian Fleming bekommt dem Roman gut. Bond ist eben kein Geheimagent der Gegenwart.

 

Harald Loch
 
Anthony Horowitz:
James Bond: Trigger Mortis – der Finger Gottes
Aus dem Englischen von Stephanie Pannen und Anika Klüver
Cross Cult, Ludwigsburg 2015   380 Seiten   16,99 Euro

Friedrich Ani: Der namenlose Tag

 
Der namenlose Tag„Tod bei der Generalprobe“ – so könnte der Titel des Romans „Der Namenlose Tag“ von Friedrich Ani lauten, wenn der „Fall für Jakob Franck“ ein auf den breiten Publikumsgeschmack zugeschnittener Krimi wäre. Ist es aber nicht! Denn der seit zwei Monaten pensionierte Kriminalhauptkommissar Franck bekommt einen Fall frei Haus serviert, an dem sich die gesellschaftlich gehäuft auftretenden Probleme nur so hochranken. Was hat ein pensionierter Polizist mit alten Fällen zu tun? Franck wird von den Toten, die seinen Weg in der Münchener Kriminalpolizei säumten, heimgesucht. Sie fallen ihm in aller Grausamkeit wieder ein - kein Loslassen ist ihm vergönnt. So geht es vielleicht auch anderen Ruheständlern, die ihr Berufsleben engagiert geführt haben.

 

Dann aber der Fall selbst: Vor 21 Jahren hat sich die 17-jährige Gymnasiastin Esther Winther erhängt. Ein Jahr später folgt ihr ihre Mutter an einem anderen Baum. Der Witwer Ludwig Winther sucht den Ruhestandsbeamten Franck auf, erfleht von ihm eine Wiederaufnahme der Ermittlungen am Tod seiner Tochter. Es sei nie und nimmer Selbstmord gewesen. Ein auf junge Mädchen fixierter Nachbar, ein Zahnarzt, habe sie ermordet. Franck ist routiniert und gewitzt genug, um erst einmal den Vater selbst ins Visier zu nehmen. Dann recherchiert er – längst außer Dienst – in verschiedene Richtungen. Ein Jugendfreund kommt in Frage, natürlich der Zahnarzt und sogar ein damals elfjähriger Junge. In Gesprächen mit Freunden von Esther oder ihren Eltern über die damaligen Umstände, mit der Schwester der ebenfalls erhängten Mutter führt er in Berlin Gespräche. Immer wieder rückt dabei Francks eigene Einsamkeit in den Vordergrund. Er lebt sie irgendwie körperlich aus. Seit 18 Jahren ist er geschieden, seit seine Frau damals nicht mehr aushalten wollte, dass Franck von den Toten heimgesucht wurde.

 

Am Ende stehen erschütternde Erkenntnisse über das Nicht-miteinander-sprechen-Können von Eltern und Kindern, von Freundinnen, über das Nicht-Verstehen der Menschen, die sich eigentlich nahestehen sollten. Der mit literarischem Anspruch, manchmal in gemäßigten Münchener Jargon fallenden und mit lebensphilosophischem Tiefgang geschriebene Roman endet in einem Plot, den selbst erfahrene Krimi-Auflöser nicht ahnen. Die Erkenntnisse am Schluss sind schon im ganzen Roman angelegt und lassen bei aller Düsternis der Atmosphäre die Sehnsucht nach einer menschlicheren Welt wachsen. Das sagt nicht der Autor seinen Lesern mit erhobenem Zeigefinger, sondern die unterschiedlichsten, glänzend charakterisierten Personen des Romans kommen von selbst darauf. 21 Jahre nach dem unfassbaren Geschehen ist es zu spät. Die Leser von heute – das ist die sympathischste Lesart dieser anderen Art von Spannungsliteratur – haben aber noch die Chance und können aus ihr die richtigen Konsequenzen ziehen.

 

Harald Loch
 
Friedrich Ani: Der Namenlose Tag
Ein Fall für Jakob Franck         Roman
Suhrkamp, Berlin 2015   301 Seiten   19,95 Euro

Muslim, Dschihad und gutes Essen - der neue Walker

Martin Walker Provokateure. Der siebte Fall für Bruno. Chef des Police. Roman Diogenes.

 

Bruno ist chef de police in St. Denis und ermittelt im Süden Frankreichs, im Péigord. Er klärt Verbrechen auf, kocht gerne, hat so seine Liebe Not mit der Liebe und ist aber rundherum ein sympathischer commissaire. Martin Walker ist auf Erfolgskurs mit seinen Krimis, denn wer liebt nicht la douce france mit seinen Weinbergen, köstlichen Menüs und heiligen Tropfen.  

 

Bruno ist dieses Mal mit einem höchst aktuellen Fall beschäftigt, denn es geht um den Dschihad, um die Rekrutierung von Terroristen in Moscheen, um einen autistischen Jungen, der in Terrorkreise gerät. Zugleich wird Bruno mit einem jüdischen Vermächtnis konfrontiert, denn eine hochvermögende Jüdin, einst vor den Nazis als Kinder gerettet will nun dem kleinen französischen Städtchen ein millionenschweres Vermächtnis machen aus Dankbarkeit. Ein Museum soll entstehen. 

 

Martin Walker mengt in diese Ausgangslage auch noch Fälle von vergewaltigten Frauen, er ist damit zwar auf der Höhe aller derzeitiger Debatten, sieht man von der Homo-Ehe einmal ab, aber diese Handlungsstränge sind wohl etwas zu viel des Guten bzw. eigentlich  des Schlechten. Die Stärke des siebten Falls für Bruno liegt im interessanten historischen Background von Résistance, Algerienkrieg, dem Muslimthema in Frankreich, mit über 426 Seiten hätte ein strafferes Lektorieren den Spannungsbögen einen Gefallen getan. Dennoch lesenswert zu einem Glas Rotwein; und Trüffel dazu müssen es ja nicht unbedingt sein. 

 

Pasta, Espresso und Bücherklau  - die neue Leon

Im Mittelpunkt als Schauplatz und berechenbare Konstante wieder die neben Rom zweite „ewige Stadt“, die Lagunenmetropole Venedig, daneben die bekannten Schauplätze, die Questura, das Zuhause des Commissario, seine Familie und nun neu als Tatort die Biblioteca Merula, aus der Inhalte von alten Büchern verschwinden, weil böse Geschäftemacher aus Folianten Buchseiten herausschneiden, um sie kommerziell zu versilbern.

 

Leon greift einen konkreten Fall aus der italienischen Realität auf und lässt sich davon inspirieren, denn 2012 wurden in Neapel tatsächlich 4000 Bücher geklaut.

 

Es geht also im neuesten Roman der Donna Leon um alte Buchkunst, um Buchdruck als Kunstform, als die ebook-Kindles noch nicht erfunden waren. Und dieser Kriminalität setzt Donna Leon die Normalität des venezianischen Alltags also Pasta, Pizza und Espresso gegenüber. Aber daneben auch in Seitenanmerkungen kritisch die chaotische italienische Politik und den alltäglichen Wahnsinn des Kreuzfahrtschiffe-Tourismus.

 

Donna Leons Commissario Brunetti sucht also nach gestohlenen Büchern und einem Mörder.

 

Die Identifikationsmomente für den Donna Leon-Serienleser sind wieder die geografischen Verhältnisse in Venedig, die hinlänglich bekannten Figuren und ihre Charaktere sowie das vertraute und beliebte Umfeld des Helden Brunetti.

 

Der Gänsehaut-Faktor hält sich bei diesem Donna Leon-Buch in Grenzen, das Thema ist zwar spannend, die Umsetzung jedoch etwas angestaubt, aber die Fangemeinde hat die Serientäterin Leon wieder auf Platz 1 der SPIEGEL-Bestsellerliste geschubst. Die WELT zieht schon Leon-Parallelen zu Kommissar Maigret, doch die Milieudichte eines Simenon erreicht Donna Leon nicht.

 

LINKS

 

https://www.youtube.com/watch?v=J8RfiK53umI

 

http://www.diogenes.de/leser/autoren/a-z/l/leon_donna/download

 

Donna Leon, geboren 1942 in New Jersey, lebt seit 1965 im Ausland. Sie arbeitete als Reiseleiterin in Rom, als Werbetexterin in London sowie als Lehrerin an amerikanischen Schulen in der Schweiz, im Iran, in China und Saudi-Arabien. 1981 zog Donna Leon nach Venedig. Die ›Brunetti‹-Romane machten sie weltberühmt, doch die Barockmusik ist ihr nicht weniger wichtig. Sie förderte zahlreiche Einspielungen, neu das Orchester ›Il Pomo d’Oro‹. Heute lebt sie in Venedig und in der Schweiz.

Ein Algerien-Frankreich-Meeres-Strandkrimi

Ich habe dieses Taschenbuch in den Rucksack gepackt, um im Urlaub an der irischen Westküste entweder in den Nebelschwaden oder am flackernden Kamin südfranzösische Wärme zu spüren, wenn sie mir fehlt. Das Buch sollte also Therapeutikum sein. Nun, das Wetter in Irland war fast mediterran und ein Spannungsfrösteln, kam beim Lesen dieses Krimis nicht so sehr auf, denn da und dort zieht sich der Plot etwas in die Länge. Eine Kürzung  hätte ihm gut getan. Aber die Geschichte ist durchaus interessant. Sie besteht eigentlich aus zwei Stories. Zum einen will der Inspecteur Gilles Sebag den tödlichen Unfall eines Schulkameraden seiner Tochter aufklären, weil er es ihr versprochen hat. Zum anderen wird die Leiche eines Rentners gefunden. Vor dem politischen Hintergrund des Algerienkrieges , der 1961/62 in Nordafrika tobt, muss der Kommissar die politischen Hintergründe einer Mordserie klären.  Die Erklärungsmuster für dieses historische Ereignis hätten durchaus kürzer ausfallen können. Der Text ist zwar flott geschrieben, doch die Darstellung von Folter, Mord und Kriegsschuld ist manchmal etwas zu ausführlich. Aber als Urlaubslektüre ist der Politkrimi durchaus geeignet. Und Frankreichkrimis sind ja sowieso in Mode…man könnte es den BRUNO-Effekt oder Walkerismus nennen.

 

Philippe Georget wurde 1963 geboren. Nach mehreren Jahren als Journalist für Rundfunk und Fernsehen hat er 2001 seine Familie in einen Campingbus gepackt, um einmal mit ihr das Mittelmeer zu umrunden. Seit seiner Rückkehr lebt er als Autor mit Frau und Kindern in der Nähe von Perpignan und läuft leidenschaftlich gern Marathon. Für seine Krimis hat er in Frankreich mehrere Preise gewonnen.

Ein Dschungel von Tatmotiven

Xavier-Marie Bonnot: Die Melodie der Geister 

 

Ein neuer Stern aus Marseille ist jetzt auch für deutschsprachige Liebhaber anspruchsvoller Krimis erschienen: Polizeikommandant Michel de Palma präsentiert sich in Xavier-Marie Bonnots Roman „Die Melodie der Geister“ als ein Ordnungshüter, der schon mal einen Eierdieb laufen lässt, um einen großen Gangster dingfest zu machen. Anders kommt man in Marseille auch nicht weit. Das wissen wir seit der legendären Marseille-Trilogie von Jean-Claude Izzo, dessen Nachfolge der 1962 in der Hafenstadt geborene Bonnot mit Aplomb antritt. Er ist promovierter Historiker und Soziologe und passt als Autor in die von Thomas Wörtche begründete Spannungsreihe des für Kriminalromane auf abgelegenen Schauplätzen berühmten Unionsverlages. Michel de Palma muss nicht nur im Hafen von Marseille sondern auch in Neuguinea ermitteln. „Die Melodie der Geister“ spielt im Ganovenmilieu rund um den Vieux Port, streift den internationalen Kunsthandel und problematisiert den Zivilisationsschock, den Kolonialismus, Christianisierung und globaler Kapitalismus bei den Ureinwohnern  auf Papua-Neuguinea ausgelöst hat. Zitate aus „Totem und Tabu“ von Sigmund Freud oder aus den Werken von Margaret Mead legen ein intellektuelles Gitter über den spannenden Handlungsverlauf. Das Wort von Lévi-Strauss „Ein Barbar ist vor allem, wer an die Barbarei glaubt“ verdeutlicht den anthropologischen Anspruch des rasant zu lesenden Buches.

 

Der alte Neurochirurg und Sammler von Papua-Kunst Fernand Delorme wird in seiner Villa auf den Felsen über der Bucht von Marseille ermordet. Ein Schilfpfeil hatte seine Stirn durchbohrt. Delorme hatte in früheren Jahren mit seinem Freund Ballancourt Expeditionen nach Neuguinea unternommen und dabei vor allem Totenschädel mit nach Europa gebracht, die hier in völkerkundlichen Sammlungen ausgestellt bzw. im Kunsthandel zu explodierenden Preisen vermarktet werden. Als eine Enkelin Delormes auftaucht und im Hafen im Umfeld des Kunstschmuggels weitere Menschen sterben müssen, überschlagen sich die Ereignisse und führen de Palma an den Ausgangspunkt des Verbrechens am Fuße des Viertausenders Mount Wilhelm (dieser Teil Neuguineas war einmal deutsche Kolonie). Der zivilisationskritisch schwer aufzulösende  Dschungel der Tatmotive stürzt nicht nur den Polizeikommandanten in tiefes Nachdenken. Der Leser dieses von Gerhard Meier treffend übersetzten Romans wird bei der Lektüre nicht nur gut unterhalten sondern sich auch bewusst machen, welches Unheil die Begegnung mit dem Westen über die auch vorher keineswegs heile Welt der „Barbaren“ gebracht hat.

 

Harald Loch

 

Xavier-Marie Bonnot:  Die Melodie der Geister. Ein Fall für Michel de Palma - Kriminalroman

Aus dem Französischen von Gerhard Meier

Unionsverlag, Zürich 2015   362 Seiten   21,95 Euro

 

Spurensuche

Wolfgang Kaes: Spur 24                Kriminalroman

 

Der Eifel-Kurier erscheint jeden Mittwoch in einer Kleinstadt zwischen Bonn und der belgischen Grenze. Er ist eine Erfindung von Wolfgang Kaes. Der singt das Hohelied auf den freien, investigativen Journalismus, der sich in den Dienst der Aufklärung stellt – im doppelten Wortsinn. Hauptperson und eigentliche Aufklärerin in diesem Kriminalroman ist Ellen Rausch, eine fünfzigjährige Journalistin, die nach einigen Pirouetten in ihrem Leben bei diesem Lokalblatt gelandet ist. Eine amtliche Veröffentlichung macht sie neugierig: das Amtsgericht fordert in einem Todeserklärungsverfahren jeden auf sich zu melden, der etwas über den Verbleib der vor 16 Jahren verschwundenen Ursula Gersdorff mitteilen kann. Die greise Mutter, Bruder und Schwester haben den Antrag nach dem Verschollenheitsgesetz gestellt. Sie wollen endlich einen Schlussstrich ziehen und die Ungewissheit über den Verbleib ihrer Tochter bzw. Schwester beenden.

 

Ellen Rausch sticht mit ihrer Neugier, ihrem drängenden Nachforschen in ein Wespennest. Die ganze bessere Gesellschaft der Kleinstadt ist irgendwie verstrickt in ein Netz von Vetternwirtschaft. Bald hat sich die Journalistin mit ihren bohrenden Veröffentlichungen so unbeliebt gemacht, dass sie im Café am Markt nicht mehr bedient wird. In ihr Haus wird eingebrochen und an einer Zimmerwand prangen ihr Morddrohungen in blutroter Schrift entgegen. Sicherheitshalber steht jetzt meist ein Streifenwagen vor ihrer Tür. Nachdem die örtliche Polizei wegen ihrer eigenen Versäumnisse jetzt mauert, wendet sich Ellen Rausch an die Bonner Kriminalpolizei und trifft auf einen engagierten – und attraktiven – Kommissar, mit dem sie in Zukunft zusammenarbeitet. Gemeinsam klären sie den Fall auf, der mit einer saftigen Gefängnisstrafe für den Täter abgeschlossen wird. Wer die Tat seinerzeit begangen hat, ahnt man zwar, weil der Autor auch keine falschen Spuren legt, die er später wieder verwischen müsste. Wolfgang Kaes erreicht so etwas wie eine soziale Spannung, die des thrills nicht bedarf.

 

Er hat anderes im Sinn:

Sein Krimi „Spur 24“ verfolgt ein gesellschaftliches Anliegen: 3000 Langzeitvermisste zählt das Bundeskriminalamt allein für Deutschland. Hinter manchem von ihnen dürfte ein Verbrechen stehen, das als solches nicht einmal wahrgenommen wird. Zu diesem Hauptweg politischer Aufklärung ordnet er  Nebenwege gesellschaftlicher Emanzipation und legt seinen Protagonisten manche kritische Sicht bestehender Verhältnisse in den Mund: Ob es die korrupten Seilschaften zwischen Politik, Wirtschaft und Finanzen sind, die autoritären Chef-Allüren des Leiters des Eifel-Kuriers, mafiöse Methoden bei der Behinderung von Aufklärung oder die Geringschätzung für Menschen aus der Arbeitersiedlung.

 

Diese sympathischen Mahnrufe in die Mitte einer bequem gewordenen Gesellschaft begleiten den spannenden Verlauf der Handlung auf eine unterhaltsam aufklärerische Weise. Der Krimi liest sich mit Tempo und Gewinn, die Dialoge sind fetzig und das juristische und behördliche Milieu voller Sachkenntnis beschrieben. Am Ende des Romans erfährt der Leser, dass der Autor die Vorlage als Fall selbst recherchiert hatte. Als Chefreporter des Bonner General-Anzeigers hat er für die Aufklärung dieses Falls hohe journalistische Auszeichnungen erhalten. Für den daraus entstandenen Roman gebühren ihm literarische Lorbeeren!

 

Harald Loch

 

Wolfgang Kaes: Spur 24                Kriminalroman

Rowohlt, Reinbek, Originalausgabe Dezember 2014    381 Seiten   14,99 Euro

Mord zwischen Dünen

Inhalt

 

Eine Frau wird vermisst. Von Beruf ist sie Fitnesscoach, ihr Arbeitsplatz ein Wellnesshotel auf Sylt. Kriminalrat Tomas Jung wird beauftragt, sie zu finden. Bald schon türmen sich Fragen auf. Warum vermisst sie nur der Manager des Hotels, aber nicht ihre Familie, ihre Freunde, ihre Nachbarn? Führt sie ein Doppelleben? Zusammen mit Charlotte Bakkens, einer jungen Kriminalkommissarin, arbeitet Jung daran, Licht in das Dunkel zu bringen. Sie stehen vor Rätseln. Bis Jung sich an seinen Lieblingsplatz erinnert  ...

 

Autor

Reinhard Pelte ist Diplommeteorologe und war im Öffentlichen Dienst tätig. Mehrere Jahre in Portugal lebend, hat er die Welt durch zahlreiche Fahrten zur See kennengelernt. Er ist verheiratet, hat zwei erwachsene Kinder, ist Weinliebhaber und raucht hin und wieder eine gute Zigarre. Sein Debüt gab er 2009 mit »Inselkoller«.

 

Kurzkritik

 

Jogging zwischen Dünen, dann geschieht ein Mord. Ein Krimi zwischen Wellness und Business, zwischen Inselidylle, Schickimicki-Sylt und Mordgeschäften. Spannend erzählt. Kurzsatz-Stil und prägnante Dialoge.  Mit aktuellen Bezügen zu Politik und Gesellschaft, ohne aufdringlich zu sein. Kostprobe: “Sie scheffelten Geld mit vollen Händen. Ihre Gier war unersättlich. Medien und Unterhaltungsindustrie lieferten, was der Markt verlangte. Geld und Quoten, shoppen und ficken. Immer die dämlichen Ausreden und Entschuldigungen. Aufklärung, Verantwortung, Wahrhaftigkeit? Fehlanzeige.“ Ein Sommerkrimi für das Stranderlebnis oder wenn’s regnet für die Hotellounge. Passt gut in die Badetasche.   

 

Reinhard Pelte
Inselroulette
Der sechste Fall für Kommissar Jung
281 S. / 12 x 20 cm / Paperback
ISBN 978-3-8392-1533-3

Morde im Abseits

Die Story:  Rui Barque war aufstrebender Profi beim 1. FC Köln, ehe ein brutales Foul seiner Karriere ein jähes Ende setzte. Als seine Freundin entführt wird, wendet er sich an Marius Sandmann. Widerwillig nimmt der Detektiv den Fall an. Denn eigentlich ist eine Entführung eine Nummer zu groß für ihn. Er gerät in einen Sumpf aus Wettmafia, Drogenhandel und Kunstraub, von dem Marius glaubt, ihn nur in Rio de Janeiro trockenlegen zu können. Dort muss er erkennen, dass dieser Fall und die Metropole am Zuckerhut tatsächlich eine Nummer zu groß für ihn sind. In diesem Taschenbuch-Krimi geht es also um: Drogenhandel, Kunstraub, Geldwäscherei und einen Mord. Der Autor führt uns in die Welt der  Kunsthändler, Museumsleute und Versicherungen, die sich auf das Aufspüren von  teuren Kunstgemälden  spezialisiert haben. 

 

Stefan Keller, Jahrgang 1967, lebt und arbeitet als Autor, Dozent und Dramaturg in Köln. Nach einer Tätigkeit als Wirtschaftsjournalist und Theaterdramaturg schrieb er Hörspiele, Fernsehshows, Drehbücher, Bühnenstücke, Kurzgeschichten und Lyrik. Er lektoriert für Filmproduktionen und Fernsehsender und unterrichtet seit mehreren Jahren Schreiben als Lehrbeauftragter an der Universität zu Köln und am KOMED.

 

Kurzkritik

 

Ein solider Krimi, der uns in drei Milieus führt: Fußball-Kunstwelt-Köln. Listig komponiert, flüssig formuliert. Ein Krimi für Ost-und Westkurven, Museumsbesucher und den WM-Kader zum Mitnehmen nach Brasilien.

 

Eine Prise Salz im Krimi

Jean-Luc Bannalec:  Bretonisches Gold
Diesmal geht es ums Salz – denkt man. Commissaire Dupin, dieser unkonventionelle, manchmal an einen Pariser Bohémien Erinnernde unter den Ermittlern dieser Welt, wird in den Salinen der Guérande beschossen. Was hat er dort zu suchen, außerhalb seines Départements, ja außerhalb der Bretagne, jedenfalls nach dem seit über 50 Jahren geltenden, nie verwundenen neuen Zuschnitt der Verwaltungsgrenzen in Frankreich? Zwei Karten auf den inneren Umschlagseiten sorgen für geografische Orientierung. Sofort gerät Dupin in einen sich erst nach und nach charmant entwickelnden Zuständigkeitskonflikt mit seiner für das Département Loire Atlantique zuständigen Kollegin Sylvaine Rose. Die wacht penibel über die Einhaltung der Grenzen.
Am nächsten Tag wird die kritische Journalistin Lilou Breval ermordet, von der Dupin in die Salzgärten mit einem vagen Verdacht geschickt worden war – er war ihr irgendwie verpflichtet. Wieder einen Tag später begeht einer der Salinenbesitzer Selbstmord. Jedenfalls sieht es so aus. Irgendetwas ist im Kampf um das kostbare Fleur de Sel, das weiße Gold der Bretagne außer Kontrolle geraten. Einer der Großen im Geschäft mit den kleinen weißen Kristallen will die letzten freien Paludiers aufkaufen und drangsaliert ihn. Oder macht die Coorperative Druck? Aber gleich mit Mord, mit Anschlägen auf die Polizei?
Der Krimi des unter dem Pseudonym  Bannalec bekannt gewordenen deutschen Erfolgsautors kommt eher gemächlich in Fahrt. Neben den Reibungsverlusten an den eitel bewachten örtlichen Zuständigkeiten sind es sympathischere „Nebensächlichkeiten“, die dem Roman seinen Charme verleihen: Die kulinarischen Gelüste des bereits seit den „Bretonischen Verhältnissen“ und der „Bretonischen Brandung“ liebgewonnenen Dupin regen den Appetit, die Beschreibungen der aufregenden Landschaften an der Atlantikküste die Reiselust an. Bannalec kann auch Liebe erzählen. Seine überraschende Geburtstagsgeschichte mit Dupins in Paris lebender Geliebten Claire ist hinreißend ausgedacht und souverän erzählt.
Im Mittelpunkt stehen natürlich die Ermittlungen, die Dupin und seine Kollegin von der Loire Atlantique gemeinsam und am Ende natürlich erfolgreich anstellen. Zweimal wird der Leser mit dem Kommentar der beiden Polizisten konfrontiert, dass man wie in einem Kriminalroman vorgehen müsse. Das ist eine schöne Gelegenheit für den Autor, sich selbst und das Genre schmunzelnd auf die Schippe zu nehmen. Im Hintergrund wirkt Dupins urbretonische Sekretärin Nolwenn wie der gute Geist für den ja erst vor fünf Jahren aus Paris nach Concarneau im Finstère versetzten Dupin. Der Roman nimmt Fahrt auf und wendet sich abrupt vom Salz auf eine andere Fährte. Plötzlich überschlägt sich alles, bleibt dabei aber für den Leser übersichtlich. Ein Showdown an der Mündung der Vilaine ist der Beleg, dass Bannalec auch das Genre des Thrillers beherrscht. Aber dann wird es wieder eher gemütlich im Grenzbereich der beiden Regionen und der mit einem Anschlag auf Dupin und zwei Toten so brutal begonnene Krimi findet zu einem angedeuteten glücklichen Ende. Das lässt auf seinen baldigen vierten Fall hoffen – auch wenn das Rätselraten um die Identität und den Klarnamen von Bannalec an Spannung verliert. Seine Bücher sind toll, seine Identität wird
zunehmend unwichtig.

 

Harald Loch
 
Jean-Luc Bannalec:  Bretonisches Gold. Kommissar Dupins dritter Fall
Kiepenheuer & Witsch, Köln 2014   341 Seiten   14,99 Euro

Kann Musik töten?

Tödliches Orchester
Kommissar Zufall ermittelt!

 

Langfried Schieber hat den perfekten Künstlertod – er stirbt auf offener Bühne. Nur leider hat jemand nachgeholfen. Kommissar Rainer Tsuval, der sich selbst für die Lokalausgabe von James Bond hält, übernimmt den Fall. Schnell wird klar, dass es sich nicht nur um Mord aus Neid handelt, sondern dass es um bahnbrechende Musikinnovationen geht.

„Kriminalpolka“ von Edi Graf ist ein skurril-satirisches Lesevergnügen, das spannend und zugleich urkomisch ist. Mit Kommissar Zufall betritt ein ganz neuer Ermittler die Krimi-Bühne. Für Freunde des humorvollen Kriminalromans absolut empfehlenswert!

 

Tatort Konzertbühne: Ein Giftpfeil beendet die Karriere des erfolgreichen Posaunisten Langfried Schieber. Na ja, einer weniger, mag mancher denken, doch die massige Sängerin Constanze Voorte-Sing will es genau wissen und setzt den berühmten Kommissar Rainer Tsuval auf den Täter an. Bei seinen Ermittlungen stößt er auf Zyanid im Posaunenmundstück, und bald geschehen weitere merkwürdige Morde.

 

Edi Graf hat bisher sechs Afrika-Krimis um die Journalistin Linda Roloff veröffentlicht und macht uns nun erstmals mit seinem skurrilen Helden „Kommissar Zufall“ alias Rainer Tsuval bekannt. Durch seine Arbeit als freier Redakteur kennt er die Blasmusikszene aus dem Effeff. Der Autor verfasste bereits Hörspiele, Reiseführer, Romane und Kurzkrimis und lebt mit seiner Familie in Rottenburg.

 

Rainer Tsuval lebt mit Aquarium und ohne Familie inkognito in St. Agath-Christi am Stein. Weitere enthüllende Fälle von ihm sind zu erwarten …

 

Edi Graf
Kriminalpolka
Gmeiner Verlag
277 Seiten
ISBN 978-3-8392-1424-4
EUR 9,99

 

Kurzkritik

 

Regionalkrimi mit Satire-Touch - Mord im Blechbläser-Milieu – mit Anmerkungen für Musiklaien – Ein Beweis für die These: Musik kann töten! Ein Mordspaß nach Noten

Bitterer Nachgeschmack

Subtile Morde - Der Giftmord wird Frauen zugeschrieben. Denn Frauen morden anders - subtiler - und zu 90 Prozent mit Gift. Das hat von der Antike an zu einer Dämonisierung der Täterinnen geführt, von der mythologischen Figur der rasend eifersüchtigen Medea, die ihrer Rivalin ein vergiftetes Gewand schickt, bis hin zum Hexenwahn des Mittelalters. Bekannte Autoren widmen sich dem spannenden Thema der Giftmorde - mit spitzer Feder und viel Herzblut!  

 

Herausgeber

 

Claudia Senghaas

Herausgeberin Claudia Senghaas ist gelernte Buchhändlerin aus Leidenschaft. Sie leitet seit fast 25 Jahren eine Bibliothek und ist als Anwendungsbetreuerin für ein Regionales Rechenzentrum tätig. Sie ist Dozentin für Literatur und seit 10 Jahren beim Gmeiner-Verlag beschäftigt. Sie leitet dort die Programmabteilung und das Lektorat

 

Iny Lorentz

Iny Lorentz ist das Pseudonym des Schriftstellerehepaares Iny Klocke und Elmar Wohlrath, das vor allem für seine historischen Romane bekannt ist. Die beiden schreiben seit 1982 zusammen und haben neben ihren Romanen auch viele Kurzgeschichten verfasst. Ihr erfolgreichster Roman „Die Wanderhure“ wurde mit Alexandra Neldel in der Hauptrolle fürs Fernsehen (Sat1) verfilmt, ebenso dessen Fortsetzung „Die Kastellanin“ unter dem Filmtitel „Die Rache der Wanderhure“.

 

Kurzkritik

Giftige Kurzkrimigeschichten, die uns durch die Jahrhunderte treiben. Krimis mit bitterem Nachgeschmack. Wie sagt schon Paracelsus „Dosis sola venenum facit“ (deutsch: „Allein die Menge macht das Gift“) In diesem Anthologienband ist eine Überdosis nachweisbar. Ein Fall für die KTU!

Schüsse auf den Bürgermeister

In Niederbayern wird wieder ermittelt. Im fiktiven Rasting wird der Bürgermeister mit 20 Kugeln im Leib aufgefunden. Die beiden Kommissare Assauer und Hammer stoßen bei ihren Ermittlungen rasch auf eine undurchsichtige Allianz, die der Bürgermeister mit dem Landrat und mit Geschäftsleuten aus dem Landkreis Passau geschmiedet hat. In diesem Kreis vermuten sie auch den Mörder. Mit allen Mitteln versuchen Assauer und Hammer, hinter die Machenschaften dieser Clique zu kommen. Zwei bärbeißige Kommissare ermitteln im Regen. Ein grantiger Krimi aus Niederbayern, und einem hinterkünftigen Täter.

 

Michael Winter wurde 1946 in Frankfurt/Main geboren. Ab 1948 wuchs er in München auf. Nach Abitur, Studium und einer Zeit als Informatiker bei Siemens kam er 1975 zum Bayerischen Rundfunk und arbeitete dort als Sprecher sowie Moderator in allen Hörfunkprogrammen und im Fernsehen. Seit 1978 war er in Europa und den USA auch als selbstständiger Drehbuchautor und Regisseur für Industrie- und Werbefilmprojekte tätig. 2009 erhielt er einen Gold Award beim 17. ITVA Festival in der Kategorie Dokumentation. Nach fast 40 Jahren in diesem Metier hat er das Krimigenre für sich entdeckt und Freude daran, seine Erfahrungen mit der Gattung Homo sapiens zwischen Buchdeckel wiederzugeben.

 

Acht Tage im September
Michael Winter
Gmeiner