Brettlhart - die neuen Kabarettbücher

Damit Ihnen das Lachen nicht vergeht

Werner Schneyder GESPRÄCH UNTER ZWEI AUGEN 

Da stehen die beiden auf der Mini-Bühne in der „Lach- und Schieß“ im Münchner Stadtteil Schwabing, Mitte der 1970er Jahre und sie proben ihr Duett, es erklingt der Walzer „Duwiduduwiduwi“ im Dreivierteltakt. Es ist der Beginn einer wunderbaren auch gesanglichen Zusammenarbeit zwischen Dieter Hildebrandt, dem scharfkantigen Satiriker aus Schlesien und dem eleganten Scharfzüngler aus Graz.  Zwei politische Nervensägen proben den neuen Kabarett-Aufstand, nachdem das alte Kabarettensemble das Zeitliche gesegnet hat. 
Ich darf als junger Reporter bei den Proben dabei sein und bin begeistert über den Jahrhundertsong: Gute Nacht, Herr Tucholsky. 
Nach seinen „12 Leben“ legt Werner Schneyder nun vor seinem 80.Geburtstag im Januar sein Buch „Gespräch unter zwei Augen vor“. Das Bekenntnis-Buch ist Selbstgespräch, Monolog zum Selbst-Dialog geformt, eine Auto-nicht immun-Beichte mit Selbsterkenntnis-Drang, ein unter zwei Augen, hinter denen nur ein einziges Hirn über einen DIALOG nachdenkt. 


Schneyder ist „multi“: Denker und Dichter, Dramaturg und Reporter, Texter und Sänger, ein Vielfachtalent mit Allround-Fähigkeiten, die in Deutschland und in Österreich ebenso schwer verdächtig machen, denn solche Menschen kann man so schlecht einordnen. Das schadet mitunter den Karrieren, von denen Schneyder viele gemacht hat, die aber nicht immer so geradlinig verlaufen, aber eben darum interessant sind. 

Mit Hildebrandt hatte er nie Streit, allerdings nur solange sie ein Duo waren, später trennen sich ihre Wege, als Schneyder im Scheibenwischer als „Duo mit Dieter“ vorgesehen war, aber rausgekickt wurde, denn Duos waren plötzlich nicht mehr vorgesehen: Hildebrandt wollte Solos, Schneyder steigt aus. Hildebrandt, er war sein „Lebensmensch“.
Blicken wir auf das tapfere Schneyderlein. Ja, die Frustrationen „Student der Zeitungswissenschaft“ zu sein, weil er seinen Professor nie zu Gesicht bekommt, kann der Autor dieser Rezension nachempfinden, ihm ging es genauso. 


In den einzelnen Kapiteln beschäftigt sich Schneyder mit den Themen Depression, Tormann sein, Oper, Kabarett, Sport, Schach, Essen und Trinken und viel, viel mehr, natürlich auch mit den Themen Leben und Tod. Am Ende stellt sich für den Doktor der Philosophie die Frage: alles nur Illusion! Vermutlich ja, doch es beginnt durchaus ganz real. Schneyder startet als Reporter, er wird dann Werbetexter: „Das war der Tiefpunkt“, er wechselt als Chefdisponent zum Theater, übernimmt Funkregie, kann Lieder übersetzen, selbst Songs schreiben, Drehbücher entwerfen, doch schon als Tormann wird ihm klar: „Er hätte nur hochgreifen müssen.“ Das Runde geht leider ins Eckige, Fußball bleibt seine Leidenschaft und Boxen auch, später hilft ihm diese Leidenschaft als Moderator im SPORTSTUDIO. Das „Hochgreifen“ wird zum Lebensmotto, was ihm als Torwart auf dem Fußballfeld nicht gelingt, genügend hochzusteigen, schafft er auf den vielen Lebens- und Arbeitsstufen dann künftig. Es ist der Weg eines hochgreifend Erfolgreichen, aber manchmal auch Gescheiterten, eben eines Genies mit und ohne Wahnsinn.


Wir erfahren, dass Sammy Drechsel sauer ist, wenn Schneyder die Tore macht, dass der Operntenor Domingo sich das Mieder schnürt, um auf dem Platz seinen Ball-Bauch zu verstecken. Schneyder bekennt, er singe gerne, weil es beim Singen eben um Erotik gehe, dennoch ist sein Befund, so oder so, die Oper ist tot. Er hat Erfolge und Misserfolge am Theater. Am Burgtheater spielt er sein letztes Kabarettprogramm, aber der ORF überträgt es nicht. Das sind bleibende Wunden…
Schneyder kann auch austeilen, Comedians bringt er in die Nähe von Idiotie: „Comedians machen Witze damit die Leute lachen, Kabarettisten machen Witze, damit die Leute auf etwas draufkommen.“


Mit Dieter Hildebrandt bringt es Werner Schneyder auf fünf Programme in acht Jahren, alle live übertragen, ich war bei Proben und Premieren dabei, es war der Gipfel deutscher Satire zu jener Zeit und nie wieder erreicht. 
Den Schriftsteller Thomas Bernhard verdammte er in Grund und Boden, auch die Jelinek mag er nicht. Für ihn ist Resignation im Leben verboten, auf der Bühne macht sie sich dagegen gut. 
Und das Politische, Herr Schneyder? Die Linkspartei muss im Parlament vertreten sein wegen der „politischen Hygiene“. Schneyder ist der pragmatische Pazifist. Er mahnt: Gott schütze uns vor Gottesstaaten, und er predigt über seinen Weinkonsum und seine Wasserbedürfnisse. Er formuliert mit großer Schreiblust in eine unglaubliche Bandbreite und Vielfalt hinein.


Man müsse mit dem Sterben früh beginnen, damit man etwas davon hat. Darauf muss man erst einmal kommen. 
Dass der Mensch auch Täuschungen unterliegt steht am Schluss des Buches. Der Schlusssatz lautet: Ich kann mich erinnern. In diesem Satz liegt Gewissheit und Zweifel zugleich. Schneyder kann Zweifel sähen und Demaskierung ernten. 


Fazit: Faszinierend.

Gespräch über Politik - unter zwei Augen

Reden wir über Politik.

 

Muss das sein?

 

Ja.

 

Ich habe alles schon oft gesagt.

 

Das darf kein Grund sein, das Maul zu halten. Du hast einmal gesagt, Resignation ist eine Allüre auf der Bühne, um die Leute zu provozieren. Im eigenen Leben ist sie verboten.

 

Man sagt viel. – Die Rechten sind im Vormarsch.

 

Wundert dich das?

 

Es macht mich wütend.

 

Du sollst weniger Wut auf die Rechten haben, als auf die Politik, die sie geradezu erzwingt.

 

Das stimmt. Vor allem auf sozialdemokratische Parteien, die den Rechten die Chance geben, zu Arbeiterparteien, zu Parteien der Benachteiligten zu werden …

 

… auf Kapitalismusparteien, die die warnenden Stimmen aus eigenen Reihen überhören, die da dringend raten, rechtzeitig anders zu teilen …

 

… und auf Großmächte, die schonungslos Ersatzkriege führen lassen und Flüchtlingsströme erzeugen, von denen sie selbst keinen der armen Teufel in ihr Land lassen.

 

Und auf die Deutschen, die sich an den Kriegen nur durch Waffenverkauf beteiligen. Die müssen dafür, dass sie aus schlechtem Gewissen Flüchtlinge aufnehmen, zusehen, wie die Rechte erstarkt.

 

Und terrorisiert.

 

Und Linksintellektuelle halten die Debatten für sinnreich, ob alle Rechten Nazis sind oder ob die Rechtsparteien nur die Nazis aufsaugen…

 

… werfen einander vor, die »Nazikeule« entweder zu schwingen oder nicht hinreichend zu schwingen…

 

… weigern sich, Parteimitglieder und verwirrte Wähler zu unterscheiden…

 

… kurz: tragen nichts zur Entwirrung bei.

 

Bitte, versuch’s du.

 

Als die Flüchtlinge kamen, sagte die deutsche Kanzlerin: »Wir schaffen das.« Sie präzisierte nicht »was«. Welche Zahl in welchen Zeiträumen. Und die Linksromantiker riefen die Grenzenlosigkeit

aus.

 

Dann gab’s auch prominente Gegenstimmen, und danach waren sie, was sie immer sind, zerstritten. Bös aufeinander.

 

Wie denn nicht? Die einen wollen gute Menschen sein, und die anderen sagen, wir tun der Welt nichts Gutes, wenn wir Nazis züchten.

 

Ein Dilemma. Kennst du dich aus?

 

Nein. Aber ich habe versucht, für mich einmal zu klären, was das ist, eine Grenze.

 

Was ist eine Grenze?

 

Die logische Fortsetzung der Haustür.

 

Was hat eine Haustür mit einer Staatsgrenze zu tun?

 

Alles, wenn man sich erst einmal klargemacht hat, was ein Staat ist.

 

Also, was ist ein Staat?

 

Fangen wir mit Volk an. Was ist ein Volk? Eine Ansammlung von

 

Haushalten. Zellen sozusagen.

 

Diesmal nicht im wirtschaftskriminellen Sinn.

 

Nein. Im Sinne von Organismus. Haushalte von Familien, Lebensgemeinschaften jeglicher Art und Singles. Alle diese Zellenbesitzer oder -mieter verriegeln ihre Tür.

 

Es gibt Weltgegenden, wo es gar keine Türen gibt, geschweige denn Riegel.

 

Ich rede von uns. Wenn bei uns einer klopft oder läutet, machen wir auf.

 

Außer wir schauen durch das Guckloch und verzichten auf nähere Bekanntschaft.

 

Lass mich doch bitte systematisch bleiben. Wenn es eine notleidende Person ist, die sammelt, lassen wir uns den Ausweis zeigen …

 

Du meinst, wenn es eine Person ist, die für angeblich Notleidende sammelt.

 

Da kann man was spenden.

 

Du hast doch mehrfach gesagt, dass du grundsätzlich nicht spendest. Du sagst, deshalb zahlst du Steuern, damit in deinem Land keiner Not leiden muss.

 

Ich rede jetzt von Hilfsorganisationen. Da habe ich selbstverständlich gespendet.

GESPRÄCH UNTER ZWEI AUGEN - Dialog eines Lebens, 272 Seiten Verlag Amalthea-Signum

MM - Mittermeiers Memoiren

„Fang nie an aufzuhören und hör nie auf anzufangen“, spricht CICERO durch Michael Mittermeier, denn dieser Satz steht am Ende seine Buches im Kapitel EPILOG. Ja „the bavarian comedian“ wurde 50 Jahre, und da ist es an der Zeit eine Art Memoirenbuch zu schreiben. „Die Welt für Anfänger heißt es“ und bei Kiepenheuer und Witsch ist es erschienen. Mit den Worten „…ich muss nochmal kurz…“ und „…so jetzt hab ich’s aber gleich…“ auf Seite 2 bekennt sich der Comedian als chronischer Zuspätkommer. Ja, zwischen den Zeilen, den Events, den Auftritten erfahren wir viel Persönliches und viel Handwerk aus der Comedian-Küche der Spaßmacher. Der Humor ist globaler geworden, und Mittermeier testet das aus, in der Schweiz und Österreich und auch im englischsprachigen Raum.

 

Sein Karrieretrip: Vom Reiseverkehrskaufmann zum Comedian, nachdem Bono bei einem Auftritt einen Aushilfsgitarissten suchte, Mittermeier eingesprungen ist und seitdem auf der Bühne steht als AUSDEMSTEHGREIFHERAUSHUMORVERBREITER.  

 

Mittermeier startete als junger Wilder. Er tobte über die Bühne, war heftig, ab und an auch mal politisch. Heute hat er Konkurrenz, aber viele können ihm nicht das Wasser reichen. Ob Kakerlaken-Stories aus Hotels, BONO-Kontakte, Erfahrungen mit der alten Tante BBC im Schwarzweiß-Vorurteils-Interview gegen Deutsche, ob Frühkindliches oder Spätpubertäres, Grundsätzliches oder Pointenreiches, ob Zugespitztes oder Abgeflachtes, Mittermeier trifft immer ins volle Menschenleben und trifft sein Leben. Witzig formuliert und bayrisch bodenständig.

 

Michael Mittermeier, geboren 1966, hat mit seinen Soloprogrammen »Zapped«, »Back to Life«, »Paranoid«, »Safari«, »Achtung Baby!«, »Blackout« und »Wild« Millionen Zuschauer in Deutschland, Österreich und der Schweiz begeistert. Seit vielen Jahren spielt er seine englisch-sprachigen Programme erfolgreich in Großbritannien, Südafrika, Kanada, USA, Russland und vielen anderen Ländern. Für seine Auftritte wurde er mit unzähligen Preisen ausgezeichnet, sechsmal erhielt er allein den Deutschen Comedypreis. 

Busses Lebenskomödie

Titel Jochen Busse Wo wir gerade von belegten Brötchen reden. Die Komödie meines Lebens Ullstein

 

Autor Jochen Busse, 1941 geboren in Iserlohn, ist deutscher Schauspieler, Kabarettist und Drehbuchautor. Drei Jahre war er im Düsseldorfer Kom(m)ödchen aktiv, von 1976 bis 1991 gehörte er zum Ensemble und Autorenteam der Münchner Lach- und Schießgesellschaft. Ab Ende der 60er Jahre übernahm Busse auch Rollen in Film- und Fernsehproduktionen. Er wurde u.a. mit dem Bambi, dem Deutschen Kleinkunstpreis sowie zwei Mal mit dem Deutschen Comedypreis ausgezeichnet.

 

Gestaltung Hardcover, Intro, elf Kapitel, Epilog, Abbildungsübersicht, Fotoserie auf der Buch-Innenseite, Register,  296 Seiten

 

Cover Busses Kopfporträt

 

Zitat: „Meine Eltern wollten, dass ich Mittelmaß werde.“

 

Meinung  Die näselnde Stimme, der zusammengekniffene Mund, die etepetete-Attitüde, so kennen wir Jochen Busse als schauspielerisches und kabarettistisches Fernseh- und Bühnen-Multitalent, der seine Karriere auf drei Bausteinen aufgebaut hat: der Münchner Lach- und Schießgesellschaft, dem Kom(m)ödchen in Düsseldorf und der rtl-Comedysendung „7 Tage 7 Köpfe“. Sein Memoirenbuch ist eine breite Tour d’horizon durch die Bühnen-, Kabarett- und Fernsehlandschaft.

Busse ist glücklich und zufrieden mit den Ergebnissen seiner Karriere doch in seinem Innersten muss er zugeben: So selbstsicher wie ich wirke bin ich eigentlich gar nicht.

 

Wir lernen seine Kindheitserlebnisse kennen, steigen mit ihm als Bühnenschauspieler auf, lernen seine Film- und Fernsehkollegen kennen, auch mit seinen persönlichen Abneigungen werden wir bekannt gemacht. Busse nimmt kein Blatt vor den Mund, doch manchmal erfahren wir mehr über sein Umfeld als über ihn selbst. dass er in manchem Sexfilmchen der frühen Jahre mitgespielt hat, verschweigt er nicht. Die großen Figuren des Kabaretts wie Dieter Hildebrandt und Sammy Drechsel werden nochmals zum Leben erweckt, Busse macht uns mit seinen linken Einstellungen bekannt. Er erinnert uns an das Comedytalent Carrell, seine Kollegen, seine Frauen.

 

Sein Fazit am Schluss des Buches, die Leute können Busse nicht einordnen und er sich selber auch nicht. Diese Unsicherheiten spürt man da und dort im Text, wenn er sprunghaft wird. Doch Sprünge sind in einem Künstlerleben halt eben gang und gäbe und seien es nur Karrieresprünge und mancher Seitensprung (nicht ehebrecherisch gemeint) sagen wir also Sprung zur Seite muss oder kann eben sein. Ein leichter, vergnüglicher Lese-Spaß.

Wischmeyers Artgenossen

 

Titel Dietmar Wischmeyer. Achtung Artgenosse. Auf der Suche nach menschlichem Leben. Ullstein extra


Inhalt Satirische Texte. Wischmeyer will Personen, Ereignisse und Zustände verspotten


Gestaltung Hardcover, Klappenbroschur, 192 Seiten, kurzes Vorwort, witzige Bildgestaltung


Cover Bei Fotografen in Mode gekommen, nur die Hälfte eines Gesichtes zu zeigen. So auch auf diesem Cover


Zitat “FIFTY SHADES OF GREY – nur ein SPD-Ortsverein von oben betrachtet?“


Meinung  Wischmeyer liebt den knallharten Text, die ätzende Wortwahl, die Brutalo-Pointe und er trifft damit immer total ins Schwarze, wenngleich manches Analphasenwort zu häufig gewählt wird. Aber so ist das heutzutage. «Wischi“ redet eben kein WISCHIwaschi, kein DRUMHERUM, er habe zur Sicherheit „soeben die Wörter ‚Arsch‘ und ‚scheißen‘ kunstvoll in den Text eingewoben.“ Der Bucheinstieg ist ein Text über den Kommunikationswahnsinn mit dem ONLINE-SUPPORT, für Wischmeyer außerirdische Kommunikation. Wischmeyer greift Sprach-Verballhornung auf, zum Beispiel „Wildtiermanagement.“ Lästert über Lokuslyrik, spießt die Handyfotomanie auf, zieht die Hochkultur runter in den Orchestergraben, warnt vor der Styroportverschmutzung des Globus, philosophiert über „eingesperrte“ Steine und den Vertikalschotterkunden, spießt das Plätzchenbacken zu Weihnachten auf als Ausgeburt der Backpulverlobby. Der Vornamen-Wahn mancher Eltern („Schackelines“ und „Ildiko“) ist ihm genauso ein Glossenthema wert wie die Szene vor der Bratwurstbude. Leider vergisst er zu erwähnen, dass in vielen Tatortkrimis die Currywurstbude eine tragende Hauptrolle spielt. Ob Joghurtbrot oder Lemonpils, Flipchartwahn und Naturfilmer-Fernsehen, der politische Aschermittwoch als „Keraus des Verstandes“  die Precht-und Sloterdijkisierung der Zukunft, Wischmeyer liebt die Banalisierung des Blöden und findet immer das richtige Wort, den treffenden Satz, die sprühende Pointe dafür. Beispiel: „Mao ist kein Fruchtgummi.“ Wo er recht hat, hat er recht

Pointen, Gags, Lacher, Fun: ZIPPERT

Hans Zippert Würden Sie an einer Tortengrafik teilnehmen? 199 Fragen und 197 Antworten zu den Allgemeinen Geschäftsbedingungen für das Leben in Deutschland. Edition Tiamat

 

Hans Zippert ist Kolumnist und ein begnadeter Pointenformulierer, nicht nur, dass er die unsinnigsten Dinge des Alltags, des politischen und gesellschaftlichen Lebens aufgreift, nein er entdeckt auch den alltäglichen Wahnsinn unserer Tage. Zum Beispiel: Warum gehen Elektrogeräte so schnell kaputt? Weil die Garantiezeit auf neunzig Minuten gesenkt werden soll…

Zippert beklagt mit Verlustangst: Discman, Kassettenrekorder, Vierspurtonband, Diaprojektor und VHS-Recorder, ja sogar die quietschende Melodica verschwinden vom Erdball. Sollen wir es bedauern? Ja!

 

Zippert zappert sich durch das Weltall und die Erde. Er philosophiert über die Länge des Penis und wie viele Bücher man über von der Leyen haben muss. Er stellt die Frage: Wie kann man Idiotie messen? Er lässt Wölfe bei der Pegida-Demo auftauchen, stellt seinen Lesern die Frage, ob sie an einer Tortengrafik teilnehmen wollen. Oder: Haben Bibliophile Sex mit Büchern?

Zippert schaut in die FIFA-Zukunft und schlägt beim Fußball-Videobeweis Sponsoren vor, etwa Saitenbacher Müsli…

Wir lernen: Deutschland ist immer noch geteilt: in ALDI Nord und ALDI Süd.

 

Er beschäftigt sich mit der Grundfrage: Ist Luxemburg ein Schurkenstaat?

Diese Frage ist wirklich berechtigt: Wie groß ist der Anteil von Gehörlosen unter Volksmusikern? Oder auch: Ist der Bus die neue Bahn? Diese Textsammlung ist ein großer Spaß mit hohem FUN-Faktor! Flott formuliert. Einfallsreich komponiert!

 

Und am Ende steht ein Offener Brief an AMAZON-Erfinder Jeff Bezos. Im AMAZON-Ranking landet Zippert nur auf Platz 75.193. Soll er nun seine Bücher selbst kaufen, um das Ranking zu verbessern? Nein die Lösung und sein Vorschlag sind: AMAZON verkauft keine Bücher mehr und macht künftig keine unsinnigen Rankings mehr, sondern verkauft Lafers Käsereiben. Jawohl! Ja!

In memoriam Dieter Hildebrandt

 

Dieter Hildebrandt - Letzte ZugabeRoger Willemsen, der eine ergreifende, heitere, mitreißende Totenrede bei der Beerdigung des geliebten und verehrten Dieter Hildebrandt hielt, schrieb ein lebendiges, einfühlsames Nachwort. Hildebrandts langjähriger Freund Dieter Hanitzsch begleitet die Texte mit seinen pointierten Zeichnungen.

 

Dieter Hildebrandt, geboren 1927 in Bunzlau, Niederschlesien, studierte in München Theaterwissenschaften. Zusammen mit Sammy Drechsel gründete er die Münchner Lach- und Schießgesellschaft, deren Ensemble er bis 1972 angehörte. Von 1974 bis 1982 arbeitete er mit dem Kabarettisten Werner Schneyder zusammen. Seine TV-Serien Notizen aus der Provinz undScheibenwischer wurden große Erfolge. Berühmtheit erlangte er auch durch seine Rollen in Kinoproduktionen wie Kir Royal undKehraus. Hildebrandt erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Grimme-Preis in Gold, Silber und Bronze. Viele erfolgreiche Bücher, darunter Vater unser – gleich nach der Werbung, Ausgebucht. Mit dem Bühnenbild im Koffer und als letztes Nie wieder achtzig!. Bis zu seinem Tod am 20. November 2013 lebte Dieter Hildebrandt mit seiner zweiten Frau, der Kabarettistin Renate Küster, in München.

 

Dieter Hildebrandt

LETZTE ZUGABE

Mit Zeichnungen von Dieter Hanitzsch und einem Nachwort von Roger Willemsen

ca. 220 Seiten

Geb.,  € 19,99 [D] | € 20,60 [A] | CHF 28,50* (* empf. VK-Preis)

ISBN 978-3-89667-537-8

 

 

Dieter Hildebrandt in Letzte Zugabe:

»Eine positive Entwicklung ist festzustellen, wenn ein Korinthenkacker plötzlich Rosinen scheißt.«

»Bayern sind harte Typen. Und selbstbewusst. Andere Menschen kommen mit dem Dativ aus. Bayern brauchen zwei. Sie schlagen sich auf die Brust und brüllen: „Mir san mir!“«

»Fußballtrainer entwickeln aus ihrer Tätigkeit immer mehr philosophische Hintergründe. Labbadia: „Mein Credo ist, dass die Metaphysik oder Standardsituation die Philosophie meiner Spielanalyse in großem Ausmaß beeinflusst und damit auch die Architektur meines Systems ...“

Jetzt ist mir klar, warum Fußballtrainer schon nach einer Saison wieder gefeuert werden. Länger hält das auch 

 

Kritik

 

Titel Dieter Hildebrandt Letzte Zugabe Blessing

 

Inhalt   271 Seiten als letztes Vermächtnis des großen deutschen Kabarettisten: Dieter Hildebrandt, der am 20. November verstarb. Seine Texte wurden von dem Münchner Lektor Rolf Cyriax zusammengestellt, der mit ihm alle zuvor erschienen erfolgreichen Bücher im Blessing-Verlag erarbeitet hat. Hilderbrandt hatte selbst beim Verlag angefragt, ob dieser sein l e t z t e s Buch veröffentlichen wolle. In der letzten Phase wurde der Kabarettist immer schwächer, das Schreiben fiel ihm schwerer – wie der Lektor uns wissen lässt – und so erlebte er den jetzigen Erscheinungstermin nicht mehr.

 

Autor   Dieter Hildebrandt wurde 1927 in Niederschlesien in dem Ort Bunzlau geboren. Nach seinen Münchner theaterwissenschaftlichen Studien gründete er mit Sammy Drechsel die legendäre Münchner Lach-und Schießgesellschaft. Unvergesslich die gemeinsamen Auftritte mit Werner Schneyder. Seine TV-Sendungen Notizen aus der Provinz und Scheibenwischer sind erfolgreiche Fernsehgeschichte der Bundesrepublik. In Kir Royal und Kehraus mit Gerhard Polt wirkte Hildebrandt auch als Schauspieler. Alle seine Bücher wie Nie wieder achtzig oder Ausgebucht waren große Verkaufserfolge. Drei Grimme-Preise in Gold, Silber und Bronze ehrten den immer politik-und gesellschaftskritisch eingestellten Kabarettisten, dem die Gabe gegeben war, Menschen auch zu unterhalten und der in der Lage war, mit wenigen Worten und Sätzen alles zu sagen. Hildebrandt - ein Aufklärer.

 

Cover   Dieter Hildebrandt, am Tisch im Scheinwerfer-Licht sitzend, liest aus seinem Buch

 

Gestaltung   Kurzes Vorwort des Lektors Rolf Cyriax, Reden, Texte, Gedankensplitter, Szenen Erinnerungen von Dieter Hildebrandt und ein Nachwort von Roger Willemsen – Zeichnungen von Dieter Hanitzsch

 

Zitat aus dem Buch    „Eigentlich möchte ich ein Engel sein, der sich im Nebel verfliegt."

 

Meinung   Hildebrandt war ein Zeitenerklärer und Geschichtenerzähler, ein scharfer Satiriker und scharfzüngiger Kabarettist, ein Formulierungs-Gott und Pointenfetischist, Kalauer-Freund und ewigjunger nie-alternder Heiterkeitsverbreiter, ein Minderheitenschützer und Mehrheits-Skeptiker, Demokratiefreund und Fussballfanatiker, Gedanken-Leser und Gedanken-Schreiber, Wortakrobat, eine Rampensau trotz bescheidener Schüchternheits-Attitüde. Er war mutig, aufrecht, unerschrocken, unbestechlich, treffsicher, kämpferisch, engagiert und alle diese Definitionen eines einmaligen Menschen finden sich in Textbeispielen in dem Buch wieder. „Neuerdings bremse ich auch für BILD“ leitet Hildebrandt einen journalismuskritischen Text ein. Oder „Die Wulffs...wer von beiden war eigentlich Bundespräsident?“ Oder: “Große Koalitionen sind nicht dazu da, nun endlich die großen Probleme zu lösen, sondern vier Jahre lang um sie herumzukommen.“ Hildebrandt – ein Welt-Erklärer mit Wortwitz. Allen Buchbeteiligten ist es gelungen, ein facettenreiches Panoramabild von Dieter Hildebrandt zu zeichnen und als Leser und langjähriger Zuschauer seiner Programme müsste man nun aufstehen und so lange klatschen nach der letzten Zugabe bis Dieter Hildebrandt dann nochmals auf die Bühne kommt und eine allerletzte Zugabe oder Pointe zum wirklichen und endenden AB-Schluss zu bringen. Dies wird leider nicht mehr geschehen und so klatschen wir still in uns hinein...

 

Leser   Kabarett-Kollegen, Comedians, Texteschreiber, Funk-und Fernsehredakteure, Ossis wie Wessis, Mediennutzer, Facebookfans, Angepasste und Kritische, Zeitgenossen und Heutige, alle Politikerinnen- und Politiker sowie alle Wählerinnen und Wähler.

  

Verlag Blessing

 

Wie es zu diesem Buch kam

 

Im Frühjahr 2013 rief Dieter Hildebrandt mich an und fragte, ob der Verlag vielleicht an einem Buch von ihm, seinem letzten, interessiert sei. Ich sagte nur, das sei eine erstaunliche Frage. Schließlich kam sein erstes Buch Was bleibt mir übrig 1986 bei Kindler heraus, dessen Chef Karl Blessing war.

Und alle folgenden Werke erschienen im Karl Blessing Verlag. Ich fügte hinzu, dass Blessing, der ihm bis zu seinem Tod ein guter Freund gewesen war, darüber entzückt gewesen wäre. Auch ich, der ich ihn, den bewunderten Autor, seit damals als Lektor begleitet habe, würde mich sehr freuen, dieses Buch mit ihm zu machen. So würde sich der Kreis aufs Schönste schließen. Nach unserem munteren Gespräch rief Hildebrandt seinen langjährigen Freund Dieter Hanitzsch an – in Zeiten des gemeinsamen Projekts störsender tv nannten sie sich Hadi und Hidi -, und dieser zeichnete einen Coverentwurf zum damals vorgesehenen Titel Kommen Sie zum Schluss, Hildebrandt! , und Hidi begann zu schreiben. In der Mitte des Jahres wurde er zunehmend schwächer, das Schreiben fiel ihm schwerer, er blieb aber voller Enthusiasmus, voller Pläne. Am 20. November 2013 starb Dieter Hildebrandt. In mehreren Ordnern fand ich neben seinen Skizzen für dieses Buch Texte aus den Jahren 2011 und 2012, die uns noch einmal den Witz, den Geist, die Ernsthaftigkeit, das Spielerische wie Politisch-Kämpferische dieses bedeutendsten deutschen Satirikers der letzten 50 Jahre zeigen. Und für Roger Willemsen, Dieter Hildebrandts letzten Bühnenpartner, ihr grandioses, umjubeltes Programm hieß: Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort! Die Weltgeschichte der Lüge, war es ein Herzensanliegen, ein Nachwort zu schreiben. So haben wir drei uns zusammengefunden, die Erinnerung an unseren Freund wach und lebendig zu halten.

Rolf Cyriax
München, im Januar 2014

 

Politiker-Märchen

Deutschland einig Flunkerland

 

Dieter Hildebrandt hat anlässlich des 60-jährigen Jubiläums der Bundesrepublik Deutschland die schönsten Politiker-Märchen ausgesucht und originale Tonaufnahmen kommentiert. Witziger und böser könnte eine Zeitreise nicht sein.

 

Ich mußte immer lachen

Blick zurück mit Witz

 
Ich mußte immer lachen

Ein Zeuge des Jahrhunderts erzählt sein Leben – ohne Nostalgie, ohne Pathos, nachdenklich und mit trockenem Humor. Aus Anlass seines 80. Geburtstages ermöglicht Dieter Hildebrandt den Lesern, persönliche Einblicke in sein Leben zu nehmen.

Nie wieder achtzig

Hildebrandt in Höchstform

 

Angriffslustig, nachdenklich und komisch! Hildebrandt kommt vom Hundertsten ins Tausendste, er verknüpft die Politik mit der Kunst, das Persönliche mit dem Nationalen. Er ist angriffslustig, wo es Not tut, nachdenklich, wo es angebracht ist, und komisch, wenn es ihm gefällt.

Dieter Hildebrandt über sein Buch

Dieter Hildebrandt wirft ein

Fußball-Geschichten

 

Fußball aus Sicht von Dieter Hildebrandt – amüsant und tiefsinnig. Bisher unbekannte Geschichten und Anekdoten aus dem Leben des großen deutschen Kabarettisten.

Ausgebucht

Frei und unformatiert

 
Ausgebucht

Dieter Hildebrandt auf Lesereise quer durch Deutschland. Seine Erlebnisse auf diesen Fahrten hat er aufgeschrieben, und seine Schilderungen gespickt mit satirischen Aperçus und politischen Betrachtungen über den Tag hinaus. Sie zeigen den großen Kabarettisten erneut als kritischen und witzigen Erzähler.

Vater unser - gleich nach der Werbung

Der ganz banale Fernseh-Alltag

 

Was sich in unseren Fernsehprogrammen in der Kategorie "neue Formate" abspielt, ist für Dieter Hildebrandt alles von derselben Belanglosigkeit.
In diesem Buch rechnet er ab mit der neuen Spaßkultur, und jeder bekommt sein Fett weg.

Gedächtnis auf Rädern

Erinnerungen

 

Dieter Hildebrandt gramt in seinem Gedächtnis und behauptet, "Mein Erinnerungsvermögen lässt nach und nach immer mehr nach." Man müsse nur "glaubwürdig alt genug sein", um die Vergangenheit in ein völlig neues Licht zu tauchen. "Diese Vorbedingung erfülle ich."

 

 

Alle Bücher sind im Blessing-<Verlag erschienen
http://www.randomhouse.de/SPECIAL_zu_Dieter_Hildebrandt/aid8572.rhd 

Originalaufnahmen aus der Münchner Lach-und Schießgesellschaft 1981

Hildebrandtschneidekrise(1).mp3
MP3-Audiodatei [2.3 MB]
Hildebrandt-Themen(1).mp3
MP3-Audiodatei [682.2 KB]
Kämpferischersein.mp3
MP3-Audiodatei [326.9 KB]
Lach-und Schießopener(1).mp3
MP3-Audiodatei [1.7 MB]
Nazis.mp3
MP3-Audiodatei [1.7 MB]