Die Auswahl-Taschenbücher

An dieser Stelle weisen wir Sie auf besondere Taschenbücher hin

Phantasie gefragt

Meine Güte, wie lange liegt die gymnasiale Schulzeit zurück? Das Gedächtnis lässt nach, Erlerntes verschwindet in den Untiefen der Hirnwindungen. Da kommt das Buch von Ernst Peter Fischer „Noch wichtiger als das Wissen ist die Phantasie“ - erschienen im Penguin-Verlag gerade recht.

 

Der Historiker und populäre Wissenschaftsautor fasst die 50 besten Erkenntnisse der Wissenschaft von Galilei bis Einstein zusammen. Übersichtlich, klar strukturiert. In knapper gut lesbarer Form. Auf handlichen 318 Seiten. Von Galilei über Kepler bis Heisenberg, von Weizsäcker, über Oppenheimer bis Darwin, von Röntgen über Schweitzer bis Tschechow.

Dabei geht der Autor von der Grundthese aus: Phantasie ist wichtiger als Wissen.

 

Weisheit zu erwerben ist ein lebenslanger Prozess. Das Buch ist ein Denk-Schatzkästlein mit vielen kleinen einzelnen Schubladen, den Erkenntnisse zu Astronomie und Physik, zu Mathematik und Informatik, zur Biologie und Naturforschung, Chemie und Medizin, Molekularbiologie und Genetik.

 

Im Schlusskapitel „Noch mehr Erkenntnisse„ finden sich gar Wissenschaftler, die auch literarisch wirkten. Dem einzelnen Kapitel werden jeweils Zitate vorangestellt.

 

Einige Beispiele:

 

Alexander von Humboldt: „Die gefährlichste Weltanschauung ist die Weltanschauung der Leute, die die Welt nie angeschaut haben.“

 

Georg Chistoph von Lichtenbergs „Es ist fast unmöglich, die Fackel der Wahrheit durchs Gedränge zu tragen, ohne jemanden den Bart zu sengen.“

 

Werner von Siemens‘ „Es kommt nicht darauf an, mit dem Kopf durch die Wand zu rennen, sondern mit den Augen die Türe zu finden.“

 

Robert Koch „Die Frage ist so gut, dass ich sie nicht durch meine Antwort verderben möchte.“

 

Albert Einstein über das Geheimnisvolle: „Wer es nicht kennt und sich nicht mehr wundern, nicht mehr staunen kann, der ist sozusagen tot und sein Auge ist erloschen".

 

Fischer stellt uns die Wissenschaftspersönlichkeiten vor, zeichnet ihre Lebenslinien nach, fokussiert – manchmal etwas arg knapp – die wissenschaftlichen Erkenntnisse, aber die 50 Porträts sind in jedem Falle farbig, klar konturiert, gut lesbar. Ein Taschenbuch das in jeden Schulranzen und in jeden Haushalt gehört. Und als Wissensbuch für Smartphone-Schüler bestens geeignet.

 

Das Beste was wir tun können ist nichts...

 

Morgendliches Nichtstun ist die Königspflicht. Björn Kern hat sich in die Sandkiste Brandenburg zurückgezogen und arbeitet nur so viel wie nötig oder besser gesagt, am besten gar nichts. Am liebsten sitzt er auf seiner Birnbaumbank und schaut entschlossen in die Landschaft, sich selbst versichernd, das sei der eigentliche Sinn des Lebens.

Doch wer meint, das sei leicht und diese Haltung gehöre zur Leichtigkeit des Seins, der irrt gewaltig. Zuallerst, der gesamte technische Plunder unserer Zivilisation ist überflüssig, wie wir schon an der Kiste mit alten Telefonen und Kabeln und PCs und Harddisks sehen können.

 

Die Welt der Dinge hindert uns am Nichtstun.

Erst haben wir keine Zeit für uns wegen der Schule, dann keine Zeit für die Partnerschaft wegen der Ausbildung, dann keine Zeit für die Kinder wegen des Berufs und als Senioren haben wir sowieso nie Zeit. Kann ich selbst bestätigen.

 

Also: schon der praktische Rat: Reparieren sie nichts, es geht sowieso wieder kaputt, trifft voll ins Schwarze und kurbelt die Wirtschaft an.

Björn Kern kauft ein Sanierungshaus und kämpft fortan mit seiner philosophischen Grundhaltung, die dem Taschenbuch zugrunde liegt. Aber schon durch das Schreiben dieses Buches handelt der Autor gegen seinen eigenen festen Willen nichts, aber auch gar nichts zu tun. „Kaufen sie nichts bei Tschibo. Niemals“, mit dieser Aufforderung würde natürlich auf lange Sicht der Kapitalismus von selbst zusammenbrechen und schon Karl Marx brillierte mit Tun statt Nichtstun, indem er in seinen Schriften diese Entwicklung wortreich in vielen Buchbänden vorhersagte. Es geht ja um die Arbeiterbewegung und nicht um die Nichtstun-Bewegung

 

Wenn der Autor allerdings meine unsinnig gestapelte Schraubensammlung sähe, würde er mir anhand dieser Tatsache nachweisen, dass mehrere solcher Eisenteile bei mir locker sind. Wenn ich an die vielen sinnlosen Meetings denke…oh jeh! Und an die Zeit, die ich mit den Entwicklungsstufen von Microsoft oder Serienfilmen vertan habe.

 

Teilen erleichtert das Nichtstun.

 

Was uns allein schon die Müllentsorgung beschäftigt, der Staat müsste Mindestlohn dafür bezahlen. Schon die zeit, die wir mit der Ankündigung von Steuererleichterungen über die Jahrzehnte hin verbracht haben…

 

Übrigens Frauen beschäftigen uns auch fortwährend… und vor allem mit unsinnigen Aufträgen.Was verbringen wir für unerhebliche Stunden an Telefonhotlines, wie lange hat es gedauert bis auch ich auf dem Lande endlich lte-online war, was für Zeitbudgets vergeuden wir beim Lesen unsinniger Gebrauchsanweisungen und auch Besucher machen nur Arbeit.

 

Warum verbringen wir viel Zeit mit Wahlkämpfen?

Am Ende empfiehlt uns der Autor dieses Buch weiter zu verschenken und auf das Nichtstun endlich stolz zu sein.

Auch ich habe alles falsch gemacht, dieses Buch gelesen, rezensiert, den Text online gestellt, warum mache ich das bloß? Der Buchtitel hat mich dazu verführt, und ich habe mich sehr amüsiert. Mal sehen, wie ich mich in Zukunft verhalte, eine Gartenbank habe ich auch schon, allerdings unter einem Nussbaum und eine unter einem Kirschbaum…schon wieder muss ich mich entscheiden. Ob es etwas wird mit dem Nichtstun?

 

Zitat: „Handy an. Leben aus. Handy aus. Leben an“

Karaseks Glossen im Taschenbuch

Titel Hellmuth Karasek Frauen sind auch nur Männer Heyne Taschenbuch

 

Inhalt  Glossen
 
Autor Hellmuth Karasek, Journalist und Schriftsteller, leitete über zwanzig Jahre lang das Kulturressort des Nachrichtenmagazins Der Spiegel, war Herausgeber des Berliner Tagesspiegels und ist jetzt Autor bei Welt und Welt am Sonntag. Er veröffentlichte u.a. Billy Wilder – Eine Nahaufnahme (1992), Mein Kino (1994), Go West, eine Biographie der fünfziger Jahre (1996), die Romane Das Magazin (1998), Betrug (2001), Karambolagen. Begegnungen mit Zeitgenossen (2002), seine Erinnerungen Auf der Flucht (2004), den Bestsellererfolg Süßer Vogel Jugend oder Der Abend wirft längere Schatten (2006), die Glossenbände Vom Küssen der Kröten (2008), Im Paradies gibt's keine roten Ampeln (2011) sowie Ihr tausendfaches Weh und Ach. Was Männer von Frauen wollen (2009) und die Reiseerlebnisse Auf Reisen (2013).

 

Cover Eine Frau pinkelt im Stehen an einen Baum

 

Gestaltung mehr als 80 jeweils zweiseitige Texte ohne Vor- und Nachwort

 

Meinung  Karasek schreibt lesernah, frech, wortwählerisch, einfallsreich, pointiert, selbstironisch und nie langweilig.  Ob sächselnde Wortspielereien, scheiternde deutsche Dynastien, natürliche Volksfeinde der deutschen Bahn, Unfälle auf der Datenautobahn, Vokal-Lyrik , Schreibschriftschreiben, Lieblingswitze und freudsche Versprecher, Karaseks Texte stecken mitten im Leben im Alltagswahn- und blödsinn, ob Kuckucksuhren, Weichspüler im Feuilleton, Landluftliebe, gefärbte Politikerhaare, Lesungen an Champions League-Abenden,  der Einmarsch der Plagiatoren, man muss bei all seinen Beiträgen, lächeln, schmunzeln, losprusten oder einfach nur still in  sich hinein lachen. Entspannungslektüre für Strandbäder, Lounges, Kaffeehausstunden.

 

Leser Streiflichtfans und Glossenfanatiker

 

Verlag: Heyne

 

Walser: Unser Auschwitz

 

Titel Martin Walser: Unser Auschwitz - Auseinandersetzungen mit der deutschen Schuld. Herausgegeben von Andreas Meier. rororo

 

Inhalt das Buch handelt von deutscher Vergangenheitsbewältigung. Es geht um die deutsche Schuld, die Verdrängung der nazistischen Vergangenheit und die Debatte darüber. In seinem Erstlingsroman „Ehen in Philippsburg“ (1957) in Schriftsteller-Porträts, in den Stücken  „Deutsche Chronik“ und zum Beispiel im Text über den jiddischen Schriftsteller Sholem Yankev Abramovitsh beschäftigte sich Walser in der Vergangenheit und nicht erst seit 1998 mit dem Thema. Der Band sammelt auch Walser-Texte über Kafka, Heine, Rudolf Borchardt und Viktor Klemperer. Das Taschenbuch enthält neben dem Text „Unser Auschwitz“ auch einen Ausschnitt aus der Diskussion Bubis, Korn, Schirrmacher, Walser, in dem es um die Wirkung seiner Paulskirchen-Rede geht.

 

Der Wuppertaler Germanist Andreas Meier, Herausgeber des Bandes, schreibt im Nachwort, dass Walser eben doch entgegen der damaligen Debatte ein Autor ist, der neben anderen Schriftstellern wie Peter Weiss „die literarische wie überhaupt eine öffentliche Auseinandersetzung mit dem nationalsozialistischen Völkermord“ anstieß.

 

Gestaltung Taschenbuch, 400 Seiten, 22 Kapitel mit einem Nachwort von Andreas Meier und ausführlichem Quellenverzeichnis, gesetzt aus der Stempel Garamond

 

Zitat aus dem Buch: „Nun aber war Auschwitz nicht die Hölle, sondern ein deutsches Konzentrationslager.“...Wir haben die Weise des Erinnerns noch nicht gefunden.“

 

Meinung Ich saß als Reporter für die ARD in der Paulskirche, um im Auftrag des Hessischen Rundfunks die Rede von Martin Walser im Hörfunk zu übertragen. Walser bekam am Ende stehende Ovationen. Das Publikum stand auf, klatschte minutenlang, verließ den Saal. erst Tage nach der Rede begann die aufgeregte Diskussion darum. Warum hat es zwei, drei Tage gedauert, bis Herr Bubis sich gerührt hat und dann ein Meinungs-„Storm“ startete. Walser sprach von Instrumentalisierung, Einschüchterung, Moralkeule, Lippengebet in seiner Rede, wenn es um Auschwitz geht. Er sprach die Obszönität der permanenten Bilderfolge in den Medien an, weil Hitler Quote bringt, wie Medienmacher heimlich eingestehen. Die Öffentlichkeit der Erregungsdemokratie stellte sich die Frage: Darf man Keule mit dem Wort Moral oder Auschwitz verbinden? Wenn es um Szenen aus Konzentrationslagern geht, und Walser reklamierte nicht  mehr hinsehen zu können, hieß es ja nicht, dass er vergessen wolle, darin liegt das Missverständnis, die mediale Übertreibung („Shoa-Business“) ist nicht gleichzusetzen mit wirklicher Aufarbeitung. Diese Szenen kommen zu oft vor, sagt Walser im Gespräch mit Bubis, Korn, Schirrmacher. Er entgegnet dem Vorwurf, er wolle einen Schlussstrich ziehen. Walser reklamiert einen  Selbsterkundungssprachgebrauch eines Schriftstellers nicht der eines Politikers. Er wendet sich gegen Bekenntnisroutine und Medienmechanismen. Es geht ihm um banale Häufungen, die  Instrumentalisierung von Auschwitz, Floskeln der Betroffenheit und den kanalisierten Jargon, den eingeschlafenen Routinesprachgebrauch. Letztlich geht es ihm um die Streitfrage: Darf eine Gesellschaft Gewissensvorschriften machen? Eine Gesellschaft, die das Lippengebet pflegt und es mit Kranzniederlegungen bewenden lässt.

 

Kernsätze Walsers lauten: Und ich habe gesagt, wie man an Auschwitz denkt, ist eine Sache des persönlichen Gewissens...ich will mir nicht vorschreiben lassen, wie ich mich zu erinnern habe. Realistisch ist eine Mitteilung über Auschwitz nur, wenn ihre Wahrnehmung reflektiert werden kann, Aber was Auschwitz war, wissen nur die Häftlinge, niemand sonst, sagt Walser und Ich habe vielleicht zu wenig deutlich gemacht, dass es öffentliche Erinnerungspflege geben sollte.

So ist das Buch vielleicht geeignet, für Walser endlich einen Seelenfrieden herzustellen!!! Das Buch ist eine Rechtfertigungsargumentation, eine späte Aufklärung, ein Beweis dafür, dass es einen Unterschied gibt zwischen Wille und Wirkung. Walser hat ja recht: Wir müssen eine Sprache für Auschwitz finden in einem heutigen gesellschaftlichen Klima des ICHWILLDASABERMISSVERSTEHEN, damit es in der Talkshow-Demokratie medialen Zoff gibt.  Dieser Gesellschaft geht dabei leider Fähigkeit zur Differenzierung verloren.

Walser spricht ein Grundproblem an, nämlich den Konstruktionscharakter, wenn Mitteilungen über die Wirklichkeit gemacht werden. Walsers Argumentation kulminiert in dem Satz: Es gibt keine Sprache für Auschwitz, schon in dieser Feststellung steckt ja Walsers Auffassung, dass man daran arbeiten müsse, eine Sprache für Auschwitz zu finden, („Walsers Sprachskepsis“) das ist ja eben doch gerade ein Appell nicht zu vergessen, und zugleich aber auch die Aufforderung, das Ritualisierte und Routinierte der Vergangenheitsbewältigung in Frage zu stellen.  Die Walser-Debatte ist zugleich eine Lehre, dass es ein Unterschied ist, was gesagt worden ist, was gehört wird, was weitererzählt wird und was wirklich verstanden worden ist. Es ist eben die Differenzierung nötig zwischen Rede und Wirkung, Verständnis und Missverständnis, über eine Frage  der Vergangenheit, diskutiert in der  Gegenwart mit einem Auftrag für die Zukunft. Walser beharrt: Ich bin nicht missverstanden worden, Herr Bubis...

 

Leser Wir alle

 

Verlag: rororo

 

Vom Glauben gefangen: Jehovas Zeugen

 

Titel    Misha Anouk   Goodbye Jehova. Wie ich die bekannteste Sekte der Welt verließ. rororo

 

Inhalt    2o Jahre war der Autor ein Zeuge Jehovas. Er war Teil einer Religion, die einen hohen Wahrheitsanspruch hat. Mit der Zeit kamen ihm Zweifel. Misha Anouk verlässt diese Religionsgemeinschaft und bietet einen glänzend geschriebenen Insiderbericht über das Sekten-System „Wachturm“.

 

Autor   Misha Anouk, geboren 1981 auf Gibraltar, ist freier Autor und widmet sich als Redner und in der täglichen Arbeit der Aufklärung über Bewusstseinskontrolle, Verschwörungstheorien, politische und gesellschaftliche Entwicklungen, Social-Media-Phänomene sowie der Medienkritik. Mit seiner Familie lebt er in Wien. Misha Anouk bloggt regelmäßig auf www.indub.io und twittert unter @mishaanouk.

 

 Lesart   Frech und frei formuliert der Autor sein eigenes „Glaubensbekenntnis“, nicht mehr zu den Zeugen Jehovas gehören zu wollen. Der Autor mischt selbst Erlebtes, eigens Recherchiertes mit originalem Quellenmaterial.

 

Cover    Ein Jehova-jugendlich-Jünger im feinen Zwirn hat die Nase voll und will aussteigen

Gestaltung Nach Prolog folgen zehn Kapitel, Abschluss durch Epilog, Dank und Quellenangaben

                                                                                                                        

Zitat: „Ich wurde also in der Wahrheit geboren, wie es bei uns hieß„  

 

Meinung  Misha Anouk ist ein Aussteiger. Der verlässt die Religionsgemeinschaft der Zeugen Jehovas, weil dieser Glaube für ihn nicht mehr „gut war“. Diese sich von der Gesellschaft abschottende Glaubensgemeinschaft, deren Missionare von Tür zu Tür gehen, um überzeugte Glaubensjünger zu werben,  wirbt mit psychologischen Tricks neue Jünger Jehovas. Anouk zeigt die Zeugen Jehovas von innen, er beschreibt seinen eigenen Seelenkampf, sich aus der Sekte herauszulösen. Er schildert auch, welche isolierenden, auch familiären Folgen das hat. Es ist ein überzeugendes Buchkonzept, denn der Autor führt uns auf mehreren Ebenen durch seine Geschichte. Wir fühlen mit ihm, in welcher Seelenlage er sich befindet, er beschreibt die Instrumentarien der Sekte, er untersucht die Glaubensbekenntnisse, belegt sein Urteil durch Anmerkungen im Anhangund er bleibt im text dennoch erfrischend undogmatisch. Das ist es ja: Das Undogmatische bekämpft die Dogmen. Ein seltenes und mutiges Aussteiger-Bekenntnis.

 

Leser Gläubige und Ungläubige, Mitglieder von Sekten, Jugendliche aller Altersstufen und vor allem auch Scientology-Jünger

 

Presse Seine Geschichte zeigt, wie gut das System der Zeugen Menschen manipulieren kann. (Zeit online)

 

Misha Anouk hat etwas durchgemacht, an dem andere Menschen zerbrechen würden. (Morgenpost)

 

 

Das Buch erlaubt nicht nur tiefe Einblicke in den Alltag eines Zeugen zwischen Königreichssaal und Predigtdienst an fremden Haustüren, es blättert auch das ganze Spannungsfeld zwischen diametral gegenüber stehenden Denkrichtungen auf. (Lübecker Nachrichten)

Ein bemerkenswertes Buch, hervorragend geschrieben und akribisch recherchiert. (Hamburger Abendblatt)

 

Interview mit dem Autor

 

Sind die Zeugen Jehovas eine Sekte und wenn ja warum?
 

Man muss sich zunächst die Frage stellen, wie wichtig einem persönlich das im Grundgesetz verankerte Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit ist. Die Antwort, die ich für mich auf diese Frage erhielt, lässt keinen anderen Schluss zu, als dass die Wachtturm-Gesellschaft und ihre Jünger, die Zeugen Jehovas eine sektenartige Organisation mit totalitären Merkmalen sind.


Was waren die inneren Beweggründe die Zeugen Jehovas zu verlassen?

 

Ein Freiheitsdrang. Ich konnte mir das Leben innerhalb der sehr engen geistigen Mauern der Glaubensgemeinschaft nicht mehr vorstellen. Dass mein Ausstieg soziale Konsequenzen haben würde, nahm ich in Kauf. 

 

Welche psychologischen Mechanismen werden angewandt, um Jehovajünger zu gewinnen?


 

Man spricht von Bewusstseinskontrolle: Die Verführung von Menschen mittels emotionaler Werkzeuge. Dazu gehören sowohl Gefühle der Angst als auch eine enge, fast elitäre Verbundenheit. Zeugen Jehovas fühlen sich allerdings nicht manipuliert. Sie sind überzeugt, dass sie sich aus freien Stücken an alle Ge- und Verbote halten. In meinem Buch veranschauliche ich diese Manipulationstechniken ausführlich.


 

Wie soll man sich an der Tür verhalten, wenn Jehova-Zeugen da stehen und Eintritt wollen?


 

So wie bei jedem Haustürgeschäft: Dankend ablehnen und verlangen, dass vermerkt wird, dass zukünftig von Besuchen abzusehen ist.


 

Woran glauben Sie noch?

 

Ich glaube, dass wir eine Verantwortung gegenüber unserer Umwelt und unseren Mitmenschen haben. Keine Ideologie dieser Welt rechtfertigt die Unterdrückung oder Diskriminierung von Menschen. Zu einem angemessenen Miteinander gehört auch, dass das zweifellos hohe Gut der Glaubensfreiheit niemals über dem Grundgesetz stehen darf.

 

Im Elfenbeinturm: Powerpoint statt Diskurs

Buchdeckel „Warum unsere Studenten so angepasst sind“

 

Titel Christiane Florin Warum unsere Studenten so angepasst sind. rororo

 

Inhalt Christiane Florin blickt hinter die Kulissen des Uni-Alltages und alles ist irgendwie uni – gleichförmig! 

 

Autor Dr. Christiane Florin ist seit über zehn Jahren Lehrbeauftrage am Institut für Politische Wissenschaft und Soziologie der Universität Bonn. Ihre Fachgebiete sind Medienpolitik und Medienkultur. Sie selbst studierte in Bonn und Paris Politik, Geschichte und Musikwissenschaft. Bis 2010 leitete sie das Feuilleton des «Rheinischen Merkur», heute ist sie die Redaktionsleiterin von «Christ und Welt» in der «ZEIT».

 

Lesart Zwei Hauptkapitel und ein Schlusswort bilden die Gliederung des Buches. Man frisst den Text förmlich in sich hinein, so lebensnah und spannend und plastisch ist er geschrieben.

 

Cover Leere Hörsaal-Stühle vor Backsteinmauer. Das Cover könnte den vergangen geglaubten Elfenbeinturm symbolisieren.

Gestaltung Taschenbuch mit 80 Seiten leicht und schnell – auch zwischen Seminaren - konsumierbar

 

Zitat: „Ich vermisse nicht die Ideologien, sondern die Ideen. Ich vermisse nicht die Meinungsstärke, sondern die Urteilskraft. Soll ich Widerstand leisten oder vor der Debattenverweigerung kapitulieren?“

 

Meinung Ich erinnere  mich noch gut daran, das rororo-Bändchen „Aufbruch ins Jahr 2000“ von der Bildungspolitikerin Dr. Hildegard-Hamm-Brücher in Händen gehalten und gelesen zu haben, noch in meiner Schulzeit. Damals lösten solche Bücher noch breite gesellschaftliche Debatten aus über den Bildungsnotstand. Heute gilt Bildung als Rohstoff, nur keiner fördert ihn. Stattdessen haben wir Bildungssymbolik und Mautdebatten, Meinungsstreit um das Unwesentliche. Die Nachrichten in den Medien werden so stark verkürzt, dass das Wichtige der Nachricht ins Internet verschoben wird. Wo also sollen Diskussionen über die Zukunft in unserer Gesellschaft stattfinden. In den Talkshows, auf der Straße, bei Lokführer-Demonstrationen, im Parlament, in der Uno. Ja, überall dort aber nicht nur Uno, zuallererst Uni, denn dort wird unser Nachwuchs ausgebildet.

 

Die Autorin hat ein erschreckendes Abbild unserer Universitäten gezeichnet. Wir haben uns das alles schon gedacht nur nicht getraut, offen auszusprechen, denn dann gehört man zur Generation FRÜHERWARALLESBESSERNICHTWAHR. Debattierunlust, Stromlinienförmigkeit, Mainstream-Verhalten, Performancezwang mit Powerpointgequatsche, Lust die einzig wahren Wahrheiten zu erfahren, Handouts, Punktenkonten, Rankings, das alles ist den Studenten heilig. Recherche, Meinungsvielfalt, Experiment, Diskussionslust – das alles war gestern! Ob da jemals nochmals ein Robert Bosch oder Alexander von Humboldt die Uni verlässt? Die beste Jobperspektive heute: Dissertationen im Auftrag schreiben. Mein Gott Deutschland! Was ist aus dir geworden?

 

Leser Studenten, Professoren, Politiker, Zeitungs- und Onlineredakteure, sowie Bildungspolitiker aller Bundesländer

 

Presse

 

Eine messerscharfe Beobachtung gelingt Florin, wenn sie den Antrieb vieler Studenten auf den Punkt bringt. So prägnant hat der Generation Y wohl lange keiner mehr den Spiegel vorgehalten. (Huffington Post)

 

Christiane Florin weiß, wovon sie erzählt. (...) Ihr Büchlein explodiert nahezu von persönlichen Beobachtungen und Erfahrungen. (Neue Rheinische Zeitung)

 

Christiane Florin schreibt, wie der Titel schon vermuten lässt, mit der gebotenen Lust an der Polemik (wobei sie die sachliche Grundlage nie vernachlässigt), was den entsprechenden Spaß beim Lesen garantiert. (Bayerische Staatszeitung)