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Herzliche Grüße,

Norbert Schreiber

Trauerfeier für Tomi Ungerer

Öffentliche Trauerfeier in Strasbourg

 

In Strasbourg findet am Freitag, 15. Februar 2019 eine öffentliche Trauerfeier für Tomi Ungerer statt. Und zwar um 10.00 Uhr in der Kathedrale.

 

Die Trauerfeier wird von der Stadt Strasbourg und dem Musée Tomi Ungerer organisiert.

Tomi Ungerer ist verstorben

Aus: Museum Tomi Ungerer, Werkkatalog zur ständigen Ausstellung,
© 2008 Diogenes Verlag AG, Zürich

 

Aus: Tomi Ungerer Das grosse Liederbuch, © 1975 Diogenes Verlag AG, Zürich


28.11.1931–9.2.2019 


Der weltberühmte Zeichner, Maler, Illustrator und Autor Tomi Ungerer, geboren am 28.11.1931 in Straßburg, ist in der Nacht auf Samstag, den 9. Februar 2019, im Alter von 87 Jahren im irischen Cork gestorben.

»Meine Wurzeln sind im Elsaß, meine Baumkrone ist in Irland.« Die Hälfte des Jahres lebte Tomi Ungerer zuletzt auf einer großen Farm in einer zeitlosen Landschaft in Südirland. Seine Heimatstadt Straßburg, das Zentrum jener »Zwischenkultur« aus Deutschland und Frankreich, war sein zweiter Wohnort. Dort wurde ihm als erstem lebenden Künstler Frankreichs ein eigenes Museum gewidmet, das »Musée Tomi Ungerer – Centre international de l'Illustration«.

 

Tomi Ungerer wurde vielfach ausgezeichnet. Für seine Verdienste um die deutsch-französischen Beziehungen erhielt er 1992 das »Bundesverdienstkreuz« und 2008 den »Prix de l’Académie de Berlin«. 2005 wurde Tomi Ungerer mit dem »e.o. plauen-Preis« ausgezeichnet, 2014 ernannte ihn François Hollande zum »Commandeur de l’Ordre national du Mérite«, 2017 erhielt er den »Bayerischen Buchpreis« und 2018 wurde er von Präsident Emmanuel Macron zum »Commandeur de la Legion d’Honneur« ernannt.

 

Der Diogenes Verlag trauert um seinen dienstältesten Autor. Die Bücher von Tomi Ungerer erscheinen seit 1960 im Diogenes Verlag, darunter auch die beiden autobiographischen Titel »Die Gedanken sind frei. Meine Kindheit im Elsaß« und »Es war einmal mein Vater«. Seine Bilderbücher, darunter »Die drei Räuber«, »Der Mondmann«, sind längst Klassiker der Kinderliteratur. Zuletzt erschien von ihm u.a. der Katalog zur großen Ausstellung »Incognito« (Kunsthaus Zürich 2015, Museum Folkwang Essen 2016) mit Zeichnungen, Collagen und Plastiken. Seine Werke verkauften sich weltweit in über 17 Millionen Exemplaren. 

 

Tomi Ungerers Vermächtnis, mit Erscheinungstermin 24.4.2019, ist das Bilderbuch »Non Stop«. Eine Geschichte über Freundschaft, Vertrauen und Menschlichkeit in dunklen Zeiten, für Erwachsene und Kinder. Ebenfalls für 2019 eingeplant ist der Band »America« mit 300 Bildern aus Tomi Ungerers Zeiten in den USA.

 

Bücher Tomi Ungerer im Diogenes Verlag: 


https://www.diogenes.ch/leser/autoren/u/tomi-ungerer.html


https://www.tomiungerer.com/

Biopgraphie und Werke Tomi Ungerer
Ungerer_Bio-Bibliographie.docx
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Michel Houellebecq: Serotonin

„Es ist eine kleine, weiße, ovale, teilbare Tablette“ – aus diesem wie eine Überschrift gesetzten Anfangssatz entwickelt Michel Houellebecq seinen über den internationalen Buchmarkt geschwappten Roman „Serotonin“. Bei diesem im Volksmund als „Glückshormon“ bekannten Neurotransmitter, dessen wissenschaftlicher Name „5-Hydroxytryptamin“ sich weder für einen Anfangssatz noch für einen Romantitel eignet, handelt es sich um eine vom Körper selbst hergestellte Substanz, die bei dem suizidalen Protagonisten des Romans nicht richtig funktioniert. Er nimmt deshalb das fiktive Antidepressivum Captorix – eben die kleine, weiße, ovale, teilbare Tablette. Sie hilf ihm nicht richtig, immerhin kann er gelegentlich duschen, Auto fahren, umziehen. Seine Libido ist dagegen erloschen, sein Antrieb stark reduziert, er reicht am Ende gerade bis zum Knopf am Fernsehgerät. Sein Name ist Florent-Claude, er hat Agrarökonomie studiert wie der Autor selbst. Sind damit autobiografische Zusammenhänge erklärt?


Houellebecq sortiert aus seinem bekannten Arsenal an zivilisationskritischen, misanthropischen Vorurteilen gegen die Welt einige für diesen Roman neu und verwendet sie als Ursachen der Depression von Florent-Claude. Besonders bekommt die EU-Bürokratie in Brüssel ihr Fett weg. Die Abschaffung der Milchquote treibt Bauern in der Normandie auf die Barrikaden. Florent-Claudes Freund Aymeric erschießt sich aus ökonomischer Aussichtslosigkeit vor den Augen der Polizei. Haben nicht gerade die Großgrundbesitzer Nordfrankreichs besonders von der EU-Agrarpolitik profitiert? Auch Aymeric war depressiv, trank übermäßig, rauchte Joints.


Der Ich-erzählende Held schweift zwischen der erzählten Gegenwart zurück in eine glücklichere Vergangenheit. In ihr spielten Frauen die entscheidende Rolle. Die auf manchen Leser unterhaltsam wirkende, praxistaugliche Darstellung aller denkbaren sexuellen Details, gehört zu Houellebecq wie deren Verlagerung in die Vergangenheit. Die wird – nimmt man das französische Original zur Hand – durch das klassische passé simple literarisch wunderbar aufgerufen. Im Deutschen gibt es kein vergleichbares erzählendes Tempus, aber Stephan Kleiner gelingt eine überzeugende Übersetzung, sowohl der heiklen wie der poetischen Stellen. Dazu zählt die lange und intensive Liebe zu Camille, eine ebenso aus eigenem Verschulden beendete erfüllende Liebe zu einer Dänin. Weniger poetisch sind die Episode mit einem Deutschen, der kinderpornografische Aufnahmen mit einem kleinen Mädchen macht und die von Florents Freund Aymeric inspirierte Leidenschaft zum anspruchsvollen Schießen mit einem Präzisionsgewehr. 


Überhaupt hält es Houellebecq mit der Präzision. Er beschreibt sowohl technische Gegenstände als auch die Natur genau, er bezeichnet alles mit dem exakten Begriff und führt auch dadurch eine gute Portion Humor in seinen düsteren Roman ein. Literarisch ist Serotonin ein Meisterwerk, die Aussagen der Protagonisten sind wie üblich krass und werden nicht jedem gefallen. Ob das alles, wie manche behaupten, dem rechten Rand zuzurechnen ist? Houellebecq ist im Gegensatz zu manch flottem Spruch in seinem Roman eher unpolitisch, sehr auf die depressive Verfassung seines kettenrauchenden Helden konzentriert. Die Leere in ihm erkennt Houellebecq als ein allgemeines Zeichen der Zeit und insofern ist „Serotonin“ ein Roman auf der Höhe unserer Zeit. Auch wenn jeder vollmundige Spruch widerlegt werden kann und auch sollte. Gute Literatur verdient nicht etwa Zustimmung, sie lebt – wie „Serotonin“ - von Stil, Entwurf, Kühnheit und manchmal auch von eigener Depression.


Harald Loch
 
Michel Houellebecq: Serotonin
Aus dem Französischen von Stephan Kleiner
DuMont, Köln 2019   336 Seiten   24 Euro

 

 

PROJEKT EUROPA

Titel

PROJEKT EUROPA Eine kritische Geschichte

 

Autor

Kiran Klaus Patel ist Professor für Europäische und Globale Geschichte und Inhaber des Jean-Monnet-Lehrstuhls für Geschichte an der Universität Maastricht.

 

Inhalt

„Die EU ist im Krisenmodus. Nach Jahrzehnten des Erfolgs scheint sie nun erstmals in ihrer Existenz bedroht. Doch ist die heutige Situation wirklich so außergewöhnlich? Auf Grundlage der neuesten Forschung und eigener Archivrecherchen erzählt Kiran Klaus Patel die Geschichte der europäischen Integration im Kalten Krieg neu und zeigt das Projekt Europa ungeschminkt – jenseits des Wunschbildes politischer Sonntagsreden und billiger Polemik. Wer die Vorgeschichte der EU kennt und weiß, wie sie zu dem wurde, was sie ist, der sieht au... ch die Entwicklungen der Gegenwart in einem anderen Licht.


Das Selbstbild der EU könnte strahlender nicht sein. Sie steht für Friedensstiftung, Wirtschaftswachstum, eine an Werten orientierte Politik sowie ein zusammenwachsendes Europa. Und im Rückblick will es so scheinen, als hätten ihre Vorläuferorganisationen dies alles ganz aus sich heraus und nahezu zwangsläufig geschaffen. In seinem mit überraschenden Einblicken gespickten Buch hinterfragt Kiran Klaus Patel diese Standarderzählung und macht deutlich, dass ein überzogenes Selbstbild das heutige Krisenempfinden unnötig verschärft, weil für neu und bedrohlich gehalten wird, was es immer schon gegeben hat. Die größten Krisenjahre der alten EG entpuppen sich im Rückblick als Zeiten des Auf- und Umbruchs, aus denen Europa am Ende gestärkt hervorging.”  Soweit die Verlagsankündigung.

 

Gestaltung

463 Seiten, Prolog, Epilog, acht Kapitel, Europa und europäische Integration, Frieden und Sicherheit, Wirtschaftswachstum und Wohlstand, Partizipation und Technokratie, Werte und Normen, das bürokratische Monster, Desintegration und Dysfunktionalitäten, die europäische Gemeinschaft und die Welt, Dank, Anmerkungen, Abkürzungsverzeichnis, Quellen- und Literaturverzeichnis, Abbildungsnachweis und Register, bebildert

 

Cover

Europas Sterne blättern

 

Zitat

„Wenngleich die EG keine große Rolle bei der Erstellung der europäischen Friedensordnung spielt und auch nur ein nachrangiger Faktor bei deren Stabilisierung war, wurde sie dennoch zum symbolischen Herz europäischer Verständigung- und Friedensbemühungen.“

 

 

Meinung

Der Autor möchte, dass wir uns von gewohnten Denkmustern verabschieden. Die europäische Option war nie die einzige Alternative zum Nationalstaat. Der Autor, klärt welchen Beitrag die Europäsche Union für Frieden und Sicherheit beitrug, hat sie wirklich Wirtschaftswachstum und Wohlstand genährt, die Flüchtlings- und Asylpolitik konnte der Autor noch nicht berücksichtigen. Aus einer analytischen Distanz heraus untersucht der Autor seinen „Gegenstand“. Ein kritisches und spannendes, sehr analytisches, historisch fundiert begründetes Buch. Und die Werte-Debatte? „Ich glaube, dass die europäische Union eine sehr kraftvolle Antwort dafür finden muss. Dass das aber teilweise nicht gelingt, liegt auch daran – neben den institutionellen Fragen – dass die Werte und Normen gar nicht so tief verankert sind, wie wir häufig glauben.“

Leser Europäer alle Länder, Theresa May, die Brüsseler Institutionen, Boris Johnson und Angela Merkel

 

Warum sollte man genau dieses Buch lesen oder verschenken?

 

…weil wir noch nicht wissen, wie Europa mit oder ohne Brexit eine Zukunft haben kann…

 

Verlag

CHBeck

 

Preis

29,95 Euro

Gorbatschow

Titel

GORBATSCHOW Der Mann und seine Zeit. Eine Biographie

 

Autor

William Taubman ist Professor für Politikwissenschaft am Amherst College und einer der führenden amerikanischen Experten für sowjetische Geschichte. Sein Buch «Khrushchev. The man and his era» wurde 2004 mit dem Pulitzer-Preis für die beste Biographie des Jahres ausgezeichnet.

 

Inhalt

 Im Ausland verehrt und bewundert als der Mann, der das Tor zu einem neuen Zeitalter aufstieß, gilt er bei seinen Landsleuten als Schwächling und Totengräber des sowjetischen Imperiums: Michail Gorbatschow ist für die einen ein überragender Staatsmann und für die anderen ein Versager. Pulitzerpreisträger William Taubman legt nun die grundlegende Biographie dieser Jahrhundertgestalt vor – akribisch recherchiert, fundiert im Urteil und fesselnd geschrieben.
 

Als Michail Gorbatschow 1985 mit 54 Jahren jüngster Generalsekretär in ... der Geschichte der KPdSU wurde, war die Sowjetunion eine von zwei Supermächten. Doch nur vier Jahre später hatten Perestroika und Glasnost die Sowjetunion für immer verändert und Gorbatschow mehr Feinde als Freunde.

Seine Politik beendete den Kalten Krieg.

Doch im Jahr darauf musste er nach einem gescheiterten Putsch – ohne es zu wollen – dem Kollaps jenes Imperiums zuschauen, das er zu retten versucht hatte. William Taubman schildert in seinem Buch, wie ein Bauernjunge vom Lande es bis an die Spitze im Kreml bringt, sich mit Amerikas erzkonservativem Präsidenten Ronald Reagan anfreundet und es der UdSSR und dem Ostblock erlaubt, sich aufzulösen, ohne Zuflucht zur Gewalt zu nehmen.

 

Wer war dieses „Rätsel Gorbatschow“ – ein wahrhaft großer Politiker oder ein Mann, der an seinen eigenen Fehlern scheiterte und an Mächten, gegen die er nicht gewinnen konnte., heisst es bei CHBeck im Verlagsprospekt.

 

Gestaltung

 935 Seiten!!!19 Kapitel, Anmerkungen des Autors, Liste der Akteure, Einleitung Gorbatschow ist schwer zu verstehen, 19 einzelne Kapitel zu den Themen Kindheit und Jugend, Universitätszeit, auf der Karriereleiter, Parteisekretär in der Region, Rückkehr nach Moskau, auf der Weltbühne bis zum Putsch, Ende der Amtszeit und die Zeit danach, Schlusskapitel Gorbatschow verstehen

 

Cover

 Gesichtsporträt

 

Zitat

 „Gorbatschow war ein Visionär, der sein Land und die Welt veränderte“

 

Meinung

Ein voluminöses, sehr nahes, erzählerisches Porträt, das mit vielen Details überzeugt. Es geht chronologisch vor und kommt zu dem Schluss: „Bei all seinen Mängeln und auch wenn er seine hehren Ziele nicht alle erreichte, war er doch ein tragischer Held, der Verständnis und Bewunderung verdient.“ Ein großes Werk.

 

Leser

 Menschen in Ost und West, Falken und Tauben

Warum sollte man genau dieses Buch lesen oder verschenken?

…weil wir so schnell vergessen, wem wir die deutsche Wiedervereinigung auch verdanken…

 

Verlag

 CHBeck

 

Preis

 38 Euro

Fukushima


Titel

Adolf Muschg Heimkehr nach Fukushima 


Autor

Adolf Muschg, geboren 1934 in Zürich, war u. a. Professor für deutsche Sprache und Literatur an der ETH in Zürich und Präsident der Akademie der Künste Berlin. Sein umfangreiches Werk, darunter die Romane «Im Sommer des Hasen» (1965), «Albissers Grund» (1977), «Das Licht und der Schlüssel» (1984), «Der Rote Ritter» (1993), «Sutters Glück» (2004), «Eikan, du bist spät» (2005) und «Kinderhochzeit» (2008), wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter der Hermann-Hesse-Preis, der GeorgBüchner-Preis, der Grimmelshausen-Preis, der Grand Prix de Littérature der Schweiz und zuletzt der Preis der internationalen Hermann-Hesse-Gesellschaft.

 

Inhalt

  Der Architekt Paul Neuhaus, frisch verlassen, erhält eine Einladung von seinen alten Freunden Ken-Ichi und Mitsuko. Der Bürgermeister eines Dorfes nahe beim Unglücksmeiler von Fukushima, Mitsukos Onkel, bittet Neuhaus, ihn zu besuchen. Die Gegend ist verstrahlt, die Dörfer sind verlassen, die kontaminierte Erde ist abgetragen. Die Regierung wünscht die Rückbesiedlung, aber die Menschen haben Angst.
Der Bürgermeister will Neuhaus für eine Künstlerkolonie gewinnen – in der verstrahlten Zone –, um neue Hoffnung zu wecken. Neuhaus reist mit Mitsuko an und sie geraten in eine unentrinnbar intensive Nähe zueinander. Ist in der schönen, verseuchten Landschaft Fukushimas eine Zukunft möglich wie auch in der Liebe zwischen Paul und Mitsuko?
Sie beide begleitet die Lektüre Adalbert Stifters. So wie dort die geheimnisvolle Kette von Ursache und Wirkung die Bereiche des Lebens gleichermaßen verknüpft, so stellt die unheilvolle Kettenreaktion im Atommeiler in Fukushima nicht nur die Japaner vor die Frage, was diese Katastrophe über uns alle sagt. Sind wir im Zentrum der Gefahr nicht näher an unserer Wahrheit und an der unserer Gegenwart?

 

Zitat

„Die wahre Katastrophe ist nicht die nukleare, es ist die soziale. Sie zerstört den Kern der Menschen.“

 

Meinung

Es ist ein Experiment, das Adolf Muschg da wagt. Erstens überhaupt an die Katastrophe von Fukushima zu erinnern. Zweites dies als Hintergrund für eine Liebesgeschichte auszuwählen. Drittens ein Adalbert Stifter-Buch damit zu verbinden. Viertens sich mit Japan und seinen kulturellen Voraussetzungen und Traditionen auseinanderzusetzen. Und fünftens die ganze Thematik in einen Roman zu packen. Experiment gelungen, auch wenn der Leser sich anstrengen muss. Sehr differenziert, in die Tiefe gehend, philosophische Erkenntnisse weckend. Fast Alleinstellungsmerkmal, denn kein Mensch erinnert sich aktiv an die Fukushima-Katastrophe. Der Verdrängungsprozess ist menschlich. 
Muschg stellt sich dem sperrigen Thema, und Literatur ist das Handwerkszeug dazu. Über die profanen Sandsäcke, in denen radioaktiv verseuchte Erde gesammelt wird, schreibt Muschg: „Wir stehen vor einem japanischen Kunstwerk der Verzweiflung, einem flächendeckenden Tagebau des reinigen Wahns“. 
Muschg entdeckt, dass Lust und Liebe urmenschliche Triebe und Motive sind, ans Weiterleben zu denken und es vor allem zu tun. „Heimkehr nach Fukushima“ liest sich nicht leicht, muss entdeckt, durchforscht werden, es stellt Ansprüche. Man muss mit in die Tiefe absinken, um zu verstehen. Eine spannende Liebesgeschichte im Atomzeitalter.  Für Liebende und Überlebende. 


Leser

Die Menschheit, Japaner, Weißrussen, Russen und Deutsche sowie der Europäer an sich, Großbritannien eingeschlossen

 

Warum sollte man genau dieses Buch lesen oder verschenken? 
…weil auch mal Anspruchsvolleres unter den Weihnachtsbaum gehört und Nachhaltiges…

 

Verlag

CHBeck

 

Preis

20 Euro

 

 

"Kultur und Mentalität Japans spielen in dieser bizarren Liebesgeschichte eine zentrale Rolle.“ 
Die Zeit, Ulrich Greiner 

 

"Muschgs Roman ist ein sprachliches und erzählerisches Kunstwerk.“ 
taz, Marlen Hobrack 

 

"Ein tiefgründiger, philosophischer Roman, der Reflexionen über Schicksal und Eigenverantwortlichkeit mit überraschenden Beobachtungen und Erkenntnissen paart." 
SWR2 Lesenswert 

 

"Diese westöstliche Lebens- und Liebesgeschichte voller Weisheit und Humor ist ein ungemein frischer Roman, den man mit viel Vergnügen liest. 

Frankfurter Allgemeine Zeitung, Jürg Altwegg

 

"Nicht nur ein Alterswerk von großer erzählerischer Subtilität am Beispiel ruppiger Gegenstände, es ist tatsächlich ein Meisterwerk: ‚hell erleuchtetes Weltall‘!“ 

ORF Ex Libris, Peter Zimmermann

 

"Sehr elegant und eloquent, spannende Charaktere, schlüssige Geschichte.“ 
SR2, Bianca Schwarz 

 

"Ein Roman, der die Katastrophe von Fukushima klug und erhellend in Literatur verwandelt.“ 
WDR, Barbara Geschwende 

DIE CHINESEN

 

 

Titel

Die Chinesen Psychogramm einer Weltmacht

 

Autor

Stefan Baron,*1948, war 16 Jahre Chefredakteur der Wirtschaftswoche. Der preisgekrönte Journalist und studierte Volkswirt war zuvor am Kieler Institut für Weltwirtschaft und beim Spiegel. 2007, kurz vor Beginn der Finanzkrise, wechselte er die Seiten und war bis 2012 Kommunikationschef der Deutschen Bank.

 

Guangyan Yin-Baron, * 1967, hat in China Kommunikation und Journalismus studiert und dann bei der "Kanton-Zeitung", einer der größten Zeitungen des Landes, gearbeitet. 1993 kam sie nach Deutschland, um in Witten-Herdecke Ökonomie zu studieren. Seitdem lebt sie in Deutschland und arbeitet als Beraterin für Unternehmen aus beiden Ländern.

 

Inhalt

Ein mehrschichtiges, detailreiches, umfassendes China-Länderportät, das die chinesische Herausforderung des Westens thematisiert, die Psychologie eines gesamten Volkes darstellt, unser westliches China-Bild hinterfragt und vor allem die Geistes- und kulturgeschichtlichen Grundlagen von Konfuzius über Laotse bis Mao und Deng aufgreift.

Im zweiten Teil thematisiert das Autorenpaar Erziehung und Sozialisation, Denken und Wahrnehmung, Sprache und Kommunikation, Moral und Gesellschaft, die Lage von Mann und Frau, Lebenseinstellungen und Temperamentfragen.

In Teil 3 werden Fragen aus der Wirtschafts- und Arbeitswelt aufgegriffen, Staat und Herrschaft beschäftigen die Autoren ebenfalls sowie Chinas Haltung zur Welt, schwankend zwischen Friedensbemühungen, Darstellung von Stärke und Multipolarität. Im Ausblick geht es dann um Konvergenzentwicklungen, um Koexistenzfragen oder um die Frage., ob es weltweit auf einen Kampf der Kulturen hinausläuft. Menschenrechtsfragen werden leider nur gestreift.

 

Gestaltung

 445 Seiten mit Danksagung, Bibliographie und Personenregister und einem sehr ausführlichen fundierten bibliographischen Anhang.

 

Zitat

 „Wo es aber an Wissen und Verständnis fehlt, blühen nicht nur Vorurteile und Stereotype, sondern auch Unsicherheit und Ängste.“

 

Meinung

Schon Helmut Schmidt, der sich in den 1970er Jahren ins ferne China aufmachte, wusste um die wachsende Bedeutung Chinas, auch Henry Kissinger hatte ein Auge dafür. Doch der Ost-West-Konflikt hat uns Jahrzehnte den Blick auf den Fernen Osten „verklebt“. Nun öffnete uns dieses Buch die Augen. Es überzeugt mehrdimensional, durch seinen breiten Analyseansatz, durch die psychologische Dimension, die meist vergessen wird.

 

Es plätschert nicht an der Oberfläche daher, sondern untersucht die geistes- und kulturgeschichtlichen Grundlagen dieses Landes. Wie mit einer Lupe tastet das Autorenpaar Themenfeld für Themenfeld ab. Vorurteile werden abgeräumt, neue Erkenntnisse bloßgelegt, einfach auch nur viele Details und Wissensfragen aufgelistet, denn China ist mal Vorbild, mal Feindbild, mal Zerrbild.

 

Stabilität und Ordnung haben für die Chinesen einen hohen Wert, ihre Sprache ist laut, der Staat setzt auf Verhaltenssteuerung, sie verdanken ihren wirtschaftlichen Fortschritt der Globalisierung. Die Autoren fordern im Fazit eine neue FERNOST-Politik, die ähnlich grundsätzlich ansetzt wie die Ostpolitik der 1970er Jahre.

 

Leser

 Alle, die meinen sie müssten den neuen Nationalismus predigen, China ist die neue globale Herausforderung politisch, klimatisch, ökonomisch.

 

Warum sollte man genau dieses Buch lesen oder verschenken?

…weil unser Eurozentrismus uns den Blick für Asien verstellt….

 

Pressestimmen

„Der Handelskonflikt zwischen den USA und China bestimmte 2018 die Schlagzeilen. Da kam das Sachbuch „Die Chinesen - Psychogramm einer Weltmacht“ des deutsch-chinesischen Ehepaars Guangyan Yin-Baron und Stefan Baron genau zur richtigen Zeit.“

Frankfurter Rundschau, Michael Hesse, 08.12.2018

 

"Ein Buch zur richtigen Zeit, das gefehlt hat, ein Crashkurs über die globale Situation, ein Buch, das jeder Wirtschaftslenker lesen sollte"

Wirtschaftsbuchpreis des Jahres 2018, 12.10.2018

 

Baron und Yin-Baron kombinieren Historie und Hirnforschung, Psychologie, Ökonomie und Politik und eröffnen so tiefe Einblicke in das Denken und Fühlen der Chinesen. [...] Mit ihrem Buch wollen die beiden [...] das "Psychogramm einer Weltmacht" entschlüsseln. Es ist ein gewagtes Vorhaben, doch es gelingt auf beeindruckende Weise."
NZZ am Sonntag, 26.08.2018

 

"Das Beste, was ich je über China las...Grandios erzählt."
€uro am Sonntag 32/18, Hans-Hemann Tiedje, 11.08.2018

"Einzigartiger Einblick nicht nur in das Denken und Fühlen der Chinesen, sondern auch in deren ökonomische und geopolitische Ambitionen"
Dolomiten, 13.06.2018

 

„Ein informatives, umfassendes Buch. [...] Der Rundumblick lässt kaum eine Frage zum chinesischen Wiederaufstieg offen.“
DiePresse.com, 11.06.2018

 

"Das Autorenpaar [will] mit naiven Klischees über China aufräumen und dabei helfen, eigene Sichtweisen über die sogenannte "gelbe Gefahr" radikal zu hinterfragen. […] Ein zugängliches Buch, das dabei hilft, die kulturellen Prägungen und die Kontinuitäten im politischen Denken der Chinesen von Konfuzius über Mao bis heute zu verstehen."
Deutschlandfunk, 14.05.2018

 

„Völkerpsychologische Studien sind stets faszinierend und zugleich ob ihrer Tendenz zu Verallgemeinerungen mit Vorsicht zu genießen, aber die Barons haben ihre Aufgabe vorzüglich erledigt und ein kenntnis- und informationsreiches Buch verfasst.“
Der Standard, Christoph Winder, 27.04.2018

 

"China erscheint in der Berichterstattung deutscher Medien oft unter 'Ferner liefen' und seine Bewohner sind den meisten Europäern eher fremd. Mit seinem Buch "China - Psychogramm einer Weltmacht" zeigt Stefan Baron Land und Leute aus neuer Perspektive."


WDR 3 "Resonanzen", 25.04.2018

„Ein Buch, das auf jeden Fall zur richtigen Zeit kommt."
Cicero, 01.03.2018

 

"Guangyan Yin-Baron und ihr Mann, der deutsche China-kenner Stefan Baron, haben die beste Einführung [zu China] in deutscher Sprache geschrieben."


krautreporter.de, Rico Grimm, 27.11.2018

„Das Buch liest sich sehr spannend und überzeugt durch seine Aktualität. Ein aufschlussreiches Portrait einer Nation, die vor großen Herausforderungen steht.“
www.chinakompass.wordpress.com, 06.06.2018

 

„Flüssig geschrieben und leicht lesbar. Gemäß dem chinesischen Sprichwort: "Ein gutes Buch ist wie ein vertrauter Freund" ist es ein guter Einstieg und Überblick"
Letzebuerger Journal, Cordelia Chaton, 21.04.2018

 

"Die Chinesen. Psychogramm einer Weltmacht“ hilft dabei, naive Annahmen gegenüber China auszuhebeln, Überheblichkeiten zu beerdigen und vor allem: die eigene Sichtweise über die sogenannte „gelbe Gefahr“ radikal zu hinterfragen.
Handelsblatt, 08.02.2018

 

Verlag

ECON

 

Preis

25 Euro

Scharia Kapitalismus

 

Titel

SCHARIA KAPITALISMUS Den Kampf gegen unsere Freiheit finanzieren wir selbst

 

Autor

Sascha Adamek, *1968, arbeitet seit zwanzig Jahren als Journalist und Filmemacher für die ARD, u.a. für die Politikmagazine Kontraste und Monitor, aktuell für die Redaktion "Investigatives und Hintergrund" des Rundfunks Berlin-Brandenburg. Er ist Autor zahlreicher Fernsehdokumentationen - zum vorliegenden Thema zuletzt der Film „Dschihad in den Köpfen“.

 

Inhalt

Der radikale Islamismus sieht sich als Todfeind des Westens und seiner Lebensweise. Unglaublich ist es daher, wie bedenkenlos deutsche Unternehmen, Verbände und Politiker mit Vertretern dieser Weltanschauung gemeinsame Sache machen.

Der Journalist Sascha Adamek legt mit diesem Buch die erste umfangreiche Recherche zu den direkten und indirekten Verbindungen zwischen deutschen Akteuren und den Förderern des gewaltbereiten Islam vor. So beträgt die deutsche Handelsbilanz mit Staaten, deren Rechtssystem überwiegend auf der Scharia fußt, 64 Milliarden Euro - darunter auch zahlreiche Waffenexporte. Die Liste der Enthüllungen reicht von deutschen Unternehmen mit islamistischen Teilhabern über die Machenschaften der deutschen Waffenlobby bis hin zu den Verstrickungen der Politik. Zugleich wirft Adamek einen Blick auf Moschee-Gemeinden, Vereine und Stiftungen in Deutschland, die von radikalen saudi-arabischen und türkischen Geldgebern unterstützt werden. Am Ende steht eine erschreckende Erkenntnis: Den Kampf gegen unsere Freiheit finanzieren wir selbst! (ECON)

 

Gestaltung

Paperback, 316 Seiten, 12 Kapitel, Einführung und Vorschläge für ein friedliches Miteinander und die Grenzen des Appeasements

 

Cover

Das Schwert des Islam vor rotem Grund

 

Zitat

„Im Zentrum dieses Buches steht das Geld.“

 

Meinung

Fazit dieses islamkritischen Buches, und das steht im letzten Satz: „Das Eintreten gegen den Vormarsch des Islamismus ist daher kein Projekt von Populisten, es ist ein urdemokratisches, republikanisches, liberales und im Zweifel auch linkes Projekt.“ Will heißen: aufgepasst, liebe Demokraten, den Blick nicht nur nach RECHTS richten, mit gleicher Energie sollte man auch gegen die islamistischen Demokratiefeinde vorgehen.

Der Investigativjournalist der ARD recherchiert auf den Spuren der Scheichs, die in Konzerne, politische Macht und in die Religion Unsummen investieren. Katar lockt Investoren und beherbergt Terrorfonanziers. Die SAUDI-Connection investiert 80 Milliarden Dollar in den weltweit agierenden Islamismus. Deutschland entpuppt sich dabei als Ruheraum für die islamistischen Finanziers. Auch die radikalen Moscheevereine und Koranschulen werden verdeckt finanziert. Milliarden-Waffengeschäfte nähren die Demokratiefeinde und illegalen Kriege. Ein detailreiches, mit Fakten überzeugendes islamkritisches Buch, das nicht mit Schaum vor dem Mund daherkommt, sondern die verdeckten Finanzströme untersucht, mit denen politisch Einfluss gewonnen wird.

 

Leser

Leser von links, Leser von rechts und Leser aus der Mitte  

 

Warum sollte man genau dieses Buch lesen oder verschenken?

…weil Verharmlosung den kritischen Blick verstellt…

 

Verlag

ECON

 

Preis

18 Euro

 

Und ein weiterer Tipp

 

Maryam A. Mein Leben im Kalifat. Eine deutsche IS-Aussteigerin erzählt DVA

 

Warum entschließt sich eine junge Frau aus Deutschland, nach Syrien zum »Islamischen Staat« zu reisen? Weil zuhause alles schiefgegangen ist? Aus Glaube, aus Liebe oder aus Naivität? Im Sommer 2014 reist Maryam A. mit ihrem Mann nach Syrien, zwei Jahre wird sie im »Kalifat« leben. Der IS ist in dieser Zeit auf dem Höhepunkt seiner Macht, doch für die junge Deutsche beginnt eine Odyssee zwischen Luftangriffen und IS-Hinrichtungen von »Verrätern«, zwischen Angst und eigener Unmenschlichkeit, zwischen banalen Sorgen und absurden Fragen des Alltags im Terrorstaat. Immer wieder das Quartier wechselnd, trifft sie Fanatikerinnen und Verstörte, eine amerikanische Agentin und verzweifelte Witwen. Nach monatelangen Vorbereitungen gelingt es ihr 2016, in einer mondlosen Nacht zu fliehen. Sie ist dem IS entkommen, doch in Sicherheit ist sie nicht. (dva)

 

Zum Autor

Christoph Reuter, geboren 1968, berichtet seit Jahrzehnten aus den Krisenregionen der islamischen Welt, zunächst für »Die Zeit« und den »Stern«, seit 2011 für den SPIEGEL. Neben preisgekrönten Reportagen veröffentlichte er mehrere Bücher, darunter »Mein Leben ist eine Waffe« (2002) über Selbstmordattentäter. Für seine Recherchen über den »Islamischen Staat« wurde er u.a. als »Reporter des Jahres« ausgezeichnet, für seinen Bestseller »Die schwarze Macht« gewann er den NDR Kultur Sachbuchpreis des Jahres 2015.

 

Verlag

DVA

 

Preis

18 Euro

Walser vs Augstein

Martin Walser (90), der Schriftsteller, weigert sich beharrlich, eine Biographie zu schreiben, und meint, in seinen Büchern und den darin handelnden Figuren sei seine Biographie sowieso versteckt.  Jakob Augstein (50) ist Publizist und Journalist, und er ist deswegen gewohnt, Fragen zu stellen. Ein Sohn will etwas wissen von seinem Vater, und so haben sich beide geeinigt, in mehreren Gesprächen am Bodensee ihr Verhältnis grundsätzlich und ausführlich zu klären.

 
Mit dem Satz Walsers, er habe leider "für solche Sachen gar kein Gedächtnis" hatte der Schriftsteller jedoch schon seine Grenzen in seinem Verhältnis zum Sohn abgesteckt. Zwar hatte Walser sich mit Augsteins Ehefrau Maria Augstein (Maria Carlssohn) telefonisch auf dem Laufenden gehalten, doch Vater und Sohn blieben „getrennt“.

 
Augsteins Fragen sind verständnisvoll, milde, manchmal aber auch bohrend, tiefer gehend. Walser spricht von der "Unvorzeigbarkeit" der tiefsten Wahrheit eines Menschen. Aber auch „Jeder Roman ist eine Autobiografie, ein Selbstporträt des Autors zum Zeitpunkt des Schreibens“. So fallen eben typische einfallsreiche Walser-Worte, die in einem einzigen Begriff bereits so viel Deutung beinhalten, dass damit alles gesagt ist, sowie Zitate aus seiner Roman-Eigenproduktion, die der Sohn gut kennt.

 

Walsers Themen und Romane spielen also eine Rolle, daneben detailliert der biographische Hintergrund, seine Literatur-Streitereien, die Auseinandersetzung mit Reich-Ranicki und der deutschen Vergangenheit. Es ist eine Familien-, Lebens- und Werkgeschichte entstanden, die beweist, dass Gesprächsbücher doch spannend sein können, was Verleger ja oft bezweifeln. 


Manche Kritiker bemängeln, dass man eh schon alles wusste, manches ja, alles NEIN, dennoch die Interpretationen der Beiden, das Ausplaudern von Hintergründen dazu fasziniert eben doch, vor allem durch die sprachlichen Qualitäten. 


Ob über das Schreiben, die Abhängigkeiten eines Autors, das Geld-Verdienen, Verleger-Beziehungen, die Presse (Medien ein „Zuschreibungsgeschäft“), Politik, die deutsche Nazi-Vergangenheit, Religion, Literaturkritik und Literaturbetrieb („gewisse Bedingtheit des literarischen Betriebs“), das Buch ist zwar geformtes Konstrukt, kein banales oder schwafelndes Gesprächsprotokoll aber eben genau deshalb sehr gut lesbar.

 
Der Sohn findet, Walsers Buchtitel hätten etwas „Groschenromanhaftes“, über Hemingway sagt der Autor: „Für Entenjagd in gefrorenen Lagunen bin ich nicht zu haben“, oder über Jean Ziegler und Joachim Gauck: „Ich beneide sie inzwischen nicht mehr um ihr hohes Maß an Gerechtfertigtsein.“

 

Das Links-Sein wird ebenso thematisiert wie Walsers Auschwitz-Rede. „Erst bin ich affirmativ, dann Kommunist, später Nationalist und am Ende Antisemit. Kommt noch was?“ Es geht in diesem Buch um wechselseitige Seitenhiebe, Vater-und-Sohn-Attacken, Seiten-Triebe („Sex ist kein Sujet für Literatur“) und Seiten-Sprünge („Warum müssen Kinder hinter den Eltern aufräumen?“).

 
Es sind diese Gesprächskontraste, die manchmal auch erheitern. Walser spielt zum Beispiel regelmäßig Lotto: „Einen Samstag ohne Lotto kann ich mir nicht vorstellen“.

 

Fragt der Sohn nach Grass, sagt Walser, Wahlkampftouren ödeten ihn an.

 

Walser war mit dem verstorbenen Fernsehregisseur Michael Pfleghar eng befreundet, kein Wunder, Walser war in seinen Anfängen beim Süddeutschen Rundfunk in der Unterhaltungsredaktion. Er gehörte als Funkautor und Regisseur zum legendären "Genietrupp" des SDR um Andersch, Bachmann und Enzensberger in Stuttgart.  Fällt der Name Hans Werner Richter, („Gruppe 47“) typisiert Walser ihn als „Literaturfürst“. 


Wir erfahren Einzelheiten und Zusammenhänge über Lektoren und Leser, Literaten und Kritiker, ja auch über Politiker: Schriftsteller sind für Politiker Accessoires.

 
Walser ist mit sich im Reinen und er ist es doch nicht, er lebt immer noch seinen eigenen Satz: Nichts ist ohne sein Gegenteil wahr. Er sagt, er stimme sich zwar zu, wenn er seine älteren Werke sieht, er lese sich selbst mit Zustimmung, ja er zweifele auch, aber Selbstkritik liege ihm fern, sie ist für Walser ein Pseudowort. 


Natürlich kommt sein Roman „Tod eines Kritikers“ vor und die Debatte danach über Antisemitismus und auch Walsers Instrumentalisierungsthese über Auschwitz, die er nochmals einordnet und in Beziehung zur deutschen Wiedervereinigung setzt. Er widerspricht der Meinung, die deutsche Teilung sei eben der Preis, den Deutschland habe bezahlen müssen für die Gräueltaten des Dritten Reiches, das ist für ihn Instrumentalisierung: „Ich habe einen Teil meines Lebens im Dienst des Rechthabenmüssens verbracht.“

 
Zu Reich-Ranicki, der ihm die Literaturfähigkeit im Buch Walsers „Jenseits der Liebe“ in seiner Kritik dazu mit der Überschrift „Jenseits der Literatur“ heftig absprach, sagt Walser „Ich habe dem Kritiker nichts zu erlauben“. Die Kritik hat ihn tief verletzt.


O-Ton Ranicki damals: 
Ein belangloser, ein schlechter, ein miserabler Roman. Es lohnt sich nicht, auch nur ein Kapitel, auch nur eine einzige Seite dieses Buches zu lesen. Lohnt es sich, darüber zu schreiben? Ja, aber bloß deshalb, weil der Roman von Martin Walser stammt, einem Autor also, der einst, um 1960, als eine der größten Hoffnungen der deutschen Nachkriegsliteratur galt – und dies keineswegs zu Unrecht….Aber für Walser, den unermüdlichen Spieler, den liebenswürdigen Wort- und Windmacher, den Jongleur, Showmaster und in der Tat begnadeten Unterhaltungskünstler vom Dritten Programm? Reden wir nicht darüber… Aber diese Prosa – das sei mit Entschiedenheit gesagt – ist weder links noch rechts. Sie ist nur langweilig.
Martin Walser, den wir für einen der besten Erzähler seiner Generation gehalten haben, trieb viele Jahre mit seinem Talent Schindluder. Er hat es fast ruiniert und ist nun erneut an einem Tiefpunkt seiner Laufbahn angelangt. Doch gibt es Tiefpunkte, die sich als Wendepunkte erweisen. Hinter diesen Worten verbirgt sich keine Voraussage, wohl aber, das soll nicht verheimlicht werden, immer noch eine Hoffnung.“

 

Walser wird deutlich, Ranicki sei ein „quotensüchtiger Machthaber“, er erlebte und hegte und pflegte und genoss die Macht. Und das Publikum mag eben Mächtige. Walser überlebte alle tosenden Debatten über ihn und seine Bücher: „Schreiben bedeutet für mich am Leben bleiben“. Und es geht ihm eben immer um Romanfiguren und die Sprache. So steht am Ende des Buches ein Text von Novalis: „… denn ein Schriftsteller ist wohl nur ein Sprachbegeisterter?“

 

Martin Walser/Jakob Augstein Das Leben wortwörtlich

Ein Gespräch 

Rowohlt

Das Sowjetische Jahrhundert

Titel

Das Sowjetische Jahrhundert. Archäologie einer untergegangenen Welt 

 

Autor

 Karl Schlögel, lehrte bis zu seiner Emeritierung im Jahre 2013 Osteuropäische Geschichte an der Europa Universität Viadrina in Frankfurt an der Oder. Seine Bücher wurden mit dem Preis des Historischen Kollegs ("Historikerpreis") und dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet.

 

Inhalt

Der große Osteuropa-Historiker Karl Schlögel lädt mit seiner Archäologie des Kommunismus zu einer Neuvermessung der sowjetischen Welt ein. Wir wussten immer schon viel darüber, wie „das System“ funktioniert, weit weniger über die Routinen des Lebens in außer gewöhnlichen Zeiten. Aber jedes Imperium hat seinen Sound, seinen Duft, seinen Rhythmus, der auch dann noch fortlebt, wenn das Reich aufgehört hat zu existieren. So entsteht, hundert Jahre nach der Revolution von 1917 und ein Vierteljahrhundert nach dem Ende der Sowjetunion, das Panorama eines einzigartigen Imperiums, ohne das wir „die Zeit danach“, in der wir heute leben, nicht verstehen können. Karl Schlögel ist dabei, wenn die Megabauten des Kommunismus eingeweiht und die Massengräber des Stalin'schen Terrors freigelegt werden. Er interessiert sich für Paraden der Macht ebenso sehr wie für die Rituale des Alltags, er erkundet die Weite des Eisenbahnlandes und die Enge der Gemeinschaftswohnung, in der Generationen von Sowjetmenschen ihr Leben zubrachten. Die Orte des Glücks und der kleinen Freiheit fehlen nicht: der Kulturpark, die Datscha, die Ferien an der Roten Riviera. In allem – ob im Mobiliar, im Duft des Parfums oder der Stimme des Radiosprechers – hat das „Zeitalter der Extreme“ seine Spur hinterlassen.   

 

Gestaltung

Opus magnum, 912 Seiten, Buch-Innenseiten Kartenmaterial, Vorwort und Einleitung, 18 Kapitel, großer Anhang mit Danksagung, Anmerkungen, Ausgewählte Literatur, Nachweis der Abbildungen, Personenregister. Karl Schlögel schreibt selbst: „Das Buch umfasst…an die sechzig Einzelstudien unterschiedlicher Länge, gruppiert in rund 20 Blöcken“.

 

Zitat

 „Das Buch ist eine Einladung, jeder kann seiner Neugier, seiner Neigung, seinem Interesse folgen“

 

Meinung

Am Ende der Sowjetunion und am Anfang seines Buches geht Karl Schlögel über einen Basar, am Ende seines Buches besucht er ein von ihm imaginiertes,  nicht existierendes Museum der Sowjetzivilisation und er nennt als Ort dafür die Lubjanka, jene geheimnisvolle Heimat des KGB,  literarisch-essayistisch für ihn das „Herz der Finsternis“, diese beschreibenden eigenwilligen Methoden eines Historiker machen die einzelnen Kapitel so lesenswert und so spannend.

Da werden keine trockenen Quellen aneinandergereiht, langweilige Expertisen oder stumpfsinnige Expertendebatten rezitiert. Schlögel geht seinen eigenen analytischen und deskriptiven Weg, weil er sich eben ein leben lang „mit der sowjetischen Welt“ beschäftigt hat: „Wenn die Figur des Flaneurs oder die Exkursion als Methode eine so zentrale Rolle spielen, dann deshalb, weil hier Anschauung und Reflexion ebenso zwangsläufig wie zwanglos zusammenkommen“.

Schlögel ist Historiker, kulturwissenschaftlich orientiert, beobachtet, beschreibt, analysiert, ist sich sicher und zweifelt zugleich, trägt zusammen, dividiert auseinander, resümiert, philosophiert, und das in einer verständlichen Sprache, die den Leser hineinträgt in diese fremden Welten und Archäologien der vergangenen sowjetischen Geschichte.

 

Schlagzeilen wir „Splitter des Imperiums“ „Chaussee der Enthusiasten“ „Das Leben der Dinge“ „Rauschen der Zeit“, „Korridore der Macht“ zeigen den formulierenden Einfallsreichtum des Autors, dessen großartiges Werk zurecht mit dem Leipziger Buchpreis 2018 in der Kategorie Sachbuch/Essyistik ausgezeichnet wurde.

 

Am Ende des Buches träumt Schlögel davon, “die Lubjanka” als KGB-Sitz in ein Forum der offenen Gesellschaft zu verwandeln: “Ein Labyrinth des Terrors einst, nun offengelegt und begehbar. Der Ort des Verhörs nun ein Ort des Gesprächs”. Was für eine Phantasie. Bei diesem Historiker hätte man gerne Vorlesungen belegt. Dieses Buch entschädigt voll und ganz ein solches Versäumnis. Kaufen! Lesen! Verstehen! Russland begreifen!

 

Leser

Alle in Deutschland die Russland verstehen wollen

 

Warum sollte man genau dieses Buch lesen oder verschenken?

…weil es eine Vorstellung davon bietet, warum Weltreiche untergehen können, und das mitunter sehr schnell…

 

 Video  https://www.youtube.com/watch?v=iLDTMHjowCQ

 

Verlag

CHBeck

 

Preis

38 Euro

 

TRUMP in Putins Hand

Titel
Craig Unger TRUMP in Putins Hand Die wahre Geschichte von Donald Trump und der russischen Mafia

 

Autor
Craig Unger ist Autor des New York Times-Bestsellers „House of Bush, House of Saud: The Secret Relationship between the World’s Two Most Powerful Dynasties“ (2004). Der Harvard-Absolvent und Journalist spricht als Experte regelmäßig bei MSNBC, CNN, ABC Radio Network und anderen Sendern Kommentare und Berichte. Der frühere Chefredakteur des Boston Magazine schrieb zum Thema bereits für Vanity Fair und The New Republic. Für seine Arbeit wurde er vielfach ausgezeichnet, unter anderem vom National Press Club für seine investigativen Recherchen.

 

Inhalt
Trump in Putins Hand liefert die erste umfassende Untersuchung der jahrzehntelangen Beziehungen zwischen Donald Trump, Wladimir Putin und der russischen Mafia, die letztlich dazu beigetragen hat, Trump ins Weiße Haus zu hieven.  

Es ist eine erschreckende Geschichte, die in den 1970er Jahren beginnt, als Trump seinen ersten Ausflug in die boomende, geldgierige Welt des New Yorker Immobilienmarktes unternahm und mit der Amtseinführung von Trump als Präsident der Vereinigten Staaten endet. Dieser Moment war der Höhepunkt von Wladimir Putins von langer Hand geplanter Mission zur Untergrabung der westlichen Demokratie, eine Mission, in die er und eine handverlesene Gruppe von russischen Oligarchen und Mafia-Größen Trump hineingezogen hatten und die vor mehr als zwanzig Jahren mit dem Bailout einer ganzen Kette von spektakulären Hotel- und Casino-Pleiten Trumps in Atlantic City ihren Anfang nahm. Trump in Putins Hand bestätigt selbst die schlimmsten Befürchtungen über die russische Verschwörung.  

Für die meisten Leser wird es eine haarsträubende Offenbarung sein, dass der Kalte Krieg 1991 keineswegs zu Ende ging, sondern er sich lediglich weiterentwickelt hat, wobei Trumps Immobilien das perfekte Vehikel für die Milliarden von Dollar boten, die aus der kollabierenden Sowjetunion herausgeschleust wurden. In Trump in Putins Hand verfolgt Craig Unger systematisch die tief verwurzelte Allianz zwischen den höchsten Ebenen der amerikanischen Politik und den mächtigsten Strippenziehern der russischen Mafia. Unger zeichnet Donald Trumps schmutzigen Aufstieg vom von der Pleite bedrohten Immobilienmagnaten zum Anführer der freien Welt nach. Parallel dazu zeichnet er den phönixartigen Aufstieg Russlands aus der Asche der Sowjetunion nach dem Ende des Kalten Krieges sowie die unaufhörlichen geheimen Bemühungen der russischen Machtelite nach, sich am Westen zu rächen und Russland wieder zu einer globalen Supermacht zu machen.

 

Ohne Trump hätte Russland eine Schlüsselkomponente bei seinen Bemühungen, das Land zu imperialer Größe zurückzuführen, gefehlt. Ohne Russland wäre Trump nicht Präsident. Dieses wichtige Buch ist entscheidend für das Verständnis der wahren Kräfte, die im Schattenreich der heutigen Welt am Wirken sind. (ECON)

 

Gestaltung
Zwanzig Kapitel, Fazit Trumps 59 russische Verbindungen, Danksagung, Anmerkungen, Personenregister

 

Zitat
Donald Trump „Ich bin keine Marionette. Keine Marionette.“

 

Meinung
Das ist der Kernsatz des Buches. Er stammt von einem ehemaligen CIA-Agenten: „Meiner Einschätzung zufolge arbeitet Trump tatsächlich direkt für die Russen.“ Auch Unger zitiert den ehemaligen Justizminister Comey, dessen Buch wir auch hier auf www.facesofbooks.de rezensiert haben. Trump sei ein Mann ohne Moral, ohne Bindung an die Wahrheit, das erinnere ihn an seine Anfangszeit als Antimafiaermittler.

Unger zeigt die Verbindungslinien zur organisierten Kriminalität, zur Mafia. Unger spricht mit dem ehemaligen KGB-Agenten Oleg Kalugin, Putinkritiker und jetzt Sicherheitsexperte in den USA, der über die KGB-Ausspähmethoden berichtet. Wurde Trump ein Opfer und in Abhängigkeit gebracht?

Ein weiterer Kernsatz: „Ob die Russen Trumps Casinos für die Geldwäsche nutzten, wurde nie gerichtlich geklärt, doch es gibt mehr als einen Grund zu der Annahme“. Unger beschreibt Trumps Casinopleiten, schildert die Tricks seines Wiederaufstiegs. Ab Seite 361 werden 59 Namen genannt, 59 russische Verbindungen von Donald Trump. Dieses Buch ist eine monumentale Rechercheleistung, die uns noch beschäftigen wird, wenn Robert Mueller, der zum Sonderermittler zur Aufklärung potentieller Verwicklungen von US-Präsident Donald Trump mit Russland ernannt wurde, seine Ergebnisse vorlegen wird.

 

Leser
Alle in Deutschland die noch wissen wollen, was in den USA vor sich geht

 

Warum sollte man genau dieses Buch lesen oder verschenken?
…weil der Leser wie Chefermittler Mueller eine tiefe Einsicht in das Geschäftsgebahren des amerikanischen Präsidenten bekommt, und weil noch nicht klar ist, wie die Sache am Ende für ihn und für uns ausgeht

 

Verlag

ECON

 

Preis

22 Euro

 

 

NAPOLEON EIN LEBEN

«Was für ein Roman war mein Leben», hat Napoleon einmal gesagt. Der Sohn aus einer armen Familie wird mit 26 Jahren General, kaum zehn Jahre später ist er Herr über Europa. Monarchen zittern vor ihm, die Völker bejubeln ihn als Herold einer Zeitenwende. Doch der korsische Komet verglüht so rasch, wie er aufgestiegen ist. Nach den gefeierten Bestsellern "1812" und "1815" legt Adam Zamoyski nun sein Meisterwerk vor - die Biographie des berühmtesten Feldherrn und Herrschers in der Geschichte Europas.

Mit der souveränen Sachkenntnis einer lebenslangen Beschäftigung entführt uns der geborene historische Erzähler Zamoyski in eine Epoche, wie sie dramatischer nicht sein könnte. Er begreift Napoleon im Kontext der Aufklärung, schildert die Stationen dieses unglaublichen Lebens, illuminiert mit sicherer Hand Charaktere und Konstellationen. Aber zugleich versteht er es auf unnachahmliche Weise, den Leser zu unterhalten und die Geschichte mit Leben zu erfüllen. Sein «Napoleon» ist prallvoll mit Anekdoten und ein opulentes historisches Lesevergnügen voller Pointen und scharfsichtiger Beobachtungen.(CHBECK)

Ich laufe zu Fuß zum „Maison Bonaparte“, zum Geburtshaus und Museum von Kaiser Napoleon Bonaparte, der in Ajaccio. Der Hauptstadt Korsikas geboren ist. Vor dem Museum finden wir ein Denkmal seiner Mutter. Eine kleine Touristenschlange wartet ungeduldig auf Einlass. Nach ein paar Minuten denken wir, dass wir endlich eingelassen werden, doch da kommt ein Strom amerikanischer Kreuzfahrtschiff-Touristen und drängelt sich vor uns rein – Wartezeit nochmals 15 Minuten. So stellt man sich Invasionen vor…  

 

Mit einem Staatsstreich hatte Napoleon in Frankreich die Macht übernommen. 1804 wird er zum Kaiser Frankreichs gewählt. Er gilt als legendärer Feldherr, doch die Schlacht bei Waterloo wird zur grandiosen Niederlage für ihn, er muss als verbannter Kriegsgefangener auf der Insel St. Helena für den Rest seines Lebens in der Verbannung leben.

Wir wandeln auf Korsika in diesem Museum durch seine Salons, sein Wohn- und Schlafzimmer, bewundern die alten Stilmöbel, die Familienbüsten der Verwandtschaft stehen allerorten, die alten Landkarten aus jener Zeit versetzten uns in dieselbe, wir studieren die komplizierte genealogische Karte seiner Herkunft, die Waffen, die handgeschriebenen Dokumente und die alten Parkettböden faszinieren uns: Ein eindrucksvolles Museum, in dem europäische Geschichte atmet, genau das tut auch die Biographie von Adam Zamoyski NAPOLEON EIN LEBEN, die mehr den Menschen Napoleon in den Mittelpunkt rückt als die geschichtlichen Hintergründe seiner Zeit. „Mal war er ein gottähnliches Genie, mal eine romantische Kunstfigur, dann ein bösartiges Monstrum oder einfach ein widerwärtiger kleiner Diktator.“ Adam Zamoyski ist nahm am Menschen, der Historie etwas ferner.

 

Adam Zamoyski lebt als freier Autor und Historiker in London. Seine Bücher «1812. Napoleons Feldzug in Russland» und «1815. Napoleons Sturz und der Wiener Kongress» waren international erfolgreich und wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt.

 

Adam Zamoyski NAPOLEON EIN LEBEN  CHBECK

DER HUNDERTJÄHRIGE

Allan Karlsson ist wieder da! Der Hundertjährige hat genug vom Dauerurlaub auf Bali und ist begeistert, als sich ein neues Abenteuer ankündigt: Bei einer Ballonfahrt geraten sie auf Abwege, und Allan und sein Gefährte Julius müssen im Meer notlanden. Zum Glück werden sie gerettet. Pech ist jedoch, dass sich das Rettungsboot als nordkoreanisches Kriegsschiff entpuppt und Kim Jong-un im Atomkonflikt gerade seine Muskeln spielen lässt. Und schon steckt Allan, der sich mit Atomwaffen schließlich bestens auskennt, mitten in einer heiklen politischen Mission, die ihn von Nordkorea über New York bis in den Kongo führen wird. Dabei nimmt er auch Kontakt zu Donald Trump und Angela Merkel auf - mit ungeahnten Folgen... (C.Bertelsmann)

 

Meinung

Es ist halt so, wenn ein Autor einen Mega-Erfolg hat, dann sitzt ihm der Verlag im Nacken, die Fortsetzung zu schreiben, der Autor selbst sitzt sich im Nacken und zweifelt, ob der Erfolg nochmals gelingen wird oder das Projekt scheitert und der Leser rechnet meistens damit, dass das ZWEITE eben nicht so gut ist wie das ERSTE und dass auch die Verfilmung längst nicht an den Romanstoff heranreicht. Das sind gewissen Buch-Gesetzmäßigkeiten, die Jonas Jonasson mit dem „HUNDERTJÄHRIGEN“ der zurückkommt, mit Links außer Kraft setzt.

Da sitzt seine Erfolgsfigur, die auf alterskriminellem Weg zu Reichtum kam, in Bali am Strand und fordert im Dialog mit seinem Erschaffer ihn zurückkehren zu lassen. Und dieser tut es dann auch und dabei spielt angereichertes Uran und ein gewisser Kim Jong-un eine Hauptrolle

Der Geldkoffer hat da und dort schon gewisse Leerstellen, und so macht sich Allan wieder einmal auf hinaus aufs Meer und begegnet Atomexperten, Bestattungsunternehmern und Schmugglern, Neonazis, sogar Angela Merkel und Donald Trump.

Der Phantasie des Autors stehen ganz und gar keine Grenzen im Weg, seine subtile, ironische, selbst sich auf die Schippe nehmende immer weitergaloppierende Sprache zieht den Leser in den Bann und mit auf eine Weltreise rund um den Globus.

Die Welt- und Allerweltsprobleme tauchen auf humorvolle Weise auf und wieder ab, wir schauen den Mächtigen und Ohnmächtigen auf die Finger, schmunzeln, lachen, werden wieder ernst und kommen als Gut- und Schlechtmensch zu dem Ergebnis, dass diese Welt halt so ist wie sie ist und wir daran halt gar nichts oder sagen wir an Weihnachten fast gar nichts ändern können.

Ob dieser Allan sich ein drittes Mal auf den Weg macht, fast ist es zu vermuten. (Siehe oben!)

Jonas Jonasson: „Der Hundertjährige, der zurückkam, um die Welt zu retten“ 


Aus dem Schwedischen von Wibke Kuhn
Verlag C. Bertelsmann, München 2018
443 Seiten, 20,00 Euro

 

Autor

 

Jonas Jonasson, geboren 1961 im schwedischen Växjö, arbeitete nach seinem Studium in Göteborg als Journalist unter anderem für die Zeitungen „Smålandsposten“ und „Expressen“. Später gründete er eine eigene Medien-Consulting-Firma. Doch nach 20 Jahren in der Medienwelt verkaufte er seine Firma und schrieb den Roman, über den er schon jahrelang nachgedacht hatte: Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand. Das Buch wurde zunächst in Schweden und später weltweit zu einem Bestseller.