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Herzlich willkommen auf meiner Website, die sich mit Büchern beschäftigt. Facesofbooks zeigt das Gesicht der Bücher und Autoren. Beachtet Titel und Covergestaltung, Aufmachung des Buches, berichtet über den Inhalt, stellt den Autor in kurzer prägnanter Form vor. Wir veröffentlichen Autoreninterviews, bieten Informationen über Bücher von heute und Bücher von gestern, die wichtig sind, aber nicht vergessen werden sollen. Sie finden Tipps, Rezensionen, Kurz-Kritiken, Neuigkeiten über Verlage und Autoren. Geben Sie uns auch Hinweise, was Ihnen gefällt oder mißfällt. Eine Website für Lesefans auch aus der digitalen Bücherwelt. www.facesofbooks.de

 
Herzliche Grüße,

Norbert Schreiber

Aklfred Grosser LE MENSCH 

 

Alfred Grosser, der in Frankreich lebende „Deutschland-Versteher“ mit jüdischer Herkunft und französischer Staatsbürgerschaft, hat sich kein kleineres Thema als das Menschsein an sich vorgenommen. „Le Mensch“ heißt deshalb auch sein neuestes Buch, und „Die Ethik der Identitäten“ steht im Untertitel.

 

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Der neue Walker: Grand Prix

Es ist Hochsommer im Périgord und Hochsaison für ausgedehnte Gaumenfreuden und Fahrten mit offenem Verdeck durch malerische Landschaften. Eine Oldtimer-Rallye, von Bruno, Chef de police, organisiert, bringt auch zwei besessene junge Sammler nach Saint-Denis. Sie sind auf der Jagd nach dem begehrtesten und wertvollsten Auto aller Zeiten: dem letzten von nur vier je gebauten Bugattis Typ 57SC Atlantic, dessen Spur sich in den Wirren des Zweiten Weltkriegs im Périgord verlor. Ein halsbrecherisches Wettrennen um den großen Preis beginnt.

 

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Wolf Biermann - die "DDR-Drachentöter"-Biographie

Deutsch-deutsche Geschichte in einer Person und eine spannende Lebensgeschichte, das ist die Autobiographie des DDR-Opponenten Wolf Biermann, ein deutsch-deutscher Dichter, Denker, Poet und Liedermacher.

 

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Triftet Frankreich nach rechts?

In Frankreich findet gegenwärtig ein verstörender Präsidentschaftswahlkampf statt. Die französische Schriftstellerin und Intellektuelle Karine Tuil mischt sich regelmäßig in die Debatte um den Zustand der französischen Gesellschaft ein. Zuletzt mit ihrem für den Prix Gonvouert vorgeschlagenen Roman "L'Insouciance", der kürzlich auf deutsch unter dem Titel "Die Zeit der Ruhelosen" erschienen ist.

Johanna Reinicke und Harald Loch haben sie in Paris besucht. Ein Beitrag über ihre Einmischung im historischen Kontext der französischen Intellektuellen.

 

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Die USA und der Weltkrieg I.  

Zum 100. Jahrestag des Kriegseinritts der USA in den Ersten Weltkrieg! Manfred Berg: Woodrow Wilson

 

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Wohlstand und Moral

Adam Smith war nicht nur der wichtigste Vordenker von Kapitalismus und Marktwirtschaft, sondern auch ihr erster grundlegender Kritiker. Das zeigt Gerhard Streminger in seiner fulminanten, aus den Quellen gearbeiteten Biographie des "ökonomischen Luther", wie Friedrich Engels Smith einmal nannte.

 

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Charlotte Wiedemann: Der neue Iran

Wussten Sie, dass in Iran ... mehr Frauen als Männer studieren? Und dass nur jeder Zweite Persisch zur Muttersprache hat?

 

Iran ist trotz autoritärer Regierung in jüngerer Zeit zu einem modernen, dynamischen, weltoffenen Land geworden – viel weniger religiös, dafür pragmatischer und weiblicher als nach der Revolution von 1979.

Der Unvollendete: Walter Benjamin

Walter Benjamin wollte in keine Schublade oder philosophische Schule passen, sein Werk blieb unvollendet – und doch zählt er zu den einflussreichsten Denkern des 20. Jahrhunderts, Intellektuelle wie Adorno und Kracauer bewunderten ihn als Genie. Lorenz Jäger erzählt das Leben des außergewöhnlichen Literaten.

 

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Gänsehaut und Grusel: POE

Auf dem Rummelplatz der Literatur gibt es zwei Hauptattraktionen: Die Achterbahn der Neuerscheinungen und das Riesenrad der Weltliteratur. In der Achterbahn werden Stürze simuliert, Überschläge tollkühn gefordert, das Publikum kreischt oder kotzt. Im Riesenrad wird Überblick geboten, Höhe und Weite, Nachdenklichkeit. Wer auf diesen Rummelplatz geht, will beides – wenn es der Geldbeutel zulässt. 

 

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Conny Adenauer - ein Jahrhundertleben

 

Konrad Adenauer hat die Bundesrepublik Deutschland geprägt wie kaum ein Zweiter. Soziale Marktwirtschaft als politisches und wirtschaftliches Bindemittel, die Aussöhnung zwischen Deutschland und Frankreich und die Westorientierung, das sind die Adenauer-Prinzipien der Nachkriegspolitik. Bei Rowohlt erscheint nun eine neue Biographie. Werner Biermann erzählt ein Jahrhundertleben, das von Bismarck bis zu den Beatles reichte.

 

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Eine große Demokratin ging von uns:       Hildegard Hamm-Brücher

Politischer Querkopf und „grande Dame“ der Demokratie

Oder: „Mädle, Sie müsset in die Politik“

von Norbert Schreiber

 

Beharrlich hatte ich ein Jahr lang die „Lady der Liberalen“ mit meinem Interviewwunsch genervt: Gerade verließ Hildegard Hamm-Brücher Bonn, um in München 1970 den Fraktionsvorsitz der FDP im Bayerischen Landtag als erste Frau in einer solchen Position anzunehmen. Sie war eben aus China von einer Bildungsreise zurückgekehrt. Genug Gründe also für eine Sendung im damaligen Popsender SWF 3. Eine „Mittwochsparty“ sollte ich mit ihr moderieren. Eine Jugendsendung. Das interessierte sie. Hildegard Hamm-Brücher war schon damals ein prominenter kurzweiliger gern gesehener Studiogast. Als die dreistündige Sendung zu Ende war, hatte ich einen neuen Job. Ich wurde ihr persönlicher Assistent und Wahlkampfleiter. Vom Fleck weg engagiert. Meine Termin-Beharrlichkeit hatte sie vielleicht überzeugt. So war sie eben: spontan, auf Menschen zugehend, ohne irgendwelche Vorurteile, immer charmant und sehr experimentierfreudig.

 

Politische Freunde und enge Mitarbeiter wählten den Kürzel-Namen „HB“, wenn sie von Dr. Hildegard Hamm-Brücher reden. Die Schlüsselgeschichte ihres Lebens erzählte sie gerne selbst: Als achtjähriges Mädchen steht „HB“ im Berliner Familienschwimmbad „Krumme Lanke“ auf dem Zehnmeter-Brett vor den kritischen Augen ihres Vaters und zögert. Soll sie sich wirklich beherzt in die Tiefe des Schwimmbeckens stürzen? Nach einigen Zweifeln und der Angst sich zu blamieren, wagt sie den mutigen Sprung: “Ich hielt mir nicht einmal die Nase zu.“

 

Ehrgeiz, Zivilcourage und Mut, gepaart mit Bescheidenheit, Liebe zum politischen und gesellschaftlichen Engagement und einer gehörigen Portion an preußischen Tugenden, das ist der Eigenschaftskatalog, um die populäre Charakterfigur der deutschen Politik näher zu beschreiben. Und vor allem anderen hat sie eben immer diese Unerschrockenheit zum Sprung ins Ungewisse bewiesen.

Spartanisch in der Zeit nach dem 1. Weltkrieg aufgewachsen (zur Abhärtung gab's feuchtkalte Tücher und Zitronensaft im Eierbecher) erlebt sie die Nazizeit („Der Führerkult gefiel mir nicht“) und die Wirren nach dem 2. Weltkrieg und den politischen Neubeginn nach den Traumata der Nazi-Diktatur. Im weiteren Kreis um die Geschwister Scholl hatte Dr. Hildegard Hamm-Brücher erleben müssen, wie der Kampf für die Freiheit im Widerstand gegen Hitler eben auf dem Schafott endete. Ihre feste Überzeugung: „Wir haben aus unseren Irrtümern gelernt. Aber noch nicht ausgelernt.“ Der Opfertod der Widerständler prägte sie sehr stark für ihr künftiges politisches Leben. Er wurde geradezu zu einer Selbstverpflichtung für sie, zum Auftrag an eine junge Demokratin.“

 

Zu ihrer Konfirmation wünschte sich das hübsche, etwas scheue Mädchen ein Faltboot statt Schmuck, sie taufte es auf den Namen „Carpe diem“. Und sie bekam als Geschenk eine neue Gefährtin mit dem Namen „Erika“. Auf ihr tippt sie künftig alles eigenhändig, was von „HB“ als Rede oder Buch erscheinen wird. Das Wasser und die Worte, das sind ihre Lebens-Elexiere und als passendes Motto dazu: Nutze den Tag.

 

Die Brücher-Kinder verlieren beide Elternteile. Vater Paul starb an einer unentdeckten Bilddarmentzündung. Mutter Lilly elf Monate später an einem inoperablen Gehirntumor. Und so wachsen sie zunächst bei der Großmutter in Dresden auf. Ihren Lebensmut und Ratschläge bezieht sie von „Ömchen“, der Großmutter: „Du musst ein Ziel haben. Es nicht verstecken. Wenn nötig auch alleine dafür einstehen.“. Angesichts der drohenden KZ-Deportation nach Theresienstadt wählt sie den Freitod. Die Brücher-Geschwister kommen ins Internat nach Salem. Mit elf Jahren war Hildegard Hamm-Brücher also Vollwaise.

Erich Kästner, der erfolgreiche Kinderbuchautor und Feuilletonchef der Neuen Zeitung in München lehrt sie in der Nachkriegszeit zeitungsgerecht zu schreiben und erfindet als Freund liebevolle Spitznamen für die Kollegin Dr. Hildegard Hamm-Brücher: Hilde-„Gardinchen“ oder Hilde-„Vorgärtchen“. Er lockt sie zur freien Mitarbeit in die „Neue Zeitung“. Sie wird Wissenschaftsreportagen schreiben und schließt dennoch ihr Chemiestudium als Heisenberg-Schülerin bei Prof. Heinrich Wieland ab. Nach einem Interview mit Theodor Heuss folgt sie seiner Aufforderung: “Mädle, Sie müsset in die Politik.“

 

Die „Grande Dame“ der deutschen Demokratie tummelt sich zuerst im Münchner Stadtparlament als junge aufrechte Demokratin und engagierte Frauenrechtlerin. Sie kämpft sich im bayerischen Landtag und Bundestag mit Reden, Interviews, Initiativen und ihre zahllosen Publikationen in die erste Reihe deutscher Parlamentarier.

„HB“ bringt Streitschriften und Reformen auf den Weg. Als Politikerin, Protestantin, Preußin ist das höchste Gut für sie: Moral in der Politik. Und sie liest den gegnerischen Parteien und den eigenen Liberalen heftig und gerne die Leviten, wenn Heuchlerei, Parteigeklüngel oder Männer-Schau-Machtkämpfe die guten Polit-Sitten verderben.

Sie ist eine fleißige Kirchgängerin mit großem Gottvertrauen, eine protestantische Rebellin im schicken Kostüm, immer perfekt frisiert, nie aus der Rolle fallend, das derbe „Aufeinanderherumhacken“ im politischen Alltagsgeschäft liegt ihr ganz und gar nicht. Sie kämpfte mit Florett, nicht mit Säbel.

 

Sie streitet in einem von ihr mitgetragenen Volksbegehren „Rundfunkfreiheit in Bayern“ für das „partei- und staatsfreie“ Radio, setzt durch, dass Buben und Mädchen in gemeinsamen Schulklassen erzogen werden, stürzt sich in Wahlkämpfe gegen Franz Josef Strauß. Er schimpft sie "Krampfhenne“. Sie führt Wahl- und Polit-Kampagnen schon in den sechziger Jahren „bürgernah“ auf dem Fahrrad, im Stadtviertel, mit Hausparties und Infoständen. In den Vereinigten Staaten hatte sie bei einem Studienaufenthalt gelernt, wie man Straßen-Wahlkampfe organisiert.

 

Sie bereiste die pädagogischen Provinzen im In- und Ausland und wurde zur Prophetin der „Bildungskatastrophe“ in Deutschland. Sie förderte die Entrümpelung der veralteten Schulbücher, kämpfte gegen konservative Lehrmeinungen an den Hochschulen und bringt die Gesamtschulversuche mit auf den Weg. Ihr bildungspolitisches lebenslanges Credo: „Die Schule der Demokratie ist die Schule“

Dr. Hildegard Hamm-Brücher startete als eine der ersten Bildungspolitiker Informationsreisen durch die damals noch existierende Sowjetunion und durchs kommunistische China.

Die drohende Bildungskatastrophe hatte sie früh erkannt, aber die politischen Mittel und Partner fehlten ihr, um tiefgreifende Veränderungen schon damals in den 1970er Jahren auf den Weg zu bringen, merkt sie selbstkritisch an.

 

Auf unzähligen Reisen als stellvertretende Außenministerin prägte sie die auswärtige Kulturpolitik, erhöht Kulturetats, förderte lebenslang das Goethe- Institut und konferierte mit den Großen dieser Welt: Jimmy Carter, Ronald Reagan, Indira Ghandi, Golda Meir, Michail Gorbatschow, Václav Havel und Papst Johannes Paul II.

Nur mit ihr konnte es mir gelingen, zum ersten und einzigen Male die Verfassungsorgane der Bundesrepublik, damals Bundespräsident Walter Scheel, Bundestagspräsident Karl Carstens, Bundeskanzler Helmut Schmidt, und Bundesverfassungsgerichtspräsident Ernst Benda in der Evangelischen Akademie an einen Tisch zu bekommen, um sie mit dem Souverän , dem Volk, drei Tage über die Zukunft der Demokratie diskutieren zu lassen. Erstmalig und einmalig in der Geschichte der Bundesrepublik. Von ARD und ZDF in Sondersendungen übertragen. Das Neue, das Überraschende, das Unvorhergesehene das reizte sie bis ins hohe Alter.

 

In der Zeit als ich ihr persönlicher Assistent war, sollten wir als ihre Mitarbeiter sie zur Außenministerkonferenz auf den Bonner Petersberg begleiten. Es stand kein anderes Fahrzeug zur Verfügung als eine kleine rote Citröen-„Ente“. Sie stieg ohne eine Sekunde zu zögern in den Blechkasten ein und sie fuhr mit uns zwischen schwarzen, chromblitzenden Luxus-Staatskarossen im „Studenten-Mercedes“ ohne Stander vor.

 

Als ein Arzt sie vor einiger Zeit rücksichtslos mit dem Mountainbike an der Ampel über den Haufen fährt, verzichtet sie auf eine Anzeige und beweist für den Raser Verständnis. Als werdender Vater unterwegs in die Geburtsklinik hatte der den Sinn für Tempolimits völlig verloren. Verständnis für andere, Bescheidenheit und ihre sprichwörtliche Sparsamkeit zeichnen sie aus: Luxus oder Effekthascherei oder gar Imponiergehabe waren nicht ihre Welt.

 

Die farbige Politikerin mochte am liebsten die schlichten weißen Töne in ihrer Eigentumswohnung, in der sie gastfreundlich im ruhigen Prominentenviertel Harlaching in München bis zuletzt lebte. Dort servierte sie Gästen gerne höchstpersönlich Weißwurstfrühstück oder lud sie in den benachbarten Münchner Biergarten zum „Haxn-Essen“ ein. Dabei ist ihr der urig-bayerische Lebensstil immer fremd geblieben, der Preußin mit Haltung. „das Hinterfotzige fehlt mir“, das Lederhosen-Bayern war nie ihr Ding, eher schon das Laptop. Zuletzt ausgestattet mit Handy und Laptop wirkte sie als „freiberufliche Liberale“ ohne Parteizugehörigkeit.  Im hohen Alter buchte sie Computerkurse und ließ sich das Surfen im Internet und das Mailen beibringen. War nicht sie es, die schon immer das lebenslange Lernen forderte. Sie war identisch, mit dem was sie forderte und löste es auch selbst ein.

 

Ihre Beziehung zur FDP war „keine Liebesgeschichte“ sondern eine „starke Beziehung“: Als der FDP unter Möllemann ein Rechtsruck droht und die „Spaßgesellschaft“ um sich greift, tritt sie aus Protest aus der liberalen Partei aus: „Ich lebe angstfrei und in politischer und geistiger Freiheit. Das erlebe ich immer wieder als ein kostbares Geschenk.“

Als politischer „Querkopf“ stieß sie auch andere vor den Kopf, aber nie aus persönlichen Gründen, es geht ihr immer um den Inhalt und die Sache an sich, für die sie kämpft: Zum Beispiel für die Demokratie, die Gewissensfreiheit des Abgeordneten und gegen den Rechtsradikalismus. Mancher Politkollege nennt sie eine „Nervensäge“; weil sie eben sehr beharrlich sein konnte. Gegenüber Freund wie Gegner.

 

Als Helmut Kohl das Misstrauensvotum gegen die Regierung Helmut Schmidt wagte, konnte sie dies aus grundsätzlich demokratischen Gründen nicht unterstützen. Sie hielt im Bundestag ihre bis heute aufsehenerregende Rede über die Gewissensfreiheit der Abgeordneten. Der Kernsatz lautete: “Ich finde, dass beide dies nicht verdient haben: Helmut Schmidt ohne Wählervotum gestürzt zu werden, und Sie Helmut Kohl, ohne Wählervotum zur Kanzlerschaft zu gelangen. Zweifellos sind die beiden sich bedingenden Vorgänge verfassungskonform. Aber sie haben nach meinem Empfinden doch das Odium des verletzten demokratischen Anstands.“

Über ihren politischen Freund und Kanzler-Kollegen Helmut Schmidt sagt sie bewundernd: „Er konnte sehr gut zuhören, und ausgesessen hat er Probleme nie“.

 

Mit ihrem Parteirivalen Hans- Dietrich Genscher, mit dem sie wegen der Wende eine Zeit lang überkreuz lag, kam sie wieder nach einer Aussprache ins Reine: „Der ist so geistesgegenwärtig, dass er an zehn Schachbrettern gleichzeitig spielen kann.“

Ihre Kraft für Politik bezog sie aus der ihr eigenen Robustheit, wirklicher Lebensfreude- und praktizierter Menschenliebe. Eine ehrliche und glaubwürdige Politikerin, die sich nicht durch den politischen Betrieb verbiegen ließ. Bis zuletzt suchte sie nach den kleinen Utopien: „Willst Du ein glückliches Leben, verbinde es mit einem Ziel.“

 

Zwei Ziele hat sie in ihrem politischen Abenteuer-Leben nicht erreichen können, als Kind wäre sie gerne Karussellbesitzerin oder als Erwachsener Schwimmweltmeisterin geworden. Man erreicht eben nicht alle Ziele im Leben und in der Politik ebenso.

1948 wird die 1921 in Essen geborene Hildegard Hamm-Brücher jüngste Abgeordnete im Münchner Stadtrat. 22 Jahre ist die FDP-Politikerin Mitglied des Bayerischen Landtages – davon sechs Jahre als erste weibliche Fraktionsvorsitzende. 14 Jahre ist sie Mitglied im Deutschen Bundestag. Sie arbeitet unter anderem als Staatssekretärin im hessischen Kultusministerium und als Staatsministerin im Auswärtigen Amt. 1994 kandidiert sie als erste Frau für das Amt des Bundespräsidenten. 2002 tritt sie als Stellvertretende Bundesvorsitzende der Liberalen wegen Möllemanns und Westerwelles „Spaßgesellschaftspolitik“ aus der FDP aus. Die streitbare Liberale kämpfte beharrlich für die Parlamentsreform und die Rechte der Abgeordneten.

 

Wir haben viel gemeinsam mit meiner Frau, die ihre engste Mitarbeiterin über lange Jahre war, gestaltet: Wahlkämpfe und Bücher, Tagungen und Thesen, Aktionen geplant, Ideen gewälzt, die Stiftung Theodor-Heuss-Preis gemanaged und über Demokratieentwicklung gestritten. Dieses Land kann stolz auf sie sein, denn ihr Engagement gegen Rechtsextremismus ist vorbildlich bis in die heutigen Tage hinein. Unerschütterlich ihr christliches moralisches Fundament, aus dem sie alles ableitete. Damit müsste ihr ein Platz im politischen Teil des Himmels sicher sein. Adieu! 

Demokratie, das sind wir alle

Zum Politikverständnis von

Dr. Hildegard Hamm-Brücher


„Und noch eine dritte allgemeine Vorbemerkung, mit der ich die Veränderungen im Status- und Rollenverständnis des Politikers seit den Anfängen unserer parlamentarischen Demokratie verdeutlichen möchte. Heute ist Politiker zu sein ein absolut etablierter Beruf mit der Ausstattung und Rundum-Versorgung eines gehobenen Managers, auch in finanzieller Hinsicht. Im Vergleich dazu hatten die bis in die 1960er Jahre gewählten „Volksvertreter“ in der Kommune, im Landtag oder Bundestag ihre Tätigkeit meist neben einer beruflichen Tätigkeit und unter heute als unzumutbar empfundenen Bedingungen ausgeübt. Zumeist hatten sie keine eigenen Büros und Mitarbeiter, schon gar nicht im Wahlkreis. Sie erhielten nur minimale Diäten, hatten keine sachbezogenen Zuarbeiter zur Vorbereitung von Debatten, Gesetzesinitiativen und Stellungnahmen. Abgesehen von wenigen Tageszeitungen und Rundfunksendungen, gab es so gut wie keine weiteren Informationsquellen. Keine Rede auch von Nachrichten rund um die Welt und rund um die Uhr. Auch die heute inflationären und zeitraubenden Medienauftritte in Talkshows als Ersatz für Parlamentsdebatten gab es so noch nicht. Von Mobiltelefonen, Computern, E-Mails, eigenen Internetseiten und sonstigen technischen Erleichterungen, wie Kopierapparaten, Druckern oder Scannern ganz zu schweigen. 


Angesichts all dieser grandios verbesserten Berufsausstattung frage ich mich dennoch oft, ob Abgeordnete im Hauptberuf nun ihren Aufgaben und Kontrollfunktionen entscheidend besser gerecht werden können als wir damals. Führen sie lebendigere Debatten? Schauen sie der Regierung genauer auf die Finger? Machen Sie ob der Fülle der verfügbaren Informationen auch wirksamer Gebrauch von ihnen? Treten sie mit ihren Wählern über das Internet nicht nur in bloßen formalen Kontakt?


Wenn man die wachsende Entfremdung zwischen Wählern und Gewählten und das schwindende Ansehen und Vertrauen in Parlamente und Abgeordnete und in die Politik allgemein besorgt zur Kenntnis nimmt, muss man das zumeist bezweifeln. Ich bin kein „Früher-war-alles-besser“ – Nostalgiker. Aber ich erinnere mich noch gut und gerne daran, als der Plenarsaal voller und Wahlkreissprechstunden und Veranstaltungen besser besucht waren. Wir haben Briefe von eigener Hand beantwortet und Reden aus dem eigenen Denken entworfen und vor allem auch in freier Rede gehalten. Wir kannten noch keinen Tag- und Nacht-Dauerstress, keine Beliebtheitsskalen und Demoskopie-Wut, keine zeitraubende Rund-um-die-Uhr-Medienpräsenz. 


Wir standen alle noch unter dem Trauma der Nazi-Diktatur und ihrer Folgen und empfanden uns weder als Polit-Manager noch als weisungsgebundene Partei- oder Fraktionsfunktionäre. Aber wir haben uns bewusster als heute bemüht, die einschlägigen Grundgesetzartikel, insbesondere den Artikel 38 einzuhalten und uns „im Reden und Handeln, bei Wahlen und Abstimmungen“ als „Vertreter des ganzen Volkes“ zu verstehen und „gewissenhaft“ zu verhalten. Leider hat die Einhaltung dieser Gebote heute nur noch Seltenheits- beziehungsweise gar keinen Wert mehr.“

 

Aus: Hildegard Hamm-brücher/Norbert Schreiber Demokratie sind wir alle. Zeitzeugen berichten Zabert und Sandmann 2009

 

Buchvorstellung in Berlin in Bildern und O-Tönen

Hamm-Brücher: der Citoyen
Hamm-Brücher- Citoyen.mp3
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Deutsche Vergangenheit
Hamm-Brücher- DemokratieundErblast.mp3
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Wählerfrust
Hamm-Brücher-Nichtwähler.mp3
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Verfassungsfragen
Genscher-Verfassung.mp3
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Zukunft der Demokratie
Gauck-Hamm-Brücher-Zukunft der Demokrati[...]
MP3-Audiodatei [3.8 MB]
Bedrohungen der Demokratie
Gauck-Demokratiebedrohungen.mp3
MP3-Audiodatei [5.4 MB]
Wiedervereinigung
Genscher-Beitritt DDR.mp3
MP3-Audiodatei [3.9 MB]
Europa und Deutschland
Genscher-Europa.mp3
MP3-Audiodatei [5.4 MB]
Unser Grundgesetz
Limbach-Gauck-Neues Grundgesetz.mp3
MP3-Audiodatei [9.7 MB]
Das Grundgesetz und seine Artikel
Limbach-GG.mp3
MP3-Audiodatei [5.4 MB]
Dankesworte Weizsäcker
Weizsäcker.mp3
MP3-Audiodatei [8.5 MB]

PRESSESTIMMEN


 

Stadt, Land, Fluss

 

Städte sind Zielscheiben von Bomben, aber es können auch einfach nur SCHIMPFKANONADEN sein, zum Beispiel die von Thomas Bernhard in: Thomas Bernhard Städtebeschimpfungen Herausgegeben von Raimund Fellinger Suhrkamp

 

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Briefe statt Mails

Christa Wolf: Man steht sehr bequem zwischen allen Fronten           Briefe 1952-2011

Richtig schmerzhaft wird einem der Verlust bewusst, dass keine Briefe mehr geschrieben werden, wenn man diesen Band zur Hand nimmt: „Man steht sehr bequem zwischen allen Fronten“. Christa Wolf war nicht nur eine der bedeutendsten deutschen Schriftstellerinnen des 20. und des beginnenden 21. Jahrhunderts, sondern sie war auch eine zuverlässige, verantwortungsvolle und auch für das Publikum, an das ihre Briefe nicht adressiert waren, interessante und aufschlussreiche Briefschreiberin.

 

Ihr Archiv in der Berliner Akademie der Künste umfasst die Durchschriften von etwa 15000 ihrer Briefe. Alle sind sorgfältig abgelegt, wie von Anfang an für ein Archiv bestimmt. Diese überwältigende Fülle haben die Herausgeberin Sabine Wolf – sie ist Leiterin des Archivs der Akademie der Künste – und ihr Team durchgesehen und eine eindrucksvolle und mustergültig edierte Auswahl von 483 Briefen getroffen. „90 % sind hier erstmals veröffentlicht“, heißt es in dem biografisch und auch literaturgeschichtlich wichtigen Nachwort.

 

Die Reihe der Briefe wird mit einem Paukenschlag eröffnet: „Am 17.4. 1952 wirft Christa Wolf ihren Hut in den Ring, sie bietet sich der SED-Tageszeitung Neues Deutschland an als Kritikerin“, schreibt die Herausgeberin. Die damals Dreiundzwanzigjährige schreibt an „Werte Genossen!“ und endet „Mit sozialistischem Gruß!“ Sie schickt eine Rezension von E.R. Greulichs Roman „Das geheime Tagebuch“, die – so die Anmerkung unter dem abgedruckten Brief – am 20.7.1952 im „ND“ erscheint.

 

Es ist ihr erster publizierter Text überhaupt. Im Laufe der Jahrzehnte und auch mit den Briefpartnern ändern sich die Anreden und die Grußformeln. Es geht um sachliche Mitteilungen, Selbstauskünfte, Stellungnahmen, Werkstattberichte, Klagen und Beschwerden, literarische Reflexionen.

 

Die Hälfte der Briefe ist an Empfänger in der DDR gerichtet, die andere geht in alle Welt oder in das vereinigte Deutschland. Viel Prominenz enthält das aufschlussreiche Personenregister aber auch Empfänger, die dem Leser erst in den Fußnoten vorgestellt werden müssen.

 

Ein Name-Dropping führte zu Günter de Bruyn und Sarah Kirsch, zu Peter Härtling und Brigitte Reimann oder später zu Gabriele Wohmann und Erich Honecker, Lew Kopelew und Siegfried Unseld, in den letzten Jahren an Schülerinnen in Angermünde oder Joachim Gauck. Der Band enthält nur eine Welle aus der eindrucksvollen Briefflut aus Christa Wolfs Feder. Er mischt Existenzielles, politisch Wichtiges, Persönliches, Praktisches – meist aber Literarisches. Es entsteht so etwas wie eine unbeabsichtigte Autobiografie in Briefform!

 

Wenn sie am 29.1.1974 an Peter Weiss in Stockholm schreibt, geht es um einen „Solidaritätsband mit Chile nach der Ermordung Salvador Allendes, Pablo Nerudas und Zehntausender chilenischer Patrioten“. Ein Jahr vorher beschwert sie sich beim Stellvertretenden Minister für Kultur der DDR, Klaus Höpke, darüber, dass keines ihrer Bücher in den Buchhandlungen des Landes zu kaufen seien, weil Neuauflagen verhindert, verzögert oder verkürzt werden.

 

An eine damals siebzehnjährige Katharine Jung aus Kassel antwortet sie ausführlich auf deren Hausarbeit zu „Christa T.“, die sie der Verfasserin geschickt hatte. Einem Freund weist sie ganz praktisch, fast handwerklich an, mit welchen Schlüsseln er das Wochenendhaus der Wolfs in Prieros öffnen und wie er das Haus benutzen könne – detailliert und blind nachvollziehbar.

 

Ihrem ehemaligen Leipziger Professor Hans Mayer schreibt sie 1984 nach Tübingen von einer Reise Uwe Johnsons, der mit einer englischen Gruppe als Mr. Johnson – aus Sicht der DDR illegal – durch Mecklenburg gereist war. Heiner Müller berichtet sie im August 1991, dass sie mit Manfred Stolpe über die Zukunft der beiden Berliner Akademien der Künste gesprochen hat und an Jürgen Habermas schreibt sie im Dezember desselben Jahres über den „Beitritt“ der DDR zur Bundesrepublik: „Eine Stunde Null, die viele sich gewünscht haben mögen, ist nicht zu haben – sie war auch 1945 nicht zu haben – je schneller die einst so Beitrittswilligen diese Illusion verlieren, desto eher läßt sich wieder über Geschichte sprechen“.

 

Der ganze Briefband ist selbst in den privatesten Passagen „gesprochene“, eben in Briefen geschriebene persönliche, politische, literarische Geschichte. Wird es jemals noch etwas Ähnliches geben?

 

Harald Loch

 

Christa Wolf: Man steht sehr bequem zwischen allen Fronten           Briefe 1952-2011

Herausgegeben von Sabine Wolf                                    

Suhrkamp, Berlin 2016   1040 Seiten    38 Euro

Flugschreiber: Frank-Walter Steinmeier 

Deutschlands Rolle für die Zukunft heißt künftig MEHR VERANTWORTUNG und auch mehr Kosten zu tragen. Vor dem Wechsel ins Bundespräsidialamt legt Frank Walter Steinmeier ein Bilanz-Buch vor mit einem Blick auf die fast zwei Jahrzehnte deutscher Außenpolitik. Die Leser als „Flugbegleiter“ in den Konflikt- und Krisenherden dieser Welt.

 

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Bergauf oder bergab - Machtkampf in der CSU

Die bayerische MACHT-Partei – ist im Alpenstaat Jahrzehnte an der Macht - hat 2018 eine neue Bewährungsprobe. Aber mit wem an der Spitze? Es tobt ein Machtkampf hinter den Kulissen der CSU. Einblicke dahinter gibt der SPIEGEL-Korrespondent Peter Müller.

 

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Lachen gegen die Ohnmacht

Es wurden schon viele Bücher mit DDR-Witzen über die Mangelwirtschaft, den »Trabi« und die täglichen Mühen des sozialistischen Alltags gefüllt. In diesem Buch werden nicht nur die schärfsten politischen Witze aus 40 Jahren DDR erzählt, verspricht der Verlag in der Buchankündigung: Es geht vor allem um Macht und Ohnmacht. In der Einführung des Buches erfährt der Leser: Wie reagierte der Staat auf den Hohn und Spott gegen Partei, Staat und Stasi? Wurde politische Satire als Ventil akzeptiert? Oder mussten die Witzeerzähler für ihren Spott teuer »bezahlen«? Die Antworten sind so vielfältig, wie es das Leben im Sozialismus war. (CHLinks)

 

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Mittelmeer-Traum

„Der Berliner Fotograf Mathias Bothor sucht nach dem Wesen des Mittelmeers, und er fand es in den Gesichtern der Bewohner seiner Küsten.“ So heißt es in der Verlagsankündigung von MARE. „Ihre schlichte Schönheit hilft, das Fremde, Andere, was uns dieser Tage so aufwühlt, besser zu verstehen“.
Der einleitende Essay ist aus der Feder des „Weltenwanderers“ Joachim Sartorius. Die Fotos stammen von Mathias Bothor, herausgegeben und eingeleitet von Nikolaus Gelpke, dem MARE-Verleger.

 

Schon das Coverfoto switcht uns in einen Mittelmeertraum vom Mittelmeer-Raum. Doch dazu später. 

 

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Philosophie des Meeres

Seit über zweieinhalbtausend Jahren hat das Meer die Philosophie beschäftigt. Gunmther Scholtz taucht ab in die Gedankenwelten.

 

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Der neue Coehlo: DIE SPIONIN Mata Hari

Paulo Coelho
Die Spionin


Der langerwartete neue Roman des Bestsellerautors Paulo Coelho, Die Spionin, erscheint am 23.11.2016. Auch als Hörbuch, gelesen von Luise Helm. Aus dem Brasilianischen von Maralde Meyer-Minnemann.
»Mein einziges Verbrechen war, eine selbstbestimmte Frau zu sein.«
Mata Hari in Die Spionin


2017 ist Mata-Hari-Jahr (100. Todestag am 15. Oktober 2017).
Wer ist die Frau hinter dem schillernden Mythos? Paulo Coelho schlüpft in ihre Haut und lässt sie in einem fiktiven, allerletzten Brief aus dem Gefängnis ihr außergewöhnliches Leben selbst erzählen: vom Mädchen Margaretha Zelle aus der holländischen Provinz zur exotischen Tänzerin Mata Hari, die nach ihren eigenen Vorstellungen lebte und liebte und so auf ihre Art zu einer der ersten Feministinnen wurde. Doch als der Erste Weltkrieg ausbricht, lässt sie sich auf ein gefährliches Doppelspiel ein.


Die ARD plant die erste deutsche Verfilmung des Stoffes als Doku-Fiction in Spielfilmlänge mit Natalia Wörner und Francis Fulton-Smith in den Hauptrollen. Drehstart: November 2016. Ausstrahlung: 2017
Das Dutch National Ballet hat unter Leitung von Ted Brandsen die Geschichte Mata Haris als Ballett umgesetzt. Mata Hari ist bereits als DVD und Blu-ray erhältlich.


Paulo Coelhos Bücher wurden bisher in 81 Sprachen übersetzt und verkauften sich weltweit über 210 Millionen Mal in mehr als 170 Ländern.

 

GESPRÄCH UNTER ZWEI AUGEN                     Dialog eines Lebens

Schon die Themenpalette im neuen Buch von Werner Schneyder macht klar: Hier hat einer sein Leben lang die Vielseitigkeit und sich selbst ausprobiert. Wie der Verlag in der Buchankündigung mitteilt legt der Autor „Wert auf die Feststellung, dass niemand das Buch lesen sollte, der sich nicht für Theater, Kabarett, Literatur, Bilder, Ehe, Politik, Ökonomie, Fußball, Schach, Jugend, Religion, Alter, Tod und anderes mehr interessiert. Und auch nicht für den Autor. Denn man erfährt, wenn man von seiner Lyrik absieht, zum ersten Mal etwas über das Innenleben dieses Sprach-, Bühnen- und Medienmenschen.“  

 

Auf www.facesofbooks.de lesen Sie eine Rezension und einen Textausschnitt aus dem Buch GESPRÄCH UNTER ZWEI AUGEN - Dialog eines Lebens, 272 Seiten Verlag Amalthea-Signum. Es ist ein Ausschnitt aus dem Gesprächskapitel „Politik“.  

 

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Verlorene Worte

Der Autor, Menorca und das Weltall, das sind die drei Komponenten des „Berichts von einer Insel“ Und der Komponentenkleber ist die elegante literarische Sprache des Cees Nooteboom. Er lebt zeitweise auf Menorca. Wir als Leser machen eine Zeit- und Raum-Reise, gemeinsam mit dem erfolgreichen Suhrkamp-Autor, spazieren durch seinen Garten und kümmern uns um das Schicksal von Raum-Rentnern, die mit den All-Sonden Voyager I und II die Welten der Galaxien durchmessen. 

 

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Hitlers erster Feind

Endlich wird der große Journalist Konrad Heiden gewürdigt. „Er war Journalist und hatte nur ein Thema: Adolf Hitler“, schreibt sein Biograf, der ebenso bedeutende Journalist der Gegenwart, Stefan Aust. 

 

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Helmut Schmidt - Die späten Jahre

Titel Thomas Karlauf Helmut Schmidt Die späten Jahre SIEDLER

 

Autor Thomas Karlauf, geboren 1955 in Frankfurt am Main, ging nach dem Abitur nach Amsterdam und arbeitete zehn Jahre für die George-Zeitschrift Castrum Peregrini. Von 1984 bis 1996 war er Lektor bei den Verlagen Siedler und Rowohlt. Er hat eine Agentur für Autoren in Berlin.

 

Gestaltung Hardcover, Vorwort, drei Teile „Jahre der Zurückhaltung“, „Jahre der Einmischung“, „Wege des Ruhms“, Anhang, Danksagung, Anmerkungen, Quellen- und Literaturverzeichnis, Sachregister, Namensregister, Bildnachweis, nur ein einziges Foto im Inneren

 

Cover Helmut Schmidt mit Zigarette, was sonst

 

Zitat: „Ich will nichts mehr werden, ich war was“.

 

Meinung Drei mal bin ich Helmut Schmidt begegnet. 1978, als wir in der Stiftung Theodor-Heuss- Preis die vier Verfassungsorgane in der Evangelischen Akademie zu einer Diskussion über die Demokratieentwicklung eingeladen hatten. Als wir ihm die Idee vorlegten, ließ er aus seinem Büro verlauten: Schreiben Sie es auf, alles auf eine DinA4-Seite. Nicht mehr! Schmidt liebte die Kürze.

Als er wegen seiner geradlinigen Haltung in der RAF-Terrorzeit dann den Theodor-Heuss-Preis bekam, war deutlich geworden, was Schmidt am besten konnte HALTUNG BEWAHREN UND ZEIGEN.

 

Zu seiner damaligen Staatsministerin Dr. Hildegard Hamm-Brücher hatte er ein lebenslanges treues und freundschaftliches Verhältnis, weil sie im Bundestag an seiner Seite stand und das Misstrauensvotum von Helmut Kohl als undemokratisch angeprangert hatte. Hamm-Brücher kritisierte am Misstrauensvotum, dass dieses „zwar neue Mehrheiten, aber kein neues Vertrauen in diese Mehrheiten“ schaffe; ein „Machtwechsel ohne vorheriges Wählervotum“ habe das „Odium des verletzten demokratischen Anstands“. Hamm-Brücher sagte: „Ich finde, dass beide dies nicht verdient haben, Helmut Schmidt, ohne Wählervotum gestürzt zu werden, und Sie, Helmut Kohl, ohne Wählervotum zur Kanzlerschaft zu gelangen. Treue zu politischen Freunden war ebenso ein Kennzeichen für ihn. Und Anstand haben.

 

Als ich ihn in seinem ZEIT-Büro für ein FRANKFURTER GESPRÄCH des Hessischen Rundfunks besuchte und ihm Schnupftabak aus dem Bayerischen Wald mitbrachte, freute er sich und schnupfte eine Stunde lang während das Gespräch lief und rauchte abwechselnd zugleich eine Menthol-Zigarette nach der anderen. Dass er Geburtstag hatte, wurde nicht mit einem einzigen Wort erwähnt, Schmidt erklärte mir die Weltpolitik. Erst als das Mikrofon abgeschaltet war, durfte man ihm wenigsten die Hand zur knappen Gratulation reichen. Ja, das Persönliche, das blendete er aus. Es ging ihm immer um das große Ganze.

 

„Schmidt“ Schnauze“ – das Rhetoriktalent – in der Kürze lag seine Würze -  litt wohl daran, dass der Denkmal-Kanzler Willy Brandt vom Volke und der jüngeren Generation geliebt, er aber „nur“ geachtet wurde, später eben aber auch als „Elder statesmen“ und Idol wenigstens fast geliebt jedoch mindestens verehrt wurde.

 

Brandt war der „Ostpolitik-Kanzler“, Kohl der „Wiedervereinigungskanzler“, aber welches „Kürzel-Etikett“ sollte man der Epoche seiner Kanzlerschaft aufdrücken, er bewältigte die Ölkrise, segelte durch die darauf folgende Weltwirtschaftskrise, er trotzte dem RAF-Terrorismus, stolperte über die Nachrüstungsdebatte seiner Partei (Die Geschichte gab ihm dann doch recht) und schließlich nutzte er seine Herausgeberfunktion bei der „Zeit“, 33 Jahre lang, um an seinem Nach- „Ruhm“ mit zu basteln. Er schrieb einen Artikel und ein Buch nach dem anderen, trat in Talkshows auf, hielt weltweit kluge Reden, aber sich selbst beweihräuchern das lag ihm wirklich nicht.

 

Und die kritische Seite am Schach spielenden und auf dem Brahmsee segelnden Kanzler: für Diktatoren hatte er zuweilen Verständnis, die 68erGeneration hielt er für Spinner, Visionäre schickte er zum Doktor, Frauenemanzipation war ein Fremdwort für ihn, Öko auch, er war zwar ein Arbeiterkind, er konnte aber Menschen auch ziemlich von oben herab behandeln. Ich hatte jedoch den Eindruck, dass dieser „hanseatische Panzer“ nichts anderes als Selbstschutz für sein verletzliches Inneres war.

 

Thomas Karlauf, der Autor, der die späten Jahre fokussiert, hatte 28 Jahre lang die Bücher des Altkanzlers Helmut Schmidt betreut. Er wühlte sich durch 500 Aktenordner Notizen, Artikel und Korrespondenzen. Bisweilen ist dieses Buch daher etwas zu detail- und zitatversessen, doch es gelingt dem Autor das Politische und das sehr Persönliche in einen großen Gesamtzusammenhang zu bringen. Was sonst sehr schwierig war, sich Helmut Schmidt persönlich zu nähern, das ist Thomas Karlauf gelungen. Ein „Insider“-Buch, das in manche Kulisse blicken lässt.

 

Leser alle Demokraten, Schmidt-Fans, Sandra Maischberger, Reinhold Beckmann und Giovanni di Lorenzo

Moneten-Macho Trump - eine Biographie

Michael D’Antonios lese-flüssig geschriebene Biographie zeigt den Kandidaten Trump als größenwahnsinnigen, selbstverliebten, erfolgshungrigen, EGO-manen, der aber auch das Sensibelchen spielen kann, wenn man ihn angreift.  Das Psychogramm eines „Psychos“.

 

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Kissinger - Idealist oder Realist?

Das Buch ist gewaltig, knapp 1000 Seiten, und es zu lesen ist eine Herausforderung. Allein das Vorwort und die Einleitung machen 52 Seiten aus. Gehen wir also ans Werk, ein opus magnum. Heinz Alfred Kissinger heißt er in Deutschland - Henry Alfred Kissinger nennt er sich in den USA. Henrys gesamte Weltanschauung hat jedoch tiefe deutsche Wurzeln – seine Heimat und  Kindheit in Fürth, die erzählten Erfahrungen aus der Weimarer Republik,  die Flucht aus Nazideutschland ein deutsches Schicksal. Kissinger hat eine deutsche Seele, obwohl er sich selbst an keine interessanten oder amüsanten Begebenheiten in seiner deutschen Vergangenheit erinnern kann: Ich dagegen schon. Aber dazu ein paar Zeilen später. 

 

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Der neue Walker: ESKAPADEN

In Saint-Denis wird er nur ›der Patriarch‹ genannt: Marco Desaix, Kriegsheld mit hochrangigen Kontakten zur französischen, russischen und israelischen Regierung und Brunos Jugendidol, weil er als erster französischer Pilot die Schallmauer durchbrach. Auf seinem Schloss lernt Bruno neben dem überaus väterlichen Gastgeber auch dessen Familie näher kennen und bekommt neben vorzüglichen Trüffeln und Pâtés mehr familiäre und politische Intrigen serviert, als selbst er verdauen kann. Als am nächsten Morgen ein Gast tot aufgefunden und sofort eingeäschert wird, beginnt Bruno zu ahnen, dass dieser nur eine von mehreren Leichen im wohlgefüllten Weinkeller sein dürfte.

 

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Ich war ein Salafist

Der Salafisten-Prediger Pierre Vogel rief ihn zur Pilgerfahrt nach Mekka. Er arbeitete mit dem Islamisten-Führers Sven Lau zusammen. Dominic „Musa“ Schmitz taucht als 17-Jähriger in die Salafisten-Szene ein. 
 

Der Flüchtlingstreck und die Balkanroute

Ein langer Flüchtlingstreck ist von der griechischen Insel Lesbos in Richtung Deutschland unterwegs. Der Brüsseler Gipfel hat erste Anstrengungen unternommen, um ihn einzudämmen. Die Türkei soll helfen, stellt aber scharfe Forderungen, die erst einmal dazu führen, dass die Gipfelentscheidungen vertagt werden auf den nächsten Gipfel. Navid Kermani war im Herbst 2015 auf dieser „Balkanroute“ unterwegs. In seiner einfühlsamen Reportage berichtet er davon, warum wir die Augen vor der Völkerwanderung und deren Folgen nicht verschließen können.

 

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Beginnt eine neue Terrorismuswelle? Syrien und Irak unbefriedet! Der Islamische Staat zwar regional zurückgedrängt, aber keineswegs besiegt. Der weltweit renommierte Terrorexperte Peter R. Neumann ordnet die neuen Gefahren  und Terror-Bewegungen ein und zeigt Strategien gegen den Terrorismus auf.

 

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Salafismus? Dschihadismus?

Eine Studie zur Identität radikaler Muslime

In Interviews und Gesprächen untersucht Abu Rumman Selbstbild und Lebenswirklichkeit junger Salafisten im Nahen Osten: Wer sind sie? Welche Wege führten sie zum Salafismus und welche wieder von ihm weg? Das politische Bewusstsein der arabischen Welt wurde unter anderem geprägt von den Auswirkungen des Sechstagekrieges 1967 und vom Golfkrieg 1991: Eine ganze Generation fühlte sich durch die Kriegsfolgen entmutigt und von der illusorischen Siegesrhetorik der Muslimbrüder getäuscht. Das Buch ist eine identitätssoziologische Studie.

 

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Tödlicher Terror und Online-Dschihad 3.0

Der „Islamische Staat“ IS kontrolliert mehr als fünf Millionen Menschen und eine Landesfläche von der Größe Großbritanniens.  Die Gründe für sein Entstehen liegen im zerfallenen Irak, im syrischen Bürgerkrieg und in den vielfältigen Konflikten der unterschiedlichen Gruppen, Volksstämme und Glaubensrichtungen. Das Erfolgsrezept des IS liegt in der  Perfektion der strategischen Planung, in der modernsten Propagandatechnik.

 

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