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Herzliche Grüße,

Norbert Schreiber

Georgien kommt nach Berlin und Frankfurt

22. Zauberberggespräch mit                          Archil Kikodze und Zaal Andronikashvili

Am kommenden Montag stellen Archil Kikodze und der in Berlin lebende Literaturwissenschaftler Zaal Andronikashvili den in Georgien preisgekrönten Roman „Der Südelefant“ vor. Kikodze fährt danach zur Frankfurter Buchmesse, um an dem mit Spannung erwarteten Auftritt des diesjährigen Gastlandes Georgien teilzunehmen.

Schauen Sie auf die Seite www.der-zauberberg.eu, um sich anzumelden.

Rezension

 
Auf dem Foto aus der gemeinsamen Kindheit sind sie noch Freunde - durch dick und dünn. Und das blieben sie auch als Erwachsene jahrelang: Vor dem Skelett eines Südelefanten, einer ausgestorbenen Spezies, am Eingang des Archäoligischen Museums Tbilissi, posieren die beiden vor der väterlichen Kamera: Tazo und der Ich-Erzähler. Archil Kikodze (Jahrgang 1972) hat seinen in Georgien preisgekrönten Roman nach diesem frühen Bewohner des Landes genannt. Er steht für die Geschichte und die vielen Schichten im heimatlichen Boden, die „Der Südelefant“ blosslegt. Tazos Vater und die Mutter des Protagonisten waren nämlich Archäologen! Das mit Glück erfüllte Foto vor dem Skelett des Dickhäuters ist inzwischen Geschichte: Seit Jahren haben sich die Freunde nicht mehr gesehen. Jeder hatte einen eigenen Grund zum Rückzug. Jetzt hat sich Tazo überraschend angesagt. Er möchte eine Frau in der Wohnung des Erzählers empfangen. Der quartiert sich kurzerhand aus den eigenen vier Wänden aus und streift einen ganzen Tag lang – meist ziellos – durch Tbilissi.


Der Protagonist nimmt die Leser mit auf seinem Weg, teilt mit ihnen viele Erinnerungen und Anekdoten. Seine Geschichten sind herzwärmend, manche traurig, manche einfach nur schön. Der Autor gebietet dafür über eine Palette von literarischen Varianten – der immer wieder angestimmte innere Monolog folgt beobachtenden Reportagen, gekonnten Dialogen, reiner Erzählung. Seinen Helden läßt er durch die Hauptstadt flanieren. Der befragt die jüngste Vergangenheit Georgiens nach ihrer Bedeutung. Dazu gehört die heimtückische Ermordung des Schriftstellers Micheil Dschawachischwili durch Beria, den späteren Geheimdienchef der Sowjetunion: An Täter und Opfer erinnern bis heute ihre Häuser. Archil Kikodze schlägt neben dem Stadtplan vom historischen Tbilisi auch das Märchenbuch der Regionen Georgiens auf: Über Swanetien, den Raub der Ikone von Kvirike und von einem berühmt-berüchtigten Stromdieb, dem Vetter einer jungen Filmemacherin, handelt eine dieser Legenden.


Im Mittelpunkt stehen menschliche Beziehungen, stehen Tbilissi und Georgien, die Welt der Natur und die vom Ich-Erzähler verlassene Welt des Kinos. Sein einziger Film war mit Preisen überhäuft worden. Dann hat er für einen tragischen Unfall bei Dreharbeiten die Verantwortung übernommen. Auch Tazo plagen Schuldgefühle für den Tod eines Menschen. Die Erinnerung an die frühere Freundschaft zu Tazo und deren Verlust durchziehen den ganzen Roman. Die vielleicht schönste Liebesszene der georgischen Literatur steht ebenfalls für einen schmerzlichen Verlust: Seine frühere Geliebte, die kluge Ergotherapeutin Nelly, schickt Selbstaufnahmen von ihren Reisen mit dem neuen Ehemann auf sein Handy. Die Nachbarin Mediko aus seinem Haus hingegen hat keinen Partner. Sie lebt mit ihrem alten Vater, der seit dem räuberischen Überfall auf ein befreundetes Streichquartett keinen Schritt mehr vor die Tür gesetzt hat. Jahre her. Damals war der vor dem Hause von einem Verehrer für die junge Mediko abgestellte BMW brandneu gewesen. Das war in den unruhigen Zeiten des Umbruchs gewesen. Gefahren wurde er nie.

 

 Immer wieder durchziehen Lebensweisheiten wie Metaphern für eine gute Welt den Text und geben ihm dann ein essayistisches Gepräge. Die Liebende Nelly lässt der Autor sagen: „Wenn ein Mensch auf die Welt kommt, dann ist das Einzige, was ihm angeboren ist, dass er jemanden oder etwas greifen muss, das Loslassen lernt er erst später.“ Ein litauischer Kollege vom Film erzählt in einem Eichenwald bei Vilnius: „Kürzlich habe ich einen Bauern gesehen, der im Vorbeigehen eine hundertjährige Eiche grüßte, er nahm vor dem Baum seine Mütze ab. Da habe ich gedacht, dass wir noch nicht gänzlich verloren sind.“ Mit seiner Mutter hatte sich der Protagonist wegen ihres Nationalismus lange überworfen. Als sie in seiner Obhut gestorben war, kamen Kollegen seiner Mutter und übergaben ihm einen alten Hammer aus Vulkanglas: „Es war der Wunsch deiner Mutter, dass man ihr etwas aus dem Altpaläolithikum mit ins Grab legte. Sie meinte, sollte sie eines Tages von Archäologen ausgegraben werden, dass diese sich ruhig den Kopf zerbrechen sollten.“ Der Ich-Erzähler hört nicht auf zu weinen: „...es war die Erkenntnis, dass meine Mutter anscheinend Humor besessen hatte ... und hatte es vor der ganzen Welt geheim gehalten.“ So schichten sich Zeitalter übereinander und verdichten sich zu diesem schönen Roman, der die Leser nach Georgien versetzt, den Ernst und die Banalität der Welt bespricht und zeigt, wozu große Literatur fähig ist.
 
Johanna Reinicke und Harald Loch
 
Archil Kikodze: Der Südelefant Roman
Aus dem Georgischen von Nino Haratischwili und Martin Büttner
Ullstein, Berlin 2018 272 Seiten 22 Euro
 

 

Ein Georgien-Bestseller

Foto: Johana Reinicke

Interview mit Archil Kikodze, aufgenommen in Tbilissi (Tiflis) im Juni 2018  von Harald Loch und Johanna Reinicke
 
Frage:  Herr Kikodze, Ihr Roman „Der Südelefant“ erscheint im September auf Deutsch. Sie werden damit auf dem Internationalen Literaturfestival in Berlin und auf der Frankfurter Buchmesse vertreten sein.  Ihr Buch spielt in Tbilissi, streift durch die jüngere Geschichte Georgiens, war im vergangenen Jahr der Bestseller in Ihrem Land. Wollen wir darüber sprechen?


Kikodze: Am besten unterwegs in Tiflis. Begleiten Sie mich zuerst in eine kleine Probierstube. Bei Kaffee und Wasser schauen Sie von oben auf meine Stadt: Tief unter uns fließt die Mtkvari, auch Kura genannt. Sie entspringt in der Türkei, fließt durch Georgien und mündet im Kaspischen Meer. Da drüben, unterhalb der Mauern der alten Narikala-Festung sehen Sie eine große orthodoxe Kirche. Sie ist ganz neu, wurde auf Veranlassung des Polizeipräsidenten erbaut. Seit der Unabhängigkeit hat die Kirche hat einen riesigen Einfluss auf die Gesellschaft in Georgien. Unterhalb der orthodoxen Kirche die Minarette einer Moschee. Sie wird von Schiiten und Sunniten gleichermaßen benutzt. Das ist, glaube ich, einmalig in der Welt. Weiter rechts eine Synagoge. Es gibt zwei, die noch als Gotteshäuser dienen. Und da hinten, auf dem Berg, sehen Sie das kitschige Groß-Monument „Die Mutter Georgiens“ – in der einen Hand Wein für die Freunde, in der anderen ein Schwert gegen die Feinde.


Frage: Die Religionen scheinen hier trotz der Dominanz der orthodoxen Kirche redlich neben- oder sogar miteinander zu leben. Ist Tbilissi noch eine der jüdischen Metropolen der Kaukasusländer?


Kikodze: Früher lebten hier hunderttausend Juden in der Stadt. Seit es möglich wurde, ist eine große Zahl von ihnen nach Israel ausgewandert. Sie hatten hier nie größere Probleme. Als „Geschäftemacher“ waren bei uns eher die Armenier diskriminiert. 


Frage: Herr Kikodze, wie lebt man als Schriftsteller in Tbilissi, in Georgien?


Kikodze: Keiner kann hier von der Schriftstellerei allein leben. Ich habe auch andere Berufe. Ich fotografiere, bin Schauspieler, Drehbuchautor und vor allem bin ich Naturführer. Damit verdiene ich zusammen mit meiner Frau den Lebensunterhalt meiner Familie. Wir haben drei Kinder: Die Älteste ist 19, mein Sohn 17 und die Jüngste neun Jahre. 
Frage: In den letzten Jahren sind Hunderttausende Georgier ausgewandert. Haben Sie auch schon einmal daran gedacht?
Kikodze: Nein! Wir können nicht alle gehen. Jemand muss ja auch im Lande bleiben! Hier engagiere ich mich im Umweltschutz. Schauen Sie z.B. runter auf die Kura: Sie ist nicht nur von der Lehmerde so gelb, sondern auch von vielen nicht geklärten Abwässern, die sie unterwegs aufnimmt. Aber lassen Sie uns in die Altstadt gehen, ehe es noch heißer wird.


Frage:  Auf beiden Ufern tost der Verkehr...


Kikodze: Hier hat fast jeder ein Auto, von Luxuslimousinen bis zu alten Klapperkisten, die kaum verkehrssicher sind, ist alles vertreten. Ich selbst habe weder Auto noch Führerschein. Wenn ich Leute an abgelegene Orte in die Berge begleite, miete ich einen Wagen mit Chauffeur. Privat benutze ich keins. Schon der Umwelt wegen.
Aber sehen Sie: Hier kommen wir in das vor über hundert Jahren entstandene historische Tbilissi mit den wunderschönen Jugendstilhäusern. Leider können sie nicht instandgehalten werden und verfallen langsam. Schade um die prächtigen Balkone und Fassaden. Das Jüdische Viertel mit den koscheren Restaurants wirkt ganz bescheiden. 
Dort hinten steht ein wunderschön restauriertes Gebäude, ein Stadtpalais: Das ist unser house of writers, das Literaturhaus. Gehen wir hinein! Hier ist ein grüner Innenhof mit steinernen Bänken. Früher herrschte im Hause politische Unterdrückung, haben sich sogar Schriftsteller aus Verzweiflung umgebracht. Jetzt ist es ein Haus der freien Autoren. Kommen Sie mit in den Festsaal, wo ich meinen Roman „Der Südelefant“ gelesen habe. Das wunderschöne Parkett. Zu Feierlichkeiten gibt es hier keinen Rotwein, um das Interieur zu schonen.
Frage: „Der Südelefant“ war ja wohl ein großer Erfolg in Georgien. Was kann man darunter verstehen?


Kikodze (schmunzelnd): Er war der zweite auf der Bestsellerliste - gleich nach Harry Potter. Aber ernsthaft: Mein Verlag hat in zwei Auflagen etwa 4000 Exemplare verkauft. Das ist für Georgien sehr viel. Ein Glück, dass wir inzwischen die Freiheit der Kunst feiern können. Überhaupt lebt man hier recht frei, obwohl noch keine wirkliche Demokratie herrscht. Es gibt einige wenige Reiche, die neben der Kirche großen Einfluss ausüben, und ganz viele Arme. Uns fehlt die Mittelschicht. Ohne die gibt es keine richtige Demokratie.


Wir trennen uns am Platz der Freiheit und verabreden uns für den nächsten Tag zu einem Gang auf den Pfaden des Protagonisten des Romans.
 
Frage: Ein Tag in Alt-Tbilissi – so könnte man die Oberfläche des „Südelefanten“ beschreiben. Kommen Ihnen die Einfälle und Ideen zu Ihren Geschichten beim Flanieren?


Kikodze: Sehen Sie! Hier wohnt im Roman der Ich-Erzähler, der nicht ich bin. Ich habe nebenan gewohnt und kenne das Haus und die Gegend sehr gut. Es stimmt: Ich schöpfe meine Einfälle aus dem wirklichen Leben, das ich sehe und beobachte, meine kleinen Anekdoten, die ich mal in die Erinnerung des Protagonisten, mal in die Worte eines anderen Erzählers lege. Zwölf Stunden streift mein Held durch die Stadt, weil er einem verloren geglaubten Freund sein Zimmer für ein Abenteuer zur Verfügung gestellt hat. Hier drüben ist die Bäckerei, die im Roman vorkommt, dort betreibt der Möbelhändler immer noch sein Geschäft. Ich kenne ihn seit Jahren. Der Spiegel unten im Eingang des Hauses meines Protagonisten, wir könnten ihn uns ansehen.
Manchmal wird einem von der Kritik ein Strick aus dieser Herangehensweise gedreht: Ein Journalist etwa hat behauptet, ich hätte meinen Bruder als Vorbild für den Delinquenten genommen, der in meinem Roman eine Rolle spielt. Das ist nicht wahr! Dennoch: Die Wirklichkeit ist immer eine Fundgrube. Hier in der Kiacheli Straße Nr. 14 steht das Haus, in dem der spätere Geheimdienstchef der Sowjetunion Beria gewohnt hat, als er KP-Vorsitzender von Georgien war. Hierher hat der den Schriftsteller Micheil Dschawachischwili zu sich eingeladen, um ihn dann umbringen zu lassen: Da unten steht das Wohnhaus des Ermordeten mit einer Gedenktafel für ihn. Die anderen Häuser hat man abgerissen, seins steht noch. Das kommt als Geschichte im Roman vor, weil der Ich-Erzähler eben an diesen Häusern vorbeikommt und die entsetzliche Geschichte als Teil unserer Vergangenheit aufruft.


Frage: Der Flaneur Kikodze mit dem fotografischen Blick für seine Stadt, mit dem Bewusstsein für das wechselvolle Schicksal seines Landes, mit dem kritischen Auge auf die Gegenwart und seiner Empathie für die einfachen Leute. Sehen wir Sie so richtig und sehen Sie sich auch so?


Kikodze: Na ja, meine literarische Methode haben Sie wohl zutreffend beschrieben. Aber in meinem Roman geht es ja um mehr. Es geht um eine tiefe, zwischenzeitlich verletzte Freundschaft. Um existenzielle Fragen von Schuld und Verlust, um Liebe und Erinnerung und Tod, auch um Humor, in dem manche Wahrheit besser zu verstecken ist. Das Flanieren ist in mir wie eine Lebenshaltung angelegt. Aber das allein macht noch keine Literatur. Trotzdem habe ich Sie heute mitgenommen auf den Spaziergang zu den Orten, an denen die Handlung des „Südelefanten“ spielt. Zum Ort der Freundschaft, dem der Liebe, dem der Schuld – zu diesen Orten kann man nicht flanieren. Aber Sie haben sie im Roman gefunden. Hier in diesem Park, in dem Sie die Kinder durch die Fontänen hüpfen sehen, spielt ja im Roman ein Showdown mit Jugendlichen. Spüren Sie den Kontrast zu dem, was wir beim Flanieren heute sehen? Der Park ist der gleiche wie im Roman – unsere Stimmung ganz anders. Meine Literatur entsteht nicht auf einem Spaziergang, sie hat eine eigene Wahrheit, aber auf dem Boden der Tatsachen.
 
Die Fragen stellten Johanna Reinicke und Harald Loch. Die Gespräche fanden in englischer Sprache statt.

 

Volker Dittrich: Georgien                            Paradies am Rande Europas

Impressionen aus Georgien, über 25 Jahre gesammelt, können über das Persönliche hinaus einen vertieften Eindruck des ganzen Landes vermitteln. Der Journalist, Dokumentarfilm- und Romanautor und Verleger Volker Dittrich hat Georgien immer wieder bereist, hat dort Freunde gefunden, offizielle Kontakte geknüpft und eben Eindrücke gesammelt, Veränderungen notiert, seine Liebe zu Land und Leuten entwickelt. Das alles erzählt er in einem interessanten Buch in chronologischer Folge, so dass aus den subjektiven Details ein zeitgeschichtlicher Überblick über Georgien seit seiner Unabhängigkeit von der zerfallenen Sowjetunion, also seit 1972 entsteht. Gerade aus dem oft sehr persönlichen Kleinen entsteht für den Leser ein besserer Überblick über das große Ganze als in manchen Sachbuchdarstellungen. Vor allem liest sich sein Buch angenehmer, eher wie ein belletristischer Reisebericht, trotzdem mit dem Ziel zu informieren und zu unterhalten.
Manche Einzelheiten erscheinen bei Dittrich gleichsam exklusiv, stehen aber trotzdem für das ganze Land, sind sowohl Teil der Gesellschaft als auch individuell erlebt und vielfach höchst persönlich. Anderes wäre neu, wenn Dittrich darüber nicht einen Dokumentarfilm gedreht hätte. Dessen denkwürdiger Inhalt dürfte hierzulande kaum wahrgenommen worden sein. In seinem Buch berichtet er über die verstörten Reaktionen des georgischen Publikums, als er den Film „Die Nacht der Georgier – Erinnerung an ein vergessenes Massaker“ im Jahre 2002 in Tbilissi im Rahmen eines Festivals vorführte: Der Vater einer georgischen Freundin Dittrichs war im Weltkrieg in deutsche Gefangenschaft geraten und hatte sich vor dem sicheren Verhungern dadurch gerettet, dass er und seine Mitgefangenen sich den Hitler-deutschen Truppen anschlossen und auf der niederländischen Insel Texel an der deutschen Westfront standen. Als sich die Niederlage der Wehrmacht abzeichnete, wussten die Georgier, dass sie sich in der Sowjetunion als Kriegsverräter zu verantworten hätten. Um als Widerstandkämpfer gegen das Hitlerregime zu gelten, ermordeten die Georgier in einer Nacht im April 1945 fast alle deutschen Soldaten des Bataillons. Als die Deutschen zurückschlugen kam es zu einem furchtbaren Gemetzel, bei dem 528 Georgier, 112 Niederländer und fast 2000 deutsche Soldaten ihr Leben verloren, obwohl der Krieg eigentlich schon beendet war.


Solche Details machen aus Dittrichs georgischen Impressionen außerdem ein Buch der Erinnerungen. Sie gehören auch zu den tiefen, oftmals freundschaftlichen deutsch-georgischen Beziehungen. Im Mittelpunkt des Buches stehen aber die Menschen und auch die überwältigenden Landschaften Georgiens mit den höchsten Erhebungen im Kaukasus. Rechnete man Georgien – was geografisch nicht korrekt, kulturell aber plausibel wäre – zu Europa, würde der Schchara mit seinen 5068 Metern den Montblanc als höchsten Berg Europas über einiges übertreffen. Zahlreiche Farbfotos illustrieren die Begegnungen mit den Menschen und Landschaften Georgiens und vermitteln mit den literarischen Impressionen einen guten Blick auf das Land, dessen eigene Literatur mit den zahlreich übersetzten belletristischen Werken in diesem Jahr des Frankfurter Buchmesseauftritts auf wunderbare Weise hierzulande bekannt gemacht wird.


Harald Loch 


Volker Dittrich: Paradies am Rande Europas
Impressionen aus Georgien von 1972 bis 2017
Mitteldeutscher Verlag, Halle 2018   
320 Seiten  zahlreiche Farbfotos   18 Euro

 

Autoritarismus: Demokratien in Gefahr

Warum die Demokratie bedroht ist – und wie wir sie retten können.

Demokratien sterben mit einem Knall oder mit einem Wimmern, formuliert die DVA in der Verlagsvorschau: Der Knall, also das oft gewaltsame Ende einer Demokratie durch einen Putsch, einen Krieg oder eine Revolution, ist spektakulärer. Doch das Dahinsiechen einer Demokratie, das Sterben mit einem Wimmern, ist alltäglicher – und gefährlicher, weil die Bürger meist erst aufwachen, wenn es zu spät ist. Mit Blick auf die USA, Lateinamerika und Europa zeigen die beiden Politologen Steven Levitsky und Daniel Ziblatt, woran wir erkennen, dass demokratische Institutionen und Prozesse ausgehöhlt werden. Und sie sagen, an welchen Punkten wir eingreifen können, um diese Entwicklung zu stoppen. Denn mit gezielter Gegenwehr lässt sich die Demokratie retten – auch vom Sterbebett.

 

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Ist Lachen über Hitler erlaubt?

Witze sind Munition gegen Diktatoren. Doch ist Lachen über Hitler erlaubt?

 

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Frankfurter Buchmesse                                        Schwerpunkt GEORGIEN

Dieter Boden: Georgien. Ein Länderporträt

Georgien ist kleiner als Bayern aber der Kaukasus erhebt sich höher als der Montblanc. Seine Einwohnerzahl ist kaum grösser als die Berlins. An seiner Schwarzmeerküste herrscht subtropisches Klima und vor ein paar Jahren hatte sich das Land um die Ausrichtung der olympischen Winterspiele beworben – leider erfolglos.

 

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Reisen in Aitmatows Welten

Der Eine gibt der Geschichte eines Debütanten die Bestnote. Die Andere kommt nach der ersten Begegnung mit dem Autor dieser Geschichte vor lauter Aufregung fast unter ein Auto. Danach widmet sie ihm viel von ihrem beruflichen Leben. 

 

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Aka Morchiladze : Der Filmvorführer 

Freundschaft ist ein großes Thema in Georgien und in der Literatur des Landes. 

 

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Dagny oder ein Fest der Liebe

Die Zeit um 1900 war die goldene Zeit von Tiflis. Intellektuelle und die Boheme aus ganz Europa flogen auf diesen Sehnsuchtsort. Die Völker des Kaukasus, Perser und andere Persönlichkeiten aus ganz Asien waren ohnehin zugegen. Damals entstand die noch heute - leider im Zustand des Verfalls - zu bewundernde Jugendstilarchitektur des historischen Tiflis. Hierhin verschlug es eine Norwegerin aus dem nicht minder bewegten Berlin um die Jahrhundertwende. 

 

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Aka Mortschiladse: Santa Esperanza

Suchen Sie nicht nach einem Reiseführer über die Insel Santa Esperanza oder über die Johannesinseln im Schwarzen Meer. Sie gehören nicht wirklich zu Georgien, waren keineswegs ein britisches Dominion und sind früher auch nicht von Genua aus kultiviert worden – es gibt sie einfach nicht. Das kann man bedauern. Aber gegen die aufkommende Traurigkeit gibt es ein Heilmittel: Der georgische Kultautor Aka Mortschiladse hat „Santa Esperanza“ erfunden und seinen „Kosmos aus vielen Romanen“ – so nennt er das von ihm erfundene Genre – auch nach dieser Insel genannt. 

 

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FBI-Abrechnung mit Präsident TRUMP

Die Erinnerungen von Ex-FBI-Chef James B. Comey erscheinen bei DROEMER und lesen sich so spannend wie ein Polit-Thriller von John Le Carré. Der gefeuerte FBI-Chef James Comey lässt tief in das politische Washington um Donald Trump blicken, es ist aber auch eine Biographie seines Ermittlerlebens und ein flammendes Bekenntnis für Freiheit und Wahrheit im Justizgeschäft.

 

James Comeys brisante Erinnerungen erinnern an seine Jahre im Zentrum der Macht, zeigen ihn als unbeugsamen Ermittler, der gegen die Mafia, gegen CIA-Folter und NSA-Überwachung und zuletzt im Wahlkampf 2016 gegen Hillary Clintons Umgang mit dienstlichen Emails und Donald Trumps Russland-Verbindungen vorgegangen ist, wie DROEMER in der Verlagsankündigung schreibt.  Der New Yorker Vorzeigejurist war stellvertretender Justizminister unter George W. Bush, dann FBI-Direktor in der Regierungszeit von Barack Obama und zuzletzt gefeuert von Donald Trump wegen angeblicher Illoyalität.

 

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Mafia Leben

Was würden Sie tun, wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihr Chef Sie gern loswerden möchte, in Ihrem Unternehmen aber leider die übliche Form der Entlassung nicht die Kündigung, sondern die Ermordung ist? Halten Sie es für besonders klug, einem Mafioso, der für seine Brutalität bekannt ist, ein Paket mit faulen Anleihen anzudrehen? Oder Ihrer Frau auszuplaudern, wer alles bei der Cosa Nostra nach Ihrer Pfeife tanzt, um Eindruck zu schinden? Federico Varese berichtet in seinem spannenden Buch vom Leben und Sterben der Mafiosi, das er so nah und privat erkundet hat wie kaum jemand vor ihm. 
Die Mafia ist eine verschlossene Welt voller Gewalt und Härte, in die kein Außenstehender je Einblick bekommt. Hinter den Mauern des Schweigens aber gibt es eine Gemeinschaft mit eigenen Regeln und Werten...  (CHBeck)  


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Nelson Mandela - Briefe aus dem Gefängnis

„Eine neue Welt wird nicht von denen geschaffen, die tatenlos beiseitestehen, sondern von denen, die sich in die Arena begeben, deren Kleider vom Sturmwind zerfetzt sind und deren Leiber im Kampf bleibende Spuren davontragen.“

Nelson Mandela

 

Briefe aus dem Gefängnis von Nelson Mandela, erschienen bei  CH.Beck

 

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Eiszeit statt Tauwetter

Zwischen Russland und dem Westen herrscht Eiszeit, behauptet der Verlag CHBeck in der Verlagsankündigung zu dem Buch der TV-Journalistin Gabriele Krone-Schmalz. „Es vergeht kaum ein Tag ohne eine neue Horrornachricht aus dem ‚Reich des Bösen‘. Warum ist das so? Geht es wirklich nur um Menschenrechte und westliche Werte? Wie kommt es eigentlich, dass immer gerade die Staaten ins Visier geraten, die den Westen geostrategisch herausfordern? In ihrem neuen Buch warnt Gabriele Krone-Schmalz vor einem Rückfall in die einfachen Denkmuster und klaren Feindbilder des Kalten Krieges. Wladimir Putins Ziele seien expansiv, wird behauptet, er bedrohe Polen und das Baltikum. Doch auf welcher Grundlage werden diese Schlussfolgerungen eigentlich gezogen? Könnte es nicht auch sein, dass Russland aus der strategischen Defensive heraus handelt und versucht, bestehende Einflusszonen zu halten? Wer agiert, wer reagiert? Und welche Politik sollten wir daher gegenüber Russland verfolgen: Eindämmung durch Abschreckung oder Wandel durch Annäherung?“.

 

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Bayern leuchtet literarisch

Auch das Gedicht vom Tantenmörder aus der Feder von Frank Wedekind ist in dieser neuen bayerischen Literaturgeschichte zu finden. Von den Tagen der Agilolfinger im 8. Jahrhundert bis zu dem Sprachvirtuosen Gerhard Polt reicht das Spektrum der dargebotenen und erläuterten Texte, steht in der Verlagsankündigung von CHBeck. 1300 Jahre Geschichte der Literatur auf dem Gebiet des heutigen Bayern werden in diesem Band knapp, kundig und anhand vieler Beispiele vorgestellt. Die gut organisierte Themenvielfalt umfasst religiöse Literatur und mittelalterliche Heldendichtung – zum Beispiel das Hildebrandslied – ebenso wie die Literatur im konfessionellen Zeitalter mit Autoren wie Hans Sachs und Konrad Peutinger oder etwa Werken zwischen Türkenmode und Aufklärung beispielsweise von Johann Emanuel Schikaneder, dem Librettisten von Mozarts Zauberflöte, und ebenso Schöpfungen der jüngeren Geschichte und Gegenwart von Autoren wie Felix Dahn bis hin zu Herbert Achternbusch und Django Asül. Es gilt, viel zu entdecken, vielem wieder zu begegnen und Hunderte von Anregungen für neue Leseerlebnisse zu erhalten!“

 

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Eine Geschichte der Menschheit von der Steinzeit bis zum Homo americanus


Für die Geschichtsschreibung kann es von Vorteil sein, das Geschehen aus einem besonderen Blickwinkel darzustellen und zu beurteilen. Insofern ist das neue Buch des 1951 geborenen französischen Soziologen Emmanuel Todd mit dem deutschen Titel „Traurige Moderne“ ein interessanter Ansatz. Er stellt die verschiedenen Familienstrukturen in den Vordergrund seiner Erklärung der „Geschichte der Menschheit von der Steinzeit bis zum Homo americanus“, die der Untertitel verheißt. Im Studium in Cambridge befasste er sich mit „historischer Anthropologie“. Deren Methoden wendet er auch an, um eine „anthropologische Historiographie“ mit dem Werkzeug des Historikers und seinen spezifischen Methoden zu entwickeln. Kann das gutgehen? 

 

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Wie wird die Zukunft sein?

Heute wissen, was morgen sein wird – ein Traum seit altersher. In manchen Bereichen leben wir auf Kosten der Zukunft, andere verheißen goldene Zeiten. 

 

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Mehr vom Meer

Europa wurde in der Antike vom Meer her erschlossen. Die heutige europäische Zivilisation entwickelte sich jedoch in der Neuzeit, in einem ständigen Dialog mit den außereuropäischen Welten, die von Seefahrern, Entdeckern und Kaufleuten in den europäischen Horizont einbezogen wurden. Das Meer verband Europa und Außereuropa miteinander: Schiffe brachten europäische Güter und europäisches Wissen in die Welt und Informationen aus der Welt nach Europa. Das neue Weltwissen wurde hier verarbeitet und sorgte so dafür, dass eine völlig neue Wissenskultur entstand.

Auch unser Wohlstand ist fest an die Freiheit der Meere geknüpft. Nachdem der Mensch lange allzu sorglos mit dem Meer als Ökosystem umgegangen ist, beginnen wir jetzt zu begreifen, dass unser aller Zukunft vom Meer abhängt.

 

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Die große Geschichte einer kleinen Insel

Helgoland, ein rauer Felsen in der Nordseebrandung und zugleich seit knapp 200 Jahren Symbol und Kampfplatz deutscher wie englischer Historie. Hierhin zog sich Heinrich Heine zurück, und hier schrieb Hoffmann von Fallersleben den Text der deutschen Nationalhymne. In seinem Buch zeigt der Historiker Jan Rüger Helgoland als Spiegelbild und Mikrokosmos einer großen europäischen Geschichte.
Durch den sogenannten Helgoland-Sansibar-Vertrag ging die Insel an Preußen und verwandelte sich zur Seefestung. Im 20. Jahrhundert wurde Helgoland umkämpfter Schauplatz in beiden Weltkriegen und erlebte 1947 durch die Briten die größte nicht atomare Sprengung der Geschichte. Das Buch zeigt Helgoland jenseits der Nationen, jenseits der Völker als einen Ort der historischen Vielfalt und als Mahnmal für einen dauerhaften europäischen Frieden, heißt es in der Verlagsankündigung von PROPYLÄEN. 

 

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Gebrauchsanweisung für das Jenseits

Für Horst Seehofer ist Bayern das Paradies, in Jena heißt der Bahnhof so, und für wieder andere ist es ein üppiger Park. Wo liegt der Garten Eden wirklich? Treffen wir uns drüben alle wieder? Und wie sieht es in der Unterwelt aus? So kündigt PIPER das neue Gebrauchsanweisungs-Buch von Bruno Jonas an.

 

Reiseliteratur

Der Panzer zielte auf Kafka - Prag 1968

Die Jahreszahl 1968 erinnert nicht nur an die Studentenrevolten im Westen, sie ruft auch den „Einmarsch“ der UdSSR in die Tschechoslowakei, um die Reformkommunisten zu stoppen, in unser Gedächtnis zurück. Am 20. August 1968 reist der Schriftsteller und Literatur-Nobelpreisträger Heinrich Böll auf Einladung des tschechoslowakischen Schriftstellerverbands nach Prag. Er wird Augenzeuge wie die Truppen des Warschauer Paktes einmarschieren und die russische Besatzung beginnt.

Die Träume von einem „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“ wurden damit brutal zerschlagen. Böll war mit seiner Familie vier Tage lang Augenzeuge der Geschehnisse und hat dies in zahlreichen Dokumenten festgehalten. Der Widerstand der Prager beeindruckte Böll und motivierte ihn zu besonderen Aktivitäten. Er sprach im Radio, schilderte für lokale Zeitungen seine Beobachtungen der Ereignisse. Als er wieder abreiste, so die Verlagsankündigung, versprach Heinrich Böll den tschechischen Schriftstellerkollegen, so viel und so oft wie möglich über das, was er gesehen hatte, zu berichten und darüber zu schreiben. Böll hielt Wort. Die Ergebnisse seines Engagements versammelt erstmals dieses Buch.

 

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Walser-Augstein: Ein Sohn taucht auf

Martin Walser - ein Schriftsteller. Jakob Augstein - ein Journalist. Und sie sind Vater und Sohn. Von diesem Verhältnis wissen die beiden aber erst seit dem Jahr 2002.  Denn bis zu diesem Datum wuchs Jakob Augstein als Sohn des SPIEGEL-Verlegers Rudolf Augstein auf. In diesem Gesprächs-Buch reden sie über das Leben von Martin Walser, über ihr jahrelanges Nichtverhältnis, über Literatur und Literaturkritik. Ein offenes und zugleich auch verschlossenes, diskret bleibendes Buch, Indiskretion und Diskretion mischen sich. Jedenfalls ein gemeinsamer Blick auf eine deutsche Lebens- und Literaturgeschichte.

 

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BACHMANN - Die Lyrik-Legende

Ingeborg Bachmann hat einen Promi-Mythos in der deutschsprachigen Nachkriegsliteratur. Ihre divenhaften Lyrik-Auftritte, ihr Sprechgesang beim Vortrag, den der Stimmforscher Reinhart Meyer-Kalkus für einen kalkulierten stimmlichen Selbstentwurf hielt, mit dem sich die Dichterin als poetische Schmerzensfrau und vom Leben verwundetes Opfer inszeniert hat brachten ihr eine frühe Publizität und auch Popularität. Ihre Liebesbeziehungen zu Paul Celan und Max Frisch und vielen anderen Literaten und auch ihr rätselhafter, tragischer Tod (Mord oder Selbstmord oder Unfall?) sorgen für ein verwirrendes Bild. Ina Hartwig schaut hinter diese öffentliche Fassade und entdeckt in zahlreichen Gesprächen mit Zeitzeugen wie Hans Magnus Enzensberger, Martin Walser oder Henry Kissinger und vielen anderen prominenten Weggefährten eine andere multiple, vielschichtige Persönlichkeit: Ingeborg Bachmann als politisch denkende Intellektuelle und Medienprofi, als Dichterin, die trotz all ihrer Gefährdungen mit Witz überrascht und lebenspraktischer Klugheit, wie der Verlag FISCHER in der Ankündigung formuliert.

 

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Joschka Fischer: Der Abstieg des Westens

KIWI kündigt Joschka Fischers Buch so an: „‘Der Abstieg des Westens‘“, das neue Buch des ehemaligen Außenministers Joschka Fischer, ist eine schonungslose Analyse über das Ende der Dominanz des Westens und den Beginn einer neuen Weltordnung.
Wir alle haben in den letzten Jahren die dramatischen Brüche in der internationalen Politik erlebt, die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten, den Brexit und den Aufstieg nationalistischer, autoritärer und fremdenfeindlicher Parteien und Politiker in Europa.
Joschka Fischer untersucht in seiner Studie die dahinterliegenden geopolitischen Verschiebungen, das Ende des »Jahrhunderts des Westens«, den unaufhaltsamen Aufstieg Chinas zur neuen Weltmacht und die dramatischen Erschütterungen, in denen sich die neue Epoche der Weltgeschichte Bahn bricht.
Dabei blickt Joschka Fischer auf die gefährlichen Prozesse der Selbstdemontage, die die westliche Welt durchlebt, und die Bedrohungen für den Frieden, die Nationalismus und Isolationismus auch für Europa bedeuten.“


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Reemtsma-Sohn:                                                  Eine Entführung erleben und Überleben

Johann Scheerer erzählt auf berührende und mitreißende Weise von den 33 Tagen um Ostern 1996, als sich sein Vater Jan Philipp Reemtsma in den Händen von Entführern befand, das Zuhause zu einer polizeilichen Einsatzzentrale wurde und kaum Hoffnung bestand, ihn lebend wiederzusehen.
»Es waren zwei Geldübergaben gescheitert und mein Vater vermutlich tot. Das Faxgerät hatte kein Papier mehr, wir keine Reserven, und irgendwo lag ein Brief mit Neuigkeiten.« Wie fühlt es sich an, wenn einen die Mutter weckt und berichtet, dass der eigene Vater entführt wurde? Wie erträgt man die Sorge, Ungewissheit, Angst und die quälende Langeweile? Wie füllt man die Tage, wenn jederzeit alles passieren kann, man aber nicht mal in die Schule gehen, Sport machen, oder Freunde treffen darf? Und selbst Die Ärzte, Green Day und die eigene E-Gitarre nicht mehr weiterhelfen?

 

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Postfaktisch oder gefühlte Wahrheiten

Zitat

 

„Jeder hat das Recht auf eine eigene Meinung, aber niemand hat das Recht auf eigene Fakten.“
– Daniel Patrick Moynihan, Diplomat und US-Senator

 

»Eine Demokratie befindet sich in einem postfaktischen Zustand, wenn politisch opportune, aber faktisch irreführende Behauptungen anstatt Fakten als Grundlage für die politische Debatte, Meinungsbildung und Gesetzgebung dienen. Wer diese Entwicklung bremsen will, muss verstehen, was sie verursacht.« Das ist das Credo des Buches von Vincent F. Hendricks und Mads Vestergaard POSTFAKTISCH DIE NEUE WIRKLICHKEIT IN ZEITEN VON BULLSHIT, FAKE NEWS UND VERSCHWÖRUNGSTHEORIEN erschienen im BLESSING Verlag

 

Mit Macht dringen populistische Aussagen, alternative Tatsachen und Fake News in die öffentliche Debatte ein. So in der Verlagsankündigung von BLESSING. Desinformation hat sich so ausgeweitet, dass wir alle uns dazu verhalten müssen – Politiker, Journalisten und Bürger. Im Zeitalter der Information ist Aufmerksamkeit gleichzusetzen mit Geld, Macht und Einfluss, auch wenn das auf Kosten von Tatsachen geschieht. 

 

Mit ihrem Bestseller Postfaktisch legen die Philosophen Vincent F. Hendricks und Mads Vestergaard eine zusammenhängende Analyse der Mechanismen vor, die uns etwas als wahr betrachten oder empfinden lassen. Ihr Buch beschreibt die Entwicklung hin zu einer postfaktischen Demokratie und benennt die Gewinner und Verlierer der neuen Aufmerksamkeitsökonomie. Ein eindringlicher Weckruf zu einer Zeit, da die „Wirklichkeit“ zunehmend als eine Frage von Klickzahlen scheint.

 

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Feuer und Zorn

Es ist das Enthüllungsbuch, das die Präsidentschaft von Donald Trump erschüttert: Michael Wolffs «Feuer und Zorn» ist ein eindrucksvolles Sittengemälde der amerikanischen Politik unter Trump. Im Mittelpunkt ein Präsident, den seine Mitarbeiter wie ein kleines Kind behandeln und der umgeben ist von Inkompetenz, Intrigen und Verrat. Der Bestseller-Autor Wolff beschreibt das Chaos, das in den ersten Monaten im Weißen Haus geherrscht hat, er enthüllt, wie nah die Russland-Verbindung an Trump herangerückt ist und wie es zum Rauswurf des FBI-Chefs Comey kam. Und er liefert erstaunliche Details über das Privatleben dieses Präsidenten. (rowohlt)

 

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Ein deutsches Opernhaus – Von der Weimarer Republik bis zur Wiedervereinigung

2017 kehrt die Berliner Staatsoper nach einer siebenjährigen Zwangspause wieder an ihren ureigenen Ort zurück — ein Ereignis von internationaler Bedeutung. Misha Aster, Autor des viel beachteten und verfilmten Buchs DAS REICHSORCHESTER, erzählt die Geschichte der Staatsoper Unter den Linden vom Kaiserreich bis in unsere Tage und lässt damit ein farbenreiches Bild des stürmischen 20. Jahrhunderts entstehen, in dem die Musik immer wieder vor den Karren der wechselnden politischen Systeme gespannt wurde.

 

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Biographie über einen grossen Liberalen:          Ralf Dahrendorf

Er wagte als Liberaler die Diskussion mit dem radikalroten Rudi Dutschke. Er trug 1968 zum Machtwechsel in Bonn bei, schon mit 29 Jahren zierte ihn ein Professorentitel, ein großer deutscher Denker und guter Schreiber, in zwei Ländern, Great Britain und Deutschland, zu Hause, 5 Jahrzehnte die öffentliche Diskussion prägend, in der Presse, im Radio, im Fernsehen präsent, Soziologe, FDP- Wahlkämpfer und Hoffnungsträger: Ralf Dahrendorf.

 

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1968 - Die Sicht von Gretchen Dutschke

1968 - Was ist geblieben? Was hat sich als Fehler, was als Illusion erwiesen? Und was hätte das Zeug, auch heute noch Lust auf eine den globalen Herausforderungen sich stellende Protestbewegung zu machen? Es sollte nicht weniger sein als eine weltweite Revolution. Tatsächlich hat sich die 68er-Utopie einer globalen Befreiung von Ausbeutung und Unterdrückung nicht umsetzen lassen. Irgendwo ist er hängen geblieben, der große Traum von einem ganz anderen, einem freien Leben für alle. Dass aber doch etwas und sogar nicht einmal so wenig von diesem Widerstand gegen die autoritär „verwaltete Welt“ (Adorno) von damals in unserem Land nachwirkte und wirkt, gehört neben dem Scheitern ebenso zur Bilanz dieses wirkmächtigen „Tumults“ (Enzensberger).

 

Gretchen Dutschke, die Frau des Revolutionärs Rudi Dutschke, dem Urvater der Studentenrevolte, trägt auch ein Erkenntnisbuch zur Debatte um die Alt-68er bei. Ihre persönliche Geschichte sei mit der deutschen Geschichte aufs engste verbunden, sagt sie, und deswegen schreibt sie dieses Buch. GRETCHEN DUTSCHKE 1968 WORAUF WIR STOLZ SEIN DÜRFEN KURSBUCH.EDITION

 

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Robert Habeck: Beim Schreiben denken

Die Politik- und Parteienverdrossenheit begleitet uns Wähler seit vielen Jahren.  Das Politiker-Bashing erfolgt bei den Protestdemos, in Talkshows und Comedy-Sendungen. Politik, pfui, ein garstiges Geschäft, und die Politiker geldgeil, korrupt, Lügner, Fake-News-Produzenten. Da kommt der Schriftsteller und engagierte Familienmensch Robert Habeck und erzählt in seiner politischen Autobiografie, warum er sich als Quereinsteiger dennoch seit fünfzehn Jahren bei den Grünen engagiert und jetzt an der Spitze der Partei steht.  In einer klugen und brillant geschriebenen Biographie beschreibt Habeck: Welche Gesellschaft wollen wir sein? In welcher Zukunft wollen wir leben?

 

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Vom Lesen, Schreiben und Reden

 

Die Poetologie des Brühwürfels

 

Wer schreiben will, muss auch lesen können: Katja Lange-Müllers Berichte aus der eigenen Werkstatt und über die Geheimnisse der großen »Kollegen«, von Herman Melville, Johann Peter Hebel, Mark Twain, Heinrich von Kleist bis zu Adolf Endler und Wolfgang Hilbig.

Die Schriftstellerin Katja Lange-Müller ist ein Glücksfall für die deutsche Literatur der Gegenwart, weil sie in ihren Büchern literarische Brillanz mit einem umwerfenden Humor verbindet.

Dieses Kunststück gelingt ihr nun in gleicher Weise in den Frankfurter Poetikvorlesungen, in denen sie 2016 über das literarische Schreiben, das Lesen von Literatur, über ihre eigene literarische Biografie und vor allem über die von ihr hochgeschätzte literarische Gattung der Erzählung spricht.

 

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Martin Walker: Revanche

Der Kontrast könnte nicht schärfer sein. Ganz allmählich nur nimmt Martin Walker in seinem neuen Roman „Revanche“ Fahrt auf. Die fast paradiesischen Verhältnisse in seiner Lieblingslandschaft, dem französischen Périgord, der von Bruno, dem Chef de Police der Kleinstadt Saint Denis behütete Frieden, die kulinarische Exklusivität der dortigen Küche und die Exzellenz der heimischen Weine lassen den Leser zunächst nicht an Spannungsliteratur denken. Zwar stürzt bald eine unbekannte Frau tödlich von einem der steilen Kalksteinfelsen. Aber erst nach und nach entwickelt sich aus diesem, anfangs wie ein Unglücksfall behandelten Geschehen ein Mord mit historischen, terroristischen und internationalen Verwicklungen. 

 

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Promi-Interviews als Computertomographie   - Sven Michaelsen

Bonmots von bonhomme et bonne femme. Worte, Sätze, Weisheiten, Bekenntnisse, Erkenntnisse, Philosophisches, Alltägliches, Gescheites, Banales, ein Panorama der Plappermäuler, die ihr Innerstes aufs Äußerste entblössen.


WARUM?

 

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Die Farbe Rot                                          URSPRÜNGE UND GESCHICHTE DES KOMMUNISMUS

 

"Du schließt die Augen und schaust in die Sonne, und durch deine Lider hindurch siehst du die Farbe deines Blutes – ein Karminrot. Dies ist die Farbe deiner leiblichen Existenz. Grün ist die Farbe der äußeren Vegetation. Gelb ist die Farbe der Sonne. Blau ist der Himmel über dir."

Mit diesen Sätzen beginnt Gerd Koenen seine epische Geschichte des Kommunismus, die von der alten in die moderne Welt und bis heute reicht. In seiner meisterhaften Darstellung holt er den Kommunismus aus dem Reich der reinen «Ideen» auf den Boden der wirklichen menschlichen Geschichte zurück. Er macht auf neue Weise plausibel, warum Marxismus, Sozialismus und Kommunismus eine naheliegende Antwort auf die vom modernen Kapitalismus erzeugten Umwälzungen waren.

 

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Der Geschmack Europas

Betrachtet man die europäische Politik kann dem Genießer des europäischen Zusammenwachsens der Appetit gründlich vergehen, in der groben Fernsehsprache der HEUTE-SHOW-Kabarettisten würde das heißen: Uns kommt das große Kotzen. Gegen solche europäischen Magenverstimmungen hat der österreichische Verleger Lojze Wieser ein Rezept – ein Rezeptbuch, das Kulturelles und Kulinarisches vereint.

 

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Peter Handke wird 75

Der Schriftsteller von Weltruf, Literat und Autor für das Theater feiert seinen 75. Geburtstag. Peter Handke ist am 6. Dezember 1942 in Griffen/Kärnten geboren. Sein Erstling hieß "Die Hornissen". Mit der "Publlikumsbeschimpfung" wurde er international bekannt. Der Schriftsteller lebt in einem Vorort von Paris. Aktuell erschien sein neuestes Buch: "Die Obstdiebin – oder – Einfache Fahrt ins Landesinnere". Siehe Rezension unter Belletristik. Für den Hessischen Rundfunk hr2 und die Sendung "Doppelkopf" traf Norbert Schreiber Peter Handke in seinem Haus im Pariser Vorort Charlesville. Thema war in dem einstündigen Interview auch die sehr umstrittene Kosovo-Frage, seine Äußerungen zu den Kriegspateien insbesondere Serbien und sein Auftritt am Grab von Milosevic hatten in den Medien großes Aufsehen erregt. Hier ein Ausschnitt aus dem Interview. 

 

Peter Handke zum Kosovo-Krieg
Peter Handke hatte "literarische Ausflüge" ins Kriegsgebiet unternommen und war für seine Meinungsäußerungen in die internationale Kritik geraten.
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Handke ist wieder unterwegs

 

Peter Handke ist immer irgendwie unterwegs. Und seine Protagonisten ebenso. Auch in seinem neuen Roman: Peter Handke: Die Obstdiebin - oder einfache Fahrt ins Landesinnere

 

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Doppelkopf hr 2 Norbert Schreiber interviewt Peter Handke
Eines der seltenen Interviews das Peter Handke gab
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Peter Handke: Tage und Werke 
 
Peter Handke
Tage und Werke
Begleitschreiben
Euro 22,95 [D]

 
Zum Dasein als Schriftsteller gehört notwendigerweise eine Existenz als Leser. Und über das Gelesene schreibt er dann in der Regel: Solches Wechseln zwischen den Positionen ist Peter Handke, wie seine Essay-Bände seit Ich bin ein Bewohner des Elfenbeinturms aus dem Jahre 1972 belegen, zur lieben Gewohnheit geworden. Der vorliegende Band versammelt Texte ausschließlich zur Literatur, also Begleitschreiben zu Autoren und ihren Büchern. 

Peter Handke, Thomas Oberender: Nebeneingang oder Haupteingang? 
 
Peter Handke, Thomas Oberender
Nebeneingang oder Haupteingang?
Gespräche über 50 Jahre Schreiben fürs Theater

 

Dieter Hildebrandt - Texte des Altmeisters

Das Lebenswerk des großen deutschen Kabarettisten Dieter Hildebrandt erschien zum Jahrestag seines 90. Geburtstages als Buch. Dieter Hildebrandt prägte als Kabarettist, Satiriker, Buchautor und Fernsehschaffender die öffentliche Debatte in Deutschland seit den frühen 1950ern bis zu seinem Tod im Jahr 2013.

 

 

In München hatte ich die Gelegenheit mit dem renommierten Lektor des Blessing-Verlags Rolf Cyriax ein Interview zu führen. Er hat alle Bücher von Dieter Hildebrandt bearbeitet.

 

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In Memoriam: Hildegard Hamm-Brücher

Hamm-Brücher: der Citoyen
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Deutsche Vergangenheit
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Wählerfrust
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Verfassungsfragen
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Zukunft der Demokratie
Gauck-Hamm-Brücher-Zukunft der Demokrati[...]
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Bedrohungen der Demokratie
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Wiedervereinigung
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Europa und Deutschland
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Unser Grundgesetz
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Das Grundgesetz und seine Artikel
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Dankesworte Weizsäcker
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